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Veröffentlicht am 24.03.2026

Ungewöhnlicher Krimi

Giftiger Grund
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Ein Krimi ohne Ermittler - das ist schon sehr ungewöhnlich.
In diesem Buch von Thomas Klüwer geht es um drei junge Menschen, die abwechselnd ihre Geschichte erzählen. Getroffen haben sie sich zufällig ...

Ein Krimi ohne Ermittler - das ist schon sehr ungewöhnlich.
In diesem Buch von Thomas Klüwer geht es um drei junge Menschen, die abwechselnd ihre Geschichte erzählen. Getroffen haben sie sich zufällig an einem Lost Place, einer aufgegebenen Tankstelle mitten im Nirgendwo.
Joran wurde nach über sieben Jahren aus dem Knast entlassen und hat Stress mit seinem Vater und einem ehemaligen Freund. Charu macht Fotos von Lost Places und stellt sie ins Netz, immer zusammen mit einer Glitzerkatze. Und die zehnjährige Edda flieht nachts heimlich aus ihrem Zuhause, in dem sie es nicht aushält.
Alle drei verbindet die morbide Magie des Ortes, aber auch Probleme mit ihren Mitmenschen. Als Edda eines nachts Schnitte am Bauch aufweist, wollen Charu und Joran ihr helfen und machen sich auf die Suche nach ihrem Zuhause, geraten dabei aber selbst immer mehr in Schwierigkeiten.
Das Buch von etwas mehr als 300 Seiten ist sehr komplex und reißt neben der Krimihandlung auch viele soziale Probleme an. Wer will einen Ex-Knacki einstellen? Wie kann ein Kind im Wohlstand verwahrlosen? Welchen Druck üben die asozialen Medien aus? Warum wollen Männer Frauen besitzen?
Obwohl diese Fragen nur kurz gestreift werden, bleiben sie doch im Gedächtnis - wie der ganze Krimi, der weit mehr als ein einfacher Kriminalroman ist.
Dafür gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Absurdes Agententheater

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Spionageromane sind eigentlich nicht mein Lieblingsgenre, aber dieses Buch hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn es führt genau dieses Genre ad absurdum mit einer wirren Geschichte, die oft zum Lachen ...

Spionageromane sind eigentlich nicht mein Lieblingsgenre, aber dieses Buch hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn es führt genau dieses Genre ad absurdum mit einer wirren Geschichte, die oft zum Lachen ist, manchmal aber auch tragisch und traurig. Eine gute Mischung!

Zu Anfang der 1990er Jahre ist alles im Umbruch, der Ostblock zusammengebrochen, der Eiserne Vorhang Geschichte und die Agenten beider Seiten müssen sich neu orientieren. Dieter Germeshausen war sogar als Doppelagent für beide Seiten im Dienst, nun ist er heimatlos und will mit einem letzten Coup seine Schäfchen ins Trockene bringen. Dafür rekrutiert er den eloquenten Dichter Jakob Dreiser, der ihm helfen soll Hubschrauber aus Kasachstan zu exportieren. Das kann nur schiefgehen!

Magnusson erzählt die Geschichte mit viel positiver Energie und sehr liebevoll gegenüber seinen Figuren. Das Buch hat alles, was ein guter Agententhriller braucht; Spannung, plötzliche Wendungen, ein paar absurde Ideen, ist aber nicht ohne Tiefgang. Besonders die Figur des Dieter Germeshausen hat mir in ihrer Vielschichtigkeit gut gefallen.

Leider gibt es am Ende einen heftigen Cliffhanger, der mich geärgert und zum Punktabzug geführt hat. Da muss doch noch ein zweiter Band folgen!

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Überraschend

Einatmen. Ausatmen.
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Von Maxim Leo hatte ich die beiden Krimis gelesen, die wie auch dieses Buch in Brandenburg spielen. Deshalb war ich gespannt auf diese Geschichte, die vom ersten Leseeindruck ganz anders ist als seine ...

Von Maxim Leo hatte ich die beiden Krimis gelesen, die wie auch dieses Buch in Brandenburg spielen. Deshalb war ich gespannt auf diese Geschichte, die vom ersten Leseeindruck ganz anders ist als seine bisherigen Bücher.
Von Anfang an ist der Ton leicht-locker. Wir fahren mit der erfolgreichen Managerin Marlene zwangsweise von Hamburg nach Brandenburg, wo Marlene fit gemacht werden soll für die Leitung des Konzerns, denn der bisherige Chef will in den Ruhestand gehen. Leider hat Marlene einige menschliche Defizite, die in den kommenden zwei Wochen ausgebügelt werden sollen. Mit ihrer Effizienzbesessenheit ist Marlene vollkommen falsch in dem schlossartigen Retreat bei dem "Seelenflüsterer" mit dem schönen Aliasnamen "Alex Grow". Natürlich kommt alles anders als gedacht, da spielen Wildschweine, ein Hausmeister und eine Baumbesetzerin eine wichtige Rolle.
Ich habe das Buch an einem Wochenende gelesen, die Zeit verging wie im Fluge. Manchmal musste ich laut lachen, manchmal war aber auch viel Tragik und Wahrheit im Buch.
Für mich war das Buch rund und ein echtes Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Viel Brauchtum

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Der zweite Band der Reihe über Commissario Gaetano, der in Neapel ermittelt, ist in der hektischen Osterwoche angesiedelt.
Überall laufen Prozessionen durch die Stadt, es wird gekocht, gebacken und geschmaust, ...

Der zweite Band der Reihe über Commissario Gaetano, der in Neapel ermittelt, ist in der hektischen Osterwoche angesiedelt.
Überall laufen Prozessionen durch die Stadt, es wird gekocht, gebacken und geschmaust, Hektik an jeder Ecke. Auch auf dem Familienweingut des Commissarios geht es unruhig zu und vor allem Gaetanos Nichte Carla ist im Stress und kann jede Hilfe gebrauchen. Da wird ein Toter im Hafenbecken des Fischereihafens gefunden. War es Mord oder ein Unfall?
Obwohl Gaetano Urlaub hat, kann er sich nicht aus den Ermittlungen seiner Kollegin Beppa Bellucci heraushalten und vergisst darüber seine familiären Verpflichtungen. Das gibt Ärger!
Fast 500 Seiten sind angefüllt mit Berichten über die neapolitanischen Traditionen in der Osterzeit. Was wird gegessen, was wird gebacken? Welche Prozession zieht mit welchen Teilnehmern durch welches Viertel? Dagegen geht der Mordfall unter und das Buch ist wenig spannend.
Wer allerdings einen eher cosy Krimi mit viel Lokalkolorit bevorzugt, der ist hier genau richtig. Mein Buch war es nicht, denn mir fehlte Spannung.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Was ist Heimat?

Real Americans
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Das Buch von Rachel Khuong gliedert sich in drei Teile.

Im ersten Teil erleben wir mit der jungen Lily, wie sie Matthew kennenlernt, einen Sohn aus reichen Haus und ihn heiratet. Aber Lilys Mutter verhält ...

Das Buch von Rachel Khuong gliedert sich in drei Teile.

Im ersten Teil erleben wir mit der jungen Lily, wie sie Matthew kennenlernt, einen Sohn aus reichen Haus und ihn heiratet. Aber Lilys Mutter verhält sich komisch gegenüber Matthews Vater und man erfährt nicht, was dahintersteckt.

Der zweite Teil widmet sich Nick, den inzwischen erwachsenen Sohn von Lily, der nun mit seiner Mutter auf einer einsamen Insel im Staat Washington lebt, in maximaler Entfernung zu Matthew. Zusammen mit seinem Freund nimmt er aber heimlich Kontakt zu Matthew auf und die beiden kommen sich wieder näher. Matthew unterstützt Nick bei seinem Studium und versucht eine engere Beziehung zu dem Jungen aufzubauen.

Erst im dritten Teil erfahren wir mehr über die Zusammenhänge, denn May, Lilys Mutter, berichtet über ihre Erinnerungen an China und ihre Flucht in die USA. Dort kann sie wieder als Biologin arbeiten und versucht sich anzupassen, sie will eine echte Amerikanerin werden. Viele offene Fragen aus den beiden ersten Teilen werden jetzt geklärt.

Mit hat das Buch sehr gut gefallen. Das Cover mit der Auster hat mich sehr angesprochen, denn viele der Figuren in dem Buch sind sehr verschlossen und haben Probleme echte Beziehungen zu anderen aufzubauen.

Der erste Teil ist der am wenigsten spannende Abschnitt, denn es sind einfach noch zu viele Fragen offen und man kann zu Lily nicht unbedingt eine Beziehung aufbauen. Auch im weiteren Verlauf des Buches ist sie mir fremd geblieben. Nick war die Person, die ich am besten verstehen konnte, er wollte mehr über seine Vergangenheit erfahren und das wurde ihm von seiner Mutter verwehrt. May dagegen hat viele schlechte und wirklich schlimme Erfahrungen gemacht, besonders im China unter Mao. Diese Erfahrungen sind in ihrem ganzen Leben eine schwere Bürde und sie kann sich nie ganz davon lösen. Der Anpassungsdruck in Amerika ist groß, sie will auch dort nicht auffallen und unter dem Radar bleiben.

Das Buch liest sich leicht und flüssig und spricht viele aktuelle Themen an. Migration, Verlust der Heimat, Genforschung und ihre Grenzen, Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sind nur einige von ihnen. Ein lesenswertes Buch für alle, die tragische Familiengeschichten mögen!

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