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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.01.2026

Die Prosa der Ursula März

Mein gelber Pullover
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Ursula März, die bedeutende Literaturkritikerin, hat mit Kurzprosa und ihrem Roman Tante Martl den Weg zur Schriftstellerin geschafft. Doch dann musste man lange warte, bis jetzt Mein gelber Pullover da ...

Ursula März, die bedeutende Literaturkritikerin, hat mit Kurzprosa und ihrem Roman Tante Martl den Weg zur Schriftstellerin geschafft. Doch dann musste man lange warte, bis jetzt Mein gelber Pullover da ist.
Das Buch erzählt vom Aufwachsen eines Mädchens in den sechziger Jahren. Da wird das Lebensgefühl authentisch dargestellt, so jedenfalls mein Gefühl und vermutlich ist da viel auch autobiografisch. Ich finde es sehr glaubhaft.
Es wird episodenhaft erzählt und nicht chronologisch. Geht es in vielen Kapiteln um das Mädchen, ihrer Eltern und der wilden Nachbarsfreundin, wechselt es dann schnell zu der jungen Frau und dann zur Frau mit Tochter.
Ursula März hat einen passenden Ton für ihr Buch gefunden.
Für mich sehr überzeugend gemacht!

Veröffentlicht am 27.01.2026

Nantucket

Eine Geschichte der Sehnsucht
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Wer Ben Shattucks Erfolgsbuch Die Geschichte des Klangs kennt, wird sich auch in diesem Buch gleich zu Hause fühlen, denn es kommt aus der gleichen Ursprungsquelle und hat eine vergleichbare Struktur. ...

Wer Ben Shattucks Erfolgsbuch Die Geschichte des Klangs kennt, wird sich auch in diesem Buch gleich zu Hause fühlen, denn es kommt aus der gleichen Ursprungsquelle und hat eine vergleichbare Struktur. Zwei Kapitel, die wie eigenständige Erzählungen wirken und doch durch ein Element und dem Schauplatz miteinander verbunden sind.
Eins der Kapitel ist in der Vergangenheit und eins in der Gegenwart angesiedelt. Shattuck schreibt sorgfältig und erzeugt eine leicht melancholische Atmosphäre.
Mir persönlich hatte Die Geschichte des Klangs noch besser gefallen, aber auch das neue Buch ist sehr lesenswert.

Das Buch ist so kurz, dass man als Leser das Gefühl hat, nicht „satt“ gworden zu sein, aber dafür taugt dieses Buch mehr als einmal gelesen zu werden.

Veröffentlicht am 26.01.2026

Die Rolle der Journalistin

Erzählen, was ist
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Katrin Eigendorf zählt zu den Journalistinnen, deren berichte ich aufgrund der Glaubwürdigkeit und Konsequenz besonders schätze.
Nach einem kurzen Einblick in ihren beruflichen Werdegang, z.B. ihre Zeit ...

Katrin Eigendorf zählt zu den Journalistinnen, deren berichte ich aufgrund der Glaubwürdigkeit und Konsequenz besonders schätze.
Nach einem kurzen Einblick in ihren beruflichen Werdegang, z.B. ihre Zeit in den 1990ziger Jahren in Russland, führt sie uns an die Brennpunkte, von denen aus sie berichtet: Afghanistan, Israel, Ukraine.
Sie zeigt auch Entwicklungen, da sie öfter dort war und in größeren Zeitabständen berichtete.

Interessant sind auch die Passagen, in denen die Autorin die Rolle des Journalismus diskutiert. Kann man immer Distanz halten, neutral sein? Katrin Eigendorf kann nicht vorgeben, unbeteiligt zu sein. Sie will ihre Haltung zu Unrecht nicht verleugnen. Aber sie strebt nach Allgemeingültigen. Sie schlüpft nicht in die Rolle einer Aktivistin.
Katrin Eigendorfs Haltung imponiert mir. Da sie nicht gleichgültig bleibt, berühren einen die Berichte, z.B. die Situation der Frauen in Afghanistan, die alle ihre Rechte verloren haben, umso mehr.

Katrin Eigendorf nutzt die Möglichkeiten der Textform, die ein Buch gegenüber einem journalistischen Film besitzt und erweitert somit ein weiteres Mal ihr Werk.

Veröffentlicht am 26.01.2026

Marie ist tot

Gromzell
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Einen Heimatroman lese ich sehr selten. Dieser hier ist ein sehr düsterer.
Gromzell ist ein Ort, in dem 1086 Menschen leben. Maria, die mit 108 älteste, ist gerade gestorben. Das bringt das Dorf aus der ...

Einen Heimatroman lese ich sehr selten. Dieser hier ist ein sehr düsterer.
Gromzell ist ein Ort, in dem 1086 Menschen leben. Maria, die mit 108 älteste, ist gerade gestorben. Das bringt das Dorf aus der Ruhe und bewirkt eine Reihe von Eskalationen. Der Tod scheint allgegenwärtig.
Es ist ein kurzer, dichter Roman. Dirk Bernemann setzt auf symbolträchtige Elemente, z.B. der große schwarze Vogel. Vielleicht braucht es einen Gewaltausbruch, damit das Dorf wieder zur Ruhe kommt.
Dirk Bernemann enttäuscht seine Leser nicht.

Veröffentlicht am 25.01.2026

Auf dem Schwebebalken

Die Routinen
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Die Routinen ist ein Roman, der in mehreren Ebenen handelt.
Es spielt nicht nur 2023 sondern auch in Passagen in der Vergangenheit, die bis in die sechziger und siebziger Jahre zurückgeht.
Im Mittelpunkt ...

Die Routinen ist ein Roman, der in mehreren Ebenen handelt.
Es spielt nicht nur 2023 sondern auch in Passagen in der Vergangenheit, die bis in die sechziger und siebziger Jahre zurückgeht.
Im Mittelpunkt die erfahrene Turnerin Amik, die sich bis zu ihren Anfängen zurückerinnert und oft aus einem Kollektiv heraus erzählt.
Ihre junge Kollegin ist Izzy. Ihr harter Trainer ist Wolf.
Die Passagen der Vergangenheit mit den Wettkämpfen haben dokumentarischen Charakter.

Man taucht in diesem Buch tief ein in die Welt des Turnens als Leistungsport.
Es zeigt die jungen Turnerinen in verschiedenen Phasen. Es wird gezeigt, wie das spielerische Moment des Turnens durch die routinemäßgen Wiederholungen zu sportlicher Leistung wird.
Thema ist auch der Drill, die harten Methoden, dem Verlust von Kindheit und sogar Missbrauch.

Es ist ein Buch, dass den Leser packt.
Nur dadurch, dass die Autorin ihre spezielle Form des Erzählens gefunden hat, lässt sich der Stoff in seiner ganzen Komplexität darstellen.