Zu Beginn geht es um die Abgrenzung des ca. 68jährigen Körpers gegen seine Umwelt. Und je kleinteiliger die Gedanken werden, desto ungenauer wird die Grenze. Atome und ihre Elektronen haben eben Zwischenräume und in diese kann etwas hineingelangen, Oder vielleicht können Elektronen sich auch mit anderen Elektronen austauschen. Möglicherweise hat man selbst schon mal über etwas ähnliches nachgedacht und ist zu einer ähnlichen Unendlichkeit oder Ewigkeit gelangt. Dann freut man sich, dass man mit den Gedanken nicht alleine dasteht. Die verschwommene Körperlichkeit hat echt was.
Auch geht es um Mut, der aus dem Streß geboren wird. Es wirkt so. als habe der Autor Mut gebraucht, um seine nicht mehr geliebte aber sichere Arbeit zu kündigen und selbstständiger Autor zu werden. Doch manchmal ist es einfach so, dass der Körper Signale gibt, die irgendwann nicht mehr überhört werden können. Genauso wie der Tinnitus im Ohr, der hier jedoch sehr irdische Ursachen hat, die etwas mit dem Geburtsjahr des Autors zu tun haben. Überhaupt hat der Autor einen guten Draht zu seinen Ärzten, was ihm zum Glück des Öfteren vor Schlimmeren bewahrt hat. Gleichwohl wirkt er für sein Alter erfreulich gesund, fit und auf der Höhe der Zeit.
Die biografischen Essays und Gedanken über seinen Körper beziehungsweise einzelne Körperteile lassen den Autor sehr nahbar wirken. Auf unkomplizierte und intelligente Weise bekommt man Einblicke in ein normales und zugleich besonderes Leben. Wie bei anderen auch, denkt er manchmal erst dann über Körperteile oder Organe nach, wenn sie sich melden. Und so geht es uns wohl allen. Der Körper wird als selbstverständlich hingenommen. Er hat zu funktionieren. Doch wenn es zwickt und zwackt, sollte man hin und wieder schnell werden. Mitunter reicht es aber auch, mit seinem Körper liebevoll umzugehen und ihn pfleglich zu behandeln. Und sich zu erinnern, zu welchen Gelegenheiten sich der Körper gemeldet hat und welche Familienerinnerungen sich damit verbinden. Die Betrachtungen sind amüsant, humorvoll und haben Tiefe. Sie können gerne empfohlen werden, auch wenn üblicherweise eher dem Fiktiven zugeneigt ist, denn sie sind einfach nachvollziehbar und lebendig erzählt. Anhand der kleinen Illustrationen auf dem Cover kann man sich eine Vorstellung von den Organen machen, um die es wohl geht.