Platzhalter für Profilbild

vonicole

aktives Lesejury-Mitglied
offline

vonicole ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit vonicole über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.12.2025

Leider nicht mein Geschmack

Weißes Licht
0

Eric Puchner erzählt in seinem Mehrgenerationenroman „Weißes Licht“ die Geschichte von Garret und Cece. Garrets Alltag besteht aus der Arbeit als Gepäckabfertiger am Flughafen und der Pflege seines kranken ...

Eric Puchner erzählt in seinem Mehrgenerationenroman „Weißes Licht“ die Geschichte von Garret und Cece. Garrets Alltag besteht aus der Arbeit als Gepäckabfertiger am Flughafen und der Pflege seines kranken Vaters. Erst durch die Begegnung mit Cece kommt wieder Bewegung in sein Leben – doch sie ist die Verlobte seines besten Freundes Charlie. Bald stehen sie vor einer schwierigen Entscheidung, die das Leben aller Beteiligten maßgeblich verändert.

Der Roman greift große Themen auf: Freundschaft, Loyalität, Familie und die Frage, wie sehr unsere Wurzeln unser Leben prägen. Für mich persönlich konnte die Umsetzung jedoch nicht überzeugen. Der Schreibstil ist zwar flüssig, wirkt über weite Strecken aber langatmig. Inhaltlich fehlte mir Struktur und klare Botschaften, sodass ich kaum etwas für mich mitgenommen habe. Teilweise gab es auch Szenen, die nicht meinem Lesegeschmack entsprochen haben (z. B. die Geschichte rund um Lana und Jasper). Auch das Ende empfand ich als wenig befriedigend.

Insgesamt bleibt „Weißes Licht“ für mich daher ein Roman, der zwar einige interessante Ansätze hat, mich aber weder inhaltlich noch atmosphärisch nachhaltig erreichen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2025

Ich hatte mehr erwartet

Beste Zeiten
0

In ihrem Roman „Beste Zeiten" erzählt Jenny Mustard die Geschichte von Sickan. Die 21-Jährige, will nach Jahren des Mobbings und der Enge in der schwedischen Provinz ein neues Leben in der Großstadt beginnen: ...

In ihrem Roman „Beste Zeiten" erzählt Jenny Mustard die Geschichte von Sickan. Die 21-Jährige, will nach Jahren des Mobbings und der Enge in der schwedischen Provinz ein neues Leben in der Großstadt beginnen: Freundschaften schließen, sich verlieben und herausfinden, wer sie eigentlich ist. Doch das, was man sich unter einem „richtigen Leben“ vorstellt, ist komplizierter, als sie denkt.

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, wodurch man gut in die Geschichte hineinkommt. Inhaltlich hat mich der Roman jedoch nicht ganz überzeugt. Es fehlt an einem klaren Spannungsbogen, und viele, auch sehr emotionale und gesellschaftlich relevante Themen werden zwar angeschnitten, aber bleiben an der Oberfläche. Dadurch wirkt die Handlung stellenweise etwas sprunghaft, ohne klare Linie und mit wenig Tiefgang. Die Hauptfigur bleibt für mich eher blass und bietet wenig Identifikationspotenzial. Auch das Ende konnte mich nicht wirklich erreichen. Insgesamt fehlt für mich eine klare Botschaft, die ich mitnehmen kann.

Insgesamt ein Roman, der sprachlich solide ist, aber inhaltlich zu wenig Tiefe und Struktur bietet, um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2025

Stilles, aber sehr berührendes Buch!

Jetzt gerade ist alles gut
0

Stephan Schäfer erzählt in „Jetzt ist gerade alles gut“ von einem Mann, dessen Leben sich nach einer lebensbedrohlichen Sepsis grundlegend verändert. Der Roman zeigt, wie nah Leben und Vergänglichkeit ...

Stephan Schäfer erzählt in „Jetzt ist gerade alles gut“ von einem Mann, dessen Leben sich nach einer lebensbedrohlichen Sepsis grundlegend verändert. Der Roman zeigt, wie nah Leben und Vergänglichkeit beieinanderliegen und wie schnell sich alles von einer Sekunde auf die andere wandeln kann.

Wie schon in „25 letzte Sommer“ überzeugt Schäfer auch hier mit seinem klaren, einfühlsamen Schreibstil. Die Sprache ist schlicht, aber voller Bedeutung. Es geht weniger um eine durchgehende Handlung, sondern um viele kleine Episoden, die uns daran erinnern, im Alltag innezuhalten und die kleinen Augenblicke bewusst wahrzunehmen.

Das Buch vermittelt eine leise, aber nachhaltige Botschaft über Dankbarkeit, Achtsamkeit und das Leben im Moment. Man kann es in einem Zug lesen, aber es wirkt auch noch nach dem Zuklappen weiter. Besonders schön gelungen finde ich zudem die Gestaltung des Covers und Einbands, das perfekt zur ruhigen Stimmung des Buches passt.

Insgesamt ein stilles, aber sehr berührendes Buch - große Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.04.2022

Sensibles Thema

Mongo
0

Der Roman „Mongo“ vom österreichischen Schriftsteller Harald Darer beschäftigt sich mit dem Aspekt Menschen mit Behinderung und beleuchtet dieses sensible Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.

Die ...

Der Roman „Mongo“ vom österreichischen Schriftsteller Harald Darer beschäftigt sich mit dem Aspekt Menschen mit Behinderung und beleuchtet dieses sensible Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.

Die Geschichte spielt in Österreich und wird durch den Ich-Erzähler Harry erzählt. Katja und Harry erwarten ein Kind. Doch die Vorfreude auf die Elternschaft wird getrübt: Katjas Bruder Markus hat das Down-Syndrom und Katja die Angst, dass auch ihr Kind eine Behinderung hat. Harry reflektiert seine bisherigen Begegnungen mit dem Thema Behinderung. Als Leser:in lernt man dabei sowohl die Lebensgeschichte von Markus als auch generelle Aspekte kennen, die für das Thema Behinderung von wichtiger Bedeutung. Hierunter zählen z. B. der Umgang mit Behinderung während des Nationalsozialismus oder Sexualassistenz für Menschen mit Behinderung.

Der Schreibstil von Harald Darer zeichnet sich durch eine umgangssprachliche und teilweise vulgäre Sprache aus. Er verzichtet im Roman durchgehend auf die Verwendung von Zitatzeichen trotz vielfacher Verwendung der direkten Rede. Als Leser:in erhält man so das Gefühl, man sei noch näher an der Geschichte. Die Identifikation mit dem Protagonist:innen des Buches ist mir persönlich schwergefallen – weder für Katja, die Eltern von Katja und Markus noch Harry spürte ich große Sympathien, fand ihre Einstellung und Werteinstellungen teilweise befremdlich, die Charaktere nur oberflächlich beschrieben. Markus hingegen wird als sympathischer Mensch dargestellt, wobei alle Seiten der Behinderung ungeschönt skizziert werden.

Die Botschaft des Buches als Plädoyer gegen die Herabwürdigung von Menschen mit Behinderung wird deutlich und einige Textstellen bringen einen als Leser:in zum Nachdenken. Dennoch habe ich mir persönlich etwas mehr erwartet von diesem Buch. Alles in allem dennoch eine Empfehlung für Menschen, die sich verstärkt mit dem Thema Menschen mit Behinderung auseinandersetzen und den eigenen Umgang damit reflektieren möchten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2022

Spannende Familiengeschichte mit italienischem Charme

Via Torino
0

Aja Leuthner schreibt in ihrem Roma „Via Torino“ von drei charakterstarken Frauen und deren Familiengeschichte sowie enger Verbindung zu Italien. Eleonora, Rosalia und Milena begegnen sich dabei als Großmutter, ...

Aja Leuthner schreibt in ihrem Roma „Via Torino“ von drei charakterstarken Frauen und deren Familiengeschichte sowie enger Verbindung zu Italien. Eleonora, Rosalia und Milena begegnen sich dabei als Großmutter, Tochter und Enkelin nach dem Tod des Großvaters noch einmal neu.

Die Geschichte spielt zwischen den 1960er Jahren und 2018. Schauplätze sind dabei Italien und Deutschland. Eingebettet ist die Geschichte in den Kontext der damaligen gesellschaftlichen Strömungen und historischen Ereignisse wie beispielsweise der Streit bei Fiat in Turin im Jahre 1969, die 68er-Bewegung und den Mord an dem politischen Aktivisten Rudi Dutschke 1968. Auch die italienische Sprache kommt oft zum Zuge genauso wie das italienische „Dolce Vita“, das sehr authentisch beschrieben wird.

Eleonora erlebt ihre Jugend- und Studentenzeit zu Zeiten der 68er-Bewegung und rebelliert selbst gegen ihre für sie konservativen und reaktionären Eltern. In Italien schließt sie sich dem Arbeiterstreik an und verliebt sich in den sizilianischen Fabrikarbeiter Valerio. Ihre gemeinsame Tochter Rosalia wird Jahre später ungeplant mit Milena schwanger – schweigt aber über die Identität des Vaters. Erst der Tod Valerios 2018 und eine gemeinsame Reise der drei Frauen nach Sizilien bringt Licht in die dunklen Geheimnisse und die Frauen noch einmal auf einer anderen Ebene zusammen.

Aja Leuthner arbeitet in diesem Roman mit einer Vielzahl an Pro- und Analepsen – so werden nachträglich vergangene Ereignisse dargestellt oder schon vorab in die Zukunft gegriffen. Das macht die Geschichte sehr spannend und man kann als Leser:in so im Laufe der Zeit die Geschichte und deren Zusammenhänge verknüpfen. Der Schreibstil von Aja Leuthner ist dabei zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, doch man findet sich schnell ein. Zu Beginn sind einige Passagen etwas langatmig, aber vor allem am Ende nimmt der Spannungsbogen noch einmal enorm zu und man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die drei Protagonistinnen werden dabei durchgehend sehr authentisch dargestellt und man kann sich sehr gut mit ihnen identifizieren, vor allem mit der jüngsten der drei Powerfrauen.

Insgesamt ist dieser Roman über die 3 Generationen einer Familie eine Empfehlung und v. a. an grauen Tagen eine Flucht aus dem Alltag, die zum Träumen und Urlaub in Italien einlädt – auf vielen Ebenen eine tolle Liebes- und Familiengeschichte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere