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Veröffentlicht am 28.12.2025

Tragisch-schöne Familiengeschichte mit Happy End

Niemands Töchter
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Die Autorin ist mir bereits aus dem Fernsehen bekannt, etwa aus der Serie „Lena Lorenz“ in der sie die Hebamme verkörpert, oder in ihren Rollen in Krimis wie „Taunuskrimi“ und „Tatort Kiel“. Mit dem vorliegenden ...

Die Autorin ist mir bereits aus dem Fernsehen bekannt, etwa aus der Serie „Lena Lorenz“ in der sie die Hebamme verkörpert, oder in ihren Rollen in Krimis wie „Taunuskrimi“ und „Tatort Kiel“. Mit dem vorliegenden Roman knüpft sie an ihre bereits in der Kindheit entdeckte Leidenschaft für das Schreiben an, das sie sich wohl bei ihrem Vater abgeschaut haben dürfte, einem Musikjournalisten. Das eine oder andere selbst erlebte Detail aus ihrem Leben lässt sie in die Geschichte einfließen – die Bäckerei der Eltern bzw. Großeltern der Protagonistinnen, das Hobby Reiten, ihre Wahlheimat Berlin.
Allerdings ist die Geschichte komplett fiktiv ohne jegliche autobiografische Züge. Es ist die Geschichte zweier Frauen, von denen die eine von jeher eine ihr unerklärliche Fremdheit in ihrer aus Mutter und Großeltern bestehenden Familie gefühlt hat und die andere ihre Mutter als Kind verloren hat und diese Leerstelle ihr Leben bis in ihr Erwachsenenalter hinein prägt. Beider Wege kreuzen sich bei einem Psychotherapeuten und sowohl die beiden Frauen als auch der Therapeut erkennen, dass zwischen ihnen eine Verbindung besteht. Viel mehr sei zu dem Inhalt der Geschichte nicht gesagt, damit der Reiz des Lesens bestehen bleibt.
Nur so viel: Schicksal und viele Zufälle tragen dazu bei, dass es die beiden Frauen gibt und sie einander finden. Für meine Begriffe ist Einiges zu sehr konstruiert und würde im wahren Leben wohl so nicht stattfinden. Die Folge ist, dass nicht alles lebensnah wirkt. Das tut dem Roman aber keinen Abbruch, denn es handelt sich um Unterhaltungslektüre, die deshalb anders als oft im wahren Leben ein Happy End haben darf.
Was den formalen Aufbau der Geschichte anbelangt, hatte ich anfangs Bedenken, ob sie nicht zu verwirrend dargestellt ist. Denn erzählt wird nicht chronologisch, sondern abwechselnd in recht kurzen Kapiteln zwischen der Vergangenheit ab 1981 und der Gegenwart 2020, noch dazu aus wechselnden Erzählerperspektiven. Doch der rote Faden findet sich schnell.
Ein versöhnlicher Roman, der LeserInnen mit Interesse an Familiengeschichten zu empfehlen ist.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Dorf- und Generationenroman über starke Frauen

Die Riesinnen
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Wer gerne Familiengeschichten liest und nichts gegen einen feministischen Einschlag hat, für den ist dieses Buch genau das Richtige.
Es geht um drei starke Frauen, Großmutter, Mutter und Enkelin ab den ...

Wer gerne Familiengeschichten liest und nichts gegen einen feministischen Einschlag hat, für den ist dieses Buch genau das Richtige.
Es geht um drei starke Frauen, Großmutter, Mutter und Enkelin ab den 1960er Jahren. Sie leben in einem kleinen Schwarzwalddorf und sind allein aufgrund ihrer äußerlichen Erscheinung Außenseiter. Alle schaffen es, ihren Weg zu finden und bleiben ihrem Heimatdorf treu, nicht ohne, dass ein Teil von ihnen es in der Fremde versucht hat.
Die Autorin erzählt alles in einem sehr eigenen, bildhaften, poetischen Schreibstil. Immer wieder macht sie das Verwurzeltsein in der Heimat zum Thema. Dafür hat sie sich mit dem Schwarzwaldort und den symbolträchtigen Wurzeln der Waldbäume einen gut passenden Hintergrund gewählt. So erzählt sie etwa von ernstmeinenden Gewittern im dunklen Wald oder seinem spezifischen Duft.
Die Liebe der Autorin zum Schwarzwald, der sie während Besuchen bei Verwandten in ihrer Kindheit bleibend beeindruckt hat, ist im Text erkennbar. So wundert es denn nicht, dass gerade die Passagen, die außerhalb dieses Hintergrunds angesiedelt sind und von Aufenthalten der Frauen außerhalb ihrer Heimat erzählen, m.E. nicht so recht gelungen sind.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Ein Roman mit Bullerbü-Atmosphäre

Mathilde und Marie
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Schon nach kurzer Lektürezeit kam mir der Begriff „Bullerbü-Atmosphäre“ in den Sinn. Die gesamte Geschichte ist für mich zu naturnah und idyllisch angelegt, weshalb sie schlichtweg unglaubwürdig ist. Der ...

Schon nach kurzer Lektürezeit kam mir der Begriff „Bullerbü-Atmosphäre“ in den Sinn. Die gesamte Geschichte ist für mich zu naturnah und idyllisch angelegt, weshalb sie schlichtweg unglaubwürdig ist. Der Autor hat sich von dem existierenden Bücherdorf Redu in der belgischen Provinz inspirieren lassen. Dort gibt es tatsächlich gemessen an der nur mehrere Hundert zählenden Einwohnerschaft eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Buchantiquariaten. Hinzu erfunden hat er dann die junge Marie, die, belastet durch persönliche Probleme, aus ihrer Heimat Paris flieht und durch eine Reisebekanntschaft nach Redu gelang, wo sie binnen kürzester Zeit zu einer Art beste Freundin und Kümmerin für eine Handvoll Dorfbewohner nebst Hund wird und rasch die Hektik der Großstadt für einen Neuanfang auf dem Dorf hinter sich lässt. Für eine Entschleunigung des Lebens ist dieses Dorf auch geradezu prädestiniert, weil es dort nur eine Stunde am Tag Internet gibt.
Für mich war alles zu vorhersehbar und rosarot gezeichnet. Probleme lösten sich binnen kürzester Zeit auf, als hätte das Dorf nur auf Marie gewartet. Statt einer fortschreitenden Handlung wurden die immer selben Probleme immerfort bis zum Extenso erörtert. Gestört habe ich mich oft an merkwürdigen Bezeichnungen für die Romanfiguren – von Marie war oft als „die junge Französin“ die Rede, von Jonyna als „die Isländerin“, von Thomas als „der Bäcker“.
Mich konnte das Buch nicht verzaubern.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Was sind Erinnerungen?

Sonnenaufgang Nr. 5
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Das Buch ist sicherlich eines, das man nebenbei lesen kann, weil es recht unterhaltsam ist. Mir allerdings fehlt der Tiefgang und Vieles wirkt auf mich konstruiert. Besonders gekünstelt finde ich, dass ...

Das Buch ist sicherlich eines, das man nebenbei lesen kann, weil es recht unterhaltsam ist. Mir allerdings fehlt der Tiefgang und Vieles wirkt auf mich konstruiert. Besonders gekünstelt finde ich, dass alle Personen, denen wir in der Geschichte begegnen, ihr Päckchen zu tragen haben. Erwähnen möchte ich nur: Jonas, der sein Studium geschmissen hat und immer noch nicht den Verlust seiner im Kindesalter verstorbenen Mutter überwunden hat; die ehemalige, alternde Filmdiva Stella, die sich die Schuld am Tod ihres als Kleinkind ertrunkenen Sohnes gibt; die nach dem Tsunami in Asien in Deutschland von Pflegeeltern aufgenommene Nessa; der von seinen Schülern einst gemobbte ehemalige Kunstlehrer Geraldo. Sicherlich, ihre Schicksale berühren und es war interessant zu lesen, wie unterschiedlich Erinnerungen erlebt werden, so dass Fiktion und Realität sich vermischen. Ich vermisse aber das gewisse Etwas, das mich nachhaltiger an das Buch denken ließe. Dabei ist nicht zu verkennen, dass einige philosophische Ansätze eingearbeitet sind, die sich mit den angesprochenen Themen Trauer, Verlust, Einsamkeit, Verdrängung von Erinnerungen befassen.

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Eine Männerfreundschaft

Dius
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Der Roman handelt von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Dozenten an einer Kunsthochschule Anton und seinem zehn Jahre jüngeren talentierten Studenten Dius. Letzter bittet Anton ungeniert um ...

Der Roman handelt von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Dozenten an einer Kunsthochschule Anton und seinem zehn Jahre jüngeren talentierten Studenten Dius. Letzter bittet Anton ungeniert um seine Freundschaft. Diese beginnt sich tatsächlich in Dius Dorfhaus in den Poldern im Norden Belgiens zu entwickeln, in dem Anton in Ruhe seine Dissertation beenden kann. Das Haus wird zu ihrem gemeinsamen Mittelpunkt. In rauer Natur machen sie Spaziergänge, arbeiten konzentriert, sprechen über Kunst, Musik und Philosophie. Mit dem Fortzug Dius nach Italien nach seiner Heirat endet der Kontakt, bis Dius Jahre später wieder vor Antons Tür steht und sich Anton daraufhin zu ihm nach Italien begibt, wo sich die Ereignisse tragisch entwickeln.
Das Thema Freundschaft steht im Mittelpunkt des Romans. Allerdings lassen mich immer wieder Vorkommnisse zweifeln, ob Dius ein ehrliches Spiel mit Anton treibt, und gelegentlich auch umgekehrt. Die Geschichte ist leise erzählt. Wunderschön sind die Naturbeschreibungen. Und die Kunst spielt natürlich eine große Rolle, allerdings weniger die moderne als die der Renaissance. Überhaupt fragt man sich bei beiden Protagonisten, ob sie im Hier und Jetzt leben. Anton erweckt geradezu Mitleid, so introvertiert und einsam wie er geschildert wird. Einfach zu lesen ist der Roman nicht, wofür die sehr ausführlichen Abschweifungen auf Kunst, Musik und Philosophie sorgen. Aber für Leser anspruchsvoller Literatur sehr empfehlenswert.

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