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Veröffentlicht am 27.07.2025

Ebenso gelungen wie "Lügen über meine Mutter"

Junge Frau mit Katze
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Das Buch knüpft an den ersten Roman der Autorin an, „Lügen über meine Mutter“. Ihn muss man allerdings nicht notwendig gelesen haben, um jetzt den Inhalt zu verstehen, wenngleich sich einige Situationen ...

Das Buch knüpft an den ersten Roman der Autorin an, „Lügen über meine Mutter“. Ihn muss man allerdings nicht notwendig gelesen haben, um jetzt den Inhalt zu verstehen, wenngleich sich einige Situationen durchaus besser erhellen.
Jetzt ist Ela nicht mehr Kind, sondern junge Erwachsene, die fertig studiert und ihre Doktorarbeit beendet hat, und nicht ihre adipöse Mutter, sondern sie selbst steht im Mittelpunkt der Geschichte. Doch auch sie ist krank, und zwar ständig. Ihre Krankheitsgeschichte und ihre Odyssee von Arzt zu Arzt sind wirklich abenteuerlich. Hier setzt auch meine Kritik ein: Nicht jeder will jederzeit über Krankheit lesen. Das erkennt so auch die Autorin selbst, wenn sie an einer Stelle schreibt „Wer krank war, wollte nichts über Krankheit lesen. Wer gesund war, ebenfalls nicht“. Wie ein an dem Buch Interessierter damit umgeht, muss jeder für sich entscheiden. Mich selbst hält das aber nicht davon ab, das Buch zu empfehlen. Denn Dröschers Umgang mit dem Thema und ihre Sprache sind faszinierend, ebenso der psychologische Hintergrund.
Das Buch erhält von mir eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Gesellschaftskritische Politsatire

Das Geschenk
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Es klingt schon sehr fantastisch, was die niederländische Autorin Gaea Schoeters – bekannt geworden durch ihren Roman „Trophäe“ – hier umsetzt. Urplötzlich tauchen im gesamten Berliner Stadtgebiet 20.000 ...

Es klingt schon sehr fantastisch, was die niederländische Autorin Gaea Schoeters – bekannt geworden durch ihren Roman „Trophäe“ – hier umsetzt. Urplötzlich tauchen im gesamten Berliner Stadtgebiet 20.000 Elefanten auf, ein „Geschenk“ des Präsidenten von Botswana als Gegenleistung für das von Europa ausgesprochene Einfuhrverbot von Jagdtrophäen, das in seinem Land die Megafauna zur Krise werden lässt. Es liegt nunmehr am deutschen Bundeskanzler, all die Probleme, die sich auftun, zu lösen, als da sind: zerstörte Tiergärten, heimgesuchte Supermärkte, Verkehrschaos, Berge von Elefantendung, eine sich anbahnende innerstaatliche Krise mit dem Erstarken rechter Kräfte. Wird er „es schaffen“? Auf jeden Fall braucht er hierfür eine Elefantenhaut.
Schon die Idee zu diesem fiktiven Buch ist sehr originell, wobei es auf einer tatsächlichen Aussage eines früheren botswanischen Präsidenten beruht. Die Geschichte behandelt nach Art einer Satire auf amüsante Weise alle möglichen Fragen, die den Leser in der postkolonialen Zeit nicht nur über den Umgang Europas mit Afrika nachdenken lässt, sondern auch über aktuelle und moralische Fragen wie Klimawandel, Artenschutz, internationale Beziehungen. Solch schwierige Themen werden mit lockerem, amüsantem Schreibstil abgehandelt, so dass alles nicht zu ernst wird.
Ein Buch, das besonders politisch interessierte Leser anspricht.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Ein ungewöhnliches Buch

Die Schrecken der anderen
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Ich fand es verwirrend, dieses Buch zu lesen. Lange Zeit fehlte der berühmte rote Faden, den es erst gegen Ende der Geschichte gab, ganz entsprechend der Ankündigung auf der Buchrückseite. Deshalb habe ...

Ich fand es verwirrend, dieses Buch zu lesen. Lange Zeit fehlte der berühmte rote Faden, den es erst gegen Ende der Geschichte gab, ganz entsprechend der Ankündigung auf der Buchrückseite. Deshalb habe ich über weite Abschnitte hinweg das Thema nicht verstanden. Erst nach und nach dämmerte es mir, dass es um bei Ende des Zweiten Weltkriegs ins Ausland transferierte Nazigelder geht, die in der Gegenwart über Seilschaften ihren Weg zurück in die (neutrale!) Schweiz gefunden haben, wo sie von entsprechenden Gruppierungen zur Verbreitung ihres unrühmlichen Gedankenguts benutzt werden sollen. Das alles wird uns anhand einiger weniger Personen dargebracht, die allesamt etwas schrullig sind. Es geht der Autorin offenbar darum, auf die Gefahren hinzuweisen, die vom Totschweigen der nationalsozialistischen Vergangenheit auch der Schweiz ausgehen. Die gesamte Atmosphäre in der Geschichte ist düster und unheilvoll. Zwei Gesichtspunkte sollte man bei der Lektüre stets im Hinterkopf behalten, auf die auch eine der Protagonisten hinweist: Nichts läuft je ins Leere, sondern alles ist miteinander verbunden; ein kleiner Stein kann eine große Lawine unaufhaltbar ins Rollen bringen.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Wider den sozialen Tod der Vorfahren

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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Der Autor, Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT hat für dieses Buch die Geschichte seiner 1866 geborenen Urgroßmutter Anna rekonstruiert, um ihrem auf den biologischen Tod zweiten Tod entgegenzuwirken. ...

Der Autor, Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT hat für dieses Buch die Geschichte seiner 1866 geborenen Urgroßmutter Anna rekonstruiert, um ihrem auf den biologischen Tod zweiten Tod entgegenzuwirken. Damit ist das allmähliche, doch eigentlich rasche Vergessen einer verstorbenen Person gemeint, wie er eingangs schön erklärt. Den Autor wie wohl auch seine Leser erstaunt es, wie wenig die lebenden Nachfahren über ihre Ahnen der Urgroßelterngeneration wissen. Im Falle der Protagonistin liegt das daran, dass von ihrem Nachlass nur einige Fotos (abgedruckt im Buch), ein Poesiealbum, Postkarten, ein Kaffeeservice, ein Ring den Weg in die Gegenwart geschafft haben. Anhand dieser Gegenstände und einiger Rechercheergebnisse aus Kirchenbüchern, Katasterkarten und ähnlichem zeichnet er letztlich ein Bild seiner Vorfahrin, das letztlich mehr auf Vermutungen seinerseits als tatsächlichen Gegebenheiten beruht. Er auch immer wieder zu, Anna so schildern, wie sie ihm am besten gefällt. Herausgekommen ist eine für ihre Zeit ungewöhnliche Frau. Ungewöhnlich deshalb, weil sie fest im Berufsleben stand und zweimal die Ehe einging, einmal davon mit einem knapp 20 Jahre jüngeren Mann. Auf jeden Fall ist ihre größtenteils wohl fiktive Geschichte sehr lesenswert. Der historisch interessierte Leser wird Gefallen finden an den regelmäßigen Einschüben über Ereignisse aus der Zeitgeschichte, betreffend Politik, Kultur, Geschichte. Diese Einschübe lassen das Buch weniger als Roman denn als Sachbuch erscheinen.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Liebevolle Oma-Enkelin-Beziehung

6 aus 49
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Jacqueline Kornmüller, manchem evtl. bereits bekannt als Regisseurin und Autorin, hat in diesem Roman die Lebensgeschichte ihrer 1911 geborenen Großmutter Lina niedergeschrieben. Es handelt sich eher um ...

Jacqueline Kornmüller, manchem evtl. bereits bekannt als Regisseurin und Autorin, hat in diesem Roman die Lebensgeschichte ihrer 1911 geborenen Großmutter Lina niedergeschrieben. Es handelt sich eher um einzelne Episoden denn um eine fortlaufende Geschichte, insgesamt 49 Kapiteln zugeordnet. Eine symbolträchtige Zahl, denn die Oma war seit den 1960er Jahren leidenschaftliche Lottospielerin, der sogar einmal der Hauptgewinn beschieden war. Überhaupt war ihr stets das Glück hold, jedenfalls was ihr berufliches Umfeld betrifft, obwohl es zu Beginn ihres Lebens gar nicht danach aussah. Denn sie stammt aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Ihr gelang es dann aber, sich durch Fleiß bis zur Betreiberin eines eigenen Hotels in Garmisch-Patenkirchen hochzuarbeiten, dem sie sich bis ins hohe Alter hinein verschrieb. Allein dieser Werdegang ist beeindruckend und interessant zu lesen. Im Privatleben hat sie dann aber schon das Glück verlassen, wenngleich das so ausdrücklich nicht gesagt wird. Ihre eigene Tochter kam unehelich zur Welt, wahrscheinlich als Folge einer Vergewaltigung. Beider Verhältnis war dann auch nicht ungetrübt. Die spätere große Liebe entpuppte sich als Bigamist. Nur die Enkelin Jacqueline, die sie von Geburt an in ihrem Hotelhaushalt „mitlaufen“ ließ, war ihr ein und alles, genauso umgekehrt. Aus jeder Zeile spricht die große Liebe, die die Autorin für ihre Oma empfand. Ein sehr persönliches Buch. Nur eine Handvoll Passagen hätte Frau Kornmüller durchaus weglassen können, nämlich die, in denen sie ausschließlich von einigen ihrer beruflichen Aufgaben erzählt. Eine Sache erledigt sie beiläufig hervorragend: sie prangert die unrühmliche nationalsozialistische Vergangenheit von Garmisch-Patenkirchen wiederholt anhand konkreter Beispiele an. Der Schreibstil ist manchmal etwas eigenwillig, wenn sie von dem zuvor genannten Ort etwa fast immer nur von „Bindestrich“ spricht oder sie ihre eigene Mutter immer nur als „Linas Tochter“ bezeichnet.
Auf jeden Fall empfehle ich das Buch gerne weiter.

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