Entschleunigung
Brombeerblaue TageElisa, eigentlich voll eingespannt in ihrem Job als Landschaftsarchitektin, wird abrupt aus ihrem Alltag gerissen, als ihr Vater anruft und um Hilfe bittet. Die Beziehung zwischen den beiden ist schwierig, ...
Elisa, eigentlich voll eingespannt in ihrem Job als Landschaftsarchitektin, wird abrupt aus ihrem Alltag gerissen, als ihr Vater anruft und um Hilfe bittet. Die Beziehung zwischen den beiden ist schwierig, und der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein. Doch Elisa fährt nach Rügen – nur um festzustellen, dass ihr Vater bereits auf dem Weg in die Klinik ist und sein Haus in einem Zustand, der eher nach Abriss als nach Renovierung aussieht.
Während sie versucht, sich in diesem Chaos zurechtzufinden, wird nach und nach klar, was wirklich mit ihrem Vater los ist. Und weil das Internet vor Ort eher symbolisch vorhanden ist, bleibt Elisa gar nichts anderes übrig, als langsamer zu machen. Sie beginnt, den verwilderten Garten ihres Vaters neu zu entdecken – und macht ihn schließlich zu ihrem ganz eigenen Projekt.
Zu Beginn ist Elisa sehr auf ihre Routinen fixiert, streng kontrolliert und wenig offen für Veränderungen. Die neue Situation überfordert sie, und auch die Nachbarschaft trägt nicht unbedingt zur Entspannung bei. Doch Stück für Stück setzt sich ein größeres Bild zusammen: Geheimnisse, die ihr Vater und letztlich auch ihre Mutter vor ihr verborgen haben stellen ihre gesamte Wahrnehmung ihrer Kindheit in Frage. Elisa muss sich fragen, ob sie ihren Vater wirklich zu Recht ein Leben lang verurteilt hat.
Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Der Schreibstil ist angenehm, die Figuren wirken authentisch und nicht überzeichnet. Für mich war es eine kleine Auszeit – ein Roman, der den Sommer auf Rügen spürbar macht und gleichzeitig eine leise, berührende Geschichte über Familie, Verletzungen und Neuanfänge erzählt.