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Veröffentlicht am 26.04.2025

Wilson Moon

So weit der Fluss uns trägt
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Er ist es, das weiß die 17jährige Victoria sofort als die den jungen Wilson Moon sieht. Ihr Vater und ihr Bruder sehen das ganz anders. Im Jahr 1948 ist aber nicht unbedingt Victorias Meinung maßgebend. ...

Er ist es, das weiß die 17jährige Victoria sofort als die den jungen Wilson Moon sieht. Ihr Vater und ihr Bruder sehen das ganz anders. Im Jahr 1948 ist aber nicht unbedingt Victorias Meinung maßgebend. Besonders der Bruder sorgt dafür, dass Wilson verschwindet. Victoria lässt sich nicht beirren und sie fängt an nach Wilson zu suchen. Und so entspinnt sich eine zarte Beziehung zwischen den beiden jungen Leuten. Doch Victorias Bruder Seth, neidisch und mißgünstig wie so häufig, sorgt dafür, dass Wilson endgültig verschwindet. Victoria verlässt ihre Heimat der väterlichen Farm und zieht sich in die Berge Colorados zurück.

Die Handlung dieses Familienromans verläuft über mehr als zwanzig Jahre. Eine junge Frau macht ihren Weg. Das Schicksal verurteilt sie dazu, dies alleine zu tun. Mit viel Energie meistert die junge Frau die Aufgaben, die ihr das Leben stellt. Manchmal verzweifelt sie fast und immer wieder hat sie mit Verlusten zu kämpfen. Schon als die Handlung einsetzt ist ihre Mutter verstorben, worunter die Familie sehr gelitten hat. Der Vater wirkt recht eigenbrötlerisch und Seth hat sich zu einem Raufbruder entwickelt, mit dem kaum was anzufangen ist. Auch mit Wilson ist ihr nur ein kurzes Glück beschieden.

Ein abgerundeter Familienroman, der gut unterhält und etliche berührende Momente beinhaltet. Allerdings auch ein Roman, mit dem man vielleicht zwei Mal beginnen muss, weil es einen beim ersten Mal nicht packt. Dann jedoch entwickelt sich die interessante Geschichte einer alten Pfirsichfarm in Colorado, wo das Wetter eigentlich nicht optimal ist. Doch Victorias Vorfahren haben es geschafft. Victoria werden wahrhaft schwierige Entscheidungen abverlangt. Gelegentlich hätte man ihr mehr Glück gegönnt. Doch irgendwann wird eine große Frage ihres Lebens beantwortet. Victoria verliert viel, doch sie gewinnt auch einiges. Wenn auch etwas melancholisch, so doch ein schöner Roman mit einem stimmigen Cover.

Veröffentlicht am 25.04.2025

Schlesischer Zauberberg

Empusion
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Mit seiner Lungenerkrankung braucht Mieczyslaw Wojnicz nach Niederschlesien. Im Jahr 1913 sind in dem Sanatorium in Görbersdorf schon etliche Kranke untergebracht. Wojnicz will sich zunächst einmal orientieren. ...

Mit seiner Lungenerkrankung braucht Mieczyslaw Wojnicz nach Niederschlesien. Im Jahr 1913 sind in dem Sanatorium in Görbersdorf schon etliche Kranke untergebracht. Wojnicz will sich zunächst einmal orientieren. Es gilt eine erste Untersuchung durchzustehen und mit der Behandlung, die hauptsächlich aus reichlich gutem Essen und viel Ruhe besteht, zu beginnen. Ein wenig fremdelt Wojnicz und doch ergeben sich recht bald erste Gespräche und auch kleinere Aktivitäten sind erlaubt. Schwer wird es für die kleine Patientengemeinschaft, wenn einer der ihren es nicht schafft. Unheimlich wird es sogar als die Pensionswirtin überraschen Selbstmord begeht.

Vielleicht ist Schlesien nicht ganz so hipp wie die Schweiz. Doch auch hier bieten die Berge gute Luft und viel Erholung. Genau der richtige Ort also, um eine Lungenschwäche zu kurieren oder zumindest so viele angenehme Tage zu verbringen wie die Krankheit erlaubt. Glücklicherweise erscheint Wojniczs Erkrankung nicht so schwerwiegend zu sein. Sie schränkt aber doch ein. Als angehender Ingenieur muss Wojnicz seine Gesundheit wiedererlangen und nach Lemberg zurückkehren. Bis dahin engagiert Wojnicz in seine Genesung und macht sich Gedanken über die manchmal etwas seltsamen Gespräche und Ereignisse im Sanatorium.

Die Beschreibung dieses Romans macht wirklich neugierig. Wie würde sich eine Art Zauberberg in einer ähnlichen, aber doch ganz anderen Gegend darstellen. Dann kommt noch ein leicht mysteriöser Touch hinzu. Und wie eine Nobelpreisträgerin sich dem Thema nähert, ist auch interessant. Nur manchmal ist es mit renommierten Preisträgerin und Preisträgerinnen so, dass ihre Bücher manchmal ein wenig schwer zu durchschauen sind. Und so erweckt dieser Roman auch hin und wieder den Eindruck, dass er etwas ziellos hin und her mäandert. Weder das Mystische wird zu einer richtig klaren Handlung, noch die Politik kommt richtig zur Sprache. Das regt zwar dazu an, selbst nachzudenken, aber man hätte sich doch etwas anderes gewünscht. Nichtsdestotrotz gibt es fesselnde Szenen und unerwartete Entdeckungen.

Veröffentlicht am 24.04.2025

Im Herzen

Ámbar
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Ihr Vater ist ein Verbrecher, der vieles mit den Fäusten regelt. Das führt dazu, dass es immer wieder heißt, neuer Name, neuer Pass. Ámbar und ihr Vater bleiben nirgends lange. Doch mit fünfzehn Jahren ...

Ihr Vater ist ein Verbrecher, der vieles mit den Fäusten regelt. Das führt dazu, dass es immer wieder heißt, neuer Name, neuer Pass. Ámbar und ihr Vater bleiben nirgends lange. Doch mit fünfzehn Jahren entwickelt Ámbar eigene Gedanken und Gefühle. Eines Tages kommt Victor Mondragón mal wieder mit einer Schussverletzung zurück, die Ámbar in dem billigen Motelzimmer versucht zu flicken. Das hat sie gelernt seitdem sie mit ihrem Vater durch die Gegend zieht. Manchmal wünscht sich Ámbar schon richtige Freunde. Doch wieder ist ihr Vater auf der Jagd nach irgend etwas oder möglicherweise sogar auf der Flucht.

Victor ist der einzige Vater, den Ámbar hat und den sie kennt. Er versucht ihr Geschichten von früher zu erzählen. Doch mit der Mutter ist er nicht zusammengeblieben und sie hat er nie gewollt. Und doch ist sie seine Tochter. Die Tochter, die ihn wieder zusammenflickt. Und doch mit fünfzehn möchte sie nicht mehr warten oder Wunden reinigen. Ámbar hat eigene Träume. Heimlich spart sie auf ein Tattoo. Sie will selbst entscheiden, wer sie ist, wie sie heißt und wie lange sie bleibt. Als sie erfährt, wieso sie Ámbar heißt, löst das etwas in ihr aus.

Durch Argentinien reisen Ámbar und ihr Vater. Eine richtige Flucht ist es nicht, doch irgendwie schon. Rastlos von einem Ort zum anderen. Ámbar, Victor und die abwesende Mutter, die doch fehlt. Man schaut Ámbar zu, wie sie sich langsam von ihrem Vater emanzipiert, wie sie ihren eigenen Weg sucht. Ihr Vater scheint seines unsteten Lebens nicht überdrüssig zu werden. In Ámbar manifestiert sich die Frage, wie lange das noch so weitergehen kann oder soll. Man kann sich gut in Ámbar hineinversetzen. Mitten in der Pubertät ist es kein Wunder, dass sie rebelliert. Doch ihre Umgebung, ihre seit Jahren fortdauernde Gewöhnung an die Gewalt, führen sie zu anderen, aber doch verständlichen Handlung. Eine ganz eigene Heldin, die einem schließlich richtig sympathisch wird. Das ausdrucksstarke Cover ist ein richtiger Blickfang.

Veröffentlicht am 24.04.2025

Reporterinstinkt

Das schwarze Chamäleon
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Nachdem er als Reporter gescheitert ist, arbeitet der schwarze Clay Robinette als Dozent an der Uni von Arden, Ohio. Als eines Nachts das Telefon klingelt liegt er neben seiner friedlich schnarchenden ...

Nachdem er als Reporter gescheitert ist, arbeitet der schwarze Clay Robinette als Dozent an der Uni von Arden, Ohio. Als eines Nachts das Telefon klingelt liegt er neben seiner friedlich schnarchenden Frau Penelope. Mühsam wälzt er sich aus dem warmen gemütlichen Bett. Schnell ist sein Kopf wieder klar, sein Kollege Reggie Brogus bittet ihn um Hilfe. Was dann passiert konnte sich Clay in seinen schlimmsten Träumen nicht ausdenken, In seinem Büro am Institut für Afrikamerika Studien hat Reggie eine weibliche Leiche gefunden, die ihm mit Sicherheit das FBI untergeschoben hat. Dass Clay die junge Frau erkennt, macht es nicht besser.

In seiner verfahrenen Situation sieht Clay Robinette keine andere Chance als herauszufinden, was wirklich geschehen ist. Zunächst hilft er Reggie, der sich von einem Revoluzzer zum Erzkonservativen gewandelt hat, was für einen Schwarzen eigentlich nicht möglich ist, sich vom Ort des Geschehens zu entfernen. Doch was soll er mit dem Wissen anfangen, dass er die Tote kennt. Nicht zur das, er hatte auch was mit ihr. Das wirft natürlich kein gutes Bild auf ihn. Könnte er etwa selbst in Verdacht geraten? Und so sicher, dass Reggie es nicht war, ist sich Clay auch nicht.

Im Original wurde der Roman bereits im Jahr 2001 veröffentlicht. Angesiedelt ist die Handlung im Februar 1992. Man ist dann doch erstaunt, wie wenig sich die Diskussionen von damals zu heute geändert haben. Es hat wenig Fortschritt gegeben und heutzutage kann von Fortschritt nicht mehr gesprochen werden. Eingebettet in die Handlung des Kriminalfalls ist also auch einiges an Gesellschaftskritik. Dabei kommt Clay ganz schön ins Hadern und Lavieren. Wie soll er nur den Kopf aus der Schlinge ziehen. Das Opfer heißt im Original wegen ihres deutschen Diplomatenvaters Jennifer Wolfsheim, sie nennt sich Seeräuber-Jenni. Warum sie dann in der Übersetzung Wolfshiem genannt wird, erschließt sich nicht. Die Amerikanische Geschichte erschließt sich europäischen Lesern wahrscheinlich nicht immer. Auch hier werden Ereignisse erwähnt, die einem nicht so nah sind. Andere sind natürlich präsent. Doch in Gänze bleibt es einem doch etwas fremd. Dennoch schafft es der Autor Spannung aufzubauen, die einen bis zum Schluss am Ball bleiben lässt.

Veröffentlicht am 22.04.2025

Goldgräberin

Pineapple Street
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Die Stocktons aus der Pineapple Street gehören zum alten Geldadel New Yorks. Tilda und Chip haben drei Kinder. Darley, die Älteste ist mit einem Investment Banker verheiratet und hat zwei Kinder. Georgina, ...

Die Stocktons aus der Pineapple Street gehören zum alten Geldadel New Yorks. Tilda und Chip haben drei Kinder. Darley, die Älteste ist mit einem Investment Banker verheiratet und hat zwei Kinder. Georgina, die Jüngste, hat ein geheimes Verhältnis am Arbeitsplatz. Cord hat gerade erst geheiratet und ahnt nicht, dass seine Schwestern seine Frau Sasha als Goldgräberin bezeichnen. Dabei kommt sie lediglich nicht aus einem reichen, sondern nur aus einem wohlhabenden Elternhaus. Und Sasha gibt sich viel Mühe, um dazuzugehören. Weiß auch, sie sollte dankbar sein, dass die Schwiegereltern ihnen das ehemalige Familienheim in der Pineapple Street überlassen haben. Doch so recht wohlfühlen will sie sich nicht in der alten vollgestopften Bude, in der sie nichts verändern darf.

Wenn man den Stadtplan New Yorks aufruft, kann man Bilder der Pineapple Street (und der anderen Früchtestraßen Orange und Cranberry) bewundern. Man sieht bekannte Ansichten aus einem alten New Yorker Viertel. Und genau hier wohnen die Stocktons, die durch Immobilieninvestitionen reich geworden sind. So reich, dass Trust für die Kinder eingerichtet wurden und diese schon in jungen Jahren sorglos leben können. Doch die Reichen bleiben unter sich, so müssen sie nicht über Geld reden und sie müssen auch nicht befürchten, dass sie ausgenutzt werden könnten. In diese Gesellschaft kommt Sasha, der eben unterstellt wird, eine Goldgräberin zu sein.

Die Idee zu diesem Buch ist sehr ansprechend, besonders weil man sich die Umgebung wirklich bebildern kann. Ein Sneak Peak in eine fremde Welt. Im Klappentext wird zitiert, man könne die drei Frauen der Pineapple Street ein kleines bisschen lieben, auch wenn es beinahe gegen den eigenen Willen geschehe. Allerdings gehen einem die Dekadenz und Oberflächlichkeit doch ein wenig auf die Nerven. Obwohl man nicht darüber spricht, bleiben Geld und Stellung doch immer ein Thema. Das Leben kommt etwas zu kurz. Erst zum Ende gibt es einige Entwicklungen und Erkenntnisse, die versöhnlich stimmen.