Cover-Bild Ich möchte zurückgehen in der Zeit
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23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: S. FISCHER
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 160
  • Ersterscheinung: 25.02.2026
  • ISBN: 9783103977646
Judith Hermann

Ich möchte zurückgehen in der Zeit

Judith Hermann folgt in »Ich möchte zurückgehen in der Zeit« den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner lange verleugneten Geschichte, reist von Polen aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach. 
In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf. Ebenso magisch wie magnetisch erzählt sie davon, wie fragil wir uns in unseren Leben einrichten – und zeigt auch, welche Schönheit sich darin verbergen kann.


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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2026

Leerstellen

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Mit „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ legt Judith Hermann ein Sachbuch vor, das sich jeder einfachen Einordnung entzieht. Es ist keine historische Aufarbeitung im klassischen Sinn, sondern eher ein ...

Mit „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ legt Judith Hermann ein Sachbuch vor, das sich jeder einfachen Einordnung entzieht. Es ist keine historische Aufarbeitung im klassischen Sinn, sondern eher ein offenes Nachdenken über Erinnerung, Schweigen und familiäre Leerstellen. Gerade diese Form hat mich sowohl inhaltlich als auch sprachlich sehr angesprochen.

Ausgangspunkt ist das Nachdenken über Hermanns Großvater, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war, wo zahlreiche Jüdinnen und Juden ermordet wurden. Lange Zeit wurde diese Vergangenheit innerhalb der Familie verdrängt oder verleugnet, auch heute noch von Hermanns Mutter und Schwester. Hermann fährt u.a. nach Polen, kann aber nichts abschließend klären oder erklären. Stattdessen legt sie offen, was sich erzählen lässt und was nicht.

Als Leserin konnte ich diesem Denkprozess sehr gut folgen, gerade weil Hermann nicht versucht, Lücken zu füllen, wo keine verlässlichen Antworten existieren. Besonders gefallen hat mir aber die Sprache. Sie ist klar, ruhig und variantenreich. „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ ist damit ein stilles, nachdenkliches Buch, das nicht belehrt, sondern zum Mitdenken einlädt, um sich auch dem Verdrängten und Verschwiegenen zu nähern.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Suche nach dem Unausgesprochenen

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Ich möchte zurück gehen in der Zeit nimmt uns mit auf eine Suche. Die Suche nach Antworten auf Fragen die lange verschwiegen wurden. Immer wieder stellt man sich beim Lesen selbst die Frage wie man damit ...

Ich möchte zurück gehen in der Zeit nimmt uns mit auf eine Suche. Die Suche nach Antworten auf Fragen die lange verschwiegen wurden. Immer wieder stellt man sich beim Lesen selbst die Frage wie man damit umgehen würde wen es in der eigenen Familiengeschichte einen so dunklen Fleck geben würde?

Nachdem wir mit Judith Hermann nach Radom Reisen, nimmt sie uns auch noch mit nach Neapel zu ihrer Schwester und erzählt am Ende sogar noch eine Anekdote zu ihren Schwiegereltern. Anfangs dachte ich noch mir hätte ein Bericht zur Radom Reise genügt. Mit etwas Abstand betrachtet ist das Buch jedoch genau so wie es ist "perfekt". Gerade der letzte Abschnitt sorgt dafür das es eine insgesamt Runde Geschichte wird.

Obwohl dieses Buch mit gerade einmal knapp 160 Seiten recht kurz gefasst ist, gibt es immer wieder Stellen die einen zum nachdenken bringen:
"Möglicherweise entkommen wir unseren Prägungen nicht..."
"...wenn man zu lange über diese Dinge spricht, beginnt man unnötigerweise, sich große Sorgen zu machen."
Auch sprachlich hat dieses Werk mich sehr berührt. Trotz der schwere die auf diesem Thema liegt hat die Autorin eine sehr ruhige, warme Sprache gewählt.

Ein Roman welcher auch nach Beendigung noch lange nach hallt. Abgesehen davon das mir der Schreibstil sehr gefallen hat, mochte ich auch das immer wieder andere Literarische Werke erwähnt wurden.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Den eigenen Ahnen auf der Spur - Zurück zu den eigenen Wurzeln

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Der kurze Roman "Ich möchte zurückgehen in der Zeit" mit nur knapp über 150 Seiten von Judith Hermann hinterlässt bei mir persönlich leider ein sehr zwiegespaltenes und vor allem nachdenkliches Gefühl.

Hermanns ...

Der kurze Roman "Ich möchte zurückgehen in der Zeit" mit nur knapp über 150 Seiten von Judith Hermann hinterlässt bei mir persönlich leider ein sehr zwiegespaltenes und vor allem nachdenkliches Gefühl.

Hermanns Werk ist insbesondere geprägt von den leisen Tönen, die sie bei ihrer Suche nach dem Menschen hinter dem Bild ihres Großvater und dessen mutmaßlichen Kriegsverbrechen in Polen anschlägt.

Ich selbst bin auch einer dieser Suchenden, mit kaum verwertbaren Ansätzen meiner beiden Großväter, die ich so leider nie persönlich kennenlernen durfte. Mir bleiben wenige schwarzweiße Aufnahmen von ihnen, auf denen sie mir ehrlich gesagt einfach nur fremd sind.

Genau dies ist auch der Ausgangspunkt des Romans von Judith Hermann, deren Großvater im NS-Regime in Polen gedient hat und dort vielleicht sogar auch an den damaligen Verbrechen beteiligt war. Ein einprägsames Foto ihres stolz posierenden Großvaters in Uniform auf einem großen Platz in Polen soll sie dabei auf die richtige Fährte führen. Sie, die Suchende möchte Licht ins Dunkel bringen und folgt den wenigen bekannten Spuren ihres Großvaters nach Polen vor Ort.

Nach diesem "Ausflug" nach Polen verschlägt es sie nach Italien zu ihrer Schwester. Hier hätte ich mir persönlich mehr gewünscht, diese wenigen Spuren in Polen besser und intensiver zu verfolgen, als diese andere innerfamiliäre Perspektive zu thematisieren.

Die Geschichte selbst ist wenig spektakulär geschildert. Vielmehr sind es die leisen Bilder, die Judith Hermann von der Stilistik her bemüht. Wie auch im echten Leben gestaltet sich solch eine Suche quasi wie ein Riesenpuzzle, bei dem man noch nicht mal alle Teile beisammen hat.

Im Plot selbst geht es vielmehr auch um die innerfamiliären Beziehungen zu anderen Mitgliedern (z.B. Mutter und Schwester), wie jeder seine eigene Sicht auf die Dinge hat und diese individuellen Erinnerungen pflegt.

Jeder von uns hat einen eigenen Blickwinkel auf die unterschiedlichen Facetten seiner Beziehungen und genau dies macht diesen Roman auch aus.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

auf der Suche

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Ganz unauffällig kommt das schmale Buch daher. Mit einer offenen Tür, die einlädt, durchzugehen und herauszufinden, was dahinter liegt.
Erstmal geht es zurück in die Vergangenheit. Der Großvater ...

Ganz unauffällig kommt das schmale Buch daher. Mit einer offenen Tür, die einlädt, durchzugehen und herauszufinden, was dahinter liegt.
Erstmal geht es zurück in die Vergangenheit. Der Großvater der Autorin war ein SS Mann und die wenigen Überbleibsel seines Lebens lassen viele Deutungen zu. Leider dämmert vieles im Vergessen und unter der Oberfläche. Trotzdem reist Judith Hermann nach Polen, um den Ort und um mehr von ihrem Großvater zu erfahren. Ein Bild von ihm in Radom, selbstsicher und in die Kamera lächelnd, steht im starken Kontrast zur Wirklichkeit. Die Stadt ist unangenehm ruhig, die düstere Vergangenheit scheint immer noch nachzuhallen. Im zweiten Teil die Reise zu ihrer Schwester nach Neapel. Der sonnige Süden und die zwischenmenschlichen Beziehungen stehen wieder im Kontrast zu den erlebten kalten Wochen in Radom. Die Schwester lebt in ihrer eigenen Welt. Die Autorin vermag es mit wenigen Worten einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Kurzer, aber inhaltsreicher Roman

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Die Romane, die ich bislang von der Autorin gelesen habe – „Wir hätten uns alles gesagt“ und „Daheim“ -, sind kurz und knapp gehalten. Ihr neues Buch fällt mit 156 Seiten sogar noch knapper aus, ist aber ...

Die Romane, die ich bislang von der Autorin gelesen habe – „Wir hätten uns alles gesagt“ und „Daheim“ -, sind kurz und knapp gehalten. Ihr neues Buch fällt mit 156 Seiten sogar noch knapper aus, ist aber sehr inhaltsreich. Die Autorin geht ihrer Familiengeschichte nach und folgt den Spuren ihres Großvaters, über den die Familie sich wegen seiner unrühmlichen Vergangenheit lange ausgeschwiegen hat. Er war im Zweiten Weltkrieg für die SS im polnischen Radom stationiert, wo er an der Errichtung und Auflösung eines Ghettos beteiligt war. Das eigentlich Gelungene an der Geschichte ist, dass die Autorin über die Vergangenheit ihres Großvaters nur spekulieren kann, weil sie weder am Tatort in Radom Ermittlungsansätze findet noch ihre Mutter wesentlich zur Erhellung beiträgt. Diese meint, zum Vergessen berechtigt zu sein. Das Ringen der Autorin nach Antworten ist sehr bildhaft dargestellt. Für mich hätte sie es bei der Darstellung ihrer Reise nach Polen belassen können, ohne dass sie noch zwei weitere Abschnitte anschließt. In ihnen geht es um ihren Besuch bei ihrer Schwester in Neapel, der sie nach ihrem bedrückenden Besuch Polens wieder belebt, und um ein merkwürdiges Vorkommnis im Leben ihrer betagten Schwiegereltern. Literarisch ist das Buch ein Kleinod, weil immer wieder Titel anderer Autoren genannt und aus ihren Büchern zitiert wird.

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