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Veröffentlicht am 29.06.2020

eher unbekannte Zeitgeschichte

Ich bleibe hier
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"Ich bleibe hier“ erzählt die Geschichte von Trina, die Graun im Vinschgau lebt. Ihr Vater ist Schreiner, das Leben ist einfach. Trina wird Lehrerin, doch bevor sie auch nur einen Tag unterrichten kann, ...

"Ich bleibe hier“ erzählt die Geschichte von Trina, die Graun im Vinschgau lebt. Ihr Vater ist Schreiner, das Leben ist einfach. Trina wird Lehrerin, doch bevor sie auch nur einen Tag unterrichten kann, nimmt ihr Mussolinis Faschismus diese Möglichkeit. In Südtirol wird alles verboten was deutsch ist, Trina kann zwar Kinder heimlich auf Deutsch unterrichten, allerdings ist das mit großen Gefahren verbunden. 1939 müssen die Südtiroler wählen, entweder bleiben und endgültig italienisch werden, oder die Heimat verlassen und ins Deutsche Reich ziehen. Im Laufe des zweiten Weltkriegs wird auch Südtirol von den Deutschen besetzt, doch auch das bringt keine Freiheit. Und als der Krieg zu Ende ist, gibt es speziell in Graun und in Reschen keinen Frieden. Die italienische Regierung setzt nun die jahrelangen Pläne eines Stausees um.

Der Reschensee mit seinem einsamen Kirchenturm darin, ist mir seit meiner Kindheit ein Begriff, war doch der Reschenpass schon immer die bevorzugte Strecke meiner Eltern um nach Südtirol in den Urlaub zu fahren. Dass für diesen Stausee mehrere Dörfer geflutet wurden, wusste ich schon früh. Durch dieses Buch wurde mir der jahrelange Kampf der Bewohner dagegen, noch einmal näher gebracht. Wobei die Anwohner lange nicht glaubten, dass das Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden würde.

Marco Balzano erzählt hier nicht nur die Geschichte des Stausees, sondern auch die ganz Südtriols. Unter den Faschisten Mussolinis war alles deutsche verboten, Kinder wurden in sogenannten Kellerschulen auf Deutsch unterrichtet. Als dann die Option kam, wurde die Bevölkerung noch einmal zerrissen, in die, die bleiben wollte und die Optionierer, die ihre Heimat verließen. Als diese nach dem Krieg teilweise zurückkamen, wurde der Riss in der Gesellschafft noch einmal deutlich, das Gehen wurde ihnen lange vorgehalten.

Ich fand das Buch sehr gut zu lesen, man hatte das Gefühl mit Trina zusammenzusitzen und ihr zu lauschen. Vielleicht braucht es aber auch eine Verbindung zu dieser Region und ein bisschen Vorkenntnis der Geschichte um das Buch interessant zu finden. Für mich war es ein wirklich interessantes Leseerlebnis, das den Blick auf diesen einsamen Turm im See verändert hat.

8 von 10 Punkte

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2020

ein tolles Ende einer sehr besonderen Reihe!

Die Spiegelreisende
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Ophelia und Thorn versuchen auf Babel herauszufinden, was es mit Gott und dem Anderen auf sich hat. Viel Zeit bleibt ihnen nicht, immer wieder verschwinden Teile der Archen und die ihnen bekannte Welt ...

Ophelia und Thorn versuchen auf Babel herauszufinden, was es mit Gott und dem Anderen auf sich hat. Viel Zeit bleibt ihnen nicht, immer wieder verschwinden Teile der Archen und die ihnen bekannte Welt wird immer kleiner.


Wow, was für ein Ende der Saga um die Spiegelreisende Ophelia und Thorn, ihren Mann. Die beiden geben wirklich alles um das Phänomen der zerbrechenden Archen aufzuklären. Zeitweise erinnerte mich das Buch an die Bilder von Hieronymus Bosch, farbgewaltig und verstörend. Ophelias Reise und Verwandlung ist wirklich einzigartig und verlangt ihr unglaublich viel ab. Der Schreibstil ist sehr besonders und verlangt nach Aufmerksamkeit. Ein schnelles Lesen ist hier nicht möglich.


Das Buch schließt die aufgenommenen Erzählstränge der vorherigen Bände ab und führt am Ende alles zusammen. Die Autorin macht es dem Leser dabei nicht unbedingt leicht. Das Prinzip der Echos und deren Auswirkungen auf die Archen wird zwar erklärt, wer hier ab er nicht aufmerksam liest wird dem Ganzen nicht folgen können. Mich hat diese Art der Erzählung aber sehr fasziniert und für mich die ganze Reihe zu etwas wirklich besonderem gemacht. Das ist definitiv eine Reihe die man ein zweites oder auch drittes Mal lesen sollte, um alle Einzelheiten auch mitzubekommen.


Von mir daher eine dicke Leseempfehlung für dieses Buch und für die ganze Reihe, die wirklich etwas Besonderes auf dem Fantasy Markt ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.06.2020

eine sehr eigene Frau

City of Girls
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Irgendwie hat mich dieses Buch angesprungen. Obwohl ich mir nicht ganz sicher war, ob es denn wirklich was für mich ist, hatte ich unterbewusst das Gefühl dieses Buch lesen zu müssen. Gut, dass ich es ...

Irgendwie hat mich dieses Buch angesprungen. Obwohl ich mir nicht ganz sicher war, ob es denn wirklich was für mich ist, hatte ich unterbewusst das Gefühl dieses Buch lesen zu müssen. Gut, dass ich es getan habe, ich hätte doch etwas verpasst.

Das Buch wird aus der Sicht von Vivian geschildert, die neunzigjährig einen Brief an eine Angela schreibt, um ihr zu erklären, was ihr Vater für sie bedeutet hat.


Vivian kam mit knapp zwanzig nach New York, zu ihrer Tante Peg, nachdem sie auf dem College durch alle Prüfungen gefallen war. Bei Peg gelten nun keine Regeln mehr wie zu Hause, denn Peg besitzt ein kleines Theater, das sich mit billigen Revuen am Leben erhält. Vivian bekommt hier die Gelegenheit ihre schneiderischen Künste an den Kostümen zu beweisen und ansonsten das Leben zu genießen. D.h. vor allem ausgehen, sich betrinken und mit jedem verfügbaren Mann ins Bett steigen. Vivian erlebt dieses eine Jahr wie im Rausch und genießt es. Doch dann gerät sie in einen Skandal, der ihr Bleiben in New York fürs erste unmöglich macht. Zu Hause bei ihren Eltern versucht sie in ein Leben zu finden, wie es sich ihre Eltern für sie erträumen. Mann, Kinder, Haushalt...


Doch eines Tages steht Peg wieder vor der Tür und holt Vivian zurück nach New York. Dort baut sie sich langsam aber sicher ein Leben auf, zusammen mit Peg und ihrer Freundin Marjorie, in dem Männer zwar noch eine Rolle spielen, ihr Leben aber nicht mehr bestimmen. Und auch Angelas Vater tritt in ihr Leben um es zu bereichern.


Anfangs hatte ich ein wenig Probleme ins Buch zu kommen. Vivian erscheint in ihrer ersten Zeit in New York wie ein Kind, dass sich von allem nimmt, aber wenig lernt. Wobei das tatsächlich erst im Nachhinein so richtig klar wird. Ab dem Skandal, in den sie verwickelt wird, merkt man, dass es besser wird und richtig erwachsen wird sie erst bei ihrer Rückkehr in die Stadt.


Der zweite Teil des Buches ist dann ganz zauberhaft und am Ende fiel es mir schwer Abschied zu nehmen. Vivian ist eine Protagonistin, die es einem nicht leicht macht sie zu mögen. Sie ist extrem direkt und hält auch mit unangenehmen Wahrheiten nicht hinter den Berg. Allerdings merkt man der Erzählerin an, dass sie aus ihren Fehlern gelernt und irgendwann sich selbst gefunden hat. Das macht die Sache authentisch.


Alles in allem war es trotz des etwas schwierigen Anfangs ein tolles Buch, das ich gerne gelesen und ungerne am Ende aus der Hand gelegt habe. Daher von mir eine Leseempfehlung!


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.06.2020

Toller Serienauftakt!

Fräulein Gold: Schatten und Licht
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Hulda ist Hebamme in Berlin. Ihr Bereich ist der Bülowbogen, wo sich in dunklen Mietskasernen die Menschen drängen und das Geld knapp ist. Als die Nachbarin einer Patientin ums Leben kommt, kann Hulda ...

Hulda ist Hebamme in Berlin. Ihr Bereich ist der Bülowbogen, wo sich in dunklen Mietskasernen die Menschen drängen und das Geld knapp ist. Als die Nachbarin einer Patientin ums Leben kommt, kann Hulda ihre Neugier nicht bezwingen und macht sich selbst auf die Suche nach Informationen. Auch weil sie dem ermittelnden Kommissar Kurt North nicht so recht über den Weg traut. Nach und nach decken sie dann aber doch gemeinsam, wenn auch widerwillig, die Hintergründe des Todes von Rita Schönbrunn auf.

Das Buch ist der Auftakt einer neuen Serie, derzeit sind noch zwei weitere Bände angekündigt. Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Der Autorin gelingt es das Lebensgefühl in Berlin von 1922 zum Leben zu erwecken. Die Armut der Menschen, die Lebensfreude, das Aufkommen der Rechten und die politische Unsicherheit. Und natürlich die Folgen des vergangenen Krieges und der spanischen Grippe. Mir haben besonders die unterschiedlichen und jeweils sehr eigenen Charaktere gut gefallen. Jeder hat so seine Vorzüge, aber eben auch seine Macken. Auch Nebenfiguren sind mit Eigenheiten ausgestattet, die sie dem Leser nahe bringen. Besonders die Beziehung von Hulda und Kurt fand ich sehr spannend und ich freue mich darauf, die beiden in weiteren Büchern weiter kennenlernen zu dürfen. Da steckt noch ganz viel Potenzial drin.

Die Themen des Buches sind vielfältig, es geht unter anderen um die Geburtshilfe, um die psychischen Folgen des Krieges und um Waisenkinder, die von der Gesellschaft einfach vergessen werden. Der Krimianteil war sehr spannend und ich habe nicht gleich durchblickt, worauf das Ganze hinausläuft. Die Auflösung war dann konsequent und auch gut nachvollziehbar.

Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung für diesen sehr gelungenen Serienauftakt.

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.06.2020

gut zu lesende Fantasy

Das Flüstern der Magie
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Fallon kann Magie spüren und ist in Edinburgh für das Archiv zuständig, in dem magische Gegenstände aufbewahrt werden, damit sie kein Unheil anrichten können. Eines Tages lernt sie Reed kennen, der sie ...

Fallon kann Magie spüren und ist in Edinburgh für das Archiv zuständig, in dem magische Gegenstände aufbewahrt werden, damit sie kein Unheil anrichten können. Eines Tages lernt sie Reed kennen, der sie von Anfang an fasziniert. Denn er scheint von Magie unberührt zu bleiben. Als er sie bestiehlt, beschwört er damit tatsächlich eine Krisensituation hervor, denn die magischen Tarotkarten sind sehr mächtig und können in den falschen Händen viel Unheil anrichten.

Das Flüstern der Magie war für mich daas erste Buch von Laura Kneidl. Ich fand den Klappentext sehr interessant und habe mich daher entschieden, dem ganzen einen Versuch zu geben. Ihre vorherigen Bücher kannte ich vom Cover her bereits, allerdings fühlte ich mich da nicht wirklich angesprochen.

Hier gefiel mir aber auch das Cover und auch vom Inhalt wurde ich nicht enttäuscht, kaum angefangen hatte ich auch schon ein Viertel des Buches gelesen. Der Schreibstil ist flüssig und spannend. Ich hatte viel Vergnügen dabei, Fallon und Reed bei ihrer Jagd nach den magischen Tarotkarten zu begleiten. Ich könnte mir gut vorstellen, die beiden auch noch bei weiteren Abenteuern zu begleiten.

Von mir gibt es daher eine Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere