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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.03.2023

Ein Autorinnenleben

Wir hätten uns alles gesagt
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Dass Judith Hermann schreiben kann, das hat sie schon in ihren vorigen Werken bewiesen.
In diesem Buch wird sie sehr persönlich und schreibt über ihr eigenes Leben und und über den Schreibprozess und ...

Dass Judith Hermann schreiben kann, das hat sie schon in ihren vorigen Werken bewiesen.
In diesem Buch wird sie sehr persönlich und schreibt über ihr eigenes Leben und und über den Schreibprozess und was ihn beeinflusst.
Die Autorin wuchs in schwierigen Verhältnissen auf, der Vater war lange Zeit Alkoholiker und die Mutter musste die Familie mit Großmutter und drei Kindern am Laufen halten. Was von Weitem wie ein legeres Bohemienleben aussieht, war für die Kinder nicht einfach, nie konnten sie Freunde mit nach Hause bringen und sie passten nicht in bürgerliche Schemata. Judith Hermann suchte sich später eine Wahlfamilie, verlor aber nie den Kontakt zu den Eltern.
Das Buch besteht aus Erinnerungsfetzen, Betrachtungen über das Schreiben, über Träume und kleine Ereignisse. Man kann es nicht einfach so weglesen, es ist schon anstrengend den Gedankengängen immer zu folgen. Aber mich hat das Buch durch seine wunderbar sensible und genaue Sprache beeindruckt. Viele Sätze muss man sich anstreichen, weil sie so schön komponiert und hautnah an der Realität sind.
Mir hat auch das sehr ruhige Cover gut gefallen, im Hintergrund durch ein Fenster das Meer und im Vordergrund zwei Jacken und ein Fernglas an einer Garderobe. Man muss genau hinsehen, so wie Judith Hermann es tut!
Auf jeden Fall lesenswert für alle, die beim Lesen einen hohen Anspruch stellen.

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Veröffentlicht am 11.03.2023

Enttäuschend

Mörderfinder – Mit den Augen des Opfers
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Nachdem ich die vorigen Bücher von Arno Strobel sehr spannend fand, war ich von diesem Buch enttäuscht.
Max Bischoff, der inzwischen aus dem Polizeidienst ausgeschieden ist, ermittelt weiter als Privatdetektiv ...

Nachdem ich die vorigen Bücher von Arno Strobel sehr spannend fand, war ich von diesem Buch enttäuscht.
Max Bischoff, der inzwischen aus dem Polizeidienst ausgeschieden ist, ermittelt weiter als Privatdetektiv und seine ehemalige Chefin schickt ihn an die Mosel, um einen alten Fall wieder aufzunehmen. Dort hat eine verstorbene Freundin ein geheimnisvolles Tagebuch hinterlassen, das auf den Fall eines verschwundenen jungen Mannes hinweist.
Leider geht es in dem Buch mehr um das Kompetenzgerangel zwischen Bischoff und der Polizei aus Koblenz als um den eigentlichen Fall. Da stoßen zwei große Egos aufeinander und das kann nicht gut gehen. Leider geht das auf Kosten der Spannung und der Schluss ist einerseits ziemlich vorhersehbar, andererseits aber auch ziemlich an den Haaren herbeigezogen und abstrus. Die Personen bleiben flach und wenig konturiert, mit Dr. Marvin Wagner kommt noch einmal ein seltsamer Typ ins Spiel.
Das war nicht mein Buch...

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Veröffentlicht am 08.03.2023

Vorhersehbar

Die Klinik
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Der zweite Fall für das Hamburger Ermittlerduo Franka Erdmann und Alpay Eroglu führt uns ins Krankenhausmilieu. Ein Mann, der bei einem Fahrradunfall schwere Verletzungen erlitten hat, ist auf dem Weg ...

Der zweite Fall für das Hamburger Ermittlerduo Franka Erdmann und Alpay Eroglu führt uns ins Krankenhausmilieu. Ein Mann, der bei einem Fahrradunfall schwere Verletzungen erlitten hat, ist auf dem Weg der Besserung, doch dann stirbt er plötzlich. Seine Witwe glaubt nicht an einen natürlichen Tod und will Ermittlungen durch die Polizei erzwingen. In einem zweiten Erzählstrang erfahren wir von der Krankenschwester Micky, die sich seit vielen Jahren berufen fühlt Schwerkranke zu "erlösen". Hat sie auch diesen Mann umgebracht?

Borck hat sehr gut im Klinikalltag recherchiert und bringt erschreckende Dinge auf den Punkt. Zu wenig qualifiziertes Personal, Behandlungsfehler, der wirtschaftliche Druck auf die privatisierten Kliniken, das alles spielt hier im Hintergrund eine wichtige Rolle. Trotzdem kommt die Spannung nicht zu kurz, zumal Alpay auch persönlich betroffen ist.

Das Buch ist routiniert und gut lesbar geschrieben, allerdings auch ziemlich vorhersehbar. Aber trotzdem kann die Spannung bis zum Schluss gehalten werden.

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Veröffentlicht am 24.02.2023

Eigenwillig

Dschomba
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Karin Peschka hat ein eigenwilliges und wunderbares Buch geschrieben, eigenwillig sowohl im Stil als auch in der Interpunktion. Das alles lässt Raum für eigene Gedanken und Ergänzungen, nicht alles wird ...

Karin Peschka hat ein eigenwilliges und wunderbares Buch geschrieben, eigenwillig sowohl im Stil als auch in der Interpunktion. Das alles lässt Raum für eigene Gedanken und Ergänzungen, nicht alles wird ausgesprochen und schwingt doch in der Erzählung mit.
Angesiedelt ist das Buch in der Kleinstadt Eferding an der Donau, eine Stadt wie viele andere in den 1950er Jahren, drei Gasthöfe, eine Kirche, einen Dechanten und seine Haushälterin, einen Querulanten und einen Einfältigen und drumherum viel Volk, das gern schwätzt und unter dem sich Neuigkeiten blitzartig verbreiten. So auch die Nachricht von dem seltsamen Mann, der halb nackt auf dem Friedhof zwischen den Gräbern tanzt: Dschomba, wie man ihn hier nennt, ein Serbe, der auf dem "Serbenfriedhof" nach Spuren seines verschollenen Bruders sucht.
In einer zweiten Zeitebene erfährt man etwa zwanzig Jahre später, dass die zehnjährige Tochter des Dorfwirts heimlich für den inzwischen alten Mann schwärmt, sie fühlt eine unbestimmte Verbindung mit ihm.
Peschka ist selbst in Eferding als Wirtstochter aufgewachsen und hat sicher viele ihrer Erfahrungen in diesem Buch verarbeitet, das macht das Buch sehr authentisch. Die Figuren sind so lebensecht, dass sie in jeder Kleinstadt zu finden sind. Man sieht sie vor sich, die reichen Bauern, ihre herausgeputzten stattlichen Frauen, die einfachen Leute in der Siedlung, die Messdiener, den Polizisten...
Durch die eindringliche Sprache wird das Buch aber ganz besonders lesenswert, ich konnte kaum aufhören zu lesen. Man taucht tief in die Geschichte ein, fühlt und hofft mit den Hauptpersonen. Auch wenn man einige Seiten braucht, um sich in den Stil einzulesen, so hat gerade die Sprache eine tiefe Eindringlichkeit, die mir sehr gefallen hat.
Ein wirklich schönes und berührendes Buch!

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Veröffentlicht am 04.02.2023

Schön zu lesen

Vogel entdeckt - Herz verloren
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Birder - das sind die Leute, die mit Fernglas, Kamera und Gummistiefeln durch Wald und Flur stapfen und versuchen möglichst seltene Vögel zu finden. Seltsame Typen! So sind die beiden Autoren des Buches ...

Birder - das sind die Leute, die mit Fernglas, Kamera und Gummistiefeln durch Wald und Flur stapfen und versuchen möglichst seltene Vögel zu finden. Seltsame Typen! So sind die beiden Autoren des Buches Antonia und Philipp nicht. Sie beobachten zwar Vögel und fotografieren oder filmen sie auch, doch für sie steht nicht die Seltenheit eines Tieres im Vordergrund, sondern die Freude am Beobachten und die Erhaltung der Lebensräume.
In diesem Buch schildern sie ihre Beobachtungen anhand von 14 ausgesuchten Beispielen vom seltenen Ortolan bis zur überall sichtbaren Meise.
Dabei schreiben sie locker und gut lesbar und man erfährt nicht nur Wissenswertes über Vögel und ihre Lebensweise, sondern auch kleine Erinnerungen aus der Kindheit und über den Schutz der Vögel. Fotos ergänzen das Buch, mal in Profiqualität, mal eher wie ein zufälliger Schnappschuss.
Das Buch ist eher ein Lesebuch, bei dem man mal ein Kapitel liest, es dann wieder weglegt und ein paar Tage später wieder zur Hand nimmt. Das macht das Lesen sehr entspannt.
Obwohl ich eigentlich viel über Vögel weiß, so konnte ich doch noch etwas lernen und das Lesen hat mir viel Spaß gemacht, da ich es direkt mit meiner Realität abgleichen konnte. Aber auch Neulingen öffnet es die Augen für die Schönheit der Natur und macht sensibler für alles, was um uns herum kreucht und fleucht.
Ein sehr schönes Buch!

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