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Veröffentlicht am 08.07.2022

Ungewöhnlicher Krimi aus Israel

Drei
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Gil ist Rechtsanwalt in Tel Aviv und er ist auf der Suche nach Frauen. Obwohl er verheiratet ist und zwei Töchter hat, sucht er immer wieder den Kontakt zu Frauen, aber dabei geht es nicht in erster Linie ...

Gil ist Rechtsanwalt in Tel Aviv und er ist auf der Suche nach Frauen. Obwohl er verheiratet ist und zwei Töchter hat, sucht er immer wieder den Kontakt zu Frauen, aber dabei geht es nicht in erster Linie um Sex, sondern er braucht die Bestätigung und Bewunderung. Orna ist frisch geschieden, ihr Mann hat eine neue Frau und lebt in Nepal und Orna sucht Kontakt über ein Dating-Portal. Emilia ist Altenpflegerin aus Lettland, sie ist einsam und sucht jemanden, der ihr zuhört. Beide Frauen begehen angeblich Selbstmord. Ella studiert und trifft Gil in einem Café, wird sie das gleiche Schicksal ereilen?

Obwohl man weiß, dass Gil die beiden Frauen ermordet hat, ist das Buch doch bis zum letzten Moment spannend und sehr gut geschrieben. Mishanis Stil ist eher nüchtern und reportagehaft, aber das passt zu dem Buch. Im dritten Teil wechselt er in den Konjunktiv, auch dadurch merkt man, dass in diesem Fall etwas anders ist. Mishani taucht tief in die Welt der beiden Frauen ein, ihre Gedanken und Sorgen werden ernst genommen und intensiv geschildert. Man ist den beiden Frauen sehr nah. Bei Ella gelingt das nicht ganz so gut, weil sie Gil eher auf Distanz hält. Das Buch ist insgesamt sehr raffiniert aufgebaut.

Ich hatte bisher noch kein Buch von Mishani gelesen, aber dieses hat mir sehr gut gefallen und ich werde sicher noch mehr von ihm lesen.

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Veröffentlicht am 23.06.2022

Ein Mann vom Planeten Anthea

Der Mann, der vom Himmel fiel
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Nach "Damengambit" wollte ich unbedingt ein weiteres Buch von Walter Tevis lesen und so kam ich zu dieser Leserunde. Das Buch wurde schon 1963 geschrieben und es endet 1990, also in einer damals fernen ...

Nach "Damengambit" wollte ich unbedingt ein weiteres Buch von Walter Tevis lesen und so kam ich zu dieser Leserunde. Das Buch wurde schon 1963 geschrieben und es endet 1990, also in einer damals fernen Zukunft.
Ein Mann, der sich Thomas Jerome Newton nennt, streift durch Kentucky und sucht nach einem neuen Leben. Er entpuppt sich als Wesen vom Stern Anthea und er hat eine Mission, nämlich die Reste seines Volkes auf die Erde zu bringen. Dafür bracht er ein Raumschiff und natürlich viel Geld. Da er aber einige Erfindungen von seinem Planeten mitgebracht hat, wird er bald ein reicher Mann und kann es sich leisten dieses Raumschiff zu bauen. Dabei sind ihm der Chemiker Nathan Bryce und die junge Betty Joe behilflich.
Der Leser weiß recht schnell, dass Newton ein Außerirdischer ist, die Welt ringsum hält ihn aber für einen Exzentriker, denn er schläft fast nie und hat auch sonst einige Besonderheiten. Besonders gravierend ist seine Einsamkeit, die er in Alkohol zu ertränken versucht, er sehnt sich nach seinem Volk und betrachtet die Merkwürdigkeiten der Erdenmenschen aus der Distanz seines großen Wissens. Er will den Frieden bringen, aber die Menschen verstehen ihn nicht.
Das Buch ist zwar fast sechzig Jahre alt, aber es ist noch immer aktuell und heute vielleicht mehr denn je. Das vergebliche Streben Newtons nach Vernunft und Frieden ist deprimierend, aber genau dadurch bleibt das Buch unbedingt lesenswert.

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Veröffentlicht am 06.06.2022

Spannende Tragödie

City on Fire
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Don Winslow hat kürzlich verkündet, dass er keine Bücher mehr schreiben wird, sondern sich ganz dem Kampf gegen den Trumpismus zuwenden will, den er auch schon in der Vergangenheit auf vielen Kanälen führte. ...

Don Winslow hat kürzlich verkündet, dass er keine Bücher mehr schreiben wird, sondern sich ganz dem Kampf gegen den Trumpismus zuwenden will, den er auch schon in der Vergangenheit auf vielen Kanälen führte. Das wäre schade, denn sein neuer Auftaktband der Trilogie um Danny Ryan ist hervorragend und ich würde ungern auf seine Bücher verzichten.
Danny Ryan ist ein Mitglied der irischen Mafia in Providence, Rhode Island. Sein Vater war einst der Chef des irischen Clans, der immer wieder gegen die italienische Mafia kämpfen musste. Doch nun hat die Familie Murphy das Ruder übernommen, Ryan führt ein einigermaßen geordnetes Leben und das soll auch so bleiben. Doch dann taucht Pam auf, eine wunderschöne junge Frau, die den Testosteronspiegel bei den jungen Mafiosi beider Seiten in ungeahnte Höhen schießen lässt. Es beginnt ein brutaler Bandenkrieg, der von beiden Seiten mit ungeahnter Härte geführt wird. Und Ryan muss sich entscheiden.
Wie schon in der Art-Keller-Trilogie schreibt Winslow auch hier hart, grausam und sehr spannend. Während im ersten Teil die Fronten geklärt werden, rutschen die beiden Parteien in den beiden nächsten Buchteilen unaufhaltsam in den Krieg. Winslow beschreibt das wie eine unausweichliche griechische Tragödie. Auch wenn man das Beste will, so misslingt es doch immer und beide Seiten geraten tiefer in Schwierigkeiten. Man kann niemandem mehr trauen, die Staatsmacht mischt sich ein und will Verräter. Das ist hervorragend beschrieben, Winslow kennt sich aus mit den psychologischen Aspekten der Eskalation.
Ich habe das Buch fast atemlos bis zum Schluss gelesen und bin sehr gespannt auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 05.06.2022

Leichter Sommerkrimi

Der Tod macht Urlaub in Schweden
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Peter Vinston, Mordermittler in Stockholm ist überarbeitet und bekommt Urlaub verordnet. Den verbringt er in Österlen in der Nähe seiner Tochter Amanda, seiner Ex-Frau und deren neuen Ehemann.

Als er ...

Peter Vinston, Mordermittler in Stockholm ist überarbeitet und bekommt Urlaub verordnet. Den verbringt er in Österlen in der Nähe seiner Tochter Amanda, seiner Ex-Frau und deren neuen Ehemann.

Als er zusammen mit seiner Ex-Frau eine neue, sehr umstrittene Wohnsiedlung am Strand besichtigen will, finden sie die taffe Immobilienmaklerin, die die Häuser vermarkten soll, tot im Wohnzimmer. War es Mord oder ein Unfall? Zusammen mit der jungen Ermittlerin Tove Esping macht sich Vinston auf die Suche...

Am Anfang sind die vielen Figuren, die eine Rolle in dem Fall spielen, etwas verwirrend, aber nach und nach bekommt man einen Durchblick. Im Mittelteil zieht sich das Buch etwas, insgesamt ist es jedoch gut geschrieben und schnell lesbar. Es ist eine Mischung aus heiterem Sommerroman und Krimi, nicht unbedingt mit Tiefgang und Hochspannung, aber nett zu lesen. Mir fehlt etwas der Regionalbezug, daran könnten die beiden Autoren noch arbeiten, denn die Gegend muss sehr schön sein. Das Cover verbreitet gleich Urlaubsstimmung, das rote Haus, die Kornfelder, das Meer, einfach schön! Und im Laufe des Buches erfährt man sogar, warum Apfelbäume darauf abgebildet sind. Eine Übersichtsskizze im Cover und eine Personengalerie helfen den Überblick zu bekommen. Das mag ich sehr.

Ich denke das Buch ist genau das Richtige, wenn man seinen Kopf nicht belasten will und einfach nur etwas Ablenkung sucht. Ein echter Sommerkrimi!

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Veröffentlicht am 30.05.2022

Beeindruckende Dystopie

Die neue Wildnis
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Das Buch ist eine Dystopie und ist angesiedelt in einem Land, das den USA ähnlich ist. Die Städte sind fast unbewohnbar und um ein Stück Natur zu retten, wurden Wildnisgebiete geschaffen, in denen sich ...

Das Buch ist eine Dystopie und ist angesiedelt in einem Land, das den USA ähnlich ist. Die Städte sind fast unbewohnbar und um ein Stück Natur zu retten, wurden Wildnisgebiete geschaffen, in denen sich Flora und Fauna ungestört entwickeln sollen. Nur zwanzig ausgewählte Personen durchstreifen dieses Land, leben sehr einfach als Nomaden. Zu ihnen gehören Glen (der Erfinder dieser Gruppe), Beatrice, seine Freundin, und deren Tochter Agnes. Sie werden von den Rangern schikaniert und immer wieder auf lange Märsche zu den Außenposten geschickt , an denen sie Post abholen können und noch ein wenig Kontakt zur Außenwelt haben. Einige der Gruppenmitglieder sterben, werden von Tieren angefallen oder ertrinken und nach einigen Jahren wird die Gruppe mit "Neulingen" aufgefüllt. Dadurch verschiebt sich das Gruppengefüge stark und es treten neue Probleme auf.

Im Mittelpunkt des Buches steht Agnes, die wir auf ihrem Weg zur Erwachsenen begleiten. Sie muss schwere Konflikte mit ihrer Mutter austragen, denn als Kind kann Agnes nicht verstehen, dass Bea sie aus der geordneten Welt ihrer Kindheit gerissen hat, auch wenn es zu ihrem Besten war, denn sie war schwer krank.

Das Buch hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. Auch wenn Klimawandel und Umweltbeeinträchtigungen nur am Rande vorkommen, so ist das Buch doch hoch aktuell. Diana Cook gelingt es die soziale Situation der Gruppe mit allen Unwägbarkeiten und Risiken zu schildern, dabei wächst besonders Agnes den Lesern ans Herz.

Hervorragend!

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