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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2025

John Banville, der große Stilist

Schatten der Gondeln
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Banville gelingt es sofort, mit dem Icherzähler eine außergewöhnliche Erzählstimme zu finden. Sie erinnert mich latent an die des Protagonisten aus Banvilles Meisterwerk Der Unberührbare.

Schatten ...


Banville gelingt es sofort, mit dem Icherzähler eine außergewöhnliche Erzählstimme zu finden. Sie erinnert mich latent an die des Protagonisten aus Banvilles Meisterwerk Der Unberührbare.

Schatten der Gondeln handelt um die Jahrhundertwende und hat auch deswegen eine eigentümliche Atmosphäre. Dazu noch Venedig als Schauplatz und John Banville beschreibt viele Details. Das ist exquisit.

Es gibt einiges geheimnisvolles, obwohl man als Leser schon bald etwas ahnt. Andere Banvilles waren noch raffinierter, aber doch bleibt man vom Plot gefesselt.

Banvilles Talent Stimmungen zu erzeugen ist nach wie vor in hohen Maße vorhanden.

Veröffentlicht am 04.12.2025

Ein Roman voller Briefe und Emails

Die Briefeschreiberin
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Ein Roman voller Briefe und Emails, die in der Summe einen tiefen Einblick in das Leben einer Frau geben. Es ist auf einige Jahre angelegt. Das hat die Autorin geschickt gemacht. Sybille van Antweerp wird ...

Ein Roman voller Briefe und Emails, die in der Summe einen tiefen Einblick in das Leben einer Frau geben. Es ist auf einige Jahre angelegt. Das hat die Autorin geschickt gemacht. Sybille van Antweerp wird dadurch zu einer Persönlichkeit.
Es gibt ein paar Referenzen an Joan Didion. Doch mit der möchte ich Virginia Evans dann doch nicht vergleichen.
Die Briefeschreiberin sehe ich mehr als gute Unterhaltung ohne größeren gesellschaftsrelevanten Wert.
Doch Fans von Briefromanen können hier aus dem vollen schöpfen

Veröffentlicht am 02.12.2025

Drei Witwen

Liebe kennt keine Vergangenheit
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Es geht in diesem Roman um drei amerikanische Frauen mexikanischer Herkunft.
Jessica, der Mann verunglückt ist, ihre Mutter Ana und ihre Großmutter. Nah einem Schaden in Anas Haus ziehen Ana und ihre ...

Es geht in diesem Roman um drei amerikanische Frauen mexikanischer Herkunft.
Jessica, der Mann verunglückt ist, ihre Mutter Ana und ihre Großmutter. Nah einem Schaden in Anas Haus ziehen Ana und ihre Mutter für einige Zeit zu Jesica.
Sie teilen das Schicksal, dass ihre Männer tot sind.
Es gibt gewisse Spannungen zwischen Mutter und Tochter. Die Mutter-Tochter-Beziehung ist das zentrale Thema.
Annette Chavez Macias schreibt relativ ruhig und ohne Eile. Es geht zwar um Emotionen, aber sie lässt das nicht die Überhand nehmen. Dazu sind die Figuren auch zu verschlossen. Doch sie leiden auch unter diesem Zustand.
Erst als Geschehnisse der Vergangenheit thematisiert werden, bietet sich die Chance alte Konflikte aufzulösen. Das hat die Autorin schlüssig und nachvollziehbar dargestellt.

Veröffentlicht am 28.11.2025

Nach dem Erzählungsband hier der Debütroman

Wir sind das Leben
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Saba Sams, die schon mit ihrem Erzählungsband Send Nudes als sensationell talentierte Erzählerin aufgefallen war, legt hier ihren Debütroman vor.
Er wirkt eigentlich auch ein wenig, insbesondere von der ...

Saba Sams, die schon mit ihrem Erzählungsband Send Nudes als sensationell talentierte Erzählerin aufgefallen war, legt hier ihren Debütroman vor.
Er wirkt eigentlich auch ein wenig, insbesondere von der Konstruktion her, wie eine zu lang geratene Erzählung und lang ist der Roman auch wirklich nicht.

Kurz zur Handlung: Jules betreibt mit ihrem unzuverlässigen Exmann Leon eine Nachtbar. Die junge Nim ist ihre Angestellte. Als Nim von Leon schwanger wird, kümmert sich Jules um sie. Sie soll schließlich das Baby an sich nehmen, da Nim nicht bereit ist eine Mutter zu sein.

Die Figuren gehen nicht sehr in die Tiefe, mit Ausnahme der Icherzählerin.

Nach viel Rückblick sind wir am Ende wieder am Anfang. Das ist geschickt von der Autorin konstruiert.

Veröffentlicht am 15.11.2025

Prenzlau

In der Nähe
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Der Untertitel lautet Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht.
Simon Strauß nähert sich mit diesem Sachbuch dem Thema Stimmung in Ostdeutschen Kleinstädten aus verschiedenen Blickwinkeln. Exemplarischen ...

Der Untertitel lautet Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht.
Simon Strauß nähert sich mit diesem Sachbuch dem Thema Stimmung in Ostdeutschen Kleinstädten aus verschiedenen Blickwinkeln. Exemplarischen Beispiel ist Prenzlau.
Strauß stellt einen Kontext zur Vergangenheit her, indem er schreibt, wie zerbombt Prenzlau bei Kriegsende war und wie die Menschen unter der Rache der Russen leiden mussten.
Er spricht mit diversen Personen aus Prenzlau und porträtiert einige wichtige Persönlichkeiten der Stadt wie den Bürgermeister, die Pfarrerin, ein Landtagsabgeordneter der AfD und unter anderen auch einen Flüchtling. Aus diesen Perspektiven ergibt sich ein Bild des gesellschaftlichen Status der Stadt. Das ist in der Summe gut gemacht und das Buch hat viele gute Ansätze. Ob es wirklich eine abschließende Antwort ist, glaube ich nicht.
Fazit: Ein interessantes Buch!