Zwischen Hoffnung und Verfolgung - Die Geschichte von Hilde und Robin
In „Hilde und Robin“ erzählt Rachel Soost die vergessene Geschichte einer jüdischen Familie – basierend auf wahren Begebenheiten. Seit zwölf Jahren erforscht die Autorin die Geschichte ihrer jüdischen ...
In „Hilde und Robin“ erzählt Rachel Soost die vergessene Geschichte einer jüdischen Familie – basierend auf wahren Begebenheiten. Seit zwölf Jahren erforscht die Autorin die Geschichte ihrer jüdischen Vorfahren, ausgehend von den Namen ihrer Großeltern. Während der erste Band die Geschichte von Bernie (Robins Bruder) und Luise erzählte, steht hier das Schicksal von Robin und Hilde im Mittelpunkt.
Robin ist der älteste Bruder der Fam. Smedresman. Durch den frühen Tod seines Vaters übernimmt er die Verantwortung für die Familie. Im Berlin des Jahres 1934 arbeitet er als Außenvertreter in der Modebranche und begegnet dabei Hilde in einem Modeatelier. Beide verlieben sich und werden trotz aller Repressalien ein Paar. Doch ihre Beziehung steht unter keinem guten Stern, denn sie gilt im nationalsozialistischen Deutschland als „Rassenschande“. Dies bekommen sie deutlich zu spüren, als sie von der Gestapo verhaftet werden. Zwar kommen sie dank guter Verbindungen ihrer Familien frei, doch ihnen wird schnell klar: Um zu überleben, müssen sie Deutschland verlassen.
Der Schreibstil ist auch hier wieder sehr gefühlvoll, bildhaft und fesselnd. Trotz aller Dramatik und tragischer Szenen ist oft eine Prise Humor beigefügt.
Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt. In der Vergangenheit begleiten wir Hilde und Robin, in der Gegenwart Rieke und Sören. Letztere haben eine Berliner Altbauwohnung gekauft, in der Rieke auf alte Fotos und Tagebücher von Hilde stößt. Neugierig beginnt sie, die Vergangenheit zu erforschen…
Beide Erzählstränge haben mir sehr gut gefallen. Die Vergangenheit ist geprägt von Angst, Verzweiflung und Verlust, aber auch von schönen Momenten, wie dem Kennenlernen von Hilde und Robin, ihrer Zeit in Belgien oder ihrer Hochzeit. Gleichzeitig spürt man die pure Ausweglosigkeit der damaligen Situation für Juden in der NS-Zeit. Dahingehend bieten die Passagen in der Gegenwart kurze Ruhepunkte, um das Gelesene aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Die Autorin hat hier richtig gut die fiktiven Elemente mit den reellen Fakten verwebt.
Die Figuren sind lebendig und glaubwürdig gezeichnet. Robyn ist mir im ersten Band fast unnahbar erschienen, seine ruhige besonnene Art rührt eher aus der Verantwortung für seine gesamte Familie her. Im Laufe der Geschichte ist er mir sehr ans Herz gewachsen – ebenso wie Hilde, die nie aufhört, an eine gemeinsame Zukunft zu glauben. Auch die Nebenfiguren, die Hilde und Robyn auf ihren Weg kreuzen, sind perfekt in die Handlung eingebaut.
Rieke und Sören sind fiktive Figuren, überaus sympathisch und bilden hier das Bindeglied zwischen Gegenwart und Vergangenheit.
Auch dieser Band ist mir richtig unter die Haut gegangen. Das Schicksal der Familie Smedresman ist gleichermaßen tragisch wie bewegend. Zudem erfahren wir weitere Eckpunkte über Bernie und Luise, aber ich möchte nicht zu viel verraten, lest es unbedingt selbst.
Im Nachwort liefert die Autorin spannende zusätzliche Informationen und weist auf einen weiteren Band hin, der sich mit Fredsy (Alfred - jüngster Sohn der Smedresmans) und Magdalena beschäftigt, die ebenfalls aus Deutschland fliehen mussten.
Fazit: Ein unglaublich berührendes Zeitzeugnis – ehrlich, schicksalhaft und mit einer klaren Botschaft: Nie wieder darf sich ein solcher, verheerender Krieg wiederholen. Eine RIESEN Leseempfehlung und fünf Sterne plus.