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Veröffentlicht am 01.05.2021

Spionage- und Historienthriller mit überladenem Ende

Geiger
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Schweden, heißer Sommer. Ein erschossener Promi in seiner vornehmen Villa, eine Stockholmer Polizistin auf Abwegen und viel geschichtlicher Hintergrund rund um DDR, Kommunismus und Spionage.

Das sind ...

Schweden, heißer Sommer. Ein erschossener Promi in seiner vornehmen Villa, eine Stockholmer Polizistin auf Abwegen und viel geschichtlicher Hintergrund rund um DDR, Kommunismus und Spionage.

Das sind die Zutaten dieses Thrillers, leider werden weder Cover noch Klappentext dem vollauf gerecht. Für Fans solcher Themen aber bietet die Geschichte einiges und punktet mit viel Recherche und Historie.

Hauptfigur Sara Nowak, Polizistin bei der Sitte und von Zweifeln geplagte Mutter zweier Teenager, wird plötzlich zurück in ihre Kindheit katapultiert. Eine befreundete Ermittlerin ruft sie an einen Tatort: Sara kennt den Toten, ging viele Jahre in dessen Villa ein und aus und spielte mit seinen Kindern.

Die Profis ermitteln natürlich zuerst einmal in die falsche Richtung, somit kommt Sara zum Zug, die in ihrer Freizeit Erinnerungen und Begebenheiten nachhängt und nach und nach unglaubliche Details des Ermordeten aufdeckt.

Autor Gustaf Skördeman wollte hier, so scheint es, zwei große Themenblöcke eng miteinander verknüpfen. Auf der einen Seite Saras Alltag, in dem sie gegen Prostitution kämpft und auf der anderen Seite die Kalter-Krieg-Spionageschiene. Auch da ist nicht alles romantisch à la Nachrichten im toten Briefkasten und Giftpfeil im Kugelschreiber.

Nein, es geht vielmehr um tödliche Komplotte, Indoktrination, Erpressung und unbedingten Gehorsam. Nichts für schwache Nerven.

Alles in allem wurde am Ende leider ein wenig zu viel gewollt, die paar Stellen die man als aufmerksamer Leser vorhersehen kann, werden durch extreme Wendungen niedergebügelt, die man dann eben schlucken muss. Nach dem Motto “Ätsch, das hast du aber nicht kommen sehen”.

Kann man machen, muss man aber nicht. Die Details werden schon erläutert und ja es könnte alles so stattfinden, aber sehr wahrscheinlich wirkt es nicht. “Geiger” ist zudem Teil 1 einer Trilogie, was bedeutet, dass ein bisschen was als vermeintlicher Cliffhanger stehen bleibt. Die wesentlichen Punkte werden aber geklärt.

Veröffentlicht am 01.05.2021

Küstenflair und Mordgelüste

Nordwesttod
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Die am Cover erwähnte “Soko St- Peter-Ording” darf man nicht wortwörtlich erwarten, denn dieser Norddeutschland-Krimi ist viel ruhiger und familiärer aufgebaut. Anna Wagner tritt als Sonderermittlerin ...

Die am Cover erwähnte “Soko St- Peter-Ording” darf man nicht wortwörtlich erwarten, denn dieser Norddeutschland-Krimi ist viel ruhiger und familiärer aufgebaut. Anna Wagner tritt als Sonderermittlerin für Vermisstenfälle in das Leben der eher Beschaulicheres gewöhnten Polizisten der Halbinsel-Gemeinde St. Peter-Ording in der Nordsee.

Wagner kommt zudem aus München und so gibt ein ein paar kleine schöne Momente mit Sprachverwirrung und mit dem allgegenwärtigen “Moin” tut sie sich auch schwer. Sie ermittelt, weil eine junge Frau, Nina Brechtmann, nach ihrem Urlaub von Arbeitskollegen vermisst gemeldet wurde.

Doch Anna Wagner ist nicht die einzige Neue, zeitgleich bekommt die örtliche Polizeistation auch noch einen neuen Chef. Ziemlich viel für die idyllische Gemeinde, die aber auch viele Touristen anzieht.

Gekonnt verbindet Svea Jensen ihre Krimigeschichte mit den örtlichen Gegebenheiten (es gibt auch eine Karte im Umschlaginneren) und den Themen, die die Region tatsächlich bewegen. Die Problematik um Hotels, neue Bauten und den Tourismus gibt es tatsächlich. Zudem fängt die Autorin die Atmosphäre gut ein.

“Nordwesttod” ist der erste Fall für Anna Wagner und genauso wie die Figur gerne in St. Peter Ording bleiben möchte, freut man sich auch als Leser schon auf weitere Geschichten. Der viel zitierte “Urlaub zwischen den Buchdeckeln” darf gerne in die Verlängerung gehen. Die erste Fortsetzung, “Nordwestzorn” sollte im Mai 2021 erscheinen, wurde aber verschoben.

Svea Jensen ist ein Pseudonym von Angelika Svensson.

Veröffentlicht am 13.04.2021

Historisch, packend, authentisch

Teufelsberg (Wolf Heller ermittelt 2)
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Lutz Wilhelm Kellerhoff lässt den Berliner Kommissar Wolf Heller nach “Die Tote im Wannsee” erneut ermitteln. Wir schreiben das Jahr der Mondlandung, Kommunen sind immer noch attraktiv und gleichzeitig ...

Lutz Wilhelm Kellerhoff lässt den Berliner Kommissar Wolf Heller nach “Die Tote im Wannsee” erneut ermitteln. Wir schreiben das Jahr der Mondlandung, Kommunen sind immer noch attraktiv und gleichzeitig missbilligt und zwischen rechts und links scheint nicht viel Platz zu sein.

Da hinein drängen möchte sich der Kreml, dem West-Berlin ein Dorn im kommunistischen Auge ist. Die Situation der Deutschen, der Berliner ist nicht gerade einfach: Noch deutlich belastet von den NS-Verbrechen, gespalten durch die Mauer und uneins auf welcher Seite man im Konflikt um Israel stehen soll.

In “Teufelsberg” startet Heller mit einem “einfachen Mordfall”, der sich als Startschuss einiger minutiös geplanter und nicht ganz ideal gelaufener Aktionen gegen die stabile West-Berliner Führung herausstellt. Wolf Heller lässt nicht locker und findet beinahe zu spät heraus, was genau wie zusammenhängt. Kann auch er morden, wenn es drauf ankommt?

Die drei Autoren Martin Lutz, Sven Felix Kellerhoff und Uwe Wilhelm flechten ihren spannungsgeladenen Krimi-Plot wieder gekonnt in das so aufwühlende Zeitgefüge ein. Durch Kleinigkeiten und viel musikalischen Background führen sie den Leser in die damalige Zeit. Auch als jüngerer Leser fühlt sich das authentisch an.

Neben Heller treffen wir auch einige bekannte Figuren wieder, dennoch ist es kein absolutes Muss, den ersten Band vorher zu lesen.

Veröffentlicht am 07.04.2021

Diffuse Angst und culture clash

Der andere Sohn
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Dieser Schweden-Krimi ist unkonventionell, fesselnd und wird teilweise schon zu einem Psycho-Thriller. Nicht allzu blutig, mehr unter der Oberfläche.

Von einer diffusen Angst (die viel zur Spannung beiträgt) ...

Dieser Schweden-Krimi ist unkonventionell, fesselnd und wird teilweise schon zu einem Psycho-Thriller. Nicht allzu blutig, mehr unter der Oberfläche.

Von einer diffusen Angst (die viel zur Spannung beiträgt) sind hier gleich mehrere Charaktere betroffen: Der Vater einer vermissten jungen Frau, die Polizisten, die weder sie noch ihre Leiche finden können, der junge Schwarze, der als Verdächtiger gilt, aber alles bestreitet und die Mutter des Verdächtigen, die alles versucht, um ihren Sohn zu verteidigen.

Und dann ist da noch jemand: John Adderley. FBi-Undercover-Agent mit schwedischen Wurzeln und einem großen Problem. Er muss untertauchen und raus aus den USA. Mehr zu verraten wären zu viele Spoiler an dieser Stelle.

Zu Beginn des Buches gibt es zwei Zeitstränge, das Verschwinden der Frau liegt schon einige Zeit zurück. Ein Cold Case also. Während des 524 Seiten starken Krimis lernt der Leser schwedische Polizeiarbeit ebenso kennen wie die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten Karlstads und ein paar fein erdachte Charaktere. Natürlich gibt es ein paar Klischees, ein bisschen Amerika gegen Schweden, aber alles in allem finden sich durchaus ein paar schöne, eigene Ideen.

Gut, dass “Der andere Sohn” der Start einer Reihe ist, andernfalls wäre der Cliffhanger am Ende von den Autoren Peter Mohlin und Peter Nyström noch grausamer gewählt als er ohnehin schon ist. Der Fall ist soweit geklärt, aber John kommt nicht zur Ruhe. Der Leser auch nicht!

Veröffentlicht am 19.03.2021

Kann eine Bombe einen Cold Case aufklären?

Blutnebel
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Erneut trägt die Zusammenarbeit zwischen Thomas Enger (Henning Juul-Reihe) und Jørn Lier Horst (William Wisting-Reihe) Früchte. ”Blutnebel” ist der gelungene Band 2 mit mit Polizist Alexander Blix und ...

Erneut trägt die Zusammenarbeit zwischen Thomas Enger (Henning Juul-Reihe) und Jørn Lier Horst (William Wisting-Reihe) Früchte. ”Blutnebel” ist der gelungene Band 2 mit mit Polizist Alexander Blix und Journalistin Emma Ramm.

Die beiden verbindet eine Geschichte, die hier allerdings kaum mehr thematisiert wird. Die Bände sind gut unabhängig voneinander zu lesen, Wer speziell viel zu den beiden Protagonisten erfahren will, sollte “Blutzahl” zuerst lesen.

Die Fortsetzung zeichnet sich erneut durch eine wohldurchdachte Krimi-Handlung und mehrere Erzählstränge aus, die am Ende alle zusammenfinden. Ein bisschen Action und den erwartbaren Showdown am Schluss gibt es auch.

Blix hat es diesmal mit einem Attentat zu tun, das ihn letztlich auch zu einem Cold Case bringt und entscheidende Hinweise zur Klärung liefert. Die Stärke von “Blutnebel” ist für mich auch, dass Ramm und (vor allem) Blix hier weniger persönlich involviert sind als im Vorgängerband. Das ermöglicht einen stärkeren Fokus auf die Ermittlerarbeit.

Zudem profitiert die Geschichte davon, dass weniger Privates geklärt werden muss, weil das meiste davon schon in “Blutzahl” eingeflossen ist. Ein Oslo-Thriller für alle Fans der skandinavischen Spannungsliteratur, so gekonnt aufgebaut wie ein Verhör durch Alexander Blix.

Und wer nicht genug bekommen kann: Band 3, “Bluttat” soll im Oktober 2021 erscheinen.