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Veröffentlicht am 26.01.2026

Unwetter

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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Starkregen und heftige Winde führen in der Grenzregion zwischen Österreich und Deutschland dazu, dass eigentlich kleine Bäche über die Ufer treten oder Bäume umstürzen. Die deutsche Seite ist mehr betroffen. ...

Starkregen und heftige Winde führen in der Grenzregion zwischen Österreich und Deutschland dazu, dass eigentlich kleine Bäche über die Ufer treten oder Bäume umstürzen. Die deutsche Seite ist mehr betroffen. Kommissarin Alexa Jahn tut ihren Dienst in der Wache. Die Menschen beginnen anzurufen und Vermisste oder Hilfsbedürftige zu melden. Alexa wäre lieber draußen im Einsatz, aber auch der Telefondienst und die Organisation der Hilfsmaßnahmen ist wichtig. Die Lage verschlimmert sich zunächst. Als auch noch der Strom ausfällt, muss die Einsatzzentrale verlegt werden. Nach einem Hinweis findet Alexa einen Toten, der nicht dem Unwetter zum Opfer gefallen ist.

In diesem sechsten Fall sind Alexa Jahn und Bernhard Krammer Wetterunbilden ausgesetzt. Man möchte nicht mit ihnen tauschen. Besonders Alexas Einsatz ist schwierig und anstrengend. Sie fühlt sich für den Telefondienst in diesem Katastrophenfall nicht besonders gut geeignet. Allerdings muss sie einsehen, dass sie als Zugezogene, die noch nicht die eingehende Ortskenntnis der Einheimischen hat, wohl im Innendienst besser helfen kann. Bernhard sucht auf Österreichischer Seite nach ein paar jungen Erwachsenen, die nach dem Abitur eine kleine Auszeit in einer Hütte verbringen wollten und vom Wetter überrascht wurden. Als sich Alexas und Bernhards Wege schließlich kreuzen, kann das Vater-Tochter-Gespann endlich gemeinsam ermitteln.

Bei den Schilderungen des Unwetters und seiner Auswirkungen fällt einem sofort die Katastrophe im Ahrtal ein. Diese hat auch die Autorin beschäftigt und sie zu der Handlung ihres neuen Romans geführt. Auch das Cover gewährt einen Eindruck, wie es wohl aussehen mag, wenn aus einem Rinnsal plötzlich eine gefährliche Strömung entstehen kann.

Die Arbeit der Einsatzkräfte und Hilfsteams wird eindringlich geschildert, die Kräfte bringen vollen Einsatz teilweise über die Belastungsgrenze hinaus. Auch für Alexa Jahn ist der Einsatz nicht einfach. Sie nutzt eine Pause, um den Hinweisen einer jungen Frau nachzugehen, die gerettet wurde. Mit dem Toten, den sie findet, war nicht zu rechnen. Die folgenden Ermittlungen führen Alexa wieder mit ihrem Vater Bernhard Krammer zusammen, der bei der österreichischen Polizei arbeitet. Wenn die beiden Hand in Hand arbeiten können, laufen sie zu Höchstform auf. Je länger die Reihe nun läuft, desto mehr Normalität bildet sich zwischen Alexa und Bernhard heraus. Beruflich bilden sie ein klasse Team, auch wenn Bernhard immer noch unsicher ist, wie er seine Vaterrolle gut ausfüllen kann. Die Serie wird sehr schön getragen von diesem besonderen Team. Auch der Fall hat es in sich. Wenn man nach und nach erfährt, wie die Dinge zusammenhängen, kann man das Buch vor lauter Anspannung nicht mehr aus der Hand legen.

Veröffentlicht am 25.01.2026

Paris - Berlin

Abschied
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Mit Teddy streift Raimund durch Paris. Die schönste Zeit hatten sie im Sommer vor einem Jahr. Die Reise nach Paris sollte die Zeit zurückbringen, aber es soll wohl nicht sein. Seinen Gefühlen zum Trotz ...

Mit Teddy streift Raimund durch Paris. Die schönste Zeit hatten sie im Sommer vor einem Jahr. Die Reise nach Paris sollte die Zeit zurückbringen, aber es soll wohl nicht sein. Seinen Gefühlen zum Trotz ist Teddy ihm irgendwie fremd geworden. Sie hat so eine Pariser Art, ein Pariser Leben und Pariser Bekannte. Sie pflegt einen Umgang, zu dem Raimund keinen rechten Zugang findet. Und so haben sie sich während seines zweiwöchigen Urlaubs irgendwie verzankt. Und nun sind die letzten Stunden seines Aufenthalts angebrochen. Er würde das Ruder gerne herumreißen, aber die Zeit wird immer knapper.

Es ist das Jahr 1932. Man kann noch hoffen, aber Raimunds Dasein als juristischer Referendar ist eher nicht begeisternd. Teddy hat ihr Studium in Paris schon ein Jahr zuvor begonnen. Dass sie nach Berlin zurückkehrt, ist eher unwahrscheinlich. Aber in Paris zu bleiben, ist für Raimund auch keine Option. Teddy möchte ihm etwas zeigen. Doch immer sind auch die neuen Freunde mit dabei. Raimund kämpft schon gegen seine Eifersucht und es entsteht der Eindruck, das Teddy das nicht richtig nachvollziehen kann. Es scheint eher als wolle sie ihn zwar in die Gruppe einfügen, sei jedoch der Beziehung entwachsen. Und bald ist die Zeit der Abfahrt gekommen.

Man könnte sich vorstellen, dass dieser Roman als Film gut funktionieren würde. Die etwas flatterhafte Teddy, der ein wenig zurückhaltende Raimund, die Gruppe von Studenten aus unterschiedlichen Ländern. Dazu die pointierten Gespräche. Ja, man kann es sich gut vorstellen, vielleicht sogar besser in Schwarz-Weiß. Beim Lesen wird es ein wenig schwieriger. Was man sich beim Lesen erhofft, erfüllt sich eigentlich eher durch die klärenden Worte des Nachworts. Da die Erzählung tatsächlich in der Zeit verfasst wurde, in der sie spielt, muss man natürlich bedenken, dass der Autor nicht hellsehen kann. Man spürt die verpasste Chance dieser Zeit und fragt sich, was hätte besser gemacht werden können. Eine Frage, die wohl nie einen aktuellen Bezug verliert.

Veröffentlicht am 24.01.2026

Ein anderer Bob

Minnesota
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Der Polizeibeamte Bob Oz, ein Amerikaner mit norwegischen Vorfahren, ist durch ein tragisches Ereignis aus der Bahn geworfen worden. Er hatte alles und nun hat er nichts mehr. Im Jahr 2016 in Minnesota ...

Der Polizeibeamte Bob Oz, ein Amerikaner mit norwegischen Vorfahren, ist durch ein tragisches Ereignis aus der Bahn geworfen worden. Er hatte alles und nun hat er nichts mehr. Im Jahr 2016 in Minnesota treibt ein Serientäter sein Unwesen und Bob will diesen Menschen unbedingt fassen. Die Arbeit und die Beschäftigung mit dem Fall scheint das Einzige zu sein, was ihn ablenken kann. Es hat den Anschein als führe der Mörder einen Rachefeldzug. Oz versucht sich in den Täter hineinzudenken, sich auf die wenigen Spuren zu begeben, die der Täter hinterlassen hat. Dass er eigentlich suspendiert ist, stört ihn nur am Rande.

Jo Nesbø ist für seine etwas gebrochenen Ermittler bekannt. So verhält es sich auch mit Bob Oz. Eine Tragödie in seinem Privaten und er ist verständlicherweise völlig neben der Spur. Doch so recht helfen lässt er sich nicht. Dass sich das auch auf seine Arbeit, will er nicht wahrhaben oder es ist ihm egal. Das mit dieser Suspendierung kann auch nicht richtig ernst gemeint sein. Hartnäckig verbeißt sich Bob Oz in die Ermittlungen um Tomás Gomez. Bei dem handelt es sich möglicherweise um einen Killer mit einer Mission. Rechtfertigt eine Mission es, eine Waffe in die Hand zu nehmen?

David Nathan als Sprecher ist schon für sich ein Grund, Interesse an diesem Hörbuch zu haben. Ihm zuzuhören ist wie immer ein Genuss.

Doch auch die Handlung dieses Thrillers hat es in sich. Es kann durchaus sein, dass man vermutet, es ist wieder einer dieser üblichen Ermittler, die der Autor so im Repertoire hat, aber mit Bob Oz schafft er es doch, die Lesenden zu überraschen. Der Polizist ist durchaus vielschichtiger als gedacht, auch wenn er manchmal nervt. Dazu ist auch der Fall sehr fesselnd und gibt einige Nüsse zu knacken. Gerade mit seinen Problemen kann sich Oz in den Täter hineinführen. Und es gibt Entwicklungen, die nicht vorhersehbar waren. Möglicherweise ist die Handlung auch nicht von ungefähr im Jahr 2016 angesiedelt. Jo Nesbø schafft es mit leichter Hand nebenbei noch eine gewisse Kritik an Verhältnissen in Amerika anzubringen. Die hätten heute umso mehr Gültigkeit. Wahrgenommen werden sie wahrscheinlich eher nicht. Ein in der Rückschau überraschend packender Roman, der sich als gehaltvoller entpuppt als erwartet.

Veröffentlicht am 23.01.2026

Eine Ahnung

Die Lotsin
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Ein Notruf geht ein, eine Wissenschaftlerin ist von einem Forschungsschiff verschwunden. Einige Teilnehmer einer Übung der niederländischen und deutschen Grenzschützer helfen bei der Suche, die allerdings ...

Ein Notruf geht ein, eine Wissenschaftlerin ist von einem Forschungsschiff verschwunden. Einige Teilnehmer einer Übung der niederländischen und deutschen Grenzschützer helfen bei der Suche, die allerdings erfolglos verläuft. Unter ihnen ist auch Xander Rimbach, der dann erste Vernehmungen führt. Sein erfahrener Kollege Liewe Cupido versucht aus der Ferne eine gewisse Hilfestellung zu geben. Es sieht so aus, als könne es sich um einen Unfall handeln. Da die Forscherin wohl depressiv war, könnte sie sich auch das Leben genommen haben. Doch die Stimmung auf dem Schiff ist eigenartig und Xander führt die Befragungen intensiver als geplant. Ein weiterer Hinweis bestärkt das ungute Gefühl.

Zum vierten Mal ermitteln Liewe Cupido und Xander Rimbach. Teilweise muss sich Xander hier alleine behaupten. Bei seinen Kollegen kommt das nicht nur gut an. Allerdings ist auf seine Spürnase mehr Verlass als ihm selbst bewusst ist. Liewe Cupido ermittelt schweigsam wie immer. Da unterscheiden er und Rimbach sich doch sehr und ergänzen sich beinahe perfekt. Die Nachforschungen in einem Fall, der vielleicht keiner ist, gestalten sich dennoch nicht einfach. Keiner erweckt den Eindruck als würde er gerne mit der Polizei zusammenwirken. Wenn niemand etwas zu verbergen hat, müsste den Einsatz der Beamten doch eigentlich leichter vonstatten gehen.

Wenn man in die Welt von Liewe Cupido eintaucht, ist man zeitweilig für die wahre Welt verloren. Bei den Alltagsproblemen, die man vielleicht so hat, bietet dieser wunderbare Kriminalroman eine schöne Auszeit. Man begibt sich auf Schiffe, sieht Wellen rollen, spürt förmlich wie einem der Wind um die Nase weht. Cupido und Rimbach bilden ein Team mit Ecken und Kanten, das sich Schwierigkeiten eingestehen kann und auch die Fähigkeit hat, sich zusammenzuraufen. Die Nachforschungen um die Hintergründe zum Tod gestalten sich so spannend, dass man einfach immer weiterlesen will. Für ein Buch andere Dinge liegen zu lassen, passiert auch nicht so oft. Hier gibt man dem Buch immer wieder den Vorzug. Man gibt sich Wind und Wetter hin und den Stimmungen. Und wenn die letzte Seite umgeblättert ist, muss man leider wieder auftauchen und auf den nächsten Fall von Cupido und Rimbach warten. Diese Reihe kann jedem Krimilesenden, ach allen, die Bücher lieben empfohlen werden.

Veröffentlicht am 18.01.2026

Nanning

Amrum
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Das Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht mehr weit hin. Das können der Schüler Nanning und sein Freund Hermann natürlich nicht wissen. Nanning ist ganz froh, dass er bei der Bäuerin Tessa aushelfen kann. ...

Das Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht mehr weit hin. Das können der Schüler Nanning und sein Freund Hermann natürlich nicht wissen. Nanning ist ganz froh, dass er bei der Bäuerin Tessa aushelfen kann. In seiner kindlichen Unwissenheit erzählt er seiner Mutter etwas, dass die Bäuerin betrifft. Er weiß, dass seine Mutter Nationalsozialistin ist, ebenso wie sein Vater, der eine Position in Hamburg bekleidet. Allerdings hätte er nicht gedacht, dass seine Mutter die Bäuerin denunzieren würde. Wo soll er denn jetzt, die Nahrungsmittel herbekommen, die seine Mutter braucht, die hochschwanger ist. Da muss sich Nanning wohl etwas einfallen lassen.

Der Film „Amrum“ von Fatih Akin ist möglicherweise bekannt. Hier hat der Schauspieler und Regisseur Hark Bohm seine Kindheitserinnerungen mit Hilfe seines Freundes Fatih Akin in bewegte Bilder gefasst. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit Philipp Winkler. Obwohl Nanning in einer Nazi-Familie lebt, wundert man sich, dass der im System durchaus höhergestellte Vater nicht für die Versorgung seiner Familie sorgt. Die Familie seiner Mutter stammt von Amrum, nur deshalb können sie dort leben und sind von den Auswirkungen des Krieges relativ sicher. Seine Tante Ena immerhin versucht leider vergeblich, seine Mutter zur Vernunft zu bringen. Nanning selbst durchblickt noch nicht, was Nationalsozialismus bedeutet. Ein Glück vielleicht für sein späteres Leben.

Allem Anschein nach sind Buch und Film ziemlich ähnlich. Möglicherweise bekommt man noch einen besseren Einblick, wenn man beide Herangehensweisen kennt. Allerdings hat man beim Buch durchaus den Vorteil, dass man die Lesegeschwindigkeit selbst wählt. Gerade zu Beginn wirken die Beschreibungen der Insel etwas sehr ruhig. Hat man die Strömungen zwischen den Menschen auf der Insel erstmal durchschaut, zieht einen das Buch doch in seinen Bann. Natürlich bleibt die Sicht eines Kindes, das noch nicht wie ein Erwachsener reflektieren kann. Das ist vielleicht nicht so schlecht, dann muss man diese Aufgabe selbst übernehmen und sich sein Teil denken. Wie haben es die eigenen Vorfahren gehalten? Man muss sich wohl einer Wahrscheinlichkeit stellen, dass es nicht so viele wie die Bäuerin Tessa oder Tante Ena gegeben hat. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt und in Erinnerung bleibt.