Die ungeschönte Seite der Provinz: Meine Gedanken zu Gromzell
Wer bei dem Untertitel „Ein Heimatroman“ an gemütliche Dorfgeschichten denkt, wird bei Dirk Bernemann ziemlich schnell eines Besseren belehrt. In Gromzell geht es zwar um das Leben auf dem Land, aber eben ...
Wer bei dem Untertitel „Ein Heimatroman“ an gemütliche Dorfgeschichten denkt, wird bei Dirk Bernemann ziemlich schnell eines Besseren belehrt. In Gromzell geht es zwar um das Leben auf dem Land, aber eben um die dunkle, ungeschönte Seite davon. Alles beginnt mit dem Tod der ältesten Bewohnerin, was im Dorf eine Dynamik auslöst, die tief in die Abgründe und die Einsamkeit der Menschen blicken lässt. Bernemann beschreibt den Verfall und die festgefahrenen Strukturen so präzise, dass man die beklemmende Atmosphäre beim Lesen fast körperlich spürt.
Schon das Cover bereitet einen perfekt auf den Inhalt vor: Es ist in einem intensiven, fast schon giftigen Violett gehalten, was sofort signalisiert, dass hier keine klassische Idylle wartet. In Kombination mit der schlichten, aber markanten Typografie wirkt es modern und ein bisschen unheimlich – genau wie die Geschichte selbst.
Besonders fasziniert hat mich die Sprache. Der Stil ist direkt, manchmal fast schon schmerzhaft ehrlich und verzichtet auf jeglichen unnötigen Ballast. Die Sätze sind so unmittelbar und roh, dass sie perfekt zu der trostlosen Umgebung passen. Die Figuren sind keine Sympathieträger im klassischen Sinne, sondern Menschen mit echten Fehlern, die in einer sterbenden Umgebung feststecken und versuchen, irgendwie mit ihrer Vergangenheit und der Gegenwart klarzukommen.
Insgesamt ist das Buch eine intensive Erfahrung für alle, die Literatur suchen, die hängen bleibt und auch mal wehtut. Es ist ein moderner Anti-Heimatroman, der das Dorfleben nicht verklärt, sondern zeigt, was passiert, wenn die Fassaden bröckeln. Wer Lust auf eine Geschichte hat, die sich weit abseits vom Mainstream bewegt und einen nachdenklich zurücklässt, sollte das Buch auf jeden Fall lesen.