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Veröffentlicht am 15.03.2018

Rosa Motorroller

Die Morde von Pye Hall
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Es beginnt damit, dass der berühmte Autor sein neuestes und lang erwartetes Werk beim Verlag abgibt. Der Verleger und die Lektorin Susan Ryeland bekommen jeweils ein Exemplar. Gespannt startet Susan mit ...

Es beginnt damit, dass der berühmte Autor sein neuestes und lang erwartetes Werk beim Verlag abgibt. Der Verleger und die Lektorin Susan Ryeland bekommen jeweils ein Exemplar. Gespannt startet Susan mit der Lektüre. Diese beginnt damit, dass die Haushälterin Mary Blakiston bestattet wird. Sie ist während ihrer Tätigkeit als Betreuerin von Pye Hall, die auch das Putzen umfasst, die große Treppe heruntergestürzt und dabei tödlich verletzt worden. Offensichtlich ein Unfall, doch schon geht das Gerede los, weil sich die Verstorbene gerade mit ihrem Sohn gestritten hat. Der Detektiv Atticus Pünd übernimmt die Ermittlungen allerdings erst als auch der Herr von Pye Hall zu Tode kommt, denn dieser stirbt eindeutig eines nicht natürlichen Todes.

Ein Buch im Buch, zwar ist die Idee nicht neu, doch so häufig eingesetzt wird dieses Stilmittel nicht und so wirkt es immer recht frisch, wenn es zur Anwendung kommt. Die Lektorin und auch der Leser werden zunächst ein wenig gelockt damit, dass bei dem Buch, dass dem Verlag vorgelegt wird, die letzten Kapitel fehlen. Was soll das denn? Ein Krimi ohne Schluss, ein Mord ohne Mörder? Wo bleibt die Auflösung, der Showdown mit dem genial findigen Atticus Pünd? Natürlich macht sich Susan auf die Suche nach dem restlichen Manuskript. Allzu leicht gemacht bekommt sie es nicht, denn das nächste, was sie erfahren muss, der berühmte Autor ist bei einem Sturz umgekommen. Susan begibt sich also an den Wohnort des Schriftstellers und sie beginnt mit detektivischem Geschick, die Bewohner zu befragen.

Zu Beginn mag es einem so vorkommen, dass dem Buch im Buch recht viel Platz zugedacht wurde. Doch wenn sich nach der Lektüre alles gefügt hat, erscheint doch alles passendend und angemessen zusammengefügt. Während die Handlung um den Verlag in der Gegenwart angesiedelt ist, entführt uns das unvollständige Manuskript in das Jahr 1955, in dem die Nachwirkungen des zweiten Weltkrieges noch deutlich zu spüren sind, das Leben in dem kleinen Örtchen noch sehr beschaulich ist, der herannahende Aufbruch aber schon erste Anzeichen schickt. Tatsächlich ähnelt die Herangehensweise von Susan Ryeland ein wenig derer ihres Vorbilds Atticus Pünd. Mit großer Gewissenhaftigkeit geht sie den einzelnen Spuren nach, fügt Aussagen zusammen oder nimmt sie auseinander. Zu jeder Zeit fühlt sich der Leser dabei mitgenommen und er befindet sich sehr eng am Geschehen. Dieser klassische und sehr britisch wirkende Kriminalroman, bei dem es sich eigentlich um zwei Krimis handelt, vermag bestens zu unterhalten und zu überzeugen.

Veröffentlicht am 14.03.2018

Mardi Gras

Höllenjazz in New Orleans
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Ein Mörder geht um in New Orleans. Axeman wird er genannt, weil er seine Opfer mit einer Axt verstümmelt, die er am Tatort liegen lässt. Die Bevölkerung ist in Angst und Schrecken und langsam werden die ...

Ein Mörder geht um in New Orleans. Axeman wird er genannt, weil er seine Opfer mit einer Axt verstümmelt, die er am Tatort liegen lässt. Die Bevölkerung ist in Angst und Schrecken und langsam werden die Menschen auch unruhig, da die Polizei offensichtlich nicht in der Lage ist dem Täter das Handwerk zu legen. Ob das so stimmt, kann nicht gesagt werden. Auf jeden Fall wird von verschiedenen Seiten fieberhaft ermittelt. Natürlich auch durch die Polizeibeamten vornehmlich Michael Talbot, doch auch eine Bearbeiterin der Pinkerton-Detektei begibt sich an eigene Nachforschungen. Und nicht zuletzt der wegen Korruption verurteilte ehemalige Polizist Luca D’Andrea.

Tatsächlich begangen wurden die beschriebenen Mordfälle im Jahr 1919, bis ins letzte Detail gelöst wurde der Fall nie. Daraus ergibt sich ein hervorragender Ausgangspunkt für dieses Phantasieprodukt des Autors Ray Celestin, der hiermit sein Debüt vorlegt. Aus verschiedenen Positionen umkreisen seine handelnden Personen den Fall, der kaum lösbar erscheint, ist doch der Täter bestens informiert und sehr gewieft darin, keine verwertbaren Spuren zu hinterlassen. Auch die Opfer bieten zunächst kaum einen Ansatz für die Ermittler, da tun sich keine Zusammenhänge auf. Doch so unterschiedlich die Ermittler sind, so hartnäckig sind sie auch und nach und nach entsteht aus den vorhandenen Spuren ein Bild.

New Orleans, The Big Easy, kurz nach dem ersten Weltkrieg, der auch dort seine Opfer gefordert hat, eine Stadt der Sünde, des Feierns und des Mardi Gras. Kurz vor Beginn der Prohibition geht es noch einmal hoch her. Allerdings ist man in den Vergnügungsvierteln bereits dabei, sich auf das kommende Alkoholverbot einzustellen. Vor diesem Hintergrund und dem, was über die tatsächlichen Axtmorde bekannt ist, hat der Autor in seinem Erstlingswerk einen spannenden Kriminalfall beschrieben. Mit den wahren Fakten als Rahmen hat er seine Phantasie spielen lassen und drei verschiedene Hauptpersonen mit den Ermittlungen beauftragt. Alle drei haben unterschiedliche Herangehensweisen und erzielen unterschiedliche Ergebnisse, die allerdings ein Gesamtbild ergeben, so dass man mit diesem Roman eine stimmige Lösung erhält. Ein wenig fraglich ist, ob diese unterschiedlichen Ansätze, die kaum eine Bündelung erfahren, nicht etwas zu viel des Guten sind. Viel Sympathie wird allerdings durch das Spiel mit bekannten Namen geweckt und auch die Beschreibung des pulsierenden Lebens in New Orleans kurz vor Beginn der Prohibition ist ausgesprochen anschaulich.

Veröffentlicht am 13.03.2018

Themsewasser

Ihr Blut so rein - Lacey Flint 3
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Noch hat Lacey Flint ihre Erlebnisse aus dem letzten Fall nicht überwunden, noch ist sie dienstunfähig. Doch sie kann nicht wegschauen als in der Nähe der Themse die Leichen von mehreren Jungen auftauchen. ...

Noch hat Lacey Flint ihre Erlebnisse aus dem letzten Fall nicht überwunden, noch ist sie dienstunfähig. Doch sie kann nicht wegschauen als in der Nähe der Themse die Leichen von mehreren Jungen auftauchen. Den Kindern wurde die Kehle durchgeschnitten und sie verbluteten. Der 11jährige Barney hat etwas beobachtet, er ist ein sehr guter Beobachter, eigentlich sucht er nach seiner Mutter, die seit er ein Kleinkind war verschwunden ist. Und nun versucht er nicht nur herauszufinden, was mit der Mutter geschah, er will auch den nächsten Jungen retten, der in die Fänge des Täters gelangen könnte.

Barney wohnt in Laceys Nachbarschaft, sie pflegen eine lockere Bekanntschaft. Wenn Lacey laufen geht, sehen sie sich manchmal. Ihre Häuser haben sie gegenseitig im Blick. Zunächst möchte sich Lacey ihrer Genesung widmen, obwohl sie ihrer Psychologin nicht richtig vertraut. Insgeheim möchte sie den Polizeidienst verlassen, sie befürchtet wegen ihrer Vergangenheit, die keiner so richtig kennt, immer wieder anzuecken. Aber wenn es um Kinder geht, kann sie nicht einfach wegsehen. Vielleicht ist Barney in Gefahr, Lacey muss einfach herausfinden, was und wer hinter den Taten steckt.

Lacey ermittelt, Barney ermittelt und die Polizei ermittelt. Daraus ergibt sich eine sehr spannende Konstellation, in der der Leser mehr weiß als jeder einzelne Ermittler und doch im Dunkeln tappt. Man wünscht sich, dass Lacey sich so langsam ihrer Vergangenheit stellt und einen festen Platz bei der Polizei oder einem anderen Arbeitgeber findet und auch in Joesburys Leben. Von diesem ist einiges über seinen privaten Hintergrund zu erfahren. Danas Misstrauen gegenüber Lacey erscheint durchaus übertrieben. Barney, dieser tapfere Junge erweckt viel Sympathie, wie schwer ist es ohne Mutter aufzuwachsen und wie einfallsreich geht er vor, wenn er versucht, den Täter finden. Zwar kann man nicht jeden Gedanken nachvollziehen, der in den Köpfen der handelnden Personen steckt, doch tritt dies zurück hinter einem packenden Thriller, der es wirklich in sich hat.

Veröffentlicht am 11.03.2018

Einfall

Wiener Straße
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Über dem Café Einfall ist eine Wohnung frei. Frank Lehmann zieht mit Chrissie, der Nichte des Café-Besitzers, und den beiden Künstlern Karl Schmidt und H. R. Ledigt in diese WG-Wohnung. Man schreibt das ...

Über dem Café Einfall ist eine Wohnung frei. Frank Lehmann zieht mit Chrissie, der Nichte des Café-Besitzers, und den beiden Künstlern Karl Schmidt und H. R. Ledigt in diese WG-Wohnung. Man schreibt das Jahr 1980 zur Zeit der Aktionskünstler und Hausbesetzungen in Westberlin. Im Café übernimmt Frank das Putzen. Und Chrissie quengelt solange nach einen Job, bis sie die Frühschicht übernehmen darf. Derweil übernimmt ein neugieriger Nachbar das Renovieren der Wohnung. Und die Künstler erstellen Kunstwerke.

Vielleicht muss man die 1980er inklusive einer Fahrt nach Westberlin erlebt haben, um sich in dieser schrägen Romankomödie wohl zu fühlen. Beim Lesen der Dialoge fühlt man sich in die alten Zeiten zurückversetzt. Mit großen Augen bestaunte man die große Stadt mit ihrer Subkultur, die wie eine Insel in einem ganz fremden Land lag. Keine Wehrpflicht, Berlinförderung und tosendes Leben in urigen Biergärten und auf den Straßen. Mit jedem „Ist schon offen?“ schmunzelt man erneut, mit jedem frech-aggressiven Spruch von Chrissie grinst man über die Berliner Schnauze, die nicht nur von Berlinern gesprochen wird. Auch die urigen Kunstwerke oder Kunstaktionen vermögen zu überzeugen. Würde da nicht immer mal der neue Kontaktbeamte des Kiez dazwischenfunken.

Wie eine Momentaufnahme wirkt die Erzählung. Für ein paar Handlungstage kann man ins Westberlin des Jahres 1980 eintauchen und den Witz des Autors genießen. Wenn man die Welt des Frank Lehmann mag und aus den früheren Romanen kennt, wird man sich über die Wiederbegegnung mit den bekannten komischen Helden freuen und an diesem Ausschnitt aus ihrem Leben gerne teilhaben. Fast wie eine Milieustudie in nicht ganz so ferne Zeiten schlägt Sven Regener eine Brücke in die Erinnerung. Im Geiste hört man den Tonfall, sieht man sie agieren und amüsiert sich über die skurrilen Ideen. Es lebe der Punk, es lebe Berlin und es lebe Frank Lehmann.

Veröffentlicht am 09.03.2018

Eishockey

Kleine Stadt der großen Träume
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Kevin ist der beste Spieler der ersten Mannschaft. Das Team steht zusammen, in allen Lagen. Sie trainieren gemeinsam, sie fahren gemeinsam zum Spiel, sie treffen sich zu Partys und sie stehen füreinander ...

Kevin ist der beste Spieler der ersten Mannschaft. Das Team steht zusammen, in allen Lagen. Sie trainieren gemeinsam, sie fahren gemeinsam zum Spiel, sie treffen sich zu Partys und sie stehen füreinander ein. Was könnte es also Besseres geben? Die Mannschaft ist die beste, die Björnstadt jemals hatte, sie könnten sogar die Meisterschaft gewinnen. Was aber, wenn einer aus der Reihe tanzt? Wenn einer sich nicht so ehrenvoll verhält, wie es die Mannschaft verdient hätte. Was, wenn dieser aber den dicksten Sponsor hinter sich weiß? Wird die Mannschaft weiterhin zusammenstehen? Werden sich Fronten auftun?

Eine ganze Stadt wird vom Eishockey und der Mannschaft bestimmt. Die Sportnachrichten sind die wichtigsten des Tages. Das Spiel wird diskutiert, es werden Daumen gehalten, und natürlich ist der Sohn jedes einzelnen der beste Spieler und ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Die Eltern leiden mit ihren Kindern in Niederlagen und die Erfolge der Jungen sind natürlich auch die der Eltern. Die Mannschaft besteht nicht nur aus der Mannschaft, sondern auch aus allen drumherum. Unendlich schwer ist es, dieses feste Gefüge aufzubrechen und frischen Wind in die Mannschaft zu integrieren. Durch ein dramatisches Ereignis geht das Gleichgewicht der Mannschaft und des ganzen Ortes verloren.

Um dieses Buch zu mögen, ist es schon ratsam, ein wenig über Mannschaftssporten und speziell den Eishockeysport zu wissen. Gerade nach dem erfolgreichen Auftritt der Nationalmannschaft bei den olympischen Spielen passt das Buch genau in die Zeit. Die fein austarierten Strömungen innerhalb der Mannschaft und des kleinen eher unbedeutenden Ortes Björnstadt geben dem Leser die Möglichkeit, sich ausführlich mit dem Sport und den involvierten Personen zu beschäftigen. Doch hin und wieder kann es geschehen, dass einem eine Thematik, die ein Autor wählt, in dessen weitere Bücher man mit Freude und wachsender Spannung eingetaucht ist, einen nicht so sehr interessiert. Was da am Beispiel des Eishockeys erläutert wird, ist eine ziemlich fiese Story über die Machenschaften derer, die vermeintlich die Fäden in der Hand halten. Allerdings dauert es recht lange, bis die Handlung auf den Punkt gebracht wird und bis es soweit ist, muss man den Teil überstehen, der einem ein gewisses Interesse an dem Sport abverlangt. Leider wird nicht jeder Leser dieses Interesse aufbringen können.