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Veröffentlicht am 25.09.2025

Beste Unterhaltung durch ein kultiges Ermittlerteam

Bodenfrost
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Alles beginnt harmlos- bei einem Kindernachmittag der Miesbacher Polizei. Geleitet von Polizeihauptmeister Leonhart Kreuthner, wird auf dem Gelände eines alten Bauernhofs eine Leiche gefunden. Besonders ...

Alles beginnt harmlos- bei einem Kindernachmittag der Miesbacher Polizei. Geleitet von Polizeihauptmeister Leonhart Kreuthner, wird auf dem Gelände eines alten Bauernhofs eine Leiche gefunden. Besonders brisant ist, dass eine Zeichnung den Bauch des Leichnams ziert, die auf einen Serienkiller mit dem Namen Harpunier hinweist. Dieser war jedoch Jahre nicht aktiv. Die Ermittlungen beginnen durch Clemens Wallner von der Kriminalpolizei und seinem Team und unterstützt von Polizeihauptmeister Kreuthner.

Eines vorneweg, obwohl dies schon der zwölfte Band des Autors Andreas Föhr ist, lässt sich der Roman auch gut ohne Vorkenntnisse lesen. Die Charaktere sind richtige Originale, ja Unikate. Gut dargestellt mit Ecken, Kanten und Marotten. So trifft Clemens Wallners korrekte Art auf Leonhart Kreuthners Schlitzohrigkeit ja Bauernschläue und dem Wandern am Rande der Legalität. Aber auch die weiteren Figuren tragen zu einem großartigen Leseerlebnis bei: z.B. Manfred, Wallners 94jähriger Großvater, der im Umfeld jüngerer Frauen immer besonders aufblüht. Auch die Gäste der Mangfallmühle sind richtige Unikate.

Man wird in einen Strudel von Spannung, Humor und etwas Chaos mitgerissen. Der Fall und die Ermittlungen erscheinen mir logisch, gut recherchiert und ohne Fehler. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber gerade deshalb sehr unterhaltsam, ist die Art wie Kreuthner Fälle löst. Man könnte es als etwas chaotisch und grenzwertig bezeichnen. Aber gerade darin liegt finde ich der Charme.

Es ist ein Lokalkrimi, mit dem Setting in Bayern, und dies wird meiner Meinung nach, sehr angenehm transportiert. Auch die Sprache, bayrischer Dialekt, sorgt für Authentizität, lässt sich aber auch für nicht kundige, meiner Meinung nach gut lesen, zumal sie eigentlich hauptsächlich nur von Kreuthner verwendet wird.

Ich freue mich die Serie nun entdeckt zu haben, und werde definitiv nachlesen.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

ein blumiger Thriller der unter die Haut geht

Garden Girls
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Tiberius, Ty, Granger ist FBI- Agent und einer speziellen Einheit, der Strange Cases-Unit, die wie der Name schon verrät sich um besonders eigene Fälle kümmert. Als nun Leichen von Frauen mit Tätowierungen ...

Tiberius, Ty, Granger ist FBI- Agent und einer speziellen Einheit, der Strange Cases-Unit, die wie der Name schon verrät sich um besonders eigene Fälle kümmert. Als nun Leichen von Frauen mit Tätowierungen von diversen Blumen auftauchen wird das Team gerufen. Auf der Liste der verschwundenen Frauen, die ins Raster des Killers fallen könnten, findet Ty nun auch den Namen einer Bekannten- der kleinen Schwester seiner ersten Liebe Bex.

Die Geschichte wird in eher kurzen Kapiteln mit Perspektivenwechsel erzählt. Man bekommt dadurch sehr gut Einblick in die verschiedenen Figuren, ihre Vergangenheit, ihre Motivation, in ihren Charakter. Ich finde durch diese Erzählweise gewinnt ein Thriller in der Regel, da eine gewisse Tiefe in die Handlung kommt. Generell fand ich die Charaktere sehr vielschichtig gestaltet. Ty, auch als Person, steht in diesem Buch wohl im Vordergrund, seine doch sehr prägende Vergangenheit, seine eigenen Dämonen. Der Charakter ist spannend, vielschichtig und bleibt im Gedächtnis.

Ab circa der der Hälfte der Geschichte nimmt diese deutliche Fahrt auf, auch wenn der Beginn, mit einem Kapitel aus Opfersicht schon rasant ist. Der Abfall im Spannungsbogen ist der Vorstellung der Figuren geschuldet und der eben teils langweiligen Polizeiarbeit. Der Täter ist jedoch immer einen Schritt voraus, man rätselt mit und sieht das psychologische Spiel des Täters. Weitere Spannung bringt noch ein drohender Hurrikan. Immer im Fokus steht auch die Beziehung von Ty und Bex.

Ich hätte mir etwas breitere Information über die Teammitglieder und ihre Beziehungen zueinander gewünscht. Denn ja es wird angeschnitten, allerdings hat man immer wieder das Gefühl man hat etwas verpasst – es braucht mehr Background. Beschäftigt man sich etwas mit der Autorin, sieht man, dass Garden Girls das dritte Buch einer Serie um die Agenten der Strange Cases Unit ist. Es dürfte sich in jedem Buch hauptsächlich um einen anderen Agenten drehen. Dies wird ein Grund sein, warum man mit dem Einstieg bei Band 3, etwas rätseln muss, was die Zusammenhänge betrifft.

Für mich aber ein solider Thriller mit einer guten Idee und vielschichtigen Charakteren.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

humorvoller Krimi mit einem etwas anderen Ermittler

Über die Toten nur Gutes
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Mads Madsen in Trauerredner und hat somit in seinem täglichen Leben viel mit dem Tod zu tun, noch mal mehr, weil sein bester Freund Bestatter ist. Nun wird sein bester Freund aus Kindheitstagen, Patrick, ...

Mads Madsen in Trauerredner und hat somit in seinem täglichen Leben viel mit dem Tod zu tun, noch mal mehr, weil sein bester Freund Bestatter ist. Nun wird sein bester Freund aus Kindheitstagen, Patrick, bei einem Unfall getötet und Mads gebeten die Trauerrede zu halten. Gleichzeitig sieht er sich mit ungewöhnlichen Vorfällen konfrontiert- eine sinnlose SMS an seine Nummer, ein Brief, der nur aus einem leeren Blatt besteht.

Besonders hervorzuheben an diesem Buch sind die herrlich skurrilen und speziellen Charaktere. Ein immer schick gekleideter Trauerredner, der meint nun ermitteln zu können. Ausgestattet mit viel Empathie und vielleicht auch einem gewissen Hang zur Selbstüberschätzung. Hals über Kopf stürzt er sich in die Ermittlung. Sein Vater, ein alter Herr, der meint sein Begräbnis vorneweg proben zu müssen. Hauptkommissarin Luise Mills, die immer schlecht gelaunt ist und Mads für einen Spinner hält. Weiters noch so viele andere Figuren, die sagen wir mal speziell gezeichnet sind.

Die Geschichte lebt von viel Humor, skurrilen Szenen und guten Beschreibungen. Man wird richtig in die Handlung gesaugt und das Kopfkino läuft de facto unweigerlich mit. Ist der Beginn doch leise plätschernd und man rätselt vor allem, warum man sein eigenes Begräbnis proben möchte- landet man schließlich im Strudel der Ereignisse und wechselt von Humor zu angstvollen Kriminalszenen.

Natürlich kommt auch ein gewisser Lokalkolorit vor- so lernt man den hohen Norden um Glücksburg und Flensburg gut kennen. Nicht nur deshalb, vielleicht, aber auch deshalb ist die Geschichte von gewisser Wärme und Tiefgang gekennzeichnet. Neben dem Lösen eines Falles nimmt man, meiner Meinung nach, außerdem eine bisschen eine andere Meinung über Tod, Bestattungen und die Berufe darum herum mit

Für mich ein definitiv lesenswertes Buch, da schon einmal das Setting ein anderes ist. Denn wann ermittelt schon einmal ein Trauerredner? Es ist eben eine schöne Mischung aus Humor, speziellen Charakteren, und dem Wechsel zwischen Alltagssorgen und Spannung in der Ermittlung, die sehr gelungen ist.

Ich freue mich definitiv schon auf Band zwei der Reihe. .

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Faszinierend skurriler Thriller, mit schwarzem Humor, der nichts für zarte Nerven ist.

Ein kleines Lied über das Sterben
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Tom Mangold, ein in Ungnade gefallener, ehemaliger Mordermittler, arbeitet als Hausmeister in der Laubenkolonie, in der er illegalerweise auch wohnt. Eine Aufgabe, einen streunenden Hund einzufangen, doch ...

Tom Mangold, ein in Ungnade gefallener, ehemaliger Mordermittler, arbeitet als Hausmeister in der Laubenkolonie, in der er illegalerweise auch wohnt. Eine Aufgabe, einen streunenden Hund einzufangen, doch dieser verhält sich eigen und man fragt sich, ob er Zuschauer bei einem Verbrechen war.

Eines vorweg, ein Buch wie dieses kannte ich noch nicht. Beworben als Kriminalroman, mit abgründigem Humor und einem brutalen Mord, würde ich auch Horror und Thriller in die Beschreibung hinzufügen. Ohne zu viel der Handlung preiszugeben, lässt sich das allerdings nicht ausreichend erklären. Jedoch wenn man zartbesaitet ist, sollte man eher die Finger davonlassen, denn es wird eben blutrünstig und nimmt auch Folter auf.

Das Setting ist modern, vollkommen in der derzeitigen modernen Gesellschaft verwachsen, auch wenn das Cover vielleicht einen 70er Jahre Krimi erwarten lassen würde.

Man wird in einen Strudel an Ereignissen geworfen, und tut sich schwer das Buch beiseitezulegen, auch auf Grund des lebendigen oft bildhaften Erzählstils. Man wird von (schwarzem) Humor unterhalten, und ruhige Szenen wechseln sich mit actionreichen, teils grotesken Szenen ab, alle paar Kapitel eine neue Überraschung. Eben ein wilder Ritt. Gut unterstützt wird dies durch die aus wechselnder Perspektive erzählten Kapitel, die dem Leser im Gegensatz zur Figur natürlich einen Wissensvorsprung geben und damit noch mehr mitfiebern lassen.

Ich mochte die Charaktere, ihre Dialoge und die Beziehungen untereinander. Speziell der gefallene Held/Antiheld Tom Mangold und der kleine Hund sind mir ans Herz gewachsen.

Ein großartiger Lesespaß und eine Mischung die ich so bisher noch nicht kannte. Jedoch nichts für schwache Nerven.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

True-Crime-Roman- ein wahres Verbrechen im literarischen Kontext

Protokoll eines Verschwindens
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Isabella, Ärztin mit Kind, sucht nach ihrem Bruder, der ihr aus Brasilien nach Deutschland gefolgt ist, um ein neues Leben zu beginnen. Ihr Bruder ist weder bei der Arbeit, IT, noch bei der Freundin zu ...

Isabella, Ärztin mit Kind, sucht nach ihrem Bruder, der ihr aus Brasilien nach Deutschland gefolgt ist, um ein neues Leben zu beginnen. Ihr Bruder ist weder bei der Arbeit, IT, noch bei der Freundin zu finden und Isabella macht sich selbst auf die Suche. Fabio in Hamburg, lebt zur gleichen Zeit, mit einer verwesenden Leiche in seiner Wohnung.

Ich denke, dass erschreckendste und gleichzeitig faszinierendste an diesem Buch ist, dass es sich um einen echten Fall handelt- also um einen True-Crime-Roman. Das Buch wird als Thriller beworben, und hat auf Grund des Nervenkitzels der Suche und der Grausamkeit des Verbrechens an sich natürlich einen gewissen Thrill. Für mich ist es jedoch in aller erster Linie eben ein True-Crime-Roman. Das kommt mit allen Vorteilen und Nachteilen eines echten Kriminalfalles, da man auf die Fakten angewiesen ist und die Informationen, die ermittelt worden sind. So mag es für manchen Leser natürlich frustrierend sein, falls manche Dinge nicht endgültig geklärt werden könne, ist aber der Natur der Sache geschuldet.

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig. Im Prinzip werden die Fakten der Recherche, die der Autor, ein Kriminalreporter gesammelt hat, in einem Roman gegossen. Auch eigene Erlebnisse aus der Zeit der Verhandlung und der Gespräche mit Angehörigen, lässt der Autor gekonnt einfließen. Es ist also lang nicht ein fades Protokoll, wie der Titel vielleicht vermuten lässt. Strukturiert ist es durch die Einteilung der Kapitel und Einstreuung von Gutachten und Zeitungsartikeln aber dennoch.

Definitiv eine Empfehlung, wenn man an True-Crime Interesse hat. Ich würde mich freuen, wenn es ein weiteres Buch des Autors gibt.

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