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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2025

Die Entscheidung

Beduinenmilch
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Beduinenmilch ist ein Roman der deutsch-israelischen Schauspielerin Nirit Sommerfeld.
Sie erzählt von der knapp 18jährigen Talia, die in Deutschland lebt, aber israelische Wurzeln und Familie dort hat. ...

Beduinenmilch ist ein Roman der deutsch-israelischen Schauspielerin Nirit Sommerfeld.
Sie erzählt von der knapp 18jährigen Talia, die in Deutschland lebt, aber israelische Wurzeln und Familie dort hat. Es ist das Jahr 2014. Voller Begeisterung für Israel reist sie ins Land und plant, dort ihren Militärdienst ableisten. Sie ist ein Stück weit naiv.
Dann lernt sie verschiedene Leute kennen und verschiedene Sichtweisen. Sie engagiert sich für einen arabischen Arbeiter, geht sogar Risiken ein. In Hebron sieht sie die angespannte Situation. Dann auch in einem Beduienendorf. Es wird dramatisch.
Das alles erschüttert ihr bisheriges Weltbild.

Teilweise liest sich das Buch wie ein Jugendbuch, da Talia Icherzählerin ist und es konkret um ihr Coming-of-Age geht.
Es ist ein interessantes Buch. Vor alllen dann an den Stellen, in denen Talia zu einer Entscheidung kommen wird.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Nicht besonders spannend, aber gut geschrieben

Im Finsterwald
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Bücher von der schwedischen Schriftstellerin Marie Herrmanson habe ich schon vor vielen Jahren gelesen. Ich erinnere nur an Die Schmetterlingsfrau. Danach hatte ich sie etwas aus den Augen verloren. Da ...

Bücher von der schwedischen Schriftstellerin Marie Herrmanson habe ich schon vor vielen Jahren gelesen. Ich erinnere nur an Die Schmetterlingsfrau. Danach hatte ich sie etwas aus den Augen verloren. Da konnte man es sich nicht entgehen lassen, diese Autorin mit Im Finsterwald wieder neu für sich zu entdecken.
Der Roman hat einen Krimiplot und einen historischen Kontext.
Interessanterweise spielt ein Naturkundemuseum eine große Rolle. Dort ist ein Kind, die kleine Alice, rätselhafterweise verschwunden.
Mit Hauptwachtmeister Nils und der Journalistin Ellen hat man gute Ermittler. Es sind ruhige Menschen und nicht selten plätschert auch das Buch vor sich hin. In der Mitte kann man Langeweile verspüren. Aber die Autorin hat einne guten Stil, daslässt einen bei der Stange bleiben. Es ist ein ruhiges Buch und es profitiert von der schriftstellerischen Routine. Zudem entwickelt sich eine starke Atmosphäre.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Das Debüt

Die Deiche
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Irene Solá hat mit „Singe ich, tanzen die Berge“ ein Meisterwerk der neueren katalanischen Literatur geschrieben und auch ihr Debütroman „Die Deiche“ besitzt eine sprachliche Musikalität. Übersetzt hat ...

Irene Solá hat mit „Singe ich, tanzen die Berge“ ein Meisterwerk der neueren katalanischen Literatur geschrieben und auch ihr Debütroman „Die Deiche“ besitzt eine sprachliche Musikalität. Übersetzt hat das in beiden Fällen Petra Zickmann.
Der auf dem Cover abgebildete Marder taucht im Anfang, er sich wie ein Prolog liest, auf. 18 Jahre später setzt dann die Haupthandlung ein und zeigt eine Familie: Lluis und Victoria sowie ihre Kinder Ada, Nadia und Quim sowie Vicenc, ein Nachbar und Freund.
Das Buch hat eine eigen Atmosphäre und so ist man als Leser eigentlich sofort tief drin im Buch. Aber ich muss leider sagen, dass mein Interesse nicht über das gesamte Buch zu 100% aufrechterhalten blieb.
Die Deiche ist ein gutes Buch, aber an Singe ich, tanzen die Berge kommt es nicht ganz ran.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Literatur aus Portugal

Leere Schränke
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Mit Leere Schränke ist erstmals eine portugiesische Schriftstellerin des zwanzigsten Jahrhunderts auf Deutsch zu entdecken: Maria Judite de Carvalho
Es wird ruhig erzählt, ohne viel Handlung. Aber es ...

Mit Leere Schränke ist erstmals eine portugiesische Schriftstellerin des zwanzigsten Jahrhunderts auf Deutsch zu entdecken: Maria Judite de Carvalho
Es wird ruhig erzählt, ohne viel Handlung. Aber es gibt eine Diskrepanz zwischen dem kontemplativen auf der Oberfläche und dem, was in den Figuren brodelt.
Dora Rosário trauert schon 10 Jahre um ihren verstorbenen Mann. Als ihre Schwiegermutter ihr erzählt, das er sie kurz vor der Erkrankung wegen einer anderen Frau verlassen woltte, trifft das Dora stark.
Die Beziehungen zwischen den verbliebenen werden deutlich.
Rosa und ihre Schwiegermutter, die sich kaum mögen, aber durch den Verstorbenen aneinander gekettet bleiben. Dann noch Doras Tochter Lisa, die glaubt, mehr nach ihrer Großmutter als nach ihrer Mutter zu kommen.
Das ganze lässt einen trotz der kühlen Erzählhaltung als Leser nicht kalt.
Ein bemerkenswertes Buch. Man darf gespannt sein, ob weitere Übersetzungen dieser Autorin folgen werden.

Veröffentlicht am 23.06.2025

Until the wheels fall off

Strandgut
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Der Roman lebt ein Stück weit vom Schauplatz Scarborough in England und natürlich von seinem Protagonisten Bucky, der aus Chicago kommt. In seiner Jugend war er Soulsänger und in England ist sein Song ...

Der Roman lebt ein Stück weit vom Schauplatz Scarborough in England und natürlich von seinem Protagonisten Bucky, der aus Chicago kommt. In seiner Jugend war er Soulsänger und in England ist sein Song immer noch ein Hit. Er wird eingeladen, auf einem Festival zu singen. Ein Comeback nach fünfzig Jahren. Kann er das schaffen?
Der körperlich wie seelisch angeschlagene Bucky muss sich erst in die neue Situation hineinfinden.
Doch die toughe Dinah, die seine Betreuerin beim Festival ist, kümmert sich um ihn.
Die Dialoge zwischen den beiden haben Wortwitz.

Von Benjamin Myers habe ich schon mehrere Bücher gelesen und Strandgut finde nach Offene See am besten.
Es ist aber kein spektakulärer oder besonders spannender Roman. Doch Benjamin Myers kann schreiben und er hat seinen Stil, der funktioniert und einprägsam ist. Die Musikalität, die Thema des Romans ist, findet man auch sprachlich wieder. Daher ist das Lesen ein Genuss.