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Veröffentlicht am 29.01.2026

Die 2364. Dimension

Qwert
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Qwert, der Gallertprinz aus der 2364. Dimension, ist verwirrt. Er ist sich selbst fremd und seine Umgebung ist ihm auch fremd. Wieso fühlt er sich auf einmal wie ein Ritter Kaltbluth? Und, zum Donnerwetter, ...

Qwert, der Gallertprinz aus der 2364. Dimension, ist verwirrt. Er ist sich selbst fremd und seine Umgebung ist ihm auch fremd. Wieso fühlt er sich auf einmal wie ein Ritter Kaltbluth? Und, zum Donnerwetter, wieso sieht er auch noch wie ein Prinz Kaltbluth aus? Das ist doch der Typ aus den Ritterromanen, die er so gerne liest. Offensichtlich ist er in ein Dimensionsloch gefallen und im Körper dieses attraktiven Ritters gelandet ist. Als er sich umblickt, sieht er eine junge Frau, die gefesselt ist. Sie wird von einem dreiköpfigen Monster bewacht. Natürlich muss Ritter Kaltbluth die holde Jungfer befreien.

Dies ist bereits der elfte Roman, der irgendwie in Zamonien angesiedelt ist. Die Bücher beziehen sich meist nicht direkt aufeinander. Allerdings ist Qwert, der Gallertprinz aus der 2364. Dimension, vielleicht schon aus Käpt’n Blaubär bekannt. Hier muss sich Qwert sowohl in einem anderen Körper als auch in einer anderen Dimension zurechtfinden. Und schnell merkt er, dass ihm bei der Rettung der jungen Dame ein kleines Missgeschick unterlaufen ist. Damit hat sich Prinz Kaltbluth den Unmut etlicher anderer Bewohner des Paralleluniversums, in dem er gelandet ist, auf sich gezogen. Zum Glück stößt seine Knappe Oyo zu ihm, der ihm die Welt Orméa ein wenig erklären kann.

Ein neuer Zamonien-Roman von Walter Moers kann schon mal auf einem Weihnachtswunsch-zettel landen. Die liebevolle Gestaltung die phantasievollen Zeichnungen machen unbedingt was her. Und mit einem Ritteroman aus einer anderen Dimension hat der Autor auch eine Idee verwirklicht, die schon beim Lesen des Klappentextes den unbedingten Wunsch weckt, das Buch zu lesen. Im Roman entspinnt sich ein Feuerwerk von Einfällen, skurrilen Person, absurden Situationen und unerwarteten Settings. Dabei gewinnt man den Eindruck, dass das Ganze mit Liebe und Witz entwickelt wurde. Irgendwie fühlt man sich tatsächlich ein wenig wie in einem klassischen Ritterroman, mit dem romantischen Helden und der holden Maid. Dass die Protagonisten ihre Rollen nur bedingt erfüllen, macht den Lesespaß eher größer.


Veröffentlicht am 27.01.2026

Einfach weiterschwimmen

Die Winterschwimmerin
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Im Sommer starten und dann weiterschwimmen über den Herbst in den Winter hinein. So startet Tekla mit dem Schwimmen im eiskalten Winterwasser. Sie entwickelt eine Vorliebe für das kalte Bad in der freien ...

Im Sommer starten und dann weiterschwimmen über den Herbst in den Winter hinein. So startet Tekla mit dem Schwimmen im eiskalten Winterwasser. Sie entwickelt eine Vorliebe für das kalte Bad in der freien Natur. Jede Minute saugt sie in sich auf, versucht alles aufzunehmen. Von dem Tiger im Gebüsch vermag sie kaum einzuschätzen, ob er ein Traum ist oder wahr. Und doch scheint da eine Verbindung zu sein. Es entsteht eine Flut von Gedanken.

Im Winter kann Eisbaden eine erstrebenswerte Beschäftigung sein, der Gesundheit zuträglich und ein Erlebnis, das mehr bedeutet als die bloße Bewegung. Die Person Tekla bleibt hinter der Beschäftigung des Schwimmens ein wenig versteckt. Und doch fasziniert sie. Wie sie sich dem Schwimmen in der Kälte annähernd. Erst bei fünf Grad kaltem Wasser zählt es. Man fühlt es aber vielleicht schon früher. Menschen, die keine Erfahrung damit haben, finden möglicherweise auch Temperaturen von unter zwanzig Grad als recht kühl. Was für eine Erfahrung wird es sein, sich in kältere Gefilde vorzutasten. Neugierde.

Das Hörbuch wird beeindruckend interpretiert von Marit Beyer. Sie trifft den richtigen Ton, so wie er in dem kleinen Büchlein angeschlagen wird. Teils in Reimen, teils in fortlaufendem Text fließen die Worte. Die unterschiedlichen Formen beschäftigen, vielleicht gerade weil man sie nicht zur ganze entschlüsseln kann. Klar versteht man die Worte, aber nicht immer das Warum. Dennoch zieht einen der Text an. Die Worte haken sich fest und beschäftigen. Ein ungewöhnliche Kombination von Sätzen, Reimen und Erklärungen, die zwar erklären, aber auch wie kleine Stolpersteine wirken. Zwar vermisst man ein wenig die Interpretation, doch so muss und darf man selber ran und behält die eisbadende Tekla länger im Herzen als es unter anderen Umständen der Fall wäre.

Veröffentlicht am 26.01.2026

Unwetter

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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Starkregen und heftige Winde führen in der Grenzregion zwischen Österreich und Deutschland dazu, dass eigentlich kleine Bäche über die Ufer treten oder Bäume umstürzen. Die deutsche Seite ist mehr betroffen. ...

Starkregen und heftige Winde führen in der Grenzregion zwischen Österreich und Deutschland dazu, dass eigentlich kleine Bäche über die Ufer treten oder Bäume umstürzen. Die deutsche Seite ist mehr betroffen. Kommissarin Alexa Jahn tut ihren Dienst in der Wache. Die Menschen beginnen anzurufen und Vermisste oder Hilfsbedürftige zu melden. Alexa wäre lieber draußen im Einsatz, aber auch der Telefondienst und die Organisation der Hilfsmaßnahmen ist wichtig. Die Lage verschlimmert sich zunächst. Als auch noch der Strom ausfällt, muss die Einsatzzentrale verlegt werden. Nach einem Hinweis findet Alexa einen Toten, der nicht dem Unwetter zum Opfer gefallen ist.

In diesem sechsten Fall sind Alexa Jahn und Bernhard Krammer Wetterunbilden ausgesetzt. Man möchte nicht mit ihnen tauschen. Besonders Alexas Einsatz ist schwierig und anstrengend. Sie fühlt sich für den Telefondienst in diesem Katastrophenfall nicht besonders gut geeignet. Allerdings muss sie einsehen, dass sie als Zugezogene, die noch nicht die eingehende Ortskenntnis der Einheimischen hat, wohl im Innendienst besser helfen kann. Bernhard sucht auf Österreichischer Seite nach ein paar jungen Erwachsenen, die nach dem Abitur eine kleine Auszeit in einer Hütte verbringen wollten und vom Wetter überrascht wurden. Als sich Alexas und Bernhards Wege schließlich kreuzen, kann das Vater-Tochter-Gespann endlich gemeinsam ermitteln.

Bei den Schilderungen des Unwetters und seiner Auswirkungen fällt einem sofort die Katastrophe im Ahrtal ein. Diese hat auch die Autorin beschäftigt und sie zu der Handlung ihres neuen Romans geführt. Auch das Cover gewährt einen Eindruck, wie es wohl aussehen mag, wenn aus einem Rinnsal plötzlich eine gefährliche Strömung entstehen kann.

Die Arbeit der Einsatzkräfte und Hilfsteams wird eindringlich geschildert, die Kräfte bringen vollen Einsatz teilweise über die Belastungsgrenze hinaus. Auch für Alexa Jahn ist der Einsatz nicht einfach. Sie nutzt eine Pause, um den Hinweisen einer jungen Frau nachzugehen, die gerettet wurde. Mit dem Toten, den sie findet, war nicht zu rechnen. Die folgenden Ermittlungen führen Alexa wieder mit ihrem Vater Bernhard Krammer zusammen, der bei der österreichischen Polizei arbeitet. Wenn die beiden Hand in Hand arbeiten können, laufen sie zu Höchstform auf. Je länger die Reihe nun läuft, desto mehr Normalität bildet sich zwischen Alexa und Bernhard heraus. Beruflich bilden sie ein klasse Team, auch wenn Bernhard immer noch unsicher ist, wie er seine Vaterrolle gut ausfüllen kann. Die Serie wird sehr schön getragen von diesem besonderen Team. Auch der Fall hat es in sich. Wenn man nach und nach erfährt, wie die Dinge zusammenhängen, kann man das Buch vor lauter Anspannung nicht mehr aus der Hand legen.

Veröffentlicht am 25.01.2026

Paris - Berlin

Abschied
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Mit Teddy streift Raimund durch Paris. Die schönste Zeit hatten sie im Sommer vor einem Jahr. Die Reise nach Paris sollte die Zeit zurückbringen, aber es soll wohl nicht sein. Seinen Gefühlen zum Trotz ...

Mit Teddy streift Raimund durch Paris. Die schönste Zeit hatten sie im Sommer vor einem Jahr. Die Reise nach Paris sollte die Zeit zurückbringen, aber es soll wohl nicht sein. Seinen Gefühlen zum Trotz ist Teddy ihm irgendwie fremd geworden. Sie hat so eine Pariser Art, ein Pariser Leben und Pariser Bekannte. Sie pflegt einen Umgang, zu dem Raimund keinen rechten Zugang findet. Und so haben sie sich während seines zweiwöchigen Urlaubs irgendwie verzankt. Und nun sind die letzten Stunden seines Aufenthalts angebrochen. Er würde das Ruder gerne herumreißen, aber die Zeit wird immer knapper.

Es ist das Jahr 1932. Man kann noch hoffen, aber Raimunds Dasein als juristischer Referendar ist eher nicht begeisternd. Teddy hat ihr Studium in Paris schon ein Jahr zuvor begonnen. Dass sie nach Berlin zurückkehrt, ist eher unwahrscheinlich. Aber in Paris zu bleiben, ist für Raimund auch keine Option. Teddy möchte ihm etwas zeigen. Doch immer sind auch die neuen Freunde mit dabei. Raimund kämpft schon gegen seine Eifersucht und es entsteht der Eindruck, das Teddy das nicht richtig nachvollziehen kann. Es scheint eher als wolle sie ihn zwar in die Gruppe einfügen, sei jedoch der Beziehung entwachsen. Und bald ist die Zeit der Abfahrt gekommen.

Man könnte sich vorstellen, dass dieser Roman als Film gut funktionieren würde. Die etwas flatterhafte Teddy, der ein wenig zurückhaltende Raimund, die Gruppe von Studenten aus unterschiedlichen Ländern. Dazu die pointierten Gespräche. Ja, man kann es sich gut vorstellen, vielleicht sogar besser in Schwarz-Weiß. Beim Lesen wird es ein wenig schwieriger. Was man sich beim Lesen erhofft, erfüllt sich eigentlich eher durch die klärenden Worte des Nachworts. Da die Erzählung tatsächlich in der Zeit verfasst wurde, in der sie spielt, muss man natürlich bedenken, dass der Autor nicht hellsehen kann. Man spürt die verpasste Chance dieser Zeit und fragt sich, was hätte besser gemacht werden können. Eine Frage, die wohl nie einen aktuellen Bezug verliert.

Veröffentlicht am 24.01.2026

Ein anderer Bob

Minnesota
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Der Polizeibeamte Bob Oz, ein Amerikaner mit norwegischen Vorfahren, ist durch ein tragisches Ereignis aus der Bahn geworfen worden. Er hatte alles und nun hat er nichts mehr. Im Jahr 2016 in Minnesota ...

Der Polizeibeamte Bob Oz, ein Amerikaner mit norwegischen Vorfahren, ist durch ein tragisches Ereignis aus der Bahn geworfen worden. Er hatte alles und nun hat er nichts mehr. Im Jahr 2016 in Minnesota treibt ein Serientäter sein Unwesen und Bob will diesen Menschen unbedingt fassen. Die Arbeit und die Beschäftigung mit dem Fall scheint das Einzige zu sein, was ihn ablenken kann. Es hat den Anschein als führe der Mörder einen Rachefeldzug. Oz versucht sich in den Täter hineinzudenken, sich auf die wenigen Spuren zu begeben, die der Täter hinterlassen hat. Dass er eigentlich suspendiert ist, stört ihn nur am Rande.

Jo Nesbø ist für seine etwas gebrochenen Ermittler bekannt. So verhält es sich auch mit Bob Oz. Eine Tragödie in seinem Privaten und er ist verständlicherweise völlig neben der Spur. Doch so recht helfen lässt er sich nicht. Dass sich das auch auf seine Arbeit, will er nicht wahrhaben oder es ist ihm egal. Das mit dieser Suspendierung kann auch nicht richtig ernst gemeint sein. Hartnäckig verbeißt sich Bob Oz in die Ermittlungen um Tomás Gomez. Bei dem handelt es sich möglicherweise um einen Killer mit einer Mission. Rechtfertigt eine Mission es, eine Waffe in die Hand zu nehmen?

David Nathan als Sprecher ist schon für sich ein Grund, Interesse an diesem Hörbuch zu haben. Ihm zuzuhören ist wie immer ein Genuss.

Doch auch die Handlung dieses Thrillers hat es in sich. Es kann durchaus sein, dass man vermutet, es ist wieder einer dieser üblichen Ermittler, die der Autor so im Repertoire hat, aber mit Bob Oz schafft er es doch, die Lesenden zu überraschen. Der Polizist ist durchaus vielschichtiger als gedacht, auch wenn er manchmal nervt. Dazu ist auch der Fall sehr fesselnd und gibt einige Nüsse zu knacken. Gerade mit seinen Problemen kann sich Oz in den Täter hineinführen. Und es gibt Entwicklungen, die nicht vorhersehbar waren. Möglicherweise ist die Handlung auch nicht von ungefähr im Jahr 2016 angesiedelt. Jo Nesbø schafft es mit leichter Hand nebenbei noch eine gewisse Kritik an Verhältnissen in Amerika anzubringen. Die hätten heute umso mehr Gültigkeit. Wahrgenommen werden sie wahrscheinlich eher nicht. Ein in der Rückschau überraschend packender Roman, der sich als gehaltvoller entpuppt als erwartet.