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Veröffentlicht am 01.01.2025

Sonnenlos

To Kill A Shadow (Die verfluchten Lande, Band 1)
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Seit fünfzig Jahren ist die Sonne aus dem Reich Asidia verschwunden. In ihrer Abwesenheit haben die Pflanzen es schwer zu gedeihen. Inzwischen sind die Speicher fast leer und Situation wird langsam tatsächlich ...

Seit fünfzig Jahren ist die Sonne aus dem Reich Asidia verschwunden. In ihrer Abwesenheit haben die Pflanzen es schwer zu gedeihen. Inzwischen sind die Speicher fast leer und Situation wird langsam tatsächlich bedrohlich. Zu dieser Zeit werden neue Rekruten in den Palast geholt, die von den Rittern ausgebildet werden sollen. Unter ihnen ist die achtzehnjährige Kiara, die von ihrem Onkel zum Kämpfen ausgebildet wurde. Und als Kämpferin legt sie sich gleich mit dem Kommandanten Jude Maddox an. Dieser ist der einzige Ritter, der jemals aus dem Nebel zurückgekehrt ist. Er erhält den Auftrag zu einer neuen Mission. Dass er die frischen Rekruten mitnehmen soll, geht gegen seine Überzeugung.

Mit diesem ersten Band einer zweiteiligen Reihe geht es recht heftig los. Kiara rettet ihren Bruder vor der Rekrutierung, die eigentlich eher männliche Jugendliche betrifft. Mit den Jungs aus ihrer Gruppe kann Kiara durchaus mithalten. Auch vor Jude hat sie keine Angst. Nur ihre Hände hält sie lieber verborgen. Schon zu Beginn kommt es zu einer Begegnung zwischen Kiara und Jude im Badehaus. Eigentlich wollen beide allein sein. Nun, das hat nicht so ganz geklappt. Und schon beginnen die Funken zu fliegen. Wichtig aber ist es sich auf die anstehende Mission zu konzentrieren.

In diesem Jugendphantasieroman soll das Licht zurückgebracht werden. Doch zunächst müssen sich die handelnden Personen kennenlernen und Vertrauen zueinander fassen. Denn genau darauf kann es in Kampfsituationen ankommen. Doch was, wenn Gefühle dazwischen kommen? Man merkt sofort, dass Kiara und Jude sich zueinander hingezogen fühlen. Das kann beflügeln oder hemmen. Wenn aber die gefährliche Mission viel zu früh kommt und die Ausbildung noch längst nicht beendet ist, kann es heikel werden. Vielleicht mögen man einem die Kampfszenen etwas zu hart erscheinen und es kann der Eindruck entstehen, dass etwas viel gestorben wird, jedoch ist der Roman so spannend und emotional, dass man jederzeit wissen möchte, wie es weitergeht und was die Hintergründe sind. Diese sind sehr interessant komponiert und machen neugierig auf den zweiten Band, der für Mai diesen Jahres angekündigt ist.

Veröffentlicht am 31.12.2024

Trans Siberian Express

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
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Marias Vater hat als Glasmacher lange mit für die Sicherheit des Zuges gesorgt, der das Ödland zwischen Peking und Moskau durchquert. Doch bei der letzten Durchquerung muss etwas schiefgegangen sein. Und ...

Marias Vater hat als Glasmacher lange mit für die Sicherheit des Zuges gesorgt, der das Ödland zwischen Peking und Moskau durchquert. Doch bei der letzten Durchquerung muss etwas schiefgegangen sein. Und Marias Vater wurde die Schuld zugeschoben. Letztich ist er an den Folgen gestorben. Nun im Jahr 1899 steht nach längerer Pause wieder eine Reise an. Daran nimmt Maria unter einem angenommenen Namen teil, weil sie herausfinden will, was wirklich geschehen ist und wie sie den guten Ruf ihres Vaters wieder herstellen kann. Im Zug begegnet sie neben ihren Mitreisenden auch dem Zugkind Weiwei, die im Zug geboren wurde.

Die Transsibirische Eisenbahn überwindet eine Weite, die kaum vorstellbar ist. Neben ihrer Mission erlebt Maria weitere ungeahnte Abenteuer. Zunächst geht die Reise ganz harmlos los. Es ist eine illustre Gesellschaft, die in der ersten Klasse reist. Die Gräfin nimmt Maria unter ihre Fittiche und ein junges Ehepaar hat immer etwas zu erzählen, Dr. Grey ist mit seinen Forschungen beschäftigt. Weiwei, die erst eher ein Maskottchen war, hat gelernt, sich als Bedienstete ihren Aufenthalt im Zug zu verdienen. Die Dinge laufen rund, bis die Grenze von China ins Ödland durchfahren wird. Dann beginnt das Ödland auf den Zug und seine Fahrgäste zu wirken.

Angelockt durch das tolle Cover und den ungewöhnlichen Titel ist einem zunächst nicht ganz klar, worauf man sich einlässt. Einen historischen Roman, eine Reisebeschreibung, einen Krimi? Vielleicht hat das Buch von allem etwas und noch mehr. Man kann gut verstehen, dass Maria nicht damit einverstanden ist, wie ihr Vater behandelt wurde. Man fiebert mit Weiwei, die als Einzige ein Wunder sehen kann. Man erlebt die weiteren Zugfahrer. Es entspinnt sich neben einer Reisebeschreibung eine ganz ungewöhnliche Geschichte, die einen gefangen nimmt. Vielleicht ist die Themenvielfalt etwas groß, doch das fantastische Ende holt einen gefühlsmäßig ab und stimmt einen hoffnungsvoll.

Das Buch kann natürlich auch einen Anlass geben, sich mal über die tatsächliche Trans Sibirische Eisenbahn zu informieren und mal wieder über die Dummheit in der Welt zu sinnieren, die große Teile der Welt von anderen abschneidet. Wann wird endlich gelernt, dass Zusammen besser geht als gegeneinander.

Veröffentlicht am 30.12.2024

Das Puppenhaus

Die Magie der kleinen Dinge
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In Amsterdam heiratet der Kaufmann Johannes Brandt die junge Petronella. Die frischgebackenen Eheleute kennen sich kaum. Die Zweckehe ist eher eine Chance für Nella in die Stadt zu kommen. Dennoch ist ...

In Amsterdam heiratet der Kaufmann Johannes Brandt die junge Petronella. Die frischgebackenen Eheleute kennen sich kaum. Die Zweckehe ist eher eine Chance für Nella in die Stadt zu kommen. Dennoch ist Nella etwas enttäuscht. Außer einem Puppenhaus, dass Johannes ihr zur Hochzeit schenkt, bekommt sie von ihrer neuen Familie nicht viel. Johannes’ Schwester behandelt sie eher abweisend. Freunde hat sie nicht, da sie ja fremd in Amsterdam ist. Dann werden Gegenstände für das Puppenhaus geliefert, die eine eigenartige Ausstrahlung haben. Nella möchte den Handwerker kennenlernen und sie möchte wissen, wer die Miniaturen bestellt hat, die so lebensecht wirken.

Im 17. Jahrhundert ist es für Frauen nicht so einfach ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die alleinstehende und trotzdem anerkannte Maren Brandt scheint da eine Ausnahmeerscheinung zu sein. Nella, die um einiges jünger ist als ihr Mann, hat da weniger gute Aussichten. Und auch ihre Ehe läuft nicht so, wie sie nach den Erzählungen ihrer Mutter erwartet hat. Nun, wenigstens bekommt sie die Miniaturen und sie beginnt, das Puppenhaus einzurichten mit den unheimlich genauen Nachbildungen der Gegenstände in ihrem Stadthaus. Langsam werden Nella die Miniaturen etwas unheimlich, machen sie gleichzeitig aber auch neugierig. Nella will mehr über den Handwerkskünstler erfahren.

Ein historischer Roman mit phantastischen Einsprengseln. Der Ansatz ist sehr interessant. Wie Nella will man mehr über den Hersteller der Miniaturen wissen. Gleichzeitig rätselt man, wieso Johannes diese Zweckehe eingegangen ist. Letzteres ahnt man jedoch bald. Dennoch fesselt die Geschichte, weil man den Zusammenhang erkennen möchte zwischen den Miniaturen, den Ereignissen, dem Handwerker und Nella. Auch die Geheimnisse in der Familie Brandt wollen entschlüsselt werden. Leider lässt einen die Autorin da teilweise etwas im Stich. Einige Wendungen hätte man sich anders gewünscht. Was allerdings sehr gut dargestellt wird, ist die in der Zeit untergeordnete Stellung der Frau in der damaligen Zeit und Nellas aus der Not geborenen Versuche, sich dagegen zu stellen. Ein durchaus lesenswerter Roman in dem eine tolle Idee die Handlung bestimmt. Das Hörbuch wird sehr gut vorgetragen von Jana Marie Backhaus Tors.

Veröffentlicht am 29.12.2024

Die Voigtin

Die Lungenschwimmprobe
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Im Jahr 1681 wird in der Nähe von Leipzig in einem Beet vergraben die Leiche eines neugeborenen Mädchens gefunden. Der bekannte Doktor Johannes Schreyer wird gebeten, die Leichenschau vorzunehmen. Es besteht ...

Im Jahr 1681 wird in der Nähe von Leipzig in einem Beet vergraben die Leiche eines neugeborenen Mädchens gefunden. Der bekannte Doktor Johannes Schreyer wird gebeten, die Leichenschau vorzunehmen. Es besteht der Verdacht, dass die erst fünfzehnjährige Mutter das Kind nach der Geburt umgebracht wird. Schreyer ist ein gewissenhafter Arzt, der Vorverurteilungen kritisch sieht, und mit der noch neuen Methode der Lungenschwimmprobe will er herausfinden, ob das Kind tot geboren sein kann. Der Vater der Beschuldigten Anna Voigt besitzt einen Gutshof. Als liebender Vater und recht wohlhabender Mensch engagiert er den angesehenen, jungen Anwalt Christian Thomasius.

In beginnenden Zeitalter der Aufklärung ist dieser historische Roman angesiedelt. Doch noch hat der Klerus das Sagen. Die junge Anna Voigt wird schon deshalb schlecht angesehen, weil sie überhaupt schwanger geworden ist. Dann kann es auch nur so sein, dass sie das Kind umgebracht hat und den Tod verdient. Doch die Obrigkeit hat weder mit dem Arzt gerechnet, der eine neuartige wissenschaftliche Untersuchung vornimmt, noch mit dem Vater, der eine Verteidigung auf die Beine stellt. Und so müssen sich die Oberen länger mit der Sache beschäftigen, die sie doch eigentlich schnell erledigen wollten. Kann die neue Vernunft gehen das althergebrachte obsiegen. Vielleicht entsteht eine Furcht vor der eigenen Courage.

Vielleicht etwas unsicher, ob dieser ungewöhnliche historische Roman die richtige Wahl war, kann man froh berichten, dass man die Lektüre genossen hat. Zwar ist einem die Zeit fremd. Da wird einfach die Schuld auf einer jungen Frau abgeladen und wissenschaftliche Darstellungen einfach unter den Tisch gekehrt werden. Es ist eine Epoche, in der es zwar schon die Stimme der Vernunft erklingt, sich aber nicht immer durchsetzen kann. Man wünscht der jungen Anna Voigt, dass sie diese Anschuldigungen übersteht, doch sicher sein kann sie nicht. Der junge Anwalt Thomasius hat keinen leichten Stand in Leipzig, er ist jedoch ein gewissenhafter Verteidiger, der es wagt, einen Schritt weiterzugehen. In diese Zeit einzutauchen ist spannend und manchmal auch schrecklich, wegen der damals vorherrschenden Verhältnisse. Mal wieder ist man gerade als Frau froh, dass man heute leben darf.

Bei dem Cover handelt es sich um eine Illustration, die wohl anlässlich des Erscheinen des Buches geschaffen wurde. Sie stellt eindrucksvoll dar, um welches Organ es bei der Lungenschwimmprobe geht.

Veröffentlicht am 28.12.2024

Grannys

Das Vermächtnis der Apfelblüte
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Vor zehn Jahren haben sich die Wege von Eliza und Harrold getrennt, obwohl alle geglaubt hatten, die beiden seien füreinander bestimmt. Inzwischen reibt sich Eliza in London bei ihrer Arbeit als Historikerin ...

Vor zehn Jahren haben sich die Wege von Eliza und Harrold getrennt, obwohl alle geglaubt hatten, die beiden seien füreinander bestimmt. Inzwischen reibt sich Eliza in London bei ihrer Arbeit als Historikerin auf und ihre Großtante Mildred meint, Eliza braucht unbedingt eine Auszeit in ihrer Heimat. So ähnlich geht es Harrold mit seiner Großmutter Agatha. Geschickt fädeln die beiden alten Damen es ein, dass Eliza und Harrold sich bei der Anreise begegnen. Mildred und Agatha haben sich einiges ausgedacht für das junge Paar. Es soll etwas über Josephine herausfinden, die vor ungefähr hundert Jahren nach Appleton Valley kam.

In diesem Roman wird eine romantische Liebesgeschichte mit einem Familiengeheimnis kombiniert. Eliza braucht wirklich eine Pause. Nach der Trennung und mit einem Arbeitgeber, der sich doch etwas zu sehr auf ihre Präzisionsarbeit verlässt. Ihren Fähigkeiten als Historikerin kommt es natürlich sehr entgegen, ihrer Vorfahrin Josephine die Geheimnisse zu entlocken. Harrold, der glaubte, Eliza sei einfach ohne Abschied verschwunden, gerät schnell wieder unter Elizas Bann. Gerechnet hat er damit nicht, aber es überrascht in auch nicht wirklich. Werden die beiden es schaffen, die fehlenden Anhänger des Bettelarmbandes von Josephine zu finden? Die alten Damen geben jedenfalls ihr bestes, damit Eliza und Harrold ihre Chance nutzen können.

Auf zwei Zeitebenen spielt dieser berührende Liebesroman. Zum einen kann man Josephines Spuren im Jahr 1920 folgen. Einer Zeit, in der es eine alleinstehende Dame nicht leicht hatte. Es ist spannend mitzuerleben, wie sie sich in der fremden Welt zurechtfindet und welche Hindernisse sie überwinden muss, um ihren kleinen Laden eröffnen zu können. In der Gegenwart sind es Eliza und Harrold, die den Spuren der Vergangenheit folgen und sich dabei wieder annähern. Auch wenn manches doch etwas plakativ dargestellt wird, nimmt einen dieser gefühlvolle Roman gefangen. Die sympathischen Protagonisten sind einfach liebenswert und besonders Josephines Geschichte weist echte Spannungsmomente auf und zeigt auch einiges über die Stellung der Frauen damals und den erst langsam einsetzenden Wandel. Eine gelungene Festtags- oder Urlaubslektüre, die gute Laune macht.