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Veröffentlicht am 30.12.2024

Das Puppenhaus

Die Magie der kleinen Dinge
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In Amsterdam heiratet der Kaufmann Johannes Brandt die junge Petronella. Die frischgebackenen Eheleute kennen sich kaum. Die Zweckehe ist eher eine Chance für Nella in die Stadt zu kommen. Dennoch ist ...

In Amsterdam heiratet der Kaufmann Johannes Brandt die junge Petronella. Die frischgebackenen Eheleute kennen sich kaum. Die Zweckehe ist eher eine Chance für Nella in die Stadt zu kommen. Dennoch ist Nella etwas enttäuscht. Außer einem Puppenhaus, dass Johannes ihr zur Hochzeit schenkt, bekommt sie von ihrer neuen Familie nicht viel. Johannes’ Schwester behandelt sie eher abweisend. Freunde hat sie nicht, da sie ja fremd in Amsterdam ist. Dann werden Gegenstände für das Puppenhaus geliefert, die eine eigenartige Ausstrahlung haben. Nella möchte den Handwerker kennenlernen und sie möchte wissen, wer die Miniaturen bestellt hat, die so lebensecht wirken.

Im 17. Jahrhundert ist es für Frauen nicht so einfach ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die alleinstehende und trotzdem anerkannte Maren Brandt scheint da eine Ausnahmeerscheinung zu sein. Nella, die um einiges jünger ist als ihr Mann, hat da weniger gute Aussichten. Und auch ihre Ehe läuft nicht so, wie sie nach den Erzählungen ihrer Mutter erwartet hat. Nun, wenigstens bekommt sie die Miniaturen und sie beginnt, das Puppenhaus einzurichten mit den unheimlich genauen Nachbildungen der Gegenstände in ihrem Stadthaus. Langsam werden Nella die Miniaturen etwas unheimlich, machen sie gleichzeitig aber auch neugierig. Nella will mehr über den Handwerkskünstler erfahren.

Ein historischer Roman mit phantastischen Einsprengseln. Der Ansatz ist sehr interessant. Wie Nella will man mehr über den Hersteller der Miniaturen wissen. Gleichzeitig rätselt man, wieso Johannes diese Zweckehe eingegangen ist. Letzteres ahnt man jedoch bald. Dennoch fesselt die Geschichte, weil man den Zusammenhang erkennen möchte zwischen den Miniaturen, den Ereignissen, dem Handwerker und Nella. Auch die Geheimnisse in der Familie Brandt wollen entschlüsselt werden. Leider lässt einen die Autorin da teilweise etwas im Stich. Einige Wendungen hätte man sich anders gewünscht. Was allerdings sehr gut dargestellt wird, ist die in der Zeit untergeordnete Stellung der Frau in der damaligen Zeit und Nellas aus der Not geborenen Versuche, sich dagegen zu stellen. Ein durchaus lesenswerter Roman in dem eine tolle Idee die Handlung bestimmt. Das Hörbuch wird sehr gut vorgetragen von Jana Marie Backhaus Tors.

Veröffentlicht am 29.12.2024

Die Voigtin

Die Lungenschwimmprobe
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Im Jahr 1681 wird in der Nähe von Leipzig in einem Beet vergraben die Leiche eines neugeborenen Mädchens gefunden. Der bekannte Doktor Johannes Schreyer wird gebeten, die Leichenschau vorzunehmen. Es besteht ...

Im Jahr 1681 wird in der Nähe von Leipzig in einem Beet vergraben die Leiche eines neugeborenen Mädchens gefunden. Der bekannte Doktor Johannes Schreyer wird gebeten, die Leichenschau vorzunehmen. Es besteht der Verdacht, dass die erst fünfzehnjährige Mutter das Kind nach der Geburt umgebracht wird. Schreyer ist ein gewissenhafter Arzt, der Vorverurteilungen kritisch sieht, und mit der noch neuen Methode der Lungenschwimmprobe will er herausfinden, ob das Kind tot geboren sein kann. Der Vater der Beschuldigten Anna Voigt besitzt einen Gutshof. Als liebender Vater und recht wohlhabender Mensch engagiert er den angesehenen, jungen Anwalt Christian Thomasius.

In beginnenden Zeitalter der Aufklärung ist dieser historische Roman angesiedelt. Doch noch hat der Klerus das Sagen. Die junge Anna Voigt wird schon deshalb schlecht angesehen, weil sie überhaupt schwanger geworden ist. Dann kann es auch nur so sein, dass sie das Kind umgebracht hat und den Tod verdient. Doch die Obrigkeit hat weder mit dem Arzt gerechnet, der eine neuartige wissenschaftliche Untersuchung vornimmt, noch mit dem Vater, der eine Verteidigung auf die Beine stellt. Und so müssen sich die Oberen länger mit der Sache beschäftigen, die sie doch eigentlich schnell erledigen wollten. Kann die neue Vernunft gehen das althergebrachte obsiegen. Vielleicht entsteht eine Furcht vor der eigenen Courage.

Vielleicht etwas unsicher, ob dieser ungewöhnliche historische Roman die richtige Wahl war, kann man froh berichten, dass man die Lektüre genossen hat. Zwar ist einem die Zeit fremd. Da wird einfach die Schuld auf einer jungen Frau abgeladen und wissenschaftliche Darstellungen einfach unter den Tisch gekehrt werden. Es ist eine Epoche, in der es zwar schon die Stimme der Vernunft erklingt, sich aber nicht immer durchsetzen kann. Man wünscht der jungen Anna Voigt, dass sie diese Anschuldigungen übersteht, doch sicher sein kann sie nicht. Der junge Anwalt Thomasius hat keinen leichten Stand in Leipzig, er ist jedoch ein gewissenhafter Verteidiger, der es wagt, einen Schritt weiterzugehen. In diese Zeit einzutauchen ist spannend und manchmal auch schrecklich, wegen der damals vorherrschenden Verhältnisse. Mal wieder ist man gerade als Frau froh, dass man heute leben darf.

Bei dem Cover handelt es sich um eine Illustration, die wohl anlässlich des Erscheinen des Buches geschaffen wurde. Sie stellt eindrucksvoll dar, um welches Organ es bei der Lungenschwimmprobe geht.

Veröffentlicht am 28.12.2024

Grannys

Das Vermächtnis der Apfelblüte
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Vor zehn Jahren haben sich die Wege von Eliza und Harrold getrennt, obwohl alle geglaubt hatten, die beiden seien füreinander bestimmt. Inzwischen reibt sich Eliza in London bei ihrer Arbeit als Historikerin ...

Vor zehn Jahren haben sich die Wege von Eliza und Harrold getrennt, obwohl alle geglaubt hatten, die beiden seien füreinander bestimmt. Inzwischen reibt sich Eliza in London bei ihrer Arbeit als Historikerin auf und ihre Großtante Mildred meint, Eliza braucht unbedingt eine Auszeit in ihrer Heimat. So ähnlich geht es Harrold mit seiner Großmutter Agatha. Geschickt fädeln die beiden alten Damen es ein, dass Eliza und Harrold sich bei der Anreise begegnen. Mildred und Agatha haben sich einiges ausgedacht für das junge Paar. Es soll etwas über Josephine herausfinden, die vor ungefähr hundert Jahren nach Appleton Valley kam.

In diesem Roman wird eine romantische Liebesgeschichte mit einem Familiengeheimnis kombiniert. Eliza braucht wirklich eine Pause. Nach der Trennung und mit einem Arbeitgeber, der sich doch etwas zu sehr auf ihre Präzisionsarbeit verlässt. Ihren Fähigkeiten als Historikerin kommt es natürlich sehr entgegen, ihrer Vorfahrin Josephine die Geheimnisse zu entlocken. Harrold, der glaubte, Eliza sei einfach ohne Abschied verschwunden, gerät schnell wieder unter Elizas Bann. Gerechnet hat er damit nicht, aber es überrascht in auch nicht wirklich. Werden die beiden es schaffen, die fehlenden Anhänger des Bettelarmbandes von Josephine zu finden? Die alten Damen geben jedenfalls ihr bestes, damit Eliza und Harrold ihre Chance nutzen können.

Auf zwei Zeitebenen spielt dieser berührende Liebesroman. Zum einen kann man Josephines Spuren im Jahr 1920 folgen. Einer Zeit, in der es eine alleinstehende Dame nicht leicht hatte. Es ist spannend mitzuerleben, wie sie sich in der fremden Welt zurechtfindet und welche Hindernisse sie überwinden muss, um ihren kleinen Laden eröffnen zu können. In der Gegenwart sind es Eliza und Harrold, die den Spuren der Vergangenheit folgen und sich dabei wieder annähern. Auch wenn manches doch etwas plakativ dargestellt wird, nimmt einen dieser gefühlvolle Roman gefangen. Die sympathischen Protagonisten sind einfach liebenswert und besonders Josephines Geschichte weist echte Spannungsmomente auf und zeigt auch einiges über die Stellung der Frauen damals und den erst langsam einsetzenden Wandel. Eine gelungene Festtags- oder Urlaubslektüre, die gute Laune macht.

Veröffentlicht am 26.12.2024

Schneekristall

Unmöglicher Abschied
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Die Autorin Gyeongha träumt schlecht, sie kann nicht mehr aus dem Haus gehen und kaum etwas essen. Familie und Freunde wenden sich von ihr ab, weil sie mit ihrem seltsamen Verhalten nicht umgehen können. ...

Die Autorin Gyeongha träumt schlecht, sie kann nicht mehr aus dem Haus gehen und kaum etwas essen. Familie und Freunde wenden sich von ihr ab, weil sie mit ihrem seltsamen Verhalten nicht umgehen können. Endlich allein geht es Gyeongha ein wenig besser. Allerdings nicht so gut, dass sie Kontakt mit anderen haben möchte. Völlig unerwartet meldet sich ihre Freundin Inseon aus dem Krankenhaus in Seoul. Gleich einem Hilferuf bittet sie Gyeongha auf die Insel Jeju, ihren Wohnort, zu reisen, um den kleinen Vogel zu retten, den Inseon dort hält. Wenn das Tier nicht schnellstens Wasser und Futter bekommt, wird es sterben.

Mit ihrem neuen Roman erinnert die Autorin an ein ausgesprochen schlimmes Massaker, das 1948/49 auf der Insel Jeju verübt wurde. Auch Inseons Familie war davon betroffen. Davon hat sie allerdings nie groß erzählt. Nur kehrte sie vor vier Jahren überraschend auf die Insel zurück, um ihre Mutter zu versorgen. Gyeongha war überrascht, dass Inseon nach dem Tod der Mutter nicht wieder als Filmschaffende gearbeitet hat. Auch wollte Inseon an einem Projekt festhalten, das Gyeongha schon längst ad acta gelegt hatte. Dennoch macht sich Gyeongha ohne groß zu zögern auf den Weg nach Jeju. Durch den immer stärker werdenden Schneefall muss sie sich vorkämpfen.

Die koreanische Autorin Han Kang holt ein Massaker ins Gedächtnis zurück, über das hier wahrscheinlich nicht viel bekannt ist. Doch jedes extreme Unrecht darf nicht vergessen werden. Weder von denen, die über Generationen darunter gelitten haben, noch von denen, die eigene Themen haben, die nicht vergessen werden dürfen und die gleichzeitig auch eine Erinnerung bilden können. Gleichzeitig handelt der Roman von den beiden Freundinnen Gyeongha und Inseon, die sich nach der Ausbildung kennenlernten, und deren Freundschaft Höhen und Tiefen überwand. Doch erst als sie die Reise nach Jeju alleine und im tiefsten Winter unternimmt durchdringt Gyeongha das Leid, das Inseon und ihre Familie geprägt hat. Das ist berührend, aber auch schrecklich zu lesen. Immer wieder muss man sich fragen, wieso Menschen einander so etwas antun können. Gerade in der heutigen Zeit kann es darauf wieder keine Antwort geben, außer dass die Menschen nicht in der Lage zu sein scheinen aus ihren Taten zu lernen. Auch wenn das Ende ein wenig zu offen erscheint, so kann dieser Roman nur allen ans Herz gelegt werden, die vielleicht doch fähig sind, zu reflektieren.

Veröffentlicht am 25.12.2024

Das Forum

The Atlas Paradox
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Das zweite Jahr in der Alexandrinischen Gesellschaft beginnt für die sechs Magier, nein, fünf, denn Libby Rhodes ist nicht wieder aufgetaucht. Vielleicht musste gerade deshalb niemand sterben bis jetzt. ...

Das zweite Jahr in der Alexandrinischen Gesellschaft beginnt für die sechs Magier, nein, fünf, denn Libby Rhodes ist nicht wieder aufgetaucht. Vielleicht musste gerade deshalb niemand sterben bis jetzt. Gespannt warten sie auf den Initiationsritus, nur um dann etwas enttäuscht zu sein. Sollte sie das weiterführen? Zumindest müssen sie ein Forschungsthema auswählen. Doch die Forschungen oder auch nur das Finden eines Themas gestalten sich schwieriger als gedacht. Und was ist mit der Suche nach Libby? Auch die schreitet nicht richtig voran. Die verbliebenen Fünf haben eher den Eindruck, als ob die ganze Situation sie auseinander treibt anstatt sie kooperieren zu lassen.

In diesem zweiten Band der Trilogie um die Alexandrinische Gesellschaft gehen die Studien mehr schlecht als recht voran. Das Ziel ist allerdings nicht bekannt. Allerdings scheint es ein Ziel zu geben. Wobei die Mitglieder des Forums wohl so eine Art Gegenpol zu der Gesellschaft bilden. Sie wollen das Wissen der Gesellschaft an die Öffentlichkeit bringen, zumindest geben sie das vor. Hinzu kommt noch das Rätsel um die verschwundene Libby Rhodes. Besteht überhaupt eine Chance sie zu finden? Immerhin schafft Nicos Freund Gideon, eine vage Spur von Libby zu finden. Jedoch verrät sie nicht sobald, wo sie sich aufhält.

Und wieder hat die Bibliothek einem die Entscheidung abgenommen, in dem einem der zweite Band gerade vor Weihnachten und damit in der Urlaubszeit entgegen lachte. Ein wenig verwirrend geht die Geschichte der sechs Magier weiter. Zwar gibt es ein paar Andeutungen über das übergeordnete Ziel, doch so vage, dass man irgendwie nicht weiterkommt. Zumindest aber die Suche nach Libby, die so eigentlich garnicht stattfindet, ist spannend und überraschend. Allerdings wäre zu wünschen gewesen, dass das Ganze weniger mystisch oder magisch, sondern mehr kriminalistisch angegangen worden wäre. So geht etwas an Spannung verloren, weil man ein wenig die Gradlinigkeit und Klarheit vermisst. Dennoch möchte man das letzte Rätsel gelöst wissen und wird sich sogleich an die Lektüre des dritten Bandes machen, der freundlicherweise von der Bibliothek zu entleihen war. Überhaupt kommt einem der Gedanke, es könnte vielleicht besser sein, bei einer Trilogie das Erscheinen aller Bände abzuwarten, um sie dann am Stück zu lesen. Dann hat man die Vorgängerbände besser im Gedächtnis.