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Veröffentlicht am 28.04.2018

Die Praktikantin

Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen
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Karoline Maus hat im öffentlichen Dienst gelernt. Ihr Traum war es jedoch zu studieren, nebenberuflich geht das am Besten an der Fern-Uni in Hagen. Und nun hat sie ihren Bachelor in der Tasche, mit einer ...

Karoline Maus hat im öffentlichen Dienst gelernt. Ihr Traum war es jedoch zu studieren, nebenberuflich geht das am Besten an der Fern-Uni in Hagen. Und nun hat sie ihren Bachelor in der Tasche, mit einer Note, die sich echt sehen lassen kann. Einen Job hat sie auch, doch dazu muss sie das heimatliche Bochum verlassen und nach Hamburg ziehen. Dort kommt sie in der Wohngemeinschaft ihrer Schulfreundin Saskia unter. Leider war es mit dem Job nicht, die Kripo teilt ihr mit, dass ihr künftiger Chef gerade verhaftet wurde. Etliche Bewerbungen und kurz vor der Pleite landet Karo im Vorstandsbüro von Eintracht Hamburg, einem Fußballverein, der gegen den Abstieg aus der Bundesliga kämpft. Als Praktikantin soll sie den Wachhund für Patrick Weidinger geben, der mal um mal über die Stränge schlägt.

Hamburg ist die schönste Stadt Deutschlands und die Hamburger brauchen mindestens zwei Jahre bis sie mit einem Fremden warm werden, dann entwickeln sich aber tolle Freundschaften. So ganz leicht hat Karo es am Anfang nicht. Ihr Schützling darf nicht merken, dass er beschützt wird und er will auch nicht beschützt werden. Keine einfachen Arbeitsbedingungen und Karo tut so als sei sie Chauffeurin des Vorzeigefußballers. Im Verein selbst wird sie von den anderen Mitarbeitern weidlich ausgenutzt, Zeitungsberichte ausschneiden und archivieren, Unterschriften auf Autogrammkarten fälschen. Und dieser Weidinger ist ein echtes Ekel, meistens jedenfalls.

Auch wenn man nur wenig von Fußball versteht und es einem ähnlich geht wir Karo, wird man Freude an diesem Roman haben. Beruflich hat jeder einmal angefangen und weiß, dass man zunächst kleine Brötchen backen muss, wenn man neu im Job ist. Verliebt man sich dann auch noch in einen Kollegen, obwohl man Beruf und Arbeit doch immer trennen wollte, sind Turbulenzen vorprogrammiert. Und Karo geht es so mit ihrem Schutzbefohlenen Patrick Weidinger, der eigentlich Tore schießen soll, sich durch sein unbotmäßiges Verhalten aber immer mehr ins Abseits bringt. Gut kann man sich von der Geschichte dahin tragen lassen, die anfänglichen Wortgefechte, die Schwierigkeiten im Verein, die sich langsam in Gespräche wandeln und eine anerkannte Stellung. Eine Lektüre, die gut zu einem sonnigen Nachmittag an der Alster passt, die bestens unterhält und den Weg zum Happyend mit allerhand Verwicklungen pflastert.

Veröffentlicht am 27.04.2018

Ein gewisser Frieden

Die Mädchen von der Englandfähre
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Die Journalistin Nora Sand kann an manchem alten Trödel nicht vorbeigehen. Und so ersteht sie in einem kleinen Laden einen alten Koffer. Neugierig, ob sich vielleicht noch etwas in dem Koffer befindet, ...


Die Journalistin Nora Sand kann an manchem alten Trödel nicht vorbeigehen. Und so ersteht sie in einem kleinen Laden einen alten Koffer. Neugierig, ob sich vielleicht noch etwas in dem Koffer befindet, öffnet sie das Teil. Überrascht stellt sie fest, dass noch ein paar alte Bilder in dem Gepäckstück sind, Bilder von jungen Mädchen. Vage kommen ihr zwei der Mädchen bekannt vor und nach einigen Recherchen findet Nora einen Zusammenhang mit einem Vermisstenfall, der schon Jahrzehnte zurückliegt. Damals verschwanden zwei dänische Mädchen von einer Englandfähre. Sollte Nora etwa eine Chance haben, eine Spur in so einem alten Fall zu entdecken.

Wie der Zufall machmal so spielt, manche Verbrechen scheinen ungelöst zu bleiben und mache werden nach langen Jahren doch noch aufgeklärt. Im dänischen Fernsehen wurde nochmal über den Fall berichtet und so hat Nora einen Ansatz für ihre Nachforschungen. Im Laufe ihrer Ermittlungen, die sie sowohl in Dänemark als auch in Groß Britannien beschäftigen, trifft sie ihren alten Bekannten Andreas wieder, der inzwischen bei der Polizei gelandet ist. Leider ist er inzwischen in einer Beziehung. Umso engagierter stürzt sich Nora Sand in die Untersuchung um das Verschwinden der Mädchen und findet eine Spur, die zu einem Serientäter führt, der schon seit langem im Gefängnis sitzt.

Nora Sand ist eine sympathische Journalistin, die ihre Frau auch schon mal beim Thai-Boxen steht. Meist geht sie allein durchs Leben, nach einer Partnerschaft sehnt sie sich allerdings schon. Ihre Neugier und Hartnäckigkeit sind ihrer Tätigkeit sehr zuträglich. Sie lässt nicht so schnell locker und sie hat ein Händchen dafür, Menschen dazu zu bringen, mehr preiszugeben als sie eigentlich wollten. Manchmal möchte sie auch mit dem Kopf durch die Wand und dann beachtet sie gut gemeinte Warnungen nicht.

Die Idee durch einen Zufallskauf auf eine Spur in einem alten Fall zu stoßen, ist wirklich spannend. Allerdings kommen manche Zufälle etwas sehr gelegen und die Liebesgeschichte entfaltet nicht so großen Schmelz, eher fragt man sich, wozu Nora vermeintlich kalten Kaffe aufwärmt. Entschädigt wird man aber von einigen Entdeckungen und Wendungen, die überraschen und einen neugierig weiterlesen lassen. Ein guter Start einer Reihe, der Lust macht, auch den nächsten Band in Angriff zu nehmen.

Veröffentlicht am 24.04.2018

Urlaub auf dem Land

Der Tote im Stall
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Genau das machen die beiden Freundinnen Anna und Mona. Und gut lässt er sich an der Urlaub. Schon bald sind zwei nette Urlaubsflirts in Sicht. Unterkunft und Essen lassen nur wenige Wünsche offen. Gerade ...

Genau das machen die beiden Freundinnen Anna und Mona. Und gut lässt er sich an der Urlaub. Schon bald sind zwei nette Urlaubsflirts in Sicht. Unterkunft und Essen lassen nur wenige Wünsche offen. Gerade das Richtige, um sich von den letzten Aufregungen zu erholen. Doch die Ruhe bleibt nicht lange bestehen. Bald findet Anna wird einen Toten im Stall eines Schweinemastbauern. Geht das denn schon wieder los? Zunächst einmal sieht zwar alles nach einem Unfall aus, doch irgendwie ist Anna die Sache nicht geheuer und sie beginnt im Dorf Nachforschungen anzustellen.

Anna und Mona, die ihr ihren zweiten Auftritt haben, sind beste Freundinnen. Anna ist dabei die etwas bedachtere während Mona schon mal schnell entscheidet und so ergänzen sich die Beiden gut. Doch hier ist Anna zunächst mehr alleine unterwegs während Mona die traute Zweisamkeit genießt. Den Spuren des Toten, der selbst den Ort schon seit Jahren immer wieder besucht hat, sind zunächst kaum wahrnehmbar. Eine unauffällige Persönlichkeit, ein Tierarzt, der seine kranke Frau lange gepflegt hat und sich nun als Witwer mal wieder einen Urlaub gönnt. Warum sollte er ausgerechnet hier zu Tode kommen. Je mehr Anna nachbohrt, desto mehr Ansätze findet sie, die daraufhin deuten, dass vielleicht doch mehr hinter dem vermeintlichen Unfall steckt.

Leicht und locker tanzen Anna und Mona durch diesen Fall. Gleich zu Beginn entsteht Urlaubsstimmung. Wellnessurlaub in einem idyllischen Bergdorf, das wär es doch. Wenn frau und Göttin auch manchmal eher stolpern lassen, denn erheitern, so ist das Rätsel um den Toten im Stall doch überraschend und spannend. Die eingestreuten Liebesgeplänkel bringen Abwechslung, wenn auch nicht jede Begegnung berauschend verläuft. Zwei Frauen, die fest im Leben stehen und es anpacken. Da bleibt kein Geheimnis ungeklärt.

Eine schöne Krimilektüre, die gute Unterhaltung bietet und zwei Freundinnen, die die Polizei manchmal etwas alt aussehen lassen.

Veröffentlicht am 22.04.2018

Schreibtischjob

Der Tote in der Kapelle
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So klasse findet Hugo Hawksworth es nicht, in den Innendienst versetzt zu werden. Im Außendienst, mit geheimen Aufträgen, die ihn in ferne Länder führten, war sein Leben doch viel spannender. Doch eine ...

So klasse findet Hugo Hawksworth es nicht, in den Innendienst versetzt zu werden. Im Außendienst, mit geheimen Aufträgen, die ihn in ferne Länder führten, war sein Leben doch viel spannender. Doch eine Verwundung am Unterschenkel hat seine Zeit in dieser Position für immer beendet. Schweren Herzens macht er sich gemeinsam mit seiner kleinen Schwester auf den Weg nach Selchester Castle weit weg von London und allem. Im Jahr 1953 sind die Nachwirkungen des Krieges noch deutlich zu spüren. So ist der Schlossherr bereits kurz nach dem Krieg spurlos verschwunden. Eine Tatsache, die Hugo wesentlich neugieriger macht als sein neuer Job, der im Wälzen alter Akten besteht.

Ein im Einsatz versehrter junger Mann und seine 13jährige Schwester machen sich auf zu neuen Ufern. Natürlich geht es auch um den neuen Job. Wichtig ist aber, dass Georgina den Tod der Eltern noch nicht überwunden hat und sie sich in der Obhut ihres Bruders wohler fühlen wird. Die Schlossbewohner sind zunächst wenig begeistert von ihrer Einquartierung. Nur die Haushälterin, die Georgina sofort in ihr Herz geschlossen hat, umsorgt sowohl sie als auch Hugo mit ordentlichen Mahlzeiten und viel Wärme. Die Nichte des verschwundenen Hausherrn möchte die Gäste am liebsten nur von weitem sehen. Ein Wunsch, der unerfüllt bleiben muss, denn schon bald wird in der Kapelle ein Skelett gefunden. Bei den nun folgenden Nachforschungen wird Hugos Hilfe und seine Erfahrung im Nachrichtendienst gerne in Anspruch genommen.

Hugo Hawksworth hat mit „Der Tote in der Kapelle“ seinen ersten Auftritt in einer Reihe von drei Büchern. Leider ist die Autorin bereits verstorben und das letzte Buch in der Reihe wurde von ihrem Sohn nach ihren Notizen verfasst. Mit den Beschreibungen des ländlichen Lebens in England fühlt man sich sofort an die Englandbesuche erinnert. Auch wenn die nicht in den 1950ern stattfanden, ist die englische Landschaft und die Architektur doch irgendwie urtümlich geblieben. Glücklicherweise hat es der Verursacher des zweiten Weltkrieges nicht geschafft, den Engländern ihr England zu nehmen. Dennoch waren die Menschen durch den Krieg belastet und traumatisiert. Das ist noch deutlich zu spüren und auch der beginnenden kalte Krieg wirft seine Schatten voraus. Viel mehr Beziehungen gibt es zum Geheimdienst als man in so einem heimeligen Örtchen vermuten möchte. Schließlich ist doch das Leben dort alles andere als geheim. Da weiß die Haushälterin und damit auch der ganze Ort am Abend schon, was am Morgen in der Zeitung stehen wird. Und dennoch hinterlassen die warmherzigen Menschen in Selchester einen sympathischen Eindruck. Sogar beim Lesen fühlt man sich heimisch und beginnt mitzurätseln, welches Schicksal den Herrn des Hauses wohl ereilt hat.

Ein liebenswerter Schreibtisch-Ermittler, der durchaus nicht nur am Schreibtisch bleibt, mit einer naseweisen Schwester in einem heimeligen Setting in der englischen Provinz, was will man mehr auf der Suche nach dem, was der Tat zugrunde liegt.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Madeline, Eve und Brady

Für immer ist die längste Zeit
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Sie ist tot, Maddy ist vom Dach gesprungen und gestorben. Ihre Tochter Eve ist untröstlich und auch Brady, ihr Mann weiß nicht wie er mit dem tragischen Ereignis umgehen soll. Manchmal denkt Eve, sie habe ...

Sie ist tot, Maddy ist vom Dach gesprungen und gestorben. Ihre Tochter Eve ist untröstlich und auch Brady, ihr Mann weiß nicht wie er mit dem tragischen Ereignis umgehen soll. Manchmal denkt Eve, sie habe ihre Mutter nicht genug gefeiert, sich nicht genug bedankt, sich wenig Mühe gegeben. Auch Brady macht sich große Vorwürfe, immer stand der Beruf im Vordergrund, häufig hatte er etwas anderes vor, wenn es darum gegangen wäre, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Sowohl Brady als auch Eve verkriechen sich in ihre Ecken und wissen nicht wie sie mit ihrer Trauer umgehen sollen.

Man wünscht es niemanden, aber viele Menschen werden jemanden im Bekanntenkreis haben, der oder die sich das Leben genommen hat. Auch wenn man kein enger Verwandter war kann man nachvollziehen, welch ein Schlag vor den Kopf es bedeuten kann, wenn jemand einfach selbst geht und es keine Erklärung gibt. Dazu kommt die Trauer, die einen sowieso überfällt, wenn man einen lieben Menschen vermissen muss. Eve und Brady leiden an ihrem Verlust und sie können sich nicht trösten. Madeline, die irgendwie noch nicht ganz weg ist, versucht, ihren Lieben zur Seite zu stehen, ihnen zu helfen, sich gegenseitig zu unterstützen und sich auch neuen Erfahrungen zu öffnen, ohne ihre Mutter und Frau zu vergessen.

Aus Sicht von Maddy, Eve und Brady kann man an dem langsamen und schmerzvollen Prozess teilhaben, den man nach dem Versterben des geliebten Familienmitglieds durchmachen muss. Man fühlt mit Eve und Brady mit, man fragt sich, weshalb Madeline es getan hat, man wünscht den Hinterbliebenen, dass sie sich mit der Situation abfinden, neue Erfahrungen machen und doch gute Erinnerungen behalten. Man denkt aber auch an die eigenen Lieblingsmenschen, die nicht mehr da sind und versucht auch selbst nach vorne zu blicken und sich vorzustellen, dass es ihnen gutgeht, wo auch immer sie sind.

Ein berührender Roman über die Trauer, über den Tod, Lächeln und Freude, die zunächst kaum gewagt werden und die Hoffnung auf bessere Tage, in denen man einen Schritt voran getan hat und in warmer Erinnerung zurückblicken kann,