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Veröffentlicht am 06.08.2020

9.11.

Und auf einmal diese Stille
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„Und auf einmal diese Stille“ als auch der zweite der Twin Towers in New York einstürzte. Der Titel geht bereits unter die Haut, hat meine Erinnerungen hochgespült und aufgewühlt. Immer wieder lese ich ...

„Und auf einmal diese Stille“ als auch der zweite der Twin Towers in New York einstürzte. Der Titel geht bereits unter die Haut, hat meine Erinnerungen hochgespült und aufgewühlt. Immer wieder lese ich ein Buch über diesen tragischen Tag. Einen Tag, der das Gefühl der Menschheit verändert hat, der ein kollektiver Schock war. Es gibt wenig Ereignisse, die so einen globalen Nachhall erzeugt haben.

Das Buch ist eine Collage aus Berichten unzähliger Menschen die direkt oder indirekt mit dem Attentat zu tun hatten, die dadurch geliebte Angehörige verloren haben, zu irgend einem Zeitpunkt im oder am Tower gewesen sind, die verletzt oder gerettet wurden, oder versucht haben zu helfen, die gestorben sind oder durch Zufälle überlebt haben, die das Unfassbare mit angesehen haben oder aus den Medien davon erfuhren, dass das Grauen sich ereignete.

Die Nahbarkeit der Betroffenen und Normalität des Tages, der dann zu einem Tag wurde, der alles änderte, das berührt und das kann man als Leser unglaublich gut nachvollziehen. Man fühlt sich wie ein Beteiligter. Auch meine Stimme könnte hier aufgeführt werden als jemand, der zuhause im Kreise der Kinder das Drama fassungslos miterlebte.

Es klingt seltsam zu sagen, dass ich das Buch gerne gelesen habe. Aber so war es. Immer wieder an die Menschen zu erinnern. An ihren Schmerz, ihr Leid, ihr Glück und Unglück, ihre Liebe und daran, dass wir sie nicht vergessen, das finde ich schön und wichtig.

Veröffentlicht am 06.08.2020

sehr lesenswert

Zugvögel
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Ich finde Schwalben gehören zu den faszinierendsten Tieren, die es in unseren Breitengraden gibt. Die Vorstellung, dass diese Tiere 80 % oder noch mehr ihres Lebens in der Luft verbringen – sie schlafen ...

Ich finde Schwalben gehören zu den faszinierendsten Tieren, die es in unseren Breitengraden gibt. Die Vorstellung, dass diese Tiere 80 % oder noch mehr ihres Lebens in der Luft verbringen – sie schlafen sogar im Flug – beschäftigt mich in meiner Vorstellung immer wieder. Und die Küstenseeschwalbe – ein wunderschöner Vogel – ist in dieser Geschichte ganz akut vom Aussterben bedroht, verschwindet still und leise von dieser Welt. In „Zugvögel“ spielen diese Tiere sowohl metaphorisch als auch ganz real eine große Rolle. Wir befinden uns in einer Zukunft, in der die Vögel ihre wohl letzte Reise in die Antarktis antreten und Franny versucht sie dabei zu begleiten.

Erst nach und nach erfahren wir, was Franny widerfahren ist, warum sie so ein unsteter und sperriger Geist geworden ist. Die Beschreibungen von Natur und Umwelt, von Emotionen und Gedanken, sind sehr eindringlich und plastisch. Man legt das Buch gerne mal zur Seite, um manche Aussagen und Szenen nachwirken zu lassen. Es ist ein Buch über Natur- und Tierschutz aber auch darüber, wie ein innerlich verletzter Mensch versucht, zu sich selber zu finden und durch eine Reise zu innerer Ruhe und bei sich selber anzukommen.

Man muss sich etwas auf die Geschichte einlassen. Für den etwas zähen Einstieg ziehe ich einen halben Punkt ab. Erst nach einer Weile hatte die Geschichte mich gefangen. Das Cover ist einfach nur wundervoll.

Ein sehr lesenswerter Roman

Veröffentlicht am 06.08.2020

solide

Die verstummte Frau
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Karin Slaughter gehört zu den Grand Dames im Thriller-Genre. Will Trent und Sara Linton sind dem geneigten Leser bereits aus mehreren vorhergehenden Büchern ein Begriff und man wartet seit einer ganzen ...

Karin Slaughter gehört zu den Grand Dames im Thriller-Genre. Will Trent und Sara Linton sind dem geneigten Leser bereits aus mehreren vorhergehenden Büchern ein Begriff und man wartet seit einer ganzen Weile darauf, dass die beiden wirklich ein Paar werden. Nebenbei haben sie so einige harte Fälle gelöst. Aber es gibt auch Fälle, die noch auf eine Lösung warten und in „Die verstummte Frau“ wird in Rückblenden davon berichtet während in der Gegenwart die Ermittler nach der Wahrheit suchen.

Slaughter schreibt routiniert, Will und Sara sind ein gut eingespieltes Team. Über die Jahre haben sich bei allen Beteiligten teils dramatische Verletzungen psychischer und physischer Art ereignet und die Folgen schwelen immer noch im Hintergrund. Ähnlich wie auch bei Cody McFadyen ist das Ermittlerteam schwer gebeutelt – das ist mir fast ein bisschen zu viel geworden in den letzten Jahren. Und auch diesmal versuchen alle, die Vergangenheit aufzuarbeiten und sich nicht unterkriegen zu lassen und ach ja, noch den ein oder anderen Cold Case zu knacken.

Gut zu lesen. Manchmal etwas langsam erzählt, dafür an anderer Stelle blutig und harter Tobak. Die Mischung machts. Solide 4 Sterne.

Veröffentlicht am 26.07.2020

Backbuch oder Lesebuch

Kinder backen mit Christina
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Ich habe das Buch geschenkt bekommen und bin nicht ganz zufrieden damit. Im Laden hätte ich es erst durchgeblättert und schnell gesehen, dass es kein Backbuch ist, wie ich es mir vorstelle.

Es sind mir ...

Ich habe das Buch geschenkt bekommen und bin nicht ganz zufrieden damit. Im Laden hätte ich es erst durchgeblättert und schnell gesehen, dass es kein Backbuch ist, wie ich es mir vorstelle.

Es sind mir zuwenige Rezepte im Buch und zu viele Bilder die nichts mit den Rezepten zu tun haben.

Es ist fast ein Lesebuch geworden, da so viel erklärt und Grundsätzliches zu Lebensmitteln gesagt wird. Es wäre damit fast ein Kinderbuch geworden, aber auch nur fast, denn der Ton ist für Erwachsene gedacht. Ich habe also gegrübelt, für wen das Buch etwas wäre. Und bin auch Kindergärten und Schulen gestoßen. Ich könnte es mir hier gut als Lehr- und Anschauungsstoff vorstellen. Für Lehrer und Erzieher, die Kindern und Jugendlichen das Backen nahebringen wollen.

Vielleicht für eine Oma mit kleinen Enkeln, die noch nichts vom Backen wissen. Aber nichts für Erwachsene mit großen Kindern.

Veröffentlicht am 26.07.2020

Kostbare Tage

Kostbare Tage
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Wie immer hat Kent Haruf es geschafft, mich emotional abzuholen mit diesem Buch. Ich würde mal behaupten, dass es nicht unbedingt für junge Menschen gedacht ist, denn die melancholische Geschichte eines ...

Wie immer hat Kent Haruf es geschafft, mich emotional abzuholen mit diesem Buch. Ich würde mal behaupten, dass es nicht unbedingt für junge Menschen gedacht ist, denn die melancholische Geschichte eines alten Mannes, der seine letzten Kostbaren Tage damit verbringt, sein Leben zu ordnen und sich leise zu verabschieden, hat einen langsamen und sehr bedächtigen Rhythmus. Haruf ist ein Meister der wenigen Worte. Einer der sein Land und seine Menschen kennt und ihre spröde Naturverbundenheit und ihre raubeinige Gelassenheit auch vor dem nahen Tod liebt und versteht.

Holt ist eine fiktive Kleinstadt irgendwo in Colorado. Hier kennt jeder jeden und Neuankömmlinge haben es nicht immer einfach, sich einzufinden. Es ist eine Gegend, aus der die Jungen flüchten und die wenig Abwechslung zu bieten hat, außer der Natur. Aber wenn ich dort nicht hinziehen würde, so habe ich doch die Einwohner schätzen gelernt und ich mochte es sehr, wie Haruf dem Leser seine Darsteller und die Stadt näherbringt. Voller Liebe und Wärme und Klugheit.