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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.01.2026

Dreiecksfreundschaft?

Spielverderberin
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Dieser Roman, das Debüt der erst 28jährigen Autorin, dürfte eher eine junge Leserschaft ansprechen. Wenngleich ich zu dieser Lesergruppe nicht mehr gehöre, hat er aber auch mir im Wesentlichen gut gefallen. ...

Dieser Roman, das Debüt der erst 28jährigen Autorin, dürfte eher eine junge Leserschaft ansprechen. Wenngleich ich zu dieser Lesergruppe nicht mehr gehöre, hat er aber auch mir im Wesentlichen gut gefallen. Protagonistin ist die junge Sophie, die im steten Kapitelwechsel aus der Zeit in ihrem letzten Schuljahr vor dem Abitur in ihrem Heimatdorf und aus der Gegenwart vier Jahre später erzählt, als sie Studentin in Köln ist. Von Beginn an liegt eine unbehagliche Atmosphäre über allem und lässt sich erkennen, dass Sophie mit schweren Schuldgefühlen kämpft. Irgendetwas Schlimmes muss in der Vergangenheit vorgefallen sein. Es kristallisiert sich zwar schnell heraus, dass ein Zusammenhang mit den Schulfreundinnen Lotte und Romy bestehen muss. Doch bleibt die Auflösung bis ziemlich zum Schluss offen, so dass der Leser gekonnt bei der Stange gehalten wird. Zwei Hauptthemen sind Freundschaft und der Unterschied zwischen Dorf- und Stadtleben. Was Ersteres anbelangt, ist man geneigt, die Freundschaft zwischen den jungen Frauen als toxisch oder obsessiv zu bewerten. Der zweite Punkt arbeitet gelungen heraus, dass sich eher Dorf- zu Dorfmenschen und Stadt- zu Stadtmenschen gesellen. Das Sozialleben in der Stadt und auf dem Dorf gestaltet sich sehr unterschiedlich. Allerdings hätte Sophie nicht unbedingt mit derartigen Minderwertigkeitskomplexen ausgestattet werde müssen, die sie aufgrund ihrer dörflichen Herkunft hat (Ihr Freund nennt es „Obsession mit der Stadt“). Abgerundet wird der Roman durch ein einleitendes Interview mit der Autorin, das m.E. eher am Ende hätte platziert werden sollen, weil es Inhaltliches vorwegnimmt.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Momente sammeln

Jetzt gerade ist alles gut
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Das Buch liest sich schon angesichts seiner Kürze recht schnell. Es ist eine Aneinanderreihung kleiner Erlebnisse, von Zusammentreffen mit Leuten, von Augenblicken im Alltag, die uns der namenlose Erzähler ...

Das Buch liest sich schon angesichts seiner Kürze recht schnell. Es ist eine Aneinanderreihung kleiner Erlebnisse, von Zusammentreffen mit Leuten, von Augenblicken im Alltag, die uns der namenlose Erzähler aus seinem Leben schildert, nachdem er eine lebensbedrohliche Sepsis knapp überlebt hat. So geht es etwa um kleine Ausflüge, Besuche von Angehörigen, Unternehmungen mit alten und neuen Freunden. Die Krankheit hat ihn veranlasst, achtsamer und nachdenklicher in der Gegenwart zu leben. Und dazu will er auch den Leser bringen. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, ist aber angesichts des schnelllebigen Alltags nicht immer realisierbar. Ich kenne bereits den vorigen Roman des Autors, „25 letzte Sommer“, der stilistisch ähnlich ist. Richtig warm werden kann ich mit beiden Büchern nicht, was wohl auch daran liegt, dass sie zu kurz sind und keine zusammenhängende Geschichte erzählt wird.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Tragisch-schöne Familiengeschichte mit Happy End

Niemands Töchter
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Die Autorin ist mir bereits aus dem Fernsehen bekannt, etwa aus der Serie „Lena Lorenz“ in der sie die Hebamme verkörpert, oder in ihren Rollen in Krimis wie „Taunuskrimi“ und „Tatort Kiel“. Mit dem vorliegenden ...

Die Autorin ist mir bereits aus dem Fernsehen bekannt, etwa aus der Serie „Lena Lorenz“ in der sie die Hebamme verkörpert, oder in ihren Rollen in Krimis wie „Taunuskrimi“ und „Tatort Kiel“. Mit dem vorliegenden Roman knüpft sie an ihre bereits in der Kindheit entdeckte Leidenschaft für das Schreiben an, das sie sich wohl bei ihrem Vater abgeschaut haben dürfte, einem Musikjournalisten. Das eine oder andere selbst erlebte Detail aus ihrem Leben lässt sie in die Geschichte einfließen – die Bäckerei der Eltern bzw. Großeltern der Protagonistinnen, das Hobby Reiten, ihre Wahlheimat Berlin.
Allerdings ist die Geschichte komplett fiktiv ohne jegliche autobiografische Züge. Es ist die Geschichte zweier Frauen, von denen die eine von jeher eine ihr unerklärliche Fremdheit in ihrer aus Mutter und Großeltern bestehenden Familie gefühlt hat und die andere ihre Mutter als Kind verloren hat und diese Leerstelle ihr Leben bis in ihr Erwachsenenalter hinein prägt. Beider Wege kreuzen sich bei einem Psychotherapeuten und sowohl die beiden Frauen als auch der Therapeut erkennen, dass zwischen ihnen eine Verbindung besteht. Viel mehr sei zu dem Inhalt der Geschichte nicht gesagt, damit der Reiz des Lesens bestehen bleibt.
Nur so viel: Schicksal und viele Zufälle tragen dazu bei, dass es die beiden Frauen gibt und sie einander finden. Für meine Begriffe ist Einiges zu sehr konstruiert und würde im wahren Leben wohl so nicht stattfinden. Die Folge ist, dass nicht alles lebensnah wirkt. Das tut dem Roman aber keinen Abbruch, denn es handelt sich um Unterhaltungslektüre, die deshalb anders als oft im wahren Leben ein Happy End haben darf.
Was den formalen Aufbau der Geschichte anbelangt, hatte ich anfangs Bedenken, ob sie nicht zu verwirrend dargestellt ist. Denn erzählt wird nicht chronologisch, sondern abwechselnd in recht kurzen Kapiteln zwischen der Vergangenheit ab 1981 und der Gegenwart 2020, noch dazu aus wechselnden Erzählerperspektiven. Doch der rote Faden findet sich schnell.
Ein versöhnlicher Roman, der LeserInnen mit Interesse an Familiengeschichten zu empfehlen ist.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Dorf- und Generationenroman über starke Frauen

Die Riesinnen
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Wer gerne Familiengeschichten liest und nichts gegen einen feministischen Einschlag hat, für den ist dieses Buch genau das Richtige.
Es geht um drei starke Frauen, Großmutter, Mutter und Enkelin ab den ...

Wer gerne Familiengeschichten liest und nichts gegen einen feministischen Einschlag hat, für den ist dieses Buch genau das Richtige.
Es geht um drei starke Frauen, Großmutter, Mutter und Enkelin ab den 1960er Jahren. Sie leben in einem kleinen Schwarzwalddorf und sind allein aufgrund ihrer äußerlichen Erscheinung Außenseiter. Alle schaffen es, ihren Weg zu finden und bleiben ihrem Heimatdorf treu, nicht ohne, dass ein Teil von ihnen es in der Fremde versucht hat.
Die Autorin erzählt alles in einem sehr eigenen, bildhaften, poetischen Schreibstil. Immer wieder macht sie das Verwurzeltsein in der Heimat zum Thema. Dafür hat sie sich mit dem Schwarzwaldort und den symbolträchtigen Wurzeln der Waldbäume einen gut passenden Hintergrund gewählt. So erzählt sie etwa von ernstmeinenden Gewittern im dunklen Wald oder seinem spezifischen Duft.
Die Liebe der Autorin zum Schwarzwald, der sie während Besuchen bei Verwandten in ihrer Kindheit bleibend beeindruckt hat, ist im Text erkennbar. So wundert es denn nicht, dass gerade die Passagen, die außerhalb dieses Hintergrunds angesiedelt sind und von Aufenthalten der Frauen außerhalb ihrer Heimat erzählen, m.E. nicht so recht gelungen sind.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Ein Roman mit Bullerbü-Atmosphäre

Mathilde und Marie
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Schon nach kurzer Lektürezeit kam mir der Begriff „Bullerbü-Atmosphäre“ in den Sinn. Die gesamte Geschichte ist für mich zu naturnah und idyllisch angelegt, weshalb sie schlichtweg unglaubwürdig ist. Der ...

Schon nach kurzer Lektürezeit kam mir der Begriff „Bullerbü-Atmosphäre“ in den Sinn. Die gesamte Geschichte ist für mich zu naturnah und idyllisch angelegt, weshalb sie schlichtweg unglaubwürdig ist. Der Autor hat sich von dem existierenden Bücherdorf Redu in der belgischen Provinz inspirieren lassen. Dort gibt es tatsächlich gemessen an der nur mehrere Hundert zählenden Einwohnerschaft eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Buchantiquariaten. Hinzu erfunden hat er dann die junge Marie, die, belastet durch persönliche Probleme, aus ihrer Heimat Paris flieht und durch eine Reisebekanntschaft nach Redu gelang, wo sie binnen kürzester Zeit zu einer Art beste Freundin und Kümmerin für eine Handvoll Dorfbewohner nebst Hund wird und rasch die Hektik der Großstadt für einen Neuanfang auf dem Dorf hinter sich lässt. Für eine Entschleunigung des Lebens ist dieses Dorf auch geradezu prädestiniert, weil es dort nur eine Stunde am Tag Internet gibt.
Für mich war alles zu vorhersehbar und rosarot gezeichnet. Probleme lösten sich binnen kürzester Zeit auf, als hätte das Dorf nur auf Marie gewartet. Statt einer fortschreitenden Handlung wurden die immer selben Probleme immerfort bis zum Extenso erörtert. Gestört habe ich mich oft an merkwürdigen Bezeichnungen für die Romanfiguren – von Marie war oft als „die junge Französin“ die Rede, von Jonyna als „die Isländerin“, von Thomas als „der Bäcker“.
Mich konnte das Buch nicht verzaubern.

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