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Veröffentlicht am 31.08.2021

Dunkle Gasse

Slade House
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Es ist wahrlich eine dunkle Gasse, die zum Slade House führt. Und die Tür, die in den Garten führt, übersieht man leicht, wenn man nicht die Gabe hat, sie zu sehen und eine Einladung. Die wird nur alle ...

Es ist wahrlich eine dunkle Gasse, die zum Slade House führt. Und die Tür, die in den Garten führt, übersieht man leicht, wenn man nicht die Gabe hat, sie zu sehen und eine Einladung. Die wird nur alle neun Jahre ausgesprochen. Und diesmal sind es Rita Bishop und ihr Sohn Nathan, die die Tür durchschreiten und den traumhaft schönen, erstaunlich großen Garten mit dem höher gelegenen Herrenhaus betreten. Ihre Gastgeberin Norah Grayer ist ganz begeistert von der Musiksoiree, die sie geben wird und bei der Rita und Nathan spielen sollen. Und ein Spielkamerad für Nathan ist mit dem etwa gleichaltrigen Jonah auch da.

Alle neun Jahre werden Menschen ins Slade House eingeladen, in ein schönes Haus, dass eine besondere Aura verströmt. Täuscht die idyllische Stimmung, die in dem Garten herrscht? Die Gäste sollen sich wohlfühlen, so dass sie bleiben wollen. Doch die Stimmung kann auch umschlagen. In einem alten Haus gibt es dunkle Ecken, verwunschene Winkel und knarrende Stiegen. Was ist, wenn die Gäste den Weg hinaus nicht mehr finden, wenn sie das Gefühl bekommen von dem Haus oder seinen Bewohnern bedrängt zu werden?

Der Autor ist für seine klug und verschlungen konstruierten Romane bekannt. Wenn man diese rätselhaften und versponnen Bücher mag, ist man hier genau richtig. Im Vergleich mit dem Wolkenatlas gerade zu leicht zu lesen, ist diese Geschichte sehr spannend. Düster und unheimlich wie bei einer Gothic Novel erlebt man das Schicksal der Handelnden. Nicht viel Zeit bleibt einem, die Personen kennenzulernen, sie in der lichten Umgebung wahrzunehmen, schon meint man selbst das Knarren der Stiegen zu hören, das drohende Unheil herannahen zu ahnen. Bei diesem Roman wird sich die Leserin überlegen, ob sie eine Verfilmung anschauen würde. Der zu erwartende Grusel wäre wahrscheinlich allzu groß. Und den Grusel merkt man auch schon beim Lesen, was eine bestimmte Leseempfehlung darstellt.

Veröffentlicht am 30.08.2021

Der Schönheitschirurg

Das weiße Haus
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Eine lange Zeit war Elisabeth leidlich glücklich mit dem Beamten Anton. Zurzeit ist Elisabeth dabei für ihr Buchprojekt ungewöhnliche Bücher im Umland Berlins zu finden, zu fotografieren und die Eigentümer ...

Eine lange Zeit war Elisabeth leidlich glücklich mit dem Beamten Anton. Zurzeit ist Elisabeth dabei für ihr Buchprojekt ungewöhnliche Bücher im Umland Berlins zu finden, zu fotografieren und die Eigentümer zu befragen. Anton unterstützt sie dabei, zu seiner trockenen beruflichen Tätigkeit ist das eine willkommene Abwechslung. In der Nähe seiner Arbeitsstätte hat er ein ungewöhnliches weißes Haus im Bauhausstil entdeckt. Gemeinsam fahren Anton und Elisabeth dorthin. Der Besitzer, ein Schönheitschirurg namens Hanif, gibt bereitwillig Auskunft. Doch er scheint einen Narren an Elisabeth gefressen haben. Und damit brechen die kleinen Unstimmigkeiten auf, die auch vorher schon zwischen Anton und Elisabeth bestanden.

Eine Beziehung, die in Auflösung begriffen zu sein scheint. Hat Elisabeth nur darauf gewartet? Oder ist es eher Anton, der unzufrieden sowohl mit seinem beruflichen Fortkommen als auch mit der Beziehung ist? Er wollte schließlich nie heiraten, das war ihm zu spießig. Und ist es nur das Interesse an seinem Haus, was Hanif dazu bewegt, weiter Kontakt mit Elisabeth zu suchen? Durchaus bekannt ist, dass Menschen in den Vierzigern machmal ihr Leben nochmal komplett neu aufstellen. Und da kann es natürlich sein, dass einfach vier, Hanif ist verheiratet, aufeinander treffen, für die der Moment eines Neuanfangs gekommen ist.

Mit seinem vorherigen Roman „Der Freund von früher“ hat der Autor überzeugt, entsprechend gespannt ist man auf das neue Buch. Die Idee der Recherche über Architektenhäuser ist erstmal sehr ansprechend, wenn man gerne mal besondere Häuser anschaut, sei es im Netz oder beim Fahren durch die Gegend. Leider hält das Buch nicht ganz, was die Umstände versprechen. Man wünscht sich schon, dass wenigstens eine der handelnden Personen sympathisch wäre. Aber eine Frau, die ihr eigenes Projekt überfordert, ein Mann, der mit seinem Beruf hadert, aber so lange nicht den Mut hat, sich anders aufzustellen, bis es zu spät ist und es damit richtig knallt und ein weiterer Mann, der mehr viel mehr zu sein scheint als er ist. Diese Leserin gesteht zu ihrem Bedauern, dieser Roman war so leider nicht das Wahre. Lediglich die überraschende Auflösung zum Schluss kann durchaus gefallen.

Veröffentlicht am 29.08.2021

In der Seele

Der Tod und das dunkle Meer
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Im Jahr 1634 will der Generalgouverneur mit dem Schiff von Batavia nach Amsterdam reisen, um einen Sitz im Vorstand der niederländischen Ostindien-Kompanie zu werden. In diesem Zeiten ist es nie eine Spazierfahrt, ...

Im Jahr 1634 will der Generalgouverneur mit dem Schiff von Batavia nach Amsterdam reisen, um einen Sitz im Vorstand der niederländischen Ostindien-Kompanie zu werden. In diesem Zeiten ist es nie eine Spazierfahrt, doch die Fahrt auf der Saardam scheint unter einem besonders schlechten Stern zu stehen. Noch vor der Abfahrt stirbt ein Bootszimmer man unter schrecklichen Umständen und kaum losgesegelt, taucht auf dem Schiff ein seltsames Zeichen auf. Hat der Teufel dem Schiff seinen Stempel aufgedrückt? Arent Hayes soll versuchen, hinter die Ereignisse zu kommen. Dabei würde er gerne auf die Hilfe seines Förderers und Vorbilds Sammy Pipps bauen.

Gemeinsam ermitteln können die Freunde Pipps und Hayes nicht, denn Pipps ist wegen unerklärlicher Beschuldigungen in der Gefängniszelle des Schiffes gelandet. Hayes muss sich also auf eigene Faust an die Lösung des Rätsels machen. Nur kurze Momente bleiben, die Hayes beim Gouverneur erstritten hat, bleiben den Beiden zum Austausch. Besser bündeln kann Arent Hayes seine Kräfte mit der Frau des Generalgouverneurs Sara Wessel. Auch sie ist um die Sicherheit auf dem Schiff besorgt, vor allem wegen ihrer Tochter Lia. Doch die unheimlichen Begebenheit lassen sich nicht so leicht erklären oder stoppen.

Mit Spannung wurde dieser zweite Roman von Stuart Turton erwartet und der Autor hat mit seinem ersten Werk die Messlatte hoch gelegt. Wäre dieses nicht der Fall, wäre dieser neue Roman wohl zur vollen Zufriedenheit ausgefallen. So braucht man ein Weilchen sich zu befreien, um diesen Band uneingeschränkt genießen zu können. Dann hat man einen spannenden historischen Kriminalroman in einem besonderen Setting, der einige unheimliche Elemente hat. Die Enge des Schiffes trägt dazu bei, dass die Ereignisse, Gespräche und Stimmungen noch intensiver werden, die Gerüchte umso schneller um sich greifen und sich Emotionen hochschaukeln. Und so wird man langsam eingesaugt in eine Geschichte, die aus einer Mischung von verschiedenen Geschichten besteht, die sich schließlich zu einem Ganzen zusammenfügen. Auch wenn es einige unglaubliche Fügungen gibt, bleibt man immer gefesselt und ist am Schluss völlig überrascht. Und das ist doch das Beste, auf das man hoffen kann.

Veröffentlicht am 28.08.2021

Bald Schriftstellerin

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht
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Die junge Nancy Mitford, Älteste von sieben Geschwistern, möchte gerne Schriftstellerin werden. Doch mit sechzehn braucht sie erstmal ein neues Kindermädchen. Im Jahr 1920 ist es noch ungewöhnlich, dass ...

Die junge Nancy Mitford, Älteste von sieben Geschwistern, möchte gerne Schriftstellerin werden. Doch mit sechzehn braucht sie erstmal ein neues Kindermädchen. Im Jahr 1920 ist es noch ungewöhnlich, dass sie dieses mehr oder weniger von der Straße aufliest. Louisa Cannon ist heilfroh aus London wegzukommen, denn sie wird von ihrem Onkel übelst drangsaliert. Während der Fahrt zum Landhaus der Mitfords wird ihn dem Zug, mit dem auch Louisa unterwegs ist, die ehrbare Krankenschwester Florence Nightingale Shore überfallen. Sie stirbt nach wenigen Tagen im Krankenhaus. Die Ermittlungen übernimmt der junge Bahnpolizist Guy Sullivan und heimlich Nancy und Louisa.

Dies ist der erste Band von Geschichten, welche die Autorin um die Mitford-Schwestern rankt. Nancy als erste steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Sie ist forsch und unbekümmert wie jede junge Frau. Im Gegensatz zu Louisa, die nur wenig älter ist, wächst Nancy sehr wohlbehütet und gut situiert auf. Louisa ist heilfroh, dass sie die Stelle bekommt und so aus London verschwinden kann. Aber so ruhig wie erwartet ist das Leben als Gouvernante der Mitford Kinder natürlich nicht, dafür sorgt schon Nancy, die immer wieder nachbohrt, um mehr über den tragischen Todesfall in Erfahrung zu bringen. Dass Louisa Kontakt mit dem Polizisten Guy Sullivan geknüpft hat, ist durchaus hilfreich.

Der erste Band der Reihe führt die Leser und Leserinnen ist die Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg, die sowohl von den Leiden geprägt ist, die der Krieg verursacht hat, aber auch von der neuen Leichtigkeit, von der gerade die Frauen sehr profitieren. Dabei hat die Autorin der Handlung einen Rahmen gegeben, der einen interessanten Bezug in der Wirklichkeit hat. Doch zu Beginn kann man den Eindruck gewinnen, die Handlung hätte etwas gestrafft werden können. Erst nach und nach wird das Interesse geweckt und man beginnt selbst ein wenig nachzuforschen. Und so wie es langsam, aber sicher mit der Lösung des Falles vorangeht, so wird man langsam tatsächlich gefesselt und lernt die Einblicke ins Landleben einer englischen Gutsherrenfamilie zu schätzen. Auch ist es immer abschreckend welch grausame Spuren in den Seelen der Menschen ein Krieg hinterlässt. Die Autorin hat eine schöne Mischung aus Drama und behütetem Landadel geschaffen, wobei der reale Hintergrund überzeugt.

Veröffentlicht am 27.08.2021

Das letzte Geheimnis

Die Leuchtturmwärter
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Im Jahr 1972 verschwinden drei Leuchtturmwärter vor der englischen Küste spurlos. Es sieht so auch als sei der Leuchtturm eben verlassen worden. Die Ehefrauen der Wärter sind schockiert und die Chefs entsetzt. ...

Im Jahr 1972 verschwinden drei Leuchtturmwärter vor der englischen Küste spurlos. Es sieht so auch als sei der Leuchtturm eben verlassen worden. Die Ehefrauen der Wärter sind schockiert und die Chefs entsetzt. Der Leuchtturm steht zwar komplett in der See und ist damit schwer zugänglich, aber er ist doch sicher. Die drei Männer bleiben unauffindbar und die Frauen bleiben zurück, einigermaßen abgesichert durch den Arbeitgeber der Männer. Zwanzig Jahre später beginnt ein Schriftsteller, in der Sache von Neuem nachzuforschen. Er beginnt mit den ehemaligen Beteiligten zu reden, wobei er besonders den Frauen das Wort gönnt.

Auf den beiden Zeitebenen 1972 und 1992 ist die Handlung dieses Romans angesiedelt. Jenny, Hanna und Michelle müssen mit dem Verlust ihrer Männer leben. Der Schock und die Trauer bleiben bestimmend für die Hinterbliebenen. Auch zwanzig Jahre später sind die Ereignisse so gegenwärtig als seien sie gerade erst geschehen. Vielleicht liegt es daran, dass das Verschwinden ihrer Männer nie richtig aufgeklärt wurde. Natürlich ist das Leben irgendwie weitergegangen, aber es ist doch eine späte Genugtuung, dass sie jetzt ihre Gedanken mit dem fremden Autor teilen können. Was hat den Schriftsteller dazu bewogen, sich gerade dieses Themas anzunehmen?

Vage auf einem wahren Geschehen beruhend ist die Idee zu diesem Roman sehr spannend und dramatisch. Wie ergeht es Menschen, die nach einem solchen Ereignis, dass keinen richtigen Abschluss hat. Gedanken nach dem wirklichen Geschehen, die nie vergehen. Nach langer Zeit ein Ansatz, ein Versuch zu einer späten Klärung zu kommen. Leider jedoch ist besonders der Beginn des Romans etwas langatmig, für einen Familienroman zu distanziert, für einen Kriminalroman nicht so packend. Gefühlt erst nach der Hälfte wird es fesselnder, weil sich ein paar neue Informationen ergeben. Wegen der durchgängigen Berichte auf beiden Zeitebenen und der kürzeren Kapitel beginnt man die Dramatik des Geschehens nachzuempfinden. Was ist die Wahrheit, was glauben die Überlebenden. Können sie sich schließlich doch noch arrangieren? Eine Idee, die neugierig macht und die bald in einem spannenden Roman mündet.