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Veröffentlicht am 13.07.2025

Sehnsucht Knabenchor

Durch das Raue zu den Sternen
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In der Zeit, nach der ihre Mutter kurz fortgegangen war, ist es Arkadia Finks größter Traum im Knabenchor zu singen. Ihre Mutter lebte die Musik, sie strahlte sie aus, war von ihr ergriffen und sie vertrat ...

In der Zeit, nach der ihre Mutter kurz fortgegangen war, ist es Arkadia Finks größter Traum im Knabenchor zu singen. Ihre Mutter lebte die Musik, sie strahlte sie aus, war von ihr ergriffen und sie vertrat die Meinung, Beethoven sei eine Frau gewesen. Als Komponistin war sie jedoch nicht erfolgreich. Arkadia, die Moll genannt wird, wartet auf den Moment, zu dem ihre Mutter wieder da ist. Molls Vater hat das Verschwinden seiner Frau ebenfalls nicht überwunden. Der Schreiner kann sich kaum aufraffen zu arbeiten und sich auch nicht richtig um seine Tochter kümmern. Molls Leben ist die Musik und die will sie im Chor ausdrücken.

Nachgeben, nur weil sie ein Mädchen ist, dass ist nicht die Lösung für Moll. So hat auch ihre Mutter gedacht, sich aber nicht immer so verhalten. Mit der Unbändigkeit und Kompromisslosigkeit eines dreizehnjährigen Kindes geht Moll ihrem Traum nach. Es ist ihr egal, dass im Knabenchor noch nie ein Mädchen gesungen hat. Es kommt auf das Können an, so! Wenn sie erstmal vorsingen kann, wird sie bestimmt angenommen werden. Dieses Vorsingen ist allerdings garnicht so einfach zu bekommen. Es soll ihr keiner blöd kommen, auch an der Schule nicht. Wenn sie mit dem berühmten Knabenchor singt, wird ihre Mutter da sein.

Manchmal tragisch, manchmal auch komisch und immer berührend kann dieser Roman auf die Leser und Leserinnen wirken. Als Mädchen mit einem Knabenchor singen zu wollen, auf diese Idee muss man erstmal kommen. Es ist toll, mit welcher Durchsetzungskraft an ihre selbstgesetzte Aufgabe geht. Gerne schmunzelt man in einigen Momenten, wenn sie ihre Ideen entwickelt. Doch bald spürt man auch die gewisse Tragik, die hinter einigen Ereignissen zutage kommen. Moll, ihre Mutter und ihr Vater leiden mitunter an sich selbst und es fällt ihnen schwer, etwas daran zu ändern. Vielleicht ist Molls Sehnsucht nach dem Knabenchor auch als ein Aufbruch aufzufassen in ein neues Leben, eines in dem nicht alles gut ist, aber besser. Ein berührender Roman, der zu Herzen geht.

Veröffentlicht am 11.07.2025

Die Leiche im Koffer

In einer stillen Bucht
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Auf einem Felsen in einer Bucht der Insel Capri wird ein Gegenstand entdeckt, der Anlass zu genaueren Untersuchungen gibt. Der Polizist Enrico Rizzi muss der Sache nachgehen und findet heraus, dass es ...

Auf einem Felsen in einer Bucht der Insel Capri wird ein Gegenstand entdeckt, der Anlass zu genaueren Untersuchungen gibt. Der Polizist Enrico Rizzi muss der Sache nachgehen und findet heraus, dass es sich bei dem Gegenstand um einen Koffer handelt, in dem eine tote Frau versteckt wurde. Wer ist die Verstorbene? Eines natürlichen Todes starb sie wahrscheinlich nicht. Durch eine Kleinigkeit gelingt es immerhin, die ältere Dame zu identifizieren. Aber so einfach ist es für Rizzi nicht, an den Ermittlungen beteiligt zu werden. Bei Mord ist natürlich die Kriminalpolizei in Neapel zuständig und die blicken doch ein wenig auf die örtlichen Agentes herab.

In diesem dritten Band haben der Ortspolizist Enrico Rizzi und seine hinzuversetzte Kollegin Antonia Cirillo einen kniffligen Fall zu lösen. Zugleich müssen sie sich dem Zuständigkeitsgerangel mit den Kollegen in Neapel stellen. Doch irgendwann herrscht Konsens, dass einige Nachforschungen besser von Ortskundigen geführt werden können. Das Rätsel um den Tod von Maria Grifo ist trotzdem nicht leicht zu lösen. Warum war sie überhaupt auf Capri? Daneben möchte Enrico auch im privaten ein paar Fäden ziehen und den Gerüchten um ein Gebäude lauschen, das die jüngst verstorbene Dorfälteste angeblich an die Kirche vererbt hat.

Inselidylle trifft auf Krimi, eine gelungene Mischung. Wenn man diesen Capri-Krmi liest bekommt man Lust auf Urlaub. Zwar hat man den Eindruck, dass einige private Umstände oder Probleme etwas im Verschwommenen gehalten werden, wo man sich ein wenig mehr Klarheit wünschen würde. Der Kriminalfall gestaltet sich in diesem Band wirklich spannend, undurchsichtig und schließlich überraschend, aber folgerichtig. Die Tote hatte ein Ziel, das zu erreichen ihr nicht vergönnt war. Außerdem kann man bei Interesse das ein oder andere selbst nachforschen, um erstaunt festzustellen, dass sich mehr Spuren finden als erwartet. Ein unterhaltsamer Kriminalroman in einem ansprechenden Setting, eine schöne Sommerlektüre.

Veröffentlicht am 06.07.2025

Riesen Familie

Die Erfindung der Sprache
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Adam Riese arbeitet als Dozent an einer Berliner Hochschule. Sein Leben braucht Ordnung, Einatmen, Ausatmen und die Zahl Sieben. Alles kommt durcheinander als seine Großmutter anruft und berichtet, dass ...

Adam Riese arbeitet als Dozent an einer Berliner Hochschule. Sein Leben braucht Ordnung, Einatmen, Ausatmen und die Zahl Sieben. Alles kommt durcheinander als seine Großmutter anruft und berichtet, dass seine Mutter im Krankenhaus ist. Adam muss sofort nach hause, um sich zu vergewissern, dass es seiner Mutter nicht zu schlecht geht. Was ist passiert? Sie hat in einem Buchladen eine Veröffentlichung entdeckt, die einen Hinweis auf den Verbleib von Adams Vater geben könnte. Das hat sie aus der Bahn geworfen. Natürlich ist Adam auch ziemlich aufgelöst. Sein Vater ist verschwunden als der Junge dreizehn war und das ist schon etliche Jahre her.

Adam ist schon etwas speziell, ein wenig mehr als die anderen Familienmitglieder. Seine Großeltern von der Nordseeinsel Platteoog, die sich in Tschechien kennengelernt haben. Deren einzige Tochter Oda und Hubert Riese, der als Leutturmrestaurator auf die Insel kam. Und Adam, der Sprachwissenschaftler, der nicht gerne reist, für den alles am liebsten immer gleich laufen soll. Und nun reist er unerwartet von Berlin nach Platteoog. Und bei den Hinweisen, die er findet, wird das nicht die letzte Reise sein. Einatmen. Ausatmen. Fremde Menschen, wie anstrengend und Probleme an der Uni machen noch mehr Streß.

Welch ein liebenswertes Buch voller eigenartiger Charaktere, die man sofort umarmen und ins Herz schließen möchte. Adam rudert durchs Leben und manchmal scheint er nicht der Kapitän auf seinem Boot zu sein. Aber er gibt nicht auf. Um seiner Mutter zu helfen und auch weil er es endlich wissen will, versucht er zu klären, was aus seinem Vater geworden ist. Seine Reise wird richtiggehend spannend als er herausfindet, dass Hubert auch in anderen Leben Spuren hinterlassen hat. So wie Adam denkt und spricht, regt er beim Lesen an, die eigenen Denk- und Sprechweise anzupassen. Die besondere Sprache dieses Romans ist etwas Besonderes, durch einem Adams Begrenzungen näher gebracht werden, man aber auch merkt, dass seine Welt in Teilbereichen reicher ist als die vieler anderer. Ein richtig schöner Roman.

Veröffentlicht am 05.07.2025

Die Braut

Dämmersee
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Nach der Geburt ihrer Tochter Hedvig hat die Polizistin Hanna Duncker die Elternzeit genossen. Knapp ein Jahr ist vergangen und so langsam will Hanna wieder ans Arbeiten denken. Da erreicht sie die Nachricht, ...

Nach der Geburt ihrer Tochter Hedvig hat die Polizistin Hanna Duncker die Elternzeit genossen. Knapp ein Jahr ist vergangen und so langsam will Hanna wieder ans Arbeiten denken. Da erreicht sie die Nachricht, dass ihr ehemaliger Chef Ove tot am Strand aufgefunden wurde. Offensichtlich ist er keines natürlichen Todes gestorben. Hanna bricht ihre Elternzeit wenige Tage vor ihrer Hochzeit ab und stößt zu den Kollegin, um diesen unerwarteten und gewaltsamen Tod aufzuklären. Mit Erik bildet sie wieder ein Team, das in seiner Gegensätzlichkeit gut funktioniert. Am schwierigsten ist es, Brigitte zu befragen, die so lange mit Ove verheiratet war.

Nach den Worten der Autorin ist dies der fünfte und letzte Band um Hanna Duncker, die nach hause zurückkehrte, um ihren Vater zu rehabilitieren. Hier merkt Hanna schnell, dass der Spagat zwischen dem Mutter sein und der Arbeit garnicht so leicht ist. Und wenn es nur das ist, dass sie ihre Tochter vermisst und eben nicht mehr alles mitbekommt. Und dennoch Ove war ein guter Chef und bestimmt hatte er es nicht verdient so kurz nach seiner Pensionierung zu sterben. Bei dem Fall muss sie einfach dabei sein. Oves Nachfolgerin ist dann doch etwas gewöhnungsbedürftig und Hanna ist unsicher wie sie das einschätzen soll.

Als Abschlussband einer Reihe ist dieser Band sehr gelungen. Hanna hat ihren Weg gefunden und ihre kleine Familie gibt ihr Halt und viel Freude. Natürlich will sie herausfinden, was mit Ove geschehen ist. Nicht alles ist erfreulich als sie gemeinsam mit dem Team seine letzten Tage rekonstruiert. Es treten noch einige Fakten zutage, die Hannas Bild auch der vergangenen Ereignisse noch weiter abrunden. Doch Ove ist tot, er selbst kann keine Fragen mehr beantworten. Und der Täter ist eigentlich nicht logisch, was die Lektüre schon beeinflusst. Auch bleibt ein wenig offen, wie die neue Chefin einzuschätzen ist. Aber insgesamt ist der Fall spannend und hat für Hanna einen ausgesprochen erfreulichen Ausgang.

Veröffentlicht am 04.07.2025

Museumsbesuch

Im Finsterwald
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Das sechzehnjährige Kindermädchen Maj ist die einzige, die sich um die Kinder kümmert. Die Mutter ist nach der letzten Geburt indisponiert und der Vater scheitert regelmäßig mit Versuchen, die Finanzen ...

Das sechzehnjährige Kindermädchen Maj ist die einzige, die sich um die Kinder kümmert. Die Mutter ist nach der letzten Geburt indisponiert und der Vater scheitert regelmäßig mit Versuchen, die Finanzen zu verbessern. Maj ist überhaupt die einzige Angestellte, die noch übrig geblieben ist. Und so zieht es sie und die Kinder im Jahr 1926 immer wieder ins Naturhistorische Museum in Göteborg, eine der wenigen Beschäftigungen, die sich sich leisten können. Ausgerechnet dort verschwindet die neunjährige Alce. Die Suche bleibt erfolglos und Maj ist verzweifelt. Sie hätte sich besser um das ungebärdige Mädchen kümmern müssen. Hauptwachtmeister Nils Gunnarsson übernimmt den Fall.

Bereits zum dritten Mal treffen Nils Gunnarsson und die Journalistin Ellen Grönblad zusammen. Ellens Leben hat sich sehr verändert, trotzdem ist sie die erste, die Nils einfällt und die erbittet, sich um die Kinder zu kümmern, während Maj befragt wird. Liebenswerte Kinder, in einer Umgebung, in der die Sicherheit geschwunden ist. Das Verschwinden des Mädchens ist rätselhaft, denn niemand hat gesehen, wie sie das Museum verlassen hat. Seit Eingier Zeit war die Kleine schwierig, ihr Charakter hatte sich stark verändert und sie war ungestüm und energetisch. Die Polizei befürchtet das Schlimmste, denn Kinder sind noch nicht in der Lage alleine zu überleben.

Die Aufmerksamkeit weckt dieser Kriminalroman durch die schöne Farbgestaltung des Covers. Mit dem Schattenriss der Häuser und Bäume wirkt das sehr stimmig. Die vorherigen Romane der Reihe muss man nicht kennen, um die Handlung zu verstehen. Und Nils’ und Ellens Geschichte befindet sich im Wandel, das Vergangene ist vergangen. Das Verschwinden des Mädchens gibt Rätsel auf. Normalerweise verschwindet eine kleines Mädchen nicht so und doch ist Alice wie vom Erdboden verschluckt. Beim Lesen kommt man schon auf einige wilde Ideen, die sich schließlich alle als falsch erweisen. Die nicht gut funktionierende Familie der kleinen Alice lässt die Frage aufkommen, inwieweit das Umfeld etwas zu den Ereignissen beigetragen hat. Das Naturhistorische Museum ist wie ein eigener kleiner Kosmos, den man auch heute noch besuchen kann. Im Roman spielt der Schauplatz eine wichtige Rolle. Nils und Ellen als Team treten eher in den Hintergrund. Das ist auch nicht ganz so wichtig. Ein spannender historischer Kriminalroman mit einem interessanten Setting, der sehr gut zu lesen ist.