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Veröffentlicht am 18.07.2023

Köstlich!

Nincshof
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Das ist wirklich ein seltsamer Ort, in den die Dokumentarfilmerin Isa und ihr Mann Silvano gezogen sind: Nincshof an der österreichisch-ungarischen Grenze.
Ungewöhnliche Geschichten ranken sich um den ...

Das ist wirklich ein seltsamer Ort, in den die Dokumentarfilmerin Isa und ihr Mann Silvano gezogen sind: Nincshof an der österreichisch-ungarischen Grenze.
Ungewöhnliche Geschichten ranken sich um den Ort und Isa ist neugierig. Sie befragt immer wieder die alte Erna Rohdiebl, die im Geheimen mit drei Männern in Kontakt steht, die sich "Oblivisten" nennen. Deren Ziel ist es dem Ort wieder Frieden zu geben, indem sie ihn von der übrigen Welt abschotten. Da werden Seiten aus Geschichtsbüchern entfernt, Ortsschilder im Kanal versenkt und Radfahrer mit Jaucheduschen überrascht. Aber Isa und der Ziegenzüchter Silvano stören bei diesem Vorhaben...
Es gab lange kein Buch mehr, das mich so zum Lachen brachte wie dieses. Johanna Sebauer hat so obskure Situationen erdacht, dass ich mir das Lachen einfach nicht verbeißen konnte. Dabei hat die Geschichte einen ernsten Hintergrund, nämlich die Überforderung der Menschen von dem täglichen Getöse, den Medien (sozialen und asozialen), den Anforderungen der Verwaltungen und den gesellschaftlichen Verpflichtungen. Einfach in Ruhe leben - mehr wünschen sich die Nincshofer nicht. Eigentlich ein bescheidener und nachvollziehbarer Wunsch!
Das Buch ist ein sehr gelungener Debütroman, wie ich ihn nicht erwartet hatte. Johanna Sebauer findet eine ganz eigene, sehr präzise und oft ungewöhnliche Sprache. "In der Waschküche troff die Revolution von den feuchten Wänden." - einfach köstlich! Und dann diese Irrziegen! Sie sind das Symbol für das ganze Achtsamkeitsgedöns der Städter, die glauben auf dem Land das irdische Paradies zu finden.
Ich kann das Buch ohne Einschränkung empfehlen und bin gespannt auf das nächste Buch der jungen Autorin.

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Veröffentlicht am 15.07.2023

Gute Familiengeschichte

Elternhaus
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Schon das Cover katapultiert die Leserschaft direkt in die Vergangenheit, die Rosendecke, die Kaffeetasse mit dem Kaffeelöffel aus den 1970er Jahren, das ist Vergangenheit pur.
Und auch der Inhalt des ...

Schon das Cover katapultiert die Leserschaft direkt in die Vergangenheit, die Rosendecke, die Kaffeetasse mit dem Kaffeelöffel aus den 1970er Jahren, das ist Vergangenheit pur.
Und auch der Inhalt des Buches ist eine Reise in die Vergangenheit. Das Elternhaus steht dabei für Geborgenheit in der Kindheit und für viele Erinnerungen. Genau dieses kleine, mehretagige Elternhaus will Sanne, die Älteste von drei Schwestern, nun verkaufen, nachdem sie ihre alten Eltern in einer barrierefreien Wohnung untergebracht hat. Das weckt den Widerspruchsgeist ihrer beiden jüngeren Schwestern, die nicht einsehen wollen, warum die Eltern nicht mehr zuhause leben können. Aber wie das oft so ist, kümmern sie sich nur wenig um die Eltern und reden aus der Ferne mit...
Das Buch bringt die Situation sehr gut auf den Punkt, so wie ich es selbst auch erlebt habe. Allerdings überspitzt Ute Mank auch, als Sanne von ihrem Mann verlassen wird und zu trinken beginnt.
Insgesamt ist das Buch aber sehr realistisch und gut geschrieben. Man fragt sich unwillkürlich, was man selbst in so einer Situation tun würde und welche Bedeutung das eigene Elternhaus hat.
Unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.07.2023

Ungewöhnliches Tema

Die Spur der Aale
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Dass man Drogen oder seltene Tier schmuggeln kann, das war mir bewusst, aber Glasaale? Wie geht das und wozu dient das? Das alles wusste ich nicht.
Die Frankfurter Ermittlerin für Umweltdelikte Greta Vogelsang ...

Dass man Drogen oder seltene Tier schmuggeln kann, das war mir bewusst, aber Glasaale? Wie geht das und wozu dient das? Das alles wusste ich nicht.
Die Frankfurter Ermittlerin für Umweltdelikte Greta Vogelsang bekommt es aber genau mit diesem Thema zu tun, als ein Zollfahnder tot aufgefunden wird. Denn der hatte sie gedrängt in so einem Fall mal näher hinzuschauen, aber Vogelsang hatte es im Stress einfach vergessen. Nun wird sie aufmerksam und nimmt Kontakt zu der Familie des Toten auf. Hinweise führen zu einem chinesischen Restaurant.
Das Buch ist typisch für den ersten Band einer neuen Reihe, es werden viele Personen vorgestellt, die vermutlich in den weiteren Bänden eine Rolle spielen werden, aber es geht auch gleich zur Sache. Umweltverbrechen finde ich als Hauptthema sehr interessant, da geht es nicht nur um Mord und Totschlag. Auch ist es gut lesbar geschrieben.
Man darf gespannt auf die weiteren Bücher sein.

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Veröffentlicht am 29.06.2023

Ziemlich düster

Sommersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 1)
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Zuerst einmal fiel mir bei diesem Buch die sehr passende Aufmachung auf. Das Cover und der Schnitt sind in denselben glühenden Farben gehalten, was sehr gut zu der Hitzewelle passt, die in dem Buch beschrieben ...

Zuerst einmal fiel mir bei diesem Buch die sehr passende Aufmachung auf. Das Cover und der Schnitt sind in denselben glühenden Farben gehalten, was sehr gut zu der Hitzewelle passt, die in dem Buch beschrieben wird.
1994 ist das Jahr, in dem Schweden von der großen Hitzewelle heimgesucht wird und in dem die schwedische Fußballmannschaft die Bronzemedaille bei der WM in Brasilien gewinnt. Es ist aber auch das Jahr, in dem es heftige Diskussionen über bosnische Flüchtlinge im Land gibt, denn der Bosnienkrieg ist noch im Gange und schwedische Neonazis verüben Angriffe auf Flüchtlingsheime.
Kriminalkommissar Tomas Wolf war selbst im Bosnienkrieg und hat Traumata mit nach Hause gebracht, dazu war er früher ein berüchtigter Neonazi und seine Brüder sind es immer noch. Nun muss er in einem Fall ermitteln, in dem eine junge bosnische Frau vergewaltigt und erdrosselt wurde. Auch die Journalistin Vera Berg ist auf den Spuren des Mordfalls unterwegs.
Das Buch war bis zum Schluss und dem Cliffhanger im Epilog sehr spannend und sehr gut geschrieben. Man merkt, dass mit Selaker ein Fachmann am Werk war, der sich mit der Bedrohung von Frauen auskennt. Allerdings fand ich das Buch auch sehr düster. Alle sind in kriminelle Machenschaften verwickelt und haben auf irgendeine Art Dreck am Stecken. Es wird ein sehr negatives Bild der Gesellschaft gezeichnet und das zieht mich als Leser ziemlich runter. Hass und Gewalt prägen das Leben der Menschen in allen Schichten und nirgendwo gibt es Hoffnung auf ein besseres Leben, im Gegenteil. Ehen zerbrechen, Frauen werden bedroht und vergewaltigt, schlimm!
Man muss schon ziemlich hartgesotten sein, um dieses Buch wirklich gern zu lesen.

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Veröffentlicht am 28.06.2023

Sehr spannend

Der Feind
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In diesem Buch bekam ich erstmals Informationen über die "Incel"-Szene, also über Männer, die sich von Frauen abgelehnt fühlen, aber dafür nicht die Schuld bei sich selbst suchen, sondern bei den Frauen ...

In diesem Buch bekam ich erstmals Informationen über die "Incel"-Szene, also über Männer, die sich von Frauen abgelehnt fühlen, aber dafür nicht die Schuld bei sich selbst suchen, sondern bei den Frauen und sich in Fantasien ergehen, wie sie das, was ihnen vermeintlich zusteht, mit Gewalt holen können. Richtige Frauenhasser also!

Ein solcher Frauenhasser begeht in Bern einen Anschlag auf eine Frauendisco und tötet dabei mehrere Frauen und verletzt viele schwer. Während Polizeichef Sandro Bandini ermittelt, sucht auch seine Freundin, die Journalistin Milla Nova, nach dem Hintergrund der Tat und findet sich dabei in der Incel-Szene wieder. Hasserfüllte Posts in den asozialen Medien sind erschreckend und voller Gewaltfantasien, aber können diese Fantasien wirklich in die Realität umgesetzt werden? Auch der bizarre Mord an einem Mann sorgt für zusätzliche Aufregung und Ermittlungsdruck.

Das Buch ist eine echte Entdeckung, bisher hatte ich noch kein Buch von Christine Brand gelesen. Der Plot ist ungewöhnlich und das Buch lässt sich sehr gut lesen. Die Hochspannung kann von Anfang bis Ende gehalten werden, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Mir haben auch die Hauptpersonen sehr gut gefallen, besonders Milla und der blinde Freund Nathaniel. Alle Personen sind vielschichtig und realistisch beschrieben.

Dazu kamen die zahlreichen Informationen über die Incel-Szene, die mich sehr erschreckt haben. Ich hätte einen solchen Frauenhass nicht für möglich gehalten. Aber im Nachwort wird dazu noch Einiges geschrieben und das hört sich sehr schlimm an. Wie "verrückt" im wahrsten Sinne des Wortes kann man sein?

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