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Veröffentlicht am 10.05.2025

Die Erzählung einer Familie

Wir Ostpreußen
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Als sie schon hochbetagt ist, beginnt die Großmutter des Autors eine Lücke in der Familiengeschichte zu füllen. Nach dem Krieg hatte sie sich eine Existenz in Arolsen in der Nähe von Kassel aufgebaut. ...

Als sie schon hochbetagt ist, beginnt die Großmutter des Autors eine Lücke in der Familiengeschichte zu füllen. Nach dem Krieg hatte sie sich eine Existenz in Arolsen in der Nähe von Kassel aufgebaut. Ursprünglich stammte die Familie allerdings aus Ostpreußen. Dort bewirtschaftete sie ein großes Gut. Ende Januar 1945 rückte die Ostfront immer näher und Großmutter Else, die damals natürlich noch jung war, entschied, es sei an der Zeit zu gehen, bevor man nicht nur Hab und Gut, sondern auch Leib und Leben verliere. Else, deren Mann bereits gefallen war, stellte einen Treck aus über 80 Personen zusammen. Gemeinsam machten sie sich auf den beschwerlichen Weg in eine erhoffte Sicherheit.

Großmutter Else verfasst einen ausführlichen Bericht, den der Autor und Enkel mit eigenen Worten und Einfügungen wiedergibt. Zusätzlich beschäftigt er sich selbst mit der Geschichte von Flucht und Vertreibung, was über den Rahmen, den die Großmutter gesetzt hat, hinausgeht. Er nimmt eine Einordnung aus heutiger Sicht vor, immer bedenkend, dass es das Leid nicht gegeben hätte, hätte Hitler sich nicht erdreistet, den Krieg vom Zaun zu brechen. Doch das Leid hat es gegeben. Aus Verantwortungsbewusstsein sah Großmutter Else keine andere Wahl als sich und die Bewohner des Gutes in Sicherheit zu bringen. Die Kinder waren schon vorausgeschickt worden.

Auch wenn man selbst keinen Bezug zu Ostpreußen hat, kann man diesen Bericht mit großem Interesse lesen. Man stellt fest, dass doch etliches aus dem Geschichtsunterricht in Vergessenheit geraten ist. Viel wurde wohl auch nicht erwähnt. Von Flucht und Vertreibung war nicht viel die Rede, mal wollte in der neuen Nachkriegswelt ankommen. Und nun doch einmal darüber zu lesen, anzuerkennen, dass Flüchtlinge und Vertriebene es auch nicht einfach hatten, vervollständigt ein Bild, dessen wichtigere Teile vom Holocaust, von Überfällen und verdienter Niederlage künden. Als sehr lesenswert kann die Mischung zwischen authentischem Bericht und geschichtlicher Einordnung empfunden werden. Man merkt, dass ein versierter Journalist hier die Feder zur Hand genommen hat. Es ist an der Zeit sich erneut und immer wieder mit der Geschichte zu beschäftigen.

Veröffentlicht am 09.05.2025

Winston

Was am Ufer lauert
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Erst vor einigen Wochen hatte die Polizeireporterin Gianna Pitti über einen Todesfall zu berichten. Davon will sie sich noch erholen. Als ihr Vater, der wieder aufgetaucht ist, sie jedoch bittet für ihn ...

Erst vor einigen Wochen hatte die Polizeireporterin Gianna Pitti über einen Todesfall zu berichten. Davon will sie sich noch erholen. Als ihr Vater, der wieder aufgetaucht ist, sie jedoch bittet für ihn an den See zu fahren, um einen Informanten zu treffen, willigt sie ein. Da wird einfach etwas übergeben und gut ist es. So gut ist es allerdings nicht, denn der Informant erscheint nicht. Jedenfalls nicht, bis Gianna etwas im Wasser schwimmen sieht, was sich als tote Frau entpuppt, die eine leere CD-Hülle bei sich hat. Mit der Erholung ist es für Gianna vorbei, wieder gibt es einen rätselhaften Todesfall.

In diesem zweiten Band um Gianna Pitt sortieren sie und ihr Umfeld sich neu. Mit der Rückkehr ihres Vaters Arnaldo hatte sie nicht mehr gerechnet und irgendwie müssen sie erstmal wieder zueinanderfinden. Arnaldo muss verstehen, dass seine ehemalige Frau jemand anderen gefunden hat. Die Chefredakteurin Elvira versucht alles, ihre traditionelle Zeitung am Leben zu erhalten. Und der Marchese Francesco kann einiges zur Lösung des Geheimnisses um Winston Churchill, der wohl mit den Urgroßeltern bekannt war, beitragen. Wieso die die ermordete Frau allerdings dem Tode geweiht war, ist nicht so leicht herauszufinden.

Wie spannend, denkt man, Winston Churchill am Gardasee. Um solch einen Aufenthalt kann sich eine packende Story entwickeln. Schnell mal geschaut, ob ein Körnchen Wahrheit zu finden ist. Die Geschichte ist auch interessant, nur verliert sie sich etwas zwischen den persönlichen Belangen der Pittis. Das Durchsortieren der Familie und die Schwierigkeiten mit der Zeitung erscheinen wichtiger als das worüber die Informantin ihre Kunde bringen wollte. Immerhin wird zumindest ein Teil des Rätsels gelöst. Auch die Pittis scheinen zur Ruhe zu kommen. So kann man dissen Band zufrieden schließen und hoffen, dass es im nächsten Band etwas mehr Konzentration auf die Krimihandlung gibt. Immerhin sind besonders Gianna und der Marchese sympathisch und man könnte meinen, dass in den Archiven noch weitere Geschichten zu entdecken sind. Wie man an dem Cover unschwer erkennen kann, lädt auch der Gardasee zu weiteren literarischen Besuchen ein.

Veröffentlicht am 07.05.2025

Die große Aufgabe

Das Lied der Krähen (2 MP3-CDs)
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Seit Kaz Brekker mitansehen musste, wie sein Bruder starb, ist er nicht mehr der Selbe. Sein Wunsch nach Rache wird allerdings nicht so schnell in Erfüllung gehen. Inzwischen hat er sich einen Namen gemacht ...

Seit Kaz Brekker mitansehen musste, wie sein Bruder starb, ist er nicht mehr der Selbe. Sein Wunsch nach Rache wird allerdings nicht so schnell in Erfüllung gehen. Inzwischen hat er sich einen Namen gemacht als Adjutant eines Bandenchefs in der Hafenstadt Ketterdam. Bald bietet sich Kaz die Möglichkeit an viel Geld zu kommen, wenn er eine schwierige Aufgabe erfüllt. Er soll einen Magier aus einem abgeschotteten Gefängnis befreien. Das kann er allerdings nicht alleine bewältigen und er sucht sich eine Mannschaft zusammen, die aus ähnlich qualifizierten jungen Menschen besteht wie er selbst.

Dieser erste Teil einer Fantasy-Abenteuer Duologie erzählt von Kaz Brekker und seiner Gruppe. Sie sind zu sechst und sie alle haben ihre eigenen Ziele. Sie haben auch ihre eigene Vergangenheit. Kaz verlor seinen Bruder, Inej verlor ihre Unschuld, Nina verlor ihren Glauben und so hat jeder der sechs Krähen seine Geschichte. Zusammen sind sie stärker als alleine und sie alle haben ein Ziel. Wie schon zu ahnen, ist die Aufgabe alles andere als einfach zu bewältigen. Das merken sie schon bevor sie richtig losgelegt haben. Doch Schwierigkeiten sind dazu da, überwunden zu werden.

Lebhaft und schön vorgelesen von Frank Stieren bietet dieses Hörbuch gute Unterhaltung. Vielleicht eher für Jugendliche gedacht hört man auch als Erwachsener gerne zu. Schaffen sie es oder schaffen sie es nicht? Da es noch einen zweiten Band gibt, kann man sich da wirklich nicht sicher sein. Und dementsprechend spannend sind einige Passagen. Manchmal wird es richtig brenzlig. Besonders interessant wird es auch, wenn es um die Vergangenheit der Protagonisten geht. Sie hatten es wirklich nicht immer leicht und gewisse Eigenheiten werden dadurch verständlich. Zwar gibt es kleine Momente, in denen das Gesprochene an einem vorbeirauscht, aber grundsätzlich verfolgt man die Handlung gespannt und so manches mal denkt man, dass man damit dann doch nicht gerechnet hat.

Veröffentlicht am 04.05.2025

Vixed

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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Natalie ist die beste Verkäuferin einer Firma für Nahrungsergänzungsmittel, genannt Vixed. Seit eine paar Monaten hat sie eine neue Kollegin namens Dawn Schiff. Dawn ist etwas seltsam, sie hält immer exakt ...

Natalie ist die beste Verkäuferin einer Firma für Nahrungsergänzungsmittel, genannt Vixed. Seit eine paar Monaten hat sie eine neue Kollegin namens Dawn Schiff. Dawn ist etwas seltsam, sie hält immer exakt die Zeiten ein, sei ist korrekt, sie ist unscheinbar, sie mag Schildkröten. Sie ist eine ideale Buchhalterin. Wenn Natalie ehrlich ist, muss sie zugeben, dass sie sich schon mal über Dawn lustig macht. Doch als Dawn eines Morgens nicht zur Arbeit erscheint, macht sich Natalie schon Gedanken. Dawn ist immer so vorhersehbar, da kann es einfach nicht sein, dass sie mal eben später kommt. Tatsächlich taucht Dawn nicht auf.

Am Arbeitsplatz ist auch nicht immer alles wie es scheint. Dawn und Natalie arbeiten in einem Großraumbüro. Ihre Plätze liegen nebeneinander und so bekommt die eine einiges von der anderen mit. Ihr Umgang ist freundlich, aber distanziert. So sehen sie das jedenfalls. Doch als die ewig gleich handelnde Dawn nicht zur Arbeit erscheint, beginnt Natalie sofort sich Sorgen zu machen. Seth, ihr gemeinsamer Chef, ist da noch ganz entspannt. Dawn hat mit ihm einen Termin gemacht, da wird sie ihrer Art entsprechend pünktlich auftauchen. Aber, was, wenn nicht? Natalie wird es wirklich unbehaglich als Dawn auch nicht in ihrer Wohnung ist.

Es ist auch bei einem Thriller schön, wenn man die eine oder andere Person findet, die einem sympathisch ist. Bei der Anlage dieses Romans könnte man auf den Gedanken kommen, die eine oder andere böte sich dafür an. Doch ganz so einfach ist es nicht. Natalie ist nicht immer nett zu ihren Kolleginnen und Dawn ist einfach seltsam und kühl. Gerade Dawn gegenüber, die nicht immer gut behandelt wird, möchte man Sympathie empfinden, aber man wundert sich, dass es nicht richtig klappt. Erst im Verlauf bekommt man eine Ahnung, woran das liegen könnte. Genau darin liegt das Geschickt der Autorin. Ihr gelingt es, die Leser und Leserinnen zu lenken und zu einem überraschenden Finale zu führen. Aus einer etwas sperrigen entwickelt sich eine wirklich spannenden Geschichte. Ob man solche Storys immer mag, muss man sich überlegen, aber ab und zu sind sie eine willkommene Abwechslung.

Veröffentlicht am 03.05.2025

Geschafft

Nebelstunde
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Die Polizistin Hanna Duncker denkt, sie hat es geschafft. Ihr Vater wird rehabilitiert und der gesuchte Mörder sitzt auf der Anklagebank. Sie ist allerdings überrascht, wie schwer es ihr fällt, dem Prozess ...

Die Polizistin Hanna Duncker denkt, sie hat es geschafft. Ihr Vater wird rehabilitiert und der gesuchte Mörder sitzt auf der Anklagebank. Sie ist allerdings überrascht, wie schwer es ihr fällt, dem Prozess beizuwohnen. Da findet Hannas ehemalige Nachbarin Ingrid einen Bekannten tot in seiner Wohnung. Hanna und ihr Kollege Erik beginnen mit den Ermittlungen. Zunächst sieht alles nach einem Selbstmord aus, denn der ältere Herr hatte vor kurzem eine niederschmetternde Diagnose erhalten. Doch bald mehren sich Hinweise, dass wohl doch fremde Hände im Spiel waren. Es stellt sich ebenfalls heraus, dass der Verstorbene nicht so beliebt war wie zuerst gedacht. Als Hanna auch noch eine bedrohliche Nachricht erhält, gerät sie in Zweifel.

Mit ihrem vierten Fall hofft Hanna Duncker, dass ein Prozess die Schatten der Vergangenheit in ihrer Familie aufhellen wird. Doch ihr Wunsch geht zunächst nicht in Erfüllung. Eher sorgt sie sich um Ingrid, die mit dem Toten gut befreundet war. Die Untersuchung von Vidars Tod ist alles andere als einfach. Es scheint, der Verstorbene hatte mit vielen Menschen Stress zumindest in letzter Zeit. Kleinteilig und akribisch müssen Befragungen durchgeführt werden, die nicht immer zu einem Ergebnis führen. Und dann gibt es da noch diese neue Krankheit, die das Leben Vieler zum Stillstand bringt.

Bei Hanna Duncker. Handelt es sich um eine sehr sympathische Ermittlerin, die sich ihrer Vergangenheit stellt und versucht, die Wahrheit herauszufinden. So wie im Privaten fühlt sie sich im Beruflichen auch der Wahrheit verpflichtet. Sie ist nicht zufrieden ehe sie den Dingen nicht auf den Grund gegangen ist. Dadurch entwickelt sich der Fall zwar sehr langsam, aber auch sehr schlüssig. Gerade zu Beginn wünscht man sich etwas mehr Tempo, während es zum Ende hin so spannend wird, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Wie selbstverständlich wird auch die Pandemie in die Handlung integriert, was zur Authentizität der Handlung beiträgt. Ein wenig Straffung hätte vielleicht gut getan, aber insgesamt packt dieser Krimi mit seiner gut durchdachten Story.