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Veröffentlicht am 09.09.2025

eine herzerwärmende Geschichte über zweite Chancen- garniert mit Büchern

Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
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A.J.Fikry ist Buchhändler auf einer kleinen Insel, Alice Island. Nach dem Unfalltod seiner Frau, schlittert er so durchs Leben geprägt vom Verlust und schlecht laufenden Geschäften. Er ist sehr rüpelig ...

A.J.Fikry ist Buchhändler auf einer kleinen Insel, Alice Island. Nach dem Unfalltod seiner Frau, schlittert er so durchs Leben geprägt vom Verlust und schlecht laufenden Geschäften. Er ist sehr rüpelig auch zur Vertreterin eines Verlages, Amelia. Nach einer durchzechten Nacht, ist sein wertvollster Besitz- eine Ausgabe eines seltenen Buches verschwunden. Im Gegenzug findet er etwas anderes, überraschendes in seinem Laden, das sein Leben über den Kopf wirft.

Selten fiel mir eine Rezension zu einem Buch so schwer wie zu diesem, vor allem den Inhalt betreffend. Denn mit jeder Information nimmt man schon zu viel vorneweg. Also um es oberflächlich zu halten, wir folgen A.J. Fikrys Leben auch nach der Veränderung.

Vielen wird, so wie mir auch, gleich die gestalterische Ähnlichkeit des Covers zu „Morgen, morgen und wieder morgen“ auffallen, das von der gleichen Autorin Gabrielle Zevin stammt. Dieses ist ein früheres Werk der Autorin und dem bekannteren ähnlich, aber irgendwie auch wieder nicht, schon allein auf Grund des Umfanges. Es fühlt sich leichter und humorvoller an.

Der Länge oder kürze der Geschichte geschuldet, ergibt sich auch der Kritikpunkt, dass die Geschichte viele zum Teil große Zeitsprünge enthält. Es wäre sicher schöner gewesen, manche Situationen detaillierter geschildert zu bekommen, irgendwie macht dies aber auch den Charakter des Buches aus. Denn ist es nicht auch eine Kunst mit wenigen Worten, auf den Punkt gebracht zu arbeiten.

Ich fand die Charaktere grundsätzlich sehr gut gezeichnet. Es gibt skurrile Kunden und einen Polizisten der einen Polizisten-Leseclub gründet. Und so viele mehr.
Besonders schön, und passend zum Thema Bücher, waren auch die Kapiteleinleitungen – geschrieben von A.J.Fikry zu bekannten Werken und seiner Meinung bzw. Quintessenz daraus. Als spezieller Kunstgriff, da Zevin damit auch Hinweise auf die künftige Handlung streut.

Allgemein also ein Buch, das die Liebe zu Büchern zeigt und zweite Chancen, Verlust und die Wichtigkeit von Gemeinschaft thematisiert.

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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 09.09.2025

gesellschaftlicher Roman in schöner atmospährischer Kulisse

Die Rheinreise
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Charlotte, eine alleinstehende Frau mittleren Alters, begleitet ihren Bruder, Reverend Charles Morrison und seine Familie 1851 auf einer Reise entlang des Rheins. Begleitet wird die Reise der kleinen Gruppe, ...

Charlotte, eine alleinstehende Frau mittleren Alters, begleitet ihren Bruder, Reverend Charles Morrison und seine Familie 1851 auf einer Reise entlang des Rheins. Begleitet wird die Reise der kleinen Gruppe, durch die politischen Veränderungen der damaligen Zeit.

Ein Roman über die Rolle der Frau, hier vor allem auch der einer unverheirateten, in der damaligen Zeit. Welchen allgemeinen gesellschaftlichen Zwängen sind Frauen zu der Zeit unterworfen und welche Hindernisse, erwartet in den speziellen ledigen Frauen? Welche Wünsche und Träume hat sie? Welche Erinnerungen hat sie verdrängt? Kann sie mehr sein als der Beiwagen der Familie ihres Bruders? Kann sie allein leben?

Der Schreibstil der Autorin nimmt den Leser mühelos in die damalige Zeit mit und man fühlt sich wirklich in die Szenerie gezogen. Man fühlt sich förmlich in den Schuhen der Protagonisten. Nicht nur die Gefühle, sondern auch die Szenerie werden gut geschildert.

Ein lesenswertes Buch, das die damalige Zeit gut einfängt, speziell die gesellschaftliche Situation und verpasste Chancen.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Eintauchen in eine magische Welt mit japanischer Mythologie

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Der Laden in der Mondlichtgasse wird von Menschen gefunden, die auf der Suche sind und zweifeln, ja aus dem Gleichgewicht geraten sind. So unterschiedlich die Probleme sind, wie z.B. Beziehungszweifel, ...

Der Laden in der Mondlichtgasse wird von Menschen gefunden, die auf der Suche sind und zweifeln, ja aus dem Gleichgewicht geraten sind. So unterschiedlich die Probleme sind, wie z.B. Beziehungszweifel, der Wunsch zu sehen wer einen Liebt, so ähnlich ist die Lösung- es gibt für all diese Probleme eine traditionelle japanische Süßigkeit.

Das Buch ist eine Aneinanderreihung von sechs verschiedenen Episoden, in denen Personen den Laden aufsuchen, und entsprechende Hilfe durch eine Süßigkeit erfahren. Jede Anekdote ist in der Ich-Form geschrieben, eigenständig, und greift ein persönliches Problem auf. Ein bisschen sind die philosophischen Geschichten wie ein Selbsthilfebuch bzw. als Suche der Person zu einem Selbst zu sehen. Viel aktiv sich entwickelnde Handlung gibt es nicht.

Man kann den Geschichten leicht folgen und taucht in die Fabel- und Märchenwelt Japans ein. Die Charaktere und ihre Probleme sind sehr ehrlich und glaubhaft geschildert. Man wird, so kurz die Anekdoten auch sind, gut mitgenommen, so dass man auch aus den kurzen Geschichten viel mitnehmen kann- und sei es nur den Wunsch auch so eine Süßigkeit probieren zu können.

Generell ist es ein sehr magisch gestaltetes Buch. Ich fand die Gestaltung des Romans sehr gelungen- vom wunderschön passenden Cover, bis zur Darstellung der jeweiligen Süßigkeit und schließlich das hilfreiche Glossar.

Ich fand die Idee hinter dem Buch sehr schön und vielversprechend, ein bisschen mehr weiterführende Handlung über den Fuchsgeist Kogetsu hätte mir gefallen. Man lernt im letzten Kapitel von seiner Vergangenheit, ja das stimmt, aber ich fände das Thema hätte durchwegs Potential für mehr Handlung und Entwicklung. Aber vielleicht ergibt sich das ja auch noch mit weitern Büchern.

Zusammenfassend, ein schönes Buch für Zwischendurch, aber dennoch zum Nachdenken, da mit philosophischen Inhalten. Ideal wenn man auch noch gerne in die fantastische japanische Fabelwelt eintauchen möchte, bzw. generell Japan Fan ist.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Der Umgang mit dem Tod- eine Trauerrunde bei Kaffee und Kuchen

Café Finito
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Das Cafe Finito liegt auf dem Dorotheenstädtischem Friedhof in Berlin. Der Friedhofsverwalter Kristof Fährer ist die gute Seele des Friedhofs und leitet das Cafe Finito samt Trauergruppen. Frauen und Männer ...

Das Cafe Finito liegt auf dem Dorotheenstädtischem Friedhof in Berlin. Der Friedhofsverwalter Kristof Fährer ist die gute Seele des Friedhofs und leitet das Cafe Finito samt Trauergruppen. Frauen und Männer unterschiedlichen Alters, Lebenssituation und Glaubens treffen sich bei diesen Runden, um ihre Trauer zu überwinden.

Ruhig und tiefgründig und auch mit etwas Witz, führt uns die Autorin einerseits durch ein Jahr am Friedhof und der Trauergruppe und andererseits an die unterschiedlichen Geschichten der Trauernden heran. Die Geschichten könnten nicht unterschiedlicher sein und sind natürlich auch tragisch. Doch der Autorin gelingt es dennoch dies mit einer gewissen Ruhe und Leichtigkeit zu vermitteln.

Die Charaktere fand ich sehr gelungen und aus dem Leben gegriffen und sie sind so divers, dass anschaulich gezeigt wird, dass trotz verschiedener Lebenssituationen, Alters und Glaubens, die Trauer doch ähnlich ist. Umso schöner ist, dass die Trauergruppe als solches zusammenwächst und eine kleine Familie wird.

Nebenbei schafft es die Autorin auch noch so manches Detail über berühmte Verstorbene, die auf besagtem Friedhof bestattet sind, zu vermitteln.

Für mich definitiv ein Buch das Nachwirkt und Trost spendet, denn der Tod gehört nun einem zum Leben dazu.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

unterhaltsam verrückte, mathematische Bond Sartire

Dr. No
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Wala Kitu forscht an der renommierten Brown Universität an nichts, an dem Nichts. John Sill möchte ins US-amerikanische Fort Knox, dem Golddepot der USA einbrechen, um das angeblich dort gelagerte Nichts ...

Wala Kitu forscht an der renommierten Brown Universität an nichts, an dem Nichts. John Sill möchte ins US-amerikanische Fort Knox, dem Golddepot der USA einbrechen, um das angeblich dort gelagerte Nichts zu stehlen. Wala Kitu wird engagiert, um Sill im Umgang damit zu unterstützen.

Das Buch kann man getrost als eine Mischung aus Spionageroman, Science-Fiction, Satire und philosophische Betrachtung bezeichnen. Man hat einen eher verrückten Professor, „Dr. No“ der das Nichts erforscht. Einen klassischen Schurken, den Milliardär John Will, ein Bond Girl Eigen und Gloria, ein Roboter. Speziell den Professor fand ich auf Grund seiner Unbedarftheit und Schrullen – gut er ist im Spektrum- faszinierend und es erlaubt damit der Geschichte, den Lauf, den sie nimmt. Alle Figuren sind satirisch entsprechend überzeichnet und man findet Elemente aus diversen Actionfilmen wieder, wie Men in Black, also sonderlich glaubhaft ist die Geschichte nicht.

Die philosophisch mathematischen Ergüsse vor allem zu Beginn, führen schon mal leicht zu Kopfschmerzen, wenn man nicht vom Fach ist, jedoch können diese Stellen auch getrost übersprungen sein.

Hintergründig läuft immer etwas Systemkritik an den Vereinigten Staaten mit, den Ressentiments und Problemen die Schwarze in den USA ausgesetzt sind und auch das Luxusleben der Superreichen allgemein wird thematisiert. Andere Werke des Autors haben aber vielleicht eine größere gesellschaftlichere Relevanz, da sie diverse Probleme in den USA stärker thematisieren.

Man erhält hierbei also einen unterhaltsam geschriebenen Schurkenroman, gewürzt mit mathematischen und philosophischen Überlegungen zum Nichts.