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Veröffentlicht am 18.09.2023

Nur ein Unfall?

Die Bosheit
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Auf dem Heimweg hört Mikael die Sirenen. Und je näher er dem Haus kommt, desto lauter werden sie. Was also zunächst nur ein leichtes Unbehagen ist, wird schnell zu einer grausamen Gewissheit. Seine Frau ...

Auf dem Heimweg hört Mikael die Sirenen. Und je näher er dem Haus kommt, desto lauter werden sie. Was also zunächst nur ein leichtes Unbehagen ist, wird schnell zu einer grausamen Gewissheit. Seine Frau Bianca wurde angefahren und das von einer Nachbarin. Dabei wollte sie nur schnell mit dem Rad in den Laden, um etwas Käse zu besorgen. Bei aller Sorge ist Mikael erstmal froh, dass die Helfer so schnell da waren. Wie konnte es zu dem Unfall kommen? Die Polizei beginnt mit den Ermittlungen und versucht, zu eruieren, wie es war seit Mikael, Bianca und die beiden Kinder in die beschauliche Nachbarschaft gezogen sind.

Ein Stand Alone ist doch auch mal was Schönes. In diesem Thriller geht es um nachbarschaftliche Bande und auch die Beziehungen in den einzelnen Familien. Mikael und Bianca wollen einen Neuanfang wagen. Jacqueline, ein ehemaliges Modell, und ihr Sohn Fabian hatten auch einen Grund für den Umzug von Amerika nach Schweden. Ola musste eine heikle Situation überstehen. Und Gunbrit und Åke, ein älteres Ehepaar, wissen einiges über die Nachbarn, was sie gerne weiter erzählen. Bestens geeignet sind dazu die in gewissen Abständen organisierten Nachbarschaftsfeste.

Dieses ungekürzte Hörbuch hat insofern etwas besonderes, da es von drei Sprechern vorgetragen wird. Durch die gekonnten Lesungen von Sandrine Mittelstädt, Julian Mehne und Dirk Petrick wird das Hörerlebnis wahrscheinlich wesentlich intensiver, als wenn sich nur ein Sprecher des Buches angenommen hätte. Positiv kann hervorgehoben werden, dass am Anfang eines Kapitels immer gesagt wird, ob es vor dem Unfall angesiedelt ist oder danach.

Spannend ist es, zu hören wie sich die Beziehungen in den Familien und zwischen den Nachbarn im laufe der Zeit entwickeln. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die unglücklich laufen, oder auf den ersten Blick harmlose Entscheidungen, die nachher eine fatale Auswirkung haben. Und so bleibt man am Ball, hat das Buch in relativ kurzer Zeit gehört, weil man wissen will, ob es einen nachvollziehbaren Grund für den Unfall gibt.

Ein fesselnder Thriller, da hat sich der Autor ein paar Fiesheiten ausgedacht, die manchmal nicht ganz leicht verdaulich sind.

Veröffentlicht am 17.09.2023

Die bessere Hälfte

Muna oder Die Hälfte des Lebens
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Muna steht kurz vor dem Abitur als ihre Mutter ins Krankenhaus muss. Zum ersten Mal auf sich allein gestellt, streift sie durch die Stadt. Während eines Praktikums lernt sie Magnus kennen, älter als sie, ...

Muna steht kurz vor dem Abitur als ihre Mutter ins Krankenhaus muss. Zum ersten Mal auf sich allein gestellt, streift sie durch die Stadt. Während eines Praktikums lernt sie Magnus kennen, älter als sie, Lehrer und Fotograf. Muna glaubt, es sei für immer. Doch in der Zeit der Wende verschwindet Magnus. Es ist schon ein unglaublicher Zufall, dass sich Muna und Magnus nach sieben Jahren wieder begegnen. Wieder ist Muna Feuer und Flamme. Sie und Magnus müssen ein Paar werden und sein. Doch reicht es für ein ganzes Leben, wenn nur eine Hälfte die ganze Überzeugung hat?

Eine nicht ganz einfache Jugend ist es für Muna. Ihr Vater starb früh, ihre Mutter muss wegen ihrer Alkoholkrankheit in die Klinik und dann kommen die Umwälzungen durch den Fall der Mauer. Und Muna gewinnt und verliert Magnus beinahe an einen Tag. Es ist schon viel, was auf die junge Frau einprasselt. Wie wird Muna ihren Weg wählen? Muna studiert, geht ihren Weg über Berlin nach London und Wien. Was könnte sie alles erreichen. Doch wirft sie alle Pläne über Bord, nachdem Magnus wieder in ihr Leben tritt. Was ist sie alles bereit zu geben, kann sie nichts dafür erhoffen? Schon währen ihres ersten Urlaubs wird klar, dass sich einige Hoffnungen bald zerschlagen werden.

Für den Deutschen Buchpreis 2023 ist dieser Roman einer bekannten Autorin sicher zurecht. Das Buch liest sich äußerst gut. Welche Gedanken und Wünsche die junge Muna dazu treiben, mit ihren Entscheidungen, was Männer oder auch ihr berufliches Fortkommen angeht, dermaßen daneben zu greifen, ist nicht immer nachvollziehbar. Man denkt sich, bleib doch am Ball oder ergreif lieber die Flucht. Aber Muna rennt nicht, wo sie sollte, sie plant nicht, wo es sinnvoll wäre. Sie flieht die sympathischen Menschen und ergibt sich den Widerlingen. War diese Zeit wirklich so? Oder ist Muna einfach ein spezieller Mensch, deren Staat untergegangen ist? Sie macht aus einer Jugend, die hipp hätte sein können, die einen Aufbruch hätte darstellen können, eine spießige und abhängige. Dieser Roman hat etwas, weil er etwas auslöst. Was das ist wird auf unterschiedliche Leser unterschiedlich wirken. Doch irgendwie sind Gedanken der Schriftsteller, die eine Reaktion hervorrufen, immer sehr lesenswert und sie bilden sicher einigen Gesprächsstoff.

Veröffentlicht am 10.09.2023

Drei Tage noch

Eigentum
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Drei Tage hat die 95jähre Mutter des Autors noch zu leben. Das kann er natürlich nicht wissen als die drei Tage beginnen, doch als er mit dem Schreiben des Buches beginnt weiß er das wohl. Und So erinnert ...

Drei Tage hat die 95jähre Mutter des Autors noch zu leben. Das kann er natürlich nicht wissen als die drei Tage beginnen, doch als er mit dem Schreiben des Buches beginnt weiß er das wohl. Und So erinnert er den Leser immer daran wie viele Tage, Stunden es noch sind. Und der Autor erinnert sich an die Erzählungen der Mutter und er lässt sie auch selbst nochmal zu Wort kommen. 1923 geboren und die Inflation kam. Das Geld war nichts mehr wert und alles war hin. Sparen, sparen, sparen heißt es und am Ende hat es die Mutter nicht zu einem Eigentum gebracht. Dabei wohnt sie ganz schön im Altenheim, das früher die Klinik war, in der sie ihre Kinder zur Welt gebracht hat.

Man denkt beim Lesen dieser Annäherung an die Mutter auch immer mal wieder an die eigene Mutter. Die zu einer ähnlichen Zeit geboren auch die Geschichten hatte, die sich ewig wiederholten. Wobei durchaus der Eindruck entsteht, dass die Mutter, um die es hier geht wesentlich erzählfreudiger war. Oder gibt es auch hier Auslassungen, von denen der Autor nichts weiß? Immerhin erinnert sich sein Bruder manchmal ganz anders als er. Die Mutter jedoch erscheint als Persönlichkeit, aus der in der heutigen Zeit mehr hätte werden können. Wie bedauerlich und schade für diese Generation, die von einem unnützen Krieg und dummen Kriegsherren ausgenutzt und missbraucht wurde. Nur mit den Menschen konnte die Mutter nicht so gut.

Mit leichten aber doch eindringlichen Worten schildert der Autor die letzten Tage mit seiner Mutter. Wie sie doch etwas tüdelig geworden ist, nicht mehr so viel Interesse hat, immer wieder einnickt. Gerade das lässt ihm Zeit, sie mit seinen Worten zwar, aber doch mit ihrem eigenen Tonfall die wichtigsten Stationen ihres Lebens Revue passieren zu lassen. Das ist wirklich sehr gelungen. Man fühlt mit der alten Dame, die ja auch mal jung war. Und wie schon gesagt, wird auch der Gedanke an die eigene Mutter wieder geweckt. Dieser Roman ist ein liebevolles Denkmal an eine Mutter, die mit ihren Ecken und Kanten beschrieben wird und obwohl vielleicht nicht von jedem geliebt, doch eine größere Anzahl von Menschen positiv beeinflusst hat.

Veröffentlicht am 09.09.2023

Neuanfang

Schwarzvogel
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Nach einem Vorfall kehrt die Polizistin Fredrika Storm an ihren Heimatort zurück. Sie will einen Neuanfang wagen, ist aber nicht ganz sicher, ob ihr Geburtsort der richtige Platz dafür ist. Ihr Partner ...

Nach einem Vorfall kehrt die Polizistin Fredrika Storm an ihren Heimatort zurück. Sie will einen Neuanfang wagen, ist aber nicht ganz sicher, ob ihr Geburtsort der richtige Platz dafür ist. Ihr Partner Henry Calment hat einen interessanten Hintergrund, noch ist Fredrika aber nicht ganz schlau aus ihm geworden. Da kommt die Meldung herein, dass eine junge Frau im dünnen Eis des Sees eingebrochen ist. Gemeldet wurde dies ausgerechnet von Gun, Fredrikas Oma. Leider konnte die Frau nur tot geborgen werden und bei ihrem Tod kann es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Es stellt sich heraus, dass die tote Nomi in der Firma von Fredrikas Onkel gearbeitet hat.

In ihren ersten Fall gestaltet sich Fredrika Storms Heimkehr anders als sie gedacht hat. Denn anstatt eines ruhigen Herantastens und Eingewöhnens wird sie gleich in eine Mordermittlung geworfen, die gleich ihre eigene Familie betrifft. Und weil sie jeden im Dorf von früher kennt und auch jeder sie kennt, wird sie häufig angesprochen und um Hilfe gebeten. So ist ihr Bezug zum Ort gleichzeitig hilfreich und belastend. Mehr als einmal kommt Fredrika in die Zwickmühle darüber wie sie mit Verdachtsmomenten gegen die Verwandtschaft umgehen soll. Und den schief gelaufenen Einsatz in Malmö hat sie auch noch nicht verwunden.

Eine neue Krimireihe, deren Beschreibung neugierig macht. Das denkt man beim Lesen des Klappentextes und macht sich gleich daran, die Neugier zu befriedigen. Die Konflikte, die entstehen können, wenn ein Polizist zu nahe der Heimat eingesetzt wird, sind durchaus bekannt. Und manche aus diesem Berufszweig entscheiden sich für einen entfernteren Einsatzort. Nicht jeder möchte Freunde oder Verwandte verhaften. Spannend ist daher, wie Fredrika mit diesem Konflikt umgeht. Und es fällt ihr mitunter durchaus schwer, ihre Verwandten nur in dem Rahmen zu schützen, der als erlaubt durchgehen kann. Man sieht wie Fredrika ihren Weg sucht und kann ihre Lage gut verstehen. Henry Calment wirkt dagegen verschlossener, wenn auch als Partner sehr patent. Verwickelt ist dagegen das Rätsel um Nomis Tod. Da fächern sich immer neue Facetten auf, mit denen man nicht gerechnet hat.

Dieser erste Band einer Reihe ist sehr gut geraten, teilweise mitreißend und verspricht gegen Ende schon einen wiederum fesselnden zweiten Band, der die Neugier weckt.

Veröffentlicht am 08.09.2023

Darkness

Rotwild
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Seit dem letzten Fall ist einige Zeit vergangen. Santa Berling ist eigentlich nicht mehr bei der Mordkommission. Dafür hat sie eine Wohnung und kümmert sich um Sixten, den Hund ihrer Kollegin Eir. Eines ...

Seit dem letzten Fall ist einige Zeit vergangen. Santa Berling ist eigentlich nicht mehr bei der Mordkommission. Dafür hat sie eine Wohnung und kümmert sich um Sixten, den Hund ihrer Kollegin Eir. Eines Abend jedoch findet sie einen schwer verletzten jungen Mann, der ihr unter den Händen stirbt. Die Umstände des Todes geben Rätsel auf und so beginnen Ermittlungen, an denen Sanna und Eir wieder gemeinsam arbeiten. Doch noch immer beschäftigt der alte Fall Sanna. Es gibt nur wenige Spuren und Sanna und Eir gehen jedem kleinen Hinweis nach.

Dies ist der zweite Fall von Sanna Berling und Eir Pedersen. Sanna scheint es etwas besser zu gehen, obwohl die alte Mordserie sie noch immer umtreibt. Auch Eir wirkt relativ glücklich in ihrer Beziehung zu Fabian. Nur die Rückenschmerzen, die sie in letzter Zeit plagen, geben ihr zu denken. Und nun dieser Todesfall. Ein junger Mann wurde offensichtlich angefahren und ihm wurde solange nicht geholfen, bis er wegen seiner schweren Verletzungen nicht mehr zu retten war. In welchen Kreisen bewegte sich der Verstorbene? Wieso? Plötzlich beginnen in Sannas Umfeld seltsame Dinge zu geschehen. Und sie ist unsicher, ob sie wirklich zur Mordkommission zurückkehren soll.

Die düstere und depressive Stimmung des Buches/Hörbuches wird hervorragend dargestellt von Vera Teltz, die für ihre besonderen Lesungen bekannt ist. Da es in dem Roman etliche Rückbezüge zum ersten Band gibt, ist es schon von Vorteil, wenn man diesen gelesen hat. Ob einem diese recht enge Verzahnung gefällt, ist etwas, was jeder Leser für sich entscheiden kann. Auch die laufende persönliche Involviertheit von Sanna und Eir ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Der Fall als solches ist jedoch rätselhaft und es bleibt lange völlig unklar, wie der junge Mann zu Tode kam. Die düstere Grundstimmung wird allerdings ein wenig überbetont. Es fehlt das positive Gegengewicht. Wenn man diese Art Krimi mag, hat man einen spannenden handwerklich sehr gut gemachten zweiten Band einer Reihe, deren dritter Teil bereits angekündigt ist.