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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2026

ein internationaler Regionalkrimi der auch die Ermittler persönlich fordert

Solothurn ruft nach Vergeltung
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Es sind Filmtage in Solothurn und der auszuzeichnende Regisseur taucht nicht auf. Von Pia, Tochter des Chefermittlers Dominik Dornach wird er getötet in seinem Zimmer aufgefunden. Doch was ist das Motiv? ...

Es sind Filmtage in Solothurn und der auszuzeichnende Regisseur taucht nicht auf. Von Pia, Tochter des Chefermittlers Dominik Dornach wird er getötet in seinem Zimmer aufgefunden. Doch was ist das Motiv? Hat es mit seinem Film über Femizide und Frauenhass zu tun. Hat es mit seiner eigenen Herkunft zu tun. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, da die Spuren gering sind. Hat alles mit einem spektakulären Fall in der Vergangenheit zu tun.

Eines vorneweg - auch wenn dies bereits der siebente Band einer Reihe um den Ort Solothurn und den Ermittler Dominik Dornach ist, viel mir der Einstieg leicht. Man lernt die Charaktere und ihre Geschichte peu à peu kennen und erkennt, dass viele der Personen eine lange und turbulente Geschichte verbindet.

Auch wenn dies ein Regionalkrimi ist, mit einer tiefen Verflechtung im Ort, hat er überraschend viele internationale Züge. So gesellen sich zu regionaltypischen Ausdrücken und eine schon fast pittoreske Beschreibung der Gegend, Ausflüge ins Ausland, aktionreiche Szenen und Hintergrundinformationen in verschiedenste internationale Ermittlungseinheiten, die man so vielleicht nicht erwartet.

Auch die Themen, die aufgegriffen werden, sind sehr aktuell – Femizide sind in vielen Ländern ein großes Problem. Weiters Mobbing, Belästigung und häusliche Gewalt. Alles von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Als Leser ist man versucht, gleich einen bestimmten Personenkreis zu verdächtigen, doch man darf sich als Leser auf die ein oder anderen überraschende Wendung einstellen. Doch in diesem Netz aus Ehrenmord, Hass, Schuld, Lüge und Misstrauen ist nichts so einfach wie es zunächst scheint.

All dies lässt das Buch dann doch auch temporeich und düster erscheinen, präsentiert allerdings mit einem flüssigen und leichten Schreibstil. Man befindet sich als Leser im Strudel der Ermittlungen und Wendungen und bekommt schließlich aber eine schlüssige Aufklärung präsentiert.

Ich werde in nächster Zeit sicher auch noch die Vorgängerbände lesen.

Veröffentlicht am 24.02.2026

Spurensuche in der Vergangenheit, Spionage und etwas Okkultismus

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Das titelgebende Antiquariat am Friedhof liegt im berühmten Graphischen Viertel von Leipzig, ein Stadtviertel in dem wie der Name vermuten lässt viele Unternehmen der Buchbranche angesiedelt waren. Und ...

Das titelgebende Antiquariat am Friedhof liegt im berühmten Graphischen Viertel von Leipzig, ein Stadtviertel in dem wie der Name vermuten lässt viele Unternehmen der Buchbranche angesiedelt waren. Und es wirkt im Großen und Ganzen als Dreh- und Angelpunkt der unterschiedlichen Erzählebenen.

Im Jahr 1930 trifft sich hier eine Gruppe von vier Freunden aus wohlhabenden Häusern in einem Antiquariat eines dieser Freunde Vadim. Um all dies zu finanzieren, stielt man ab und an wertvolle Bücher, die an geheime Sammler verkauft werden. Zu den Freunden stößt nun auch Eva, Schwester eines Mitglieds. Doch all dies bleibt nicht dauerhaft ohne Konsequenzen, und so mancher neue Raub bringt mehr Risiko als der vorherige. Die Mitglieder des Clubs hadern immer mehr mit der Situation und den Beziehungen untereinander.

Im Jahr 1945, kehrt nach Kriegsende jener Felix wieder nach Europa zurück, nachdem er in die USA ausgewandert war. Aber er kommt nicht zum Spaß, er tourt im staatlichen Auftrag durch verschieden Länder Europas, um Buchschätze zu sichern. Doch der Auftrag wird erweitert, da in Leipzig eine Person aufgegriffen wird, die angibt der Vorleser von Hitler gewesen zu sein. Als Felix diesen Mann mit einer Maske trifft, wird ein Tor in die Vergangenheit geöffnet, gibt er doch vor Felix zu kennen.

Kai Meyer schafft es uns die Geschichte sehr geschickt Atmosphäre der jeweiligen Orte einzufangen, sei es das Kloster mit Bibliothek auf der Insel Patmos, das zerstörte Nachkriegsleipzig oder eine Villa im schönen Italien. Eine sehr bildhafte Sprache fängt den Leser ein und erlaubt es wirklich sich zu fühlen, als wäre man dabei. Schrittweise, mit einem kapitelweisen Wechsel der Erzählzeit, taucht man tiefer in die Geschichte ein, und erfährt, wie es zum Bruch im Jahr 1930 kam.

Die historischen Elemente waren sehr spannend und auch lehrreich. Wie Geschichtsunterricht nur nicht in trocken. Wo hätte ich sonst über die Tatsache gelernt, dass es offiziell autorisierte Buchdiebe auch auf Seiten der USA gab. Dass im Nazireich Kunstschätze geraubt wurden, war mir schon bekannt. Auch die Tatsache, dass manche Personen Lenin wieder aufwecken wollen, kannte ich vorher noch nicht.

Durch diese leichte Spannung, einen gewissen übernatürlichen Einschlag und dem leicht melancholischen Blick auf die Vergangenheit, wurde ich regelrecht vom Buch gefesselt und habe die Zeit wirklich genossen. Es ist gewiss schon auf Grund der länge kein Buch für zwischendurch, und hätte in manchen Bereichen vielleicht gestrafft werden können, aber es liest sich sehr stimmig.

Da ich die Vorgänger Bände noch nicht kannte, werde ich diese bestimmt auch in absehbarer Zeit lesen.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Thriller trifft Fantasy. Märchen einmal anders

Böser, böser Wolf
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Eine Autorin Katie wird entführt, um für ihren Entführer Märchen zu schreiben, im modernen Stil bei dem Menschen den Tod finden. Auf einem Dachboden in einem Haus im Wald versucht Katie sich zu retten, ...

Eine Autorin Katie wird entführt, um für ihren Entführer Märchen zu schreiben, im modernen Stil bei dem Menschen den Tod finden. Auf einem Dachboden in einem Haus im Wald versucht Katie sich zu retten, indem sie Hinweise in die Geschichten einwebt. Ihr Entführer, der sich hinter einer Wolfsmaske verbirgt, setzt diese dann in die Realität um. Für eine Geschichte im Stile von Cinderella wird Grace entführt und von Zeugen wird beschrieben, dass sie von einer maskierten Figur in den Wald verschleppt wird. Alle Morde werden entsprechend bizarr inszeniert und der Ermittlerin Detective Inspector Lyla Rondell schwant bald übles. Wird sie doch dadurch an ihre eigene Vergangenheit und damit das Verschwinden ihrer besten Freundin Allison erinnert, das eben so etwas von einem Märchen in sich hatte.

Die Geschichte wird fesselnd erzählt und man merkt, wie gut die Autorin sich mit Märchen auseinandergesetzt hat. Die Spannung wird gut transportiert und man ist inmitten in der gruseligen und grausamen Atmosphäre. Interessant ist aber vor allem wie das Thema transportiert wird. Beginnt die Geschichte relativ normal, als klassischer Thriller mit Ermittlungen, einem Täter und der üblichen Polizeiarbeit, mischen sich im Zuge der Erzählung andere Elemente mit hinein. Man wird mit Fantasy und Horrorteilen konfrontiert und es bilden sich immer mehr Metaebenen aus. Man driftet in das Fantasy Genre über und ist sich immer mehr im Klaren, dass das Miträtseln und Mitlösen nicht mehr so einfach, wenn nicht gar unmöglich ist. Weiß man doch nun nicht, was wirklich war ist.

Die Gestaltung und der Titel lassen auch ohne Klappentext schon gut auf das Thema schließen – Märchen werden eine Rolle spielen.

Definitiv eine Geschichte die ich so noch nicht kannte. Sp

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Essen und Büroalltag - wie schafft man die Balance

Richtig gutes Essen
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In einem japanischen Büro arbeitet ein buntes Team von Arbeitskräften unter anderem Nitani, Oshino und Ashikawa als Vollzeitkräfte.

Nitani, der Essen als Notwendigkeit erachtet und am Instantsuppensüchtig ...

In einem japanischen Büro arbeitet ein buntes Team von Arbeitskräften unter anderem Nitani, Oshino und Ashikawa als Vollzeitkräfte.

Nitani, der Essen als Notwendigkeit erachtet und am Instantsuppensüchtig ist, hat seine liebe Not mit dem Brauch gemeinsam als Abteilung essen zu gehen, oder mehr Zeit in die Zubereitung von Speisen zu verwenden. Oshio, die auch eher unkonventionellere Ansichten hat und öfters mit Nitani nach der Arbeit einen trinken geht. Ashikawa ist nicht unbedingt die belastbarste Arbeitskraft und genießt den Schutz ihres Chefs und etlicher anderer Arbeitskräfte. Sie ist öfters krank und beendet ihren Arbeitstag im Gegensatz zu den anderen Vollzeitkräften pünktlich, auch bei größerem Arbeitspensum. Um die Stimmung im Büro für sich positiv zu gestalten, bringt sie immer wieder Süßspeisen mit. Nitani und Oshino entwickeln eine gewisse Abneigung gegen Ashikawa, auf Grund der Tatsache, dass sie nicht in der Lage ist ihre Arbeit entsprechend selbst zu erledigen. Doch die Sache wird auch komplizierter als Nitani eine Beziehung mit Ashikawa beginnt.

Es ist ein Roman der sich neben dem Thema Essen, vor allem um das Thema Umgang und Beziehungen am Arbeitsplatz dreht.

Man lernt viele japanische Gerichte kennen, hilfreich dabei ist das Glossar im Anhang. Zusätzlich bekommt man aber damit eben auch einen Einblick in die japanische Arbeitswelt bzw. in den Büroalltag. Die Tatsache, dass die Arbeitstage in Japan sehr lang sind, weiß man aus so manchem Klischee. Auch die Tatsache, dass alles sehr strikt hierarchisch bzw. sehr höflich gehandhabt wird, ist bekannt. Mit dieser Tatsache im Hintergrund, ist die Geschichte, die hier erzählt wird, natürlich in Japan brisanter als für unseren Kulturraum. Dort kann das Buch sicher leichter als Gesellschaftskritik verstanden werden als in unseren Breiten. Nichtsdestotrotz wird man sich auch hier in manchen Bereichen wiederfinden.

So manches wird sehr repetitiv erzählt und die effektive Handlung ist gering. Arbeitstage und Probleme wiederholen sich. Die Personen leben größtenteils nebeneinanderher. Generell ist der Erzählstil eher distanziert, wobei dennoch zwischen der Ich-Perspektive und der der dritten Person gewechselt wird.

Für mich war es aber eine leichte Lektüre für zwischendurch, wie ein kurzer Blick in ein Büro auf der anderen Seite der Welt. Und trotz aller kulturellen Unterschiede gleichen sich hier die Probleme auch.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Ist denn nichts heilig? Ein toter Pater in der Kirche

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 8: Unheilige Geschäfte
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Ein Pater aus dem Vatikan besucht Fonteneia um Kunstschätze der Kirche zu katalogisieren. Mit seinem Charme versucht er den Ort zu bezaubern. Doch dann wird es turbulent. Don Benedetti der Pfarrer des ...

Ein Pater aus dem Vatikan besucht Fonteneia um Kunstschätze der Kirche zu katalogisieren. Mit seinem Charme versucht er den Ort zu bezaubern. Doch dann wird es turbulent. Don Benedetti der Pfarrer des Ortes wird von Tameo und seinem Hund Peppo gefunden - er wurde niedergeschlagen. Dann findet man auch noch den Pater aus dem Vatikan ermordet gefunden und ein Kunstwerk aus der Kirche scheint verschwunden zu sein. Auch privat wird es für Anna etwas turbulenter als bisher, ist doch ihre Mutter Paola endlich einmal wieder zu Besuch.

Für alle Kenner der Serie sei gesagt - auch dieser Band ist es wieder als wäre man bei alten Freunden zu Besuch. Man ist rasch drinnen in der Geschichte und trifft alte Bekannte wieder. Eben wie ein Urlaub bei Freunden, in der Toskana, die wir nun in einem Herbstsetting erleben dürfen. Annas Privatleben wird dieses Mal zum großen Nebenthema.

Wie immer kommt man leichtfüßig durchs Buch - Beschreibungen des Alltags in Fontenaia wechseln sich mit kriminalistischen Ermittlungen. Die Charaktere des Buches tragen das Werk und es ist besonders schön ihre Entwicklung mitzuerleben - allen voran bei Comissario Vico, der nun vollkommen im kleinen Ort angekommen zu sein scheint. Auch an der kriminalistischen Front wird es nicht langweilig - bringt die doch auch hier so manche unerwartete Wendung und Höhepunkt hervor.

Für alle die diese Serie noch nicht kennen, kann ich nur sagen, probiert die Serie aus - es ist jedes Mal wie ein Kurzurlaub. Eine schöne Auszeit aus dem Alltag und die Charaktere und der Charme wachsen einem ans Herz. Und ja eigentlich kann man mit jedem Band beginnen. Man darf sich auf eine Mischung von Humor, etwas Crime und viel Urlaubsstimmung freuen.

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