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Veröffentlicht am 13.08.2025

Mika Christie

Mika Mysteries 1: Der Ruf des Nachtraben
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Die zwölfjährige Mika lebt schon im Waisenhaus solange sie sich erinnern kann. Im Jahr 1880 ist das kein leichtes Leben. Und sie hätte so gerne einen Nachnamen. Als ein neugeborenes kleines Mädchen an ...

Die zwölfjährige Mika lebt schon im Waisenhaus solange sie sich erinnern kann. Im Jahr 1880 ist das kein leichtes Leben. Und sie hätte so gerne einen Nachnamen. Als ein neugeborenes kleines Mädchen an der Pforte abgegeben wird, darf Mika ihr einen Namen geben und es werden sogar zwei Namen, ein Vorname und ein Nachname wie bei jedem anderen auch. Eine Wendung nimmt Mikas Leben als Kommissar Waldemar Hoff sie zunächst zu einer Befragung holt und sie nach ihren klugen Antworten zu weiterer Zusammenarbeit auffordert. Ein rätselhafter Todesfall ist aufzuklären und Hoff scheint nicht allzu viel Unterstützung zu haben.

Ein erster Fall für das Waisenmädchen Mika und Kommissar Waldemar Hoff. Mika ist eine hervorragende Beobachterin und geschickte Ermittlerin. Durch ihr Leben und ihre unbekannte Herkunft geprägt wirkt sie älter und weiter als es ihre zwölf Jahre vermuten lassen. Eine unbeschwerte Kindheit gab es nicht und schon muss sie Arbeiten übernehmen, um zu ihrem Lebensunterhalt beizutragen. Kommissar Hoff schient bei der Polizei keine gehobene Stellung zu haben. Mehr oder weniger alleine soll er den neuersten Mord aufklären. Überraschend gut ergänzen er und Mika sich.

Ab zehn Jahren wird dieser Roman empfohlen. Doch auch für ältere Leser ist es sehr spannend, die Worte zu genießen. Ob die Altersempfehlung etwas jung ist, können Kinder und Eltern vielleicht besser beurteilen. Bei Mika handelt es sich um ein wirklich tolles Mädchen, dass einem sofort sympathisch wird. Sie hat die Energie, um den Versuch zu starten, etwas zu ändern. Dabei spürt sie einigen Geheimnissen nach, die in diesem ersten Band nicht alle gelöst werden. Der Täter in dieser Untersuchung könnte auch als tragische Figur gesehen werden. Kommissar Hoff wirkt manchmal wie ein Brummbär, was ihm auch einen gewissen Charme verleiht. Angesiedelt im winterlichen Schweden kann man einen Eindruck gewinnen, wieso Mikas Leben und das der anderen Waisenkinder eher schwer ist. Es mangelt an Essen und nur selten kann ordentlich eingeheizt werden. Es eindringliche Erinnerung, dass es nicht jedem gleich gut geht. Ein ansprechender Reihenstart, bei dem man sich schon auf den nächsten Band freuen kann.

Fast schon als Abkühlung eignet sich diese winterliche Lektüre für einen heißen Sommertag, wobei das hinreißend gestaltete Cover einen kühlen Hauch verbreitet. Das Hörbuch wird stimmungsvoll vorgetragen von Julia Nachtmann.

Veröffentlicht am 13.08.2025

Was herauskommen wird

Die Kriminalistinnen. Der stumme Zeuge
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Kommissaranwärterin Lucia Specht ist im Winter 1970 inzwischen in der Vermisstenstelle eingesetzt. Wie in allen Stellen gehört sie mit zu den ersten Frauen bei der Kriminalpolizei. Ihr neuer Chef scheint ...

Kommissaranwärterin Lucia Specht ist im Winter 1970 inzwischen in der Vermisstenstelle eingesetzt. Wie in allen Stellen gehört sie mit zu den ersten Frauen bei der Kriminalpolizei. Ihr neuer Chef scheint ihren Einsatz zu Glück recht positiv zu sehen. Als dann die vierjährige Liese als vermisst gemeldet wird, ermitteln Lucia und ihre Kollegen fast Tag und Nacht. Gerade so kleine Kinder müssen schnell gefunden werden. Ihre Ausbildungskolleginnen helfen mit, auch wenn sich ihre Wege so langsam etwas auseinander entwickeln. Zusätzlich wird Lucia von den Kollegen in Köln angefordert. Sie soll undercover in die Ganovenszene eintauchen, um Informationen zu erlangen, an die man sonst nicht herankommt.

In diesem dritten Band der Reihe um die ersten Frauen, die bei der Kriminalpolizei ausgebildet werden, haben Lucia und ihre Mitstreiterinnen an den Polizeidienst gewöhnt. Auch die männlichen Kollegen stehen ihnen nicht mehr ganz so skeptisch gegenüber. Ressentiments gibt es leider immer noch. Und nicht jeder Kollege ist den Frauen im Dienst gegenüber wohlgesinnt. Viele kann Lucia durch ihre gute Arbeit überzeugen. So bringt sie sich auch in die Suche nach Liese voll ein. Nur ihr Privatleben kommt ein wenig zu kurz. Ihren Vater und ihren Bruder sieht sie seltener und ihr Beziehungsstatur ist kompliziert.

Die Serie um die ersten Kriminalistinnen in Düsseldorf hat echten Retro-Charme. Es ist zum Glück kein verklärter Blick, der auf die Zeit geworfen wird. Man merkt, dass nicht alle mit Fortentwicklung und Forstschritt mitgehen wollen. Und doch ist es eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderung. Neben den Veränderungen gibt es auch Dinge, die gleich bleiben. Das Verbrechen macht keine Pause, nur weil die Gesellschaft gerade etwas anderes zu tun hat. Die Untersuchung um die kleine Liese ist sehr spannend. Daneben entwickelt sich die Abordnung nach Köln eher nach und nach zu einem brisanten Fall. Und während das persönliche Umfeld der Ausbildungskameradinnen weniger Erwähnung findet, gibt es bei Lucia einiges zu erzählen. Insgesamt ein gelungener Krimi aus einer Reihe, die eine Zeit beleuchtet, aus der es noch mehr zu erzählen gibt.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Das bessere Leben

Im Leben nebenan 
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Toni und Jakob haben beschlossen, sich ein Kind zu wünschen. Doch leider klappt es nicht so wie gedacht und so langsam wird es etwas stressig. Als Antonia dann eines Morgens in einer ganz anderen Umgebung ...

Toni und Jakob haben beschlossen, sich ein Kind zu wünschen. Doch leider klappt es nicht so wie gedacht und so langsam wird es etwas stressig. Als Antonia dann eines Morgens in einer ganz anderen Umgebung aufwacht, kann sie es kaum fassen. Auf einmal ist da ein Kind und eine vermeintlich heile Welt. Und die Menschen um sie herum tun so als wäre alles richtig so. Sie ist wieder an dem Ort, von dem aus sie in die Welt gestartet ist, mit dem Mann, mit dem die Beziehung in der Jugend nicht geklappt hat, mit einer Schwiegermutter, die sehr, sehr hilfreich ist.

Was wäre wenn Toni plötzlich als Antonia aufwacht? Toni möchte ein Kind und der Wunsch wird ihr von der Natur nicht erfüllt. Antonia hat ein Kind und weiß nicht so richtig wie sie daran gekommen ist. Ihr ganzes Leben ist ihr in dieser Spießigkeit fremd und unheimlich. Und doch ist sie mit Adam verheiratet (verheiratet?), mit dem sie früher eigentlich gerne über den Tellerrand der Heimat geblickt hätte. Wäre es so geworden, wenn sie die Entscheidung zu gehen und zu studieren nicht getroffen hätte? Und welches wäre das bessere Leben? Gibt es überhaupt ein besseres Leben?

Ein Leben, dass zwei sehr unterschiedliche Wendungen hätte nehmen können. Was für ein Gedankenspiel. In keinem Leben ist alles leicht oder läuft wie geschmiert. Und so ist jedes Leben irgendwie normal. In jedem Leben würde man eine Entwicklung durchmachen oder erleben, je nachdem wie man auf sein Leben blickt. In jedem Leben würde es Veränderungen geben. Und so regt dieser Roman auf unterhaltsame Weise zum Nachdenken an. Was wäre gewesen, wenn man sich selbst anders entschieden hätte? Oder andere Chancen wahrgenommen hätte? Bereut man etwas oder findet man in jedem Leben eine gewisse Zufriedenheit? Auch wenn man eine Erklärung vermisst, gewinnt man so wohl Toni als auch Antonia lieb und hofft, dass sie in ihren Leben Freude und Zufriedenheit findet.

Die Lesung von Chantal Busse unterstützt Tonis und Antonias Charakter, so dass man ihr gerne und gebannt durch das Buch folgt. Das Cover erregt Aufmerksamkeit und fängt den Blick.

Veröffentlicht am 06.08.2025

Die Entscheidung

Beduinenmilch
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Kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag reist Talia im Jahr 2014 von Berlin nach Israel zu ihrer Großmutter. Der Großvater ist vor einiger Zeit verstorben und Talia, die sehr zu ihrem Opa aufgeblickt hat, ...

Kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag reist Talia im Jahr 2014 von Berlin nach Israel zu ihrer Großmutter. Der Großvater ist vor einiger Zeit verstorben und Talia, die sehr zu ihrem Opa aufgeblickt hat, empfindet den Verlust. Ihr Großvater stammte aus Deutschland und ist von seinen Eltern vor dem Holocaust gerettet worden. Er ist Talias großes Vorbild. Mit ihrem zweiten deutschen Pass ist die junge Frau eigentlich vom Militärdienst befreit. Doch sie hat es sich genau überlegt. Sie verbringt ihren Geburtstag in Israel und sie wird sich einziehen lassen. Ihr Staat muss verteidigt und geschützt werden und sie wird ihr Teil dazu beitragen.

Mit glücklichen Tagen, Feiern und Wiedersehen mit Familienmitgliedern beginnt Talias Urlaub. Sie freut sich mit ihren Verwandten und Freunden, es gibt so viel zu besprechen. Wie sie ihren Eltern in Deutschland das mit dem geplanten Militärdienst beibringen soll, weiß sie noch nicht. Nur Noa weiß Bescheid, die wahrscheinlich zur selben Zeit eingezogen wird. Die beiden jungen Frauen sind so gespannt und voller Vorfreude. Erste Risse bekommt das schön ausgemalte Bild der Zukunft als Talia die Baustelle in der Nähe des Hauses ihrer Großmutter bemerkt. Dort arbeiten Illegale. Es sind Araber, die nicht die Erlaubnis haben einzureisen, als billige Arbeitskräfte unter der Hand aber auf gewisse Weise willkommen sind.

Die Autorin selbst ist Deutsch-Israelin und kenntnisreich schreibt sie von einer jungen Frau, die in zwei Welten zu Hause sein könnte. Für Leser, die keine entsprechenden Kenntnisse besitzen, ist dieser Roman eine echte Bereicherung. Man bekommt einen Einblick in das Leben einer jungen Frau, die sich entscheiden will Israelin zu sein, mit allem, was dazu gehört. Man erlebt mit wie ihr Enthusiasmus Brüche erfährt. Denn sie muss feststellen, auch Israel ist kein idealer Staat. Es ist ein Staat, der das Recht hat zu bestehen, der aber auch anderen ihre Rechte eigentlich nicht absprechen kann. Auch ein naher Einblick in die Gründung des Staates Israel wird gegeben. Man erlebt hautnah mit, wie die Menschen an ihrem Staat leiden, aber auch sehr stolz sind, diesen Staat zu haben. Dieser Roman lässt sich nicht ganz leicht lesen, weil sehr authentisch und eindringlich berichtet wird, doch er beeindruckt und berührt mit seiner jungen Heldin, die lernt eigene Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen.

Veröffentlicht am 05.08.2025

Urlaub für Peter

Die Meerjungfrauen von Aberdeen (Die Flüsse-von-London-Reihe (Peter Grant) 10)
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Die Zwillinge von Peter Grant und Beverly sind auch schon zwei Jahre alt. Nicht, dass man meint, Zweijährige hüten wäre einfach. Und so kommt es, dass sich, als ein Schaf in Schottland tot aufgefunden ...

Die Zwillinge von Peter Grant und Beverly sind auch schon zwei Jahre alt. Nicht, dass man meint, Zweijährige hüten wäre einfach. Und so kommt es, dass sich, als ein Schaf in Schottland tot aufgefunden wird, die ganze Familie auf den Weg nach Norden macht. Wegen der seltsamen Umstände erachtet Chief Inspector Thomas Nightingale es für notwendig, dass seine Einheit der in gewisser Weise Übernatürlichen ermittelt. Was für Abenteuer auf den nun schon erfahreneren Zauberlehrling Peter Grant warten, wird sich zeigen. Das es mit seiner nicht mehr ganz kleinen Familie und Anhang aus Eltern und Teammitgliedern turbulent werden wird, versteht sich fast von selbst.

Nun schon zum zehnten Mal bekommt es Peter Grant mit Ereignissen übernatürlichen Ursprungs zu tun. Dass ihn dies in die schottische Hafenstadt Aberdeen führt, lässt tatsächlich den Gedanken aufkommen, dass sich Urlaub und Arbeit auch mal vermischen können. Zumindest kommen Beverly und die Kinder mal raus. Nicht nur Vergnügen bereitet die Sache mit dem toten Schaf, hinter der doch mehr steckt als zunächst angenommen. Sogar im kühlen Norden haben die Wasserwesen etwas zu sagen. Und Beverly ist weit weg von ihrem heimatlichen Fluss.

Dieses Hörbuch wird sehr ansprechend vorgetragen von Sarah Dorsel und Dietmar Wunder. Wenn man die Reihe bisher in gedruckter Form genossen hat, könnte es möglicherweise einer kleinen Gewöhnungsphase bedürfen. Die Anpassung ist aber schnell geschafft.

Der Wechsel der Szenerie gibt der Handlung nicht nur durch die Wahl des Ortes eine gewisse Frische. Schön ist auch die Entwicklung von Peter und Beverly, die sich als Eltern gut eingelebt haben, obwohl ihre quirligen Zwillinge sie ganz schön auf Trab halten. Manchmal wirkt Peter vielleicht etwas abgelenkt, aber wenn es heikel wird bei den Untersuchungen, ist er voll gespannter Aufmerksamkeit. Außerdem sind die Unterschiede zu schottischen Art der Polizeiarbeit kein Hindernis, um mit den Kollegen gut klarzukommen. Es ist spannend zu hören, was Peter und seine Kollegen herausfinden und wie er dabei noch seine Rasselbande im Zaum hält.