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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2026

Immer unter Beobachtung - die Spannung ist hoch

Der Nachbar
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Sarah, die in der Vergangenheit als Anwältin tätig war, zieht mit ihrer Tochter an den Stadtrand von Berlin – in eine ruhige, beschauliche Vorstadtidylle der Häuser mit gleichem Aussehen. Doch zu ihrer ...

Sarah, die in der Vergangenheit als Anwältin tätig war, zieht mit ihrer Tochter an den Stadtrand von Berlin – in eine ruhige, beschauliche Vorstadtidylle der Häuser mit gleichem Aussehen. Doch zu ihrer bekannten Monophobie – der Angst allein zu sein, schleicht sich bald eine neue Angst. In ihrer Umgebung bzw. ihrem Haus geschehen eigenartige Dinge – es wird für sie eingekauft, Blumen werden gegossen, Müll wird entsorgt. Es scheint, als wäre sie nicht allein mit ihrer Tochter im Haus. Hat sie einen Stalker?

Das Buch beginnt mit einigen Kapiteln, die wie man später erfährt, einige Zeit vor der eigentlichen Haupthandlung spielen. Doch auch bei dieser so quasi Einleitung ist die Spannung sehr schnell hoch. Generell ist man sehr schnell mitten drinnen im Geschehen und damit in einer Spannung. Man liest die Kapitel einfach, hat permanent ein ungutes Gefühl und steht permanent unter Strom. Natürlich auch den kurzen Kapiteln geschuldet und den Cliffhängern an den Kapitelenden.

Man wird nicht verschont vor möglichen Verdächtigen, Wendungen, falschen Spuren und womit ein Thriller Autor noch so aufwarten kann. Die Geschichte hat eine gewisse Logik, auch wenn man während des Lesens auch manchmal etwas an sich selbst zweifelt, ob diese Geschichte wirklich so abgedreht sein kann. Viel mehr lässt sich hier nun nicht dazu sagen, ohne dass man spoilert.

Für mich war es erst der zweite Fitzek wie ich gestehen muss und diese wendungs- und temporeiche Geschichte hat mich animiert dies zu ändern.

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Veröffentlicht am 01.01.2026

eine unerwartete Erbschaft in Argentinien - mit einer emotionalen Vergangenheitsebene

Die verlassene Tochter
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Die verlassene Tochter ist der sechste Band der Serie „Die Verlorenen Töchter“ von Soraya Lane. Jedes Buch greift das Schicksal eines Mädchens auf, dass in einem Londoner Frauenhaus vor vielen vielen Jahren ...

Die verlassene Tochter ist der sechste Band der Serie „Die Verlorenen Töchter“ von Soraya Lane. Jedes Buch greift das Schicksal eines Mädchens auf, dass in einem Londoner Frauenhaus vor vielen vielen Jahren geboren wurde, und dann zur Adoption freigegeben wurden – als Hinweis nur eine kleine Schachtel mit persönlichen Dingen. Jedoch wurde diese kleine Schachtel nicht planmäßig zum einundzwanzigsten Geburtstag überreicht, sondern erreicht jetzt nachfolgende Generationen.

So auch hier – Rose, die in London lebt, verliert ihre Mutter nach einer Zeit der Pflege. Bald erreicht sie ein Brief, der an ihre Mutter adressiert war, und erklärt, dass diese Erbin eines Anwesens in Argentinien ist. Sie tritt die Reise nach Argentinien an, um diesen Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen und erfährt, dass sie Nachfahrin von Valentina Santiago ist, einer Förderin des Polosports und Besitzerin einer Ranch. Auf der Suche nach Hinweisen zu ihrer Urgroßmutter und deren Geschichte, lernt sie unter anderem den charmanten Reiter Benjamin kennen. Rasch erfahren sie, dass die Geschichte ihrer beiden Familien eng verwebt ist.

Wie die Vorgängerbände der Reihe lässt sich auch dieser sehr gut als Stand Alone lesen. Auch die Erzählweise entspricht der der Vorgängerbände – im Wechsel werden Szenen aus der Gegenwart mit welchen aus der Vergangenheit verknüpft. Stück für Stück taucht der Leser damit in die Geschichte ein, den Protagonisten oft doch ein Stückchen voraus.

Die Geschichte aus der Vergangenheit und die Schicksale sind emotional sehr aufwühlend und für die damalige Zeit auch gut gewählt. Etwas verblasst für mich im Vergleich dazu die Geschichte der Gegenwart, vielleicht weil die Vergangenheit oft viel emotionaler geschildert wird. Beide Charaktere Rose und Valentina sind auch hier sympathisch und reagieren verständlich. Roses Erzählstrang beschränkt sich aber sehr darauf nach Argentinien zu gehen und den charmanten Benjamin kennen zu lernen. Natürlich muss sie den Verlust ihrer Familie überwinden und steht vor einem kompletten Umbruch in ihrem Leben, jedoch ist diese Ebene für mich etwas zu vorhersehbar.

Nichtsdestotrotz habe ich auch diesen Band genossen, auch auf Grund des verstrickten Erzählstils. Ein kurzweiliger doch auch sehr emotionaler Roman, über Frauengeschichten in der Vergangenheit die durchwegs so passiert sein könnten.

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Veröffentlicht am 24.12.2025

intensive, emotionale Geschichte im zweiten Weltkrieg

Die Welt in unseren Händen
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Ein -fiktiver- historischer Roman, der sich dennoch an einer realen Lebensgeschichte orientiert, nämlich der der Großmutter der Autorin.

Emma besucht ihre neunundachtzig Jährige Großmutter in ihrer Wohnung ...

Ein -fiktiver- historischer Roman, der sich dennoch an einer realen Lebensgeschichte orientiert, nämlich der der Großmutter der Autorin.

Emma besucht ihre neunundachtzig Jährige Großmutter in ihrer Wohnung in einer betreuten Einrichtung. Die Enkelin findet ein ihr bisher unbekanntes, älteres Buch, dass eine besondere Widmung enthält – und so erzählt ihre Großmutter ihr von ihrem Leben zur Zeit des Krieges. June, die aus ärmlichen und komplizierten Familienverhältnissen, aus einem Ort in Essex stammt, meldet sich zur WAAF, einer Frauenunterstützungseinheit für die britische Luftwaffe. Sie hofft damit etwas zu bewirken, ihrem bisherigen Leben zu entkommen und vielleicht auch das ein oder andere Abenteuer zu erleben. Die Grundausbildung ist nicht einfach, sie trifft aber inspirierende Kolleginnen in der Grundausbildung. Auch um der trostlosen Büroaufgabe in der nähe von London zu entkommen, meldet sie sich für eine Auslandseinsatz. Sie landet dabei in Kairo, wo sie den charmanten Südafrikaner Ken kennenlernt, der für die Kriegsberichterstattung zuständig ist. Doch darf sie so fern ab der Heimat ihr leben genießen, während ihre Kollegen und Freunde in London zittern.

Spannend in all dem ist die Tatsache, dass wir zu Beginn -in der Gegenwart- eine ältere, gebrechlichere Frau vorgestellt bekommen. Man ist umso überraschter welche Geschichten und Geheimnisse sie preisgibt. June ist zu Beginn des Buches eine ängstliche an sich selbst zweifelnde Frau, natürlich auch durch ihre Umstände. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater Alkoholiker, der ihren Lohn einsteckt. Sie hat zwar einen netten Freund, der sie auch heiraten möchte, jedoch fürchtet sie dann auch wieder in einer wirtschaftlich unsicheren und eher öden Zukunft zu landen. Man begleitet June durch verschiedene Etappen ihres Lebens bzw. vor allem während ihrer Tätigkeit bei der WAAF. Es ist ein Wechselbad der Gefühle: zwischen Freude und Gemeinschaftssinn mit ihren Freudinnen Dotty und Peggy, und Abschiedsschmerz kombiniert mit Vorfreude und der Angst vor dem Unbekannten. Schließlich entwickelt sie sich zu einer starken, weniger ängstlichen Frau, die einen neuen Blick auf ihr Leben bekommt.

Bei all dem ist der Leser dabei- hautnah, mitfiebernd und teilweise mit zerrissenem Herzen. So gelungen ist die Schilderung der Szenen und die erzeugte Sogwirkung.

Hervorzuheben ist auch mit welcher Genauigkeit, die verschiedensten Tätigkeiten der WAAF, die June durchläuft, geschildert werden. Büroarbeit in London und Kairo zu unterschiedlichem Zweck und auch die schwere körperliche Arbeit beim Errichten von Ballonsperren. Traurig war es zu sehen, mit welchen Vorurteilen Frauen zu kämpfen hatten – sie mussten trotz aller Kriegswirren nett und adrett aussehen und trotz aller Bemühungen, waren sie dennoch immer den Männern untergeordnet, die sich nicht immer Gentleman- like benahmen.

Ich kann dieses Buch jedem ans Herz legen, der einen historischen Roman sucht, der sich mit etwas künstlerischer Freiheit – an einer wirklichen Lebensgeschichte orientiert. Es war definitiv mitreißend und herzerwärmend.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

neuerliche Herausforderungen in den 1920ern am Land

Der Dorfladen - Wie das Schicksal spielt
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„Der Dorfladen – wie das Schicksal spielt“ ist der dritte Band einer Reihe um den Ort Dingelbach, die im Jahr 1927 spielt. Im Mittelpunkt steht der Dorfladen von Marthe, die ihre drei Töchter Herta, Frieda ...

„Der Dorfladen – wie das Schicksal spielt“ ist der dritte Band einer Reihe um den Ort Dingelbach, die im Jahr 1927 spielt. Im Mittelpunkt steht der Dorfladen von Marthe, die ihre drei Töchter Herta, Frieda und Ida allein aufgezogen hat, nachdem sie ihren Mann im Krieg verloren hat. Frieda wirkt als Schauspielerin an einem Theater in Bochum. Ida pendelt von Dingelbach nach Frankfurt auf die Schiller Schule und arbeitet auf das Abitur hin und trifft sich nebenbei mit ihrem Freund Florian, der Sympathien für die KPD hegt. Herta bleibt in Dingelbach und hilft ihrer Mutter im Laden. Doch die sonst so brave und unscheinbare Herta sorgt mit einem unehelichen Kind von einem Handelsvertreter für Unruhe im Dorf.

Generell konnte ich dem Text einfach folgen, auch wenn die Sprache für manche gewöhnungsbedürftig sein dürfte – befinden wir uns doch auf dem Dorf und Dialekt und Redewendung auch typisch für die Region gewählt. Man darf sich auf hessischen Dialekt freuen.

Das Buch wartet mit einer ausführlichen Beschreibung des Dorfes auf (unterstützt durch eine Skizze des Dorfes) und mit einer Fülle an Charakteren. Die Dorfbewohner -inklusive der Fabriksbesitzerin am Dorfrand, Friedas Kollegen und Bekannte am Theater in Bochum, Idas Schulkollegen und Lehrer in Frankfurt und der weiteren Familie der Fabriksbesitzerin. Manchmal ist es gar nicht so einfach den Überblick zu behalten. Eine Liste wäre da hilfreich, auch um Verwandtschaftsverhältnisse und sonstige Verstrickungen zu verstehen.

Jedes Kapitel des Buches wird aus einer anderen Perspektiven erzählt, die sehr gut ineinander übergehen. Ida, Frieda, Marthe, der Fabriksbesitzerin Ilse und Heinz Schütz, Sohn des Bauern und Bürgermeisters Otto Schürz, tragen das Buch. Das gesamte Werk hat 600 Seiten und schildert alles sehr detailliert und auch atmosphärisch. Passend zur Realität erleben auch nicht alle Personen immer eine entsprechende Entwicklung und kommen nicht gleichmäßig ihn ihrem Handlungsstrang voran. So entspannend das Lesen für mich auch war – an manchen Stellen taten sich dann doch Längen auf. Hat man es im ersten Teil viel mit atmosphärischen Schilderungen zu tun, nimmt die Handlung so ca. im letzten Drittel dann Tempo auf und man schließt die Figuren umso mehr ins Herz.

Ich fand in die Geschichte, obwohl ich die Vorgängerbände nicht kannte, sehr gelungen. Jedoch würde ich die Bände mit jetzigem Wissen chronologisch lesen, um die Figuren besser zu verstehen.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

ein Fall im Fall und ein typischer Horowitz

Tod zur Teestunde
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Die ehemalige Lektorin Susan Ryeland kehrt nach einem Beziehungsende wieder nach London zurück und soll für ihren Verlag nun mit einem jungen Autor zusammenarbeiten. Dieser plant sich an die Fortsetzung ...

Die ehemalige Lektorin Susan Ryeland kehrt nach einem Beziehungsende wieder nach London zurück und soll für ihren Verlag nun mit einem jungen Autor zusammenarbeiten. Dieser plant sich an die Fortsetzung einer berühmten Krimireihe zu versuchen. Besonders brisant wird die Geschichte als bekannt wird das dieser junge Autor – Eliot Grace- der Enkel einer berühmten Kinderbuchautorin ist, die vor etlichen Jahren starb.

Laut Eliot soll sie vergiftet worden sein – so wie auch das Opfer in seinem fiktiven Fall. Susan taucht immer tiefer in die Geschichte ein, Eliot Grace verhält sich immer unverständlicher, eigener, aggressiver. Dann kommt es zu einem Autounfall und Eliot Grace stirbt. Nun wird Susan verdächtigt, denn war es wirklich ein Unfall?

Eines vorneweg – dies ist der Dritte Band einer Reihe um Susan Ryeland von Anthony Horowitz. Grundsätzlich lässt sich dieses Werk auch gut eigenständig lesen, es gibt allerdings ein paar Antworten auf Band eins dieser Reihe. Man sollte daher vielleicht überlegen, diesen davor zu lesen.

Die Geschichte wird als Krimi im Krimi erzählt. Susan erkennt, dass der Plot des jungen Autors ein reales Mysterium, nämlich dem Tod seiner Großmutter, der Krimibuchautorin, ähnelt. Hinter vielen Personen im fiktiven Buch, finden sich ähnliche Personen in der Familie Grace. Man ist konstant mit Verstrickungen konfrontiert und fragt sich wie Susan, ob dies Zufall ist. Hinweise sind gut gesetzt und der Fall geschickt und komplex konstruiert. Für mich war die Auflösung auch nachvollziehbar.

Der Schreibstil ist für mich Anthony Horowitz typisch, gut lesbar, mit gewissem Witz und genial erfundener Storyline, die viele Wendungen und Überraschungen bereithält. Lesern von Agatha Christie werden auch entsprechende Verweise auffallen. Gut gelang es ihm die beiden Geschichten zu verweben. Gut gelungen sind die Charaktere, allen voran Susan Ryeland, die sehr scharfsinnig und mit Witz agiert.
Etwas überwältigend war die Länge des Buches, da es teilweise auch etwas zu Längen in der Geschichte kam, verständlich bei über 500 Seiten. Auch die Fülle an Charakteren, die sich ergeben, wenn es eine „echten Fall“ und einen entsprechenden „fiktiven Fall“ gibt, fühlt sich manchmal etwas überwältigend an.

Man versteht, warum Anthony Horowitz Werke immer wieder mit Agatha Christie verglichen werden, denn die Krimis sind gut gemacht.
Auch dieser Band war für mich definitiv lesenswert, weil ich bisher von Anthony Horowitz noch nie enttäuscht wurde. Es ist allerdings kein rasches Buch für zwischendurch, schon auf Grund der Länge und der zwei Kriminalfälle. Für Krimifans der old school Krimis aber definitiv ein Muss.

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