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BettinaHertz

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.11.2018

Auftakt einer wundervollen Familiensaga

Gut Greifenau - Abendglanz
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Gut Greifenau – Abendglanz
Autor: Hanna Caspian

Frühjahr 1913: Konstantin, ältester Grafensohn und Erbe von Gut Greifenau verliebt sich in Rebecca, Dorflehrerin und überzeugte Sozialistin. Die beiden ...

Gut Greifenau – Abendglanz
Autor: Hanna Caspian

Frühjahr 1913: Konstantin, ältester Grafensohn und Erbe von Gut Greifenau verliebt sich in Rebecca, Dorflehrerin und überzeugte Sozialistin. Die beiden trennen Welten, angefangen vom Standesunterschied bis hin zur Weltanschauung. Gibt es für sie eine gemeinsame Zukunft?
Für die jüngste Tochter Katharina laufen die Planungen auf Hochtouren: Grafenmutter Feodora plant DIE Traumhochzeit ihre Tochter mit einem Neffen des deutschen Kaisers – obwohl bald klar ist, mit welchem Scheusal Katharina ihr Leben verbringen darf, aber alles zum Wohle und Aufstieg der Familie, koste es, was es wolle. Doch auch Katharinas Herz ist vergeben.
Beide Grafenkinder spielen ein Versteckspiel mit ihren Eltern und der Gesellschaft. Und über allem schwebt die dunkle Wolke des Krieges ...

Gut Greifenau – Abendglanz ist der Auftaktband der dreiteiligen Gut Greifenau Reihe. Dieser erste Band hat mir sehr gut gefallen. Insbesondere lernt man hier in eindrucksvoller Weise so ziemlich alle Figuren des Gutes, allem voran des Herrenhauses und etliche Dorfbewohner kennen, entwickelt Sympathie oder Abneigung.

Der Schreibstil ist super angenehm zu lesen, sehr flüssig, bildhaft und spannend. Die Kapitel fliegen nur so dahin und am Ende möchte man nur eins: wissen wie es weitergeht! Der Folgeband erscheint übrigens am 22.12.2018, also garnicht mehr so lange hin.

Die Charaktere, dafür muss ich Autorin Hanna Caspian ein besonderes Lob aussprechen. Sie sind facettenreich und authentisch dargestellt. Was mir unglaublich gut gefallen hat, war die Vielfalt der Figuren, sowohl der „Herrschaften“, als auch der Dienerschaft bzw. Untergebenen. Man kann einen Blick über die Schulter der Grafensöhne und Töchter, über das Grafenehepaar, und auch über die Köchin, die Stubenmädchen, die Mamsell, den Hauslehrer, den Kutscher und vielen mehr werfen. Man erlebt hautnah den Alltag, die Sorgen, Erfolge, Freude mit den vielen Figuren mit. Interessant für mich: die Hierarchien allein in der Dienerschaft. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Dieser erste Band bildet einen spannenden Auftakt und man darf gespannt sein, wie es mit der Familie, dem Gut insgesamt und den Dorfbewohnern weitergeht und das natürlich vor einer spannenden historischen Kulisse.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zur Buchgestaltung selbst: das Cover ist absolut gelungen. Eine sehr schöne Darstellung des Anwesens im Hintergrund, vordergründig eine Dame „vom Stand“. Mittendrin der Titel in glänzender Schrift. Ein tolles Cover, das zum kaufen animiert. Hervorheben möchte ich hier unbedingt die Landkarte von Pommern, eine kleine Karte vom Gut und vom Dorf am Anfang des Buches. Daran schließt sich ein Personenverzeichnis an. Diese kleinen Extras liebe ich vor allem in historische Romane.

Mich hat das Greifenau-Fieber gepackt. Ein sehr gelungener Auftakt. Dafür gibt es von mir eine eine klare Kaufempfehlung und fünf Sterne. Es sind nun nur noch wenige Wochen bis zur Fortsetzung, die ich mir nicht entgehen lasse.

Veröffentlicht am 24.11.2018

Goldfields

Goldfields
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Goldfields
Autor: Izabelle Jardin

London 2012: Die junge ehrgeizige Robin begegnet auf einer Abendgesellschaft auf einem englischen Landsitz einer faszinierenden alten Dame, Lady Margaret Thornton. Mit ...

Goldfields
Autor: Izabelle Jardin

London 2012: Die junge ehrgeizige Robin begegnet auf einer Abendgesellschaft auf einem englischen Landsitz einer faszinierenden alten Dame, Lady Margaret Thornton. Mit ihren Erzählungen entführt sie Robin ins London des Jahres 1851.
Beatrice Ames, Tochter einer wohlhabenden Reederdynastie, ist schön, hat einen scharfen Verstand, mitreißende rhetorische Fähigkeiten und ist außerdem mit einer ordentlichen Portion Ehrgeiz ausgestattet. All ihr Denken und Handeln gilt sozialen Reformen und vor allem der Durchsetzung des Frauenwahlrechts. Unterstützung aus dem Hintergrund erhält sie von einem hochangesehenen Mitglied des britischen Oberhauses, mit dem sie eine leidenschaftliche Affäre hat. Doch die „damaligen Zeiten“ und Standesdünkel sind gegen sie. Sie kann zwar in mitreißenden Reden die Menschen begeistern und revolutionäre Kräfte entfesseln, aber sie ist nicht nur der Obrigkeit ein Dorn im Auge, sondern auch ihrem Bruder und Vormund Henry. Er kann grad keinen Skandal in seiner Familie gebrauchen und schickt Beatrice kurzerhand „in die Verbannung“ fernab von London nach Australien. Als sie dort vom Schiff steigt, empfängt sie zwar eine völlig fremde Welt, die ihr aber auch gleichermaßen faszinierend vorkommt. Die Begegnung auf der Hinreise mit Peter O’Lalor lässt ihr Herz schneller schlagen, doch sein Weg scheint ein anderer zu sein….

Mit „Goldfields“ hat Izabelle Jardin abermals einen außergewöhnlichen Roman geschaffen, bei dem ich schon nach den ersten Zeilen völlig gefangen war. Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr flüssig zu lesen, spannend, emotional und bildgewaltig. Geschrieben in zwei Zeitebenen begleiten wir Beatrice nicht nur in eine vergangene Zeit, sondern auch in eine völlig andere und Ferne Welt.

Durch die Bekanntschaft in der Gegenwart zwischen Robin und Margaret Thornton kommt eine überaus spannende und emotionale Geschichte zutage, die einem mehr als einmal die Luft anhalten lässt. Es entspinnt sich ein unglaubliches Netz an Verknüpfungen, die ihren Höhepunkt viele Generationen später im Hier und Jetzt haben soll und alte Bekannte aus dem Roman „Funkenflug“ auf die Bühne treten lässt.

Die Geschichte in „Goldfields“ ist unumstritten mit „Funkenflug“verbunden. Die Vorkenntnisse aus diesem ebenfalls hervorragenden Roman finde ich doch sehr wichtig, um verschiedene Abläufe besser einordnen zu können. Vom Inhalt möchte ich nicht viel verraten, da es die Spannung vom Buch nehmen würde. Vielleicht nur soviel wie oben schon erwähnt, wir treffen alte Bekannte wieder sowohl in der Vergangenheit: Beatrice, Schwester von Henry, dem Ehemann von Clara Henriette und in der Gegenwart: Fay und Constantin inklusive Ernst, dem „liebenswerten“ Schwiegervater. Diese Parallelen haben mir sehr gefallen und vor allem die Sichtweiten aus einem anderen Blickwinkel empfand ich ebenfalls überaus interessant und aufschlussreich.

Beatrice zählt für mich als Hauptfigur in diesem Roman, da er doch überwiegend in der Vergangenheit spielt. Sie ist mir absolut ans Herz gewachsen. Ihre damalige/r Entschlossenheit und Ehrgeiz haben mir doch sehr imponiert. Die Rolle der Frau stellte in ihrer Welt so gut wie nichts dar, außer als schmückendes Beiwerk des Mannes. Dieser war wiederum ureigenster Herrscher über das schwache Geschlecht und wohlerzogenen Ehefrau, die vor allem gehorchte und möglichst viele Erben, vorzugsweise männliche, zu gebären hatte, was in meinen Ohren schon wieder völlig absurd klingt. Und eine Frau allein hatte weder in der unteren Schicht, noch in gehobenen Kreisen irgendeine Chance zum Überleben. Izabelle Jardin versteht es exzellent, die Stellung der Frauen zwei Jahrhunderte früher darzustellen und die ein oder andere Parallele finden wir bis in unsere heutige Zeit, sehr gut am Beispiel Robin erzählt.

Ein großer Pluspunkt des Buches, den ich hier extra hervorheben möchte, ist die herrlich bildhafte und emotionale Schreibweise. Es ist oftmals so, als säßen wir als stiller Betrachter hinter den Figuren und atmen, fühlen und erleben noch so jede einzelne Szene mit den Figuren mit. Es ist ein Wechselbad der Gefühle – Freude, Leid, Hoffnung, Angst, Zufriedenheit und Glück. Man inhaliert förmlich jede einzelne Zeile dieses wunderschönen Buches.

Das Cover des Buches ist wundervoll anzusehen und zeigt, dass es u. a. eine Reise in die Vergangenheit wird. Der Titel verspricht eine Reise in ferne Welten.

Goldfields hat mich mich mehr als überzeugt und ich kann es uneingeschränkt weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 17.11.2018

Toller Auftaktband

Adlerkiller. Küsten-Krimi
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Adlerkiller
Autor: Nick Stein

Lukas Jansen wollte schon immer Polizist werden oder vielmehr Kriminalkommissar, um in seiner Heimat Ostfriesland den Ganoven und Kriminellen den Garaus zu machen. Seine ...

Adlerkiller
Autor: Nick Stein

Lukas Jansen wollte schon immer Polizist werden oder vielmehr Kriminalkommissar, um in seiner Heimat Ostfriesland den Ganoven und Kriminellen den Garaus zu machen. Seine schulischen Voraussetzungen stehen ihm da eher im Weg. Aber wo eine Wille ist, ist auch ein Weg. Außerdem fällt ihm ein Mordfall fast direkt vor die Füße: Zwei Naturschützer wurden ermordet, alles hängt irgendwie mit den Seeadlern und den geplanten Windparkanlagen zusammen. Lukas wittert seine Chance für eine grandiose Kriminallaufbahn und fängt schon einmal auf eigene Faust an zu ermitteln. Mit seiner Freundin Lisa stoßen sie in ein Wespennetz und begeben sich ungeahnt in tödlicher Gefahr…

Adlerkiller ist der Auftaktband der neuen Küstenkrimireihe, geschrieben vom Autor Nick Stein. Schon nach den ersten Seiten bin vom Schreibstil total begeistert. Im luftig lockeren und erfrischenden Erzählstil werden wir Stück für Stück an einem sehr brisanten Fall herangeführt. Aus der Sicht von einem mehr als sympathischen Hauptprotagonisten, Lukas Jansen, erleben wir so manche Überraschung und unvorhersehbaren Wendungen. Der ganze Krimi strotzt nur so von Situationskomik, ohne die Schärfe der einzelnen Verbrechen/Taten abzumildern. Lukas manövriert sich von einer haarsträubenden Situation in die nächste und man fiebert bis zum Ende mit ihm mit.

„Adlerkiller“ kann ich absolut weiterempfehlen. Dieser wunderbare, unterhaltsame und erfrischende Küstenkrimi verdient volle Punktzahl.

Veröffentlicht am 01.11.2018

Packender und emotionaler historischer Roman

Das Herz der sieben Inseln
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Das Herz der sieben Inseln
Autor: Tara Haigh

Spanien 1492: Die junge Laura erfährt während ihres Aufenthaltes im Kloster, dass ihr Vater sie mit einem widerwärtigen Adeligen verheiraten möchte. Ansonsten ...

Das Herz der sieben Inseln
Autor: Tara Haigh

Spanien 1492: Die junge Laura erfährt während ihres Aufenthaltes im Kloster, dass ihr Vater sie mit einem widerwärtigen Adeligen verheiraten möchte. Ansonsten bleibt ihr nur das Leben im Kloster als Nonne, was ihr genauso missfällt. Warum hat ihr Vater seine Meinung geändert, war doch ihre Schwester Ines bereits verheiratet und für den Fortbestand der Familie bestimmt? In ihrer Not flieht sie aus dem Kloster und macht sich auf nach Gran Canaria zu ihrer Familie. Wie wird ihre Familie reagieren, vor allem ihr Vater? Auf der Kanareninsel angekommen, erlebt Laura mehrere böse Überraschungen und findet sich in einer fremden Welt des Sklavenhandels, der Inquisition und der unersättlichen Gier der spanischen Eroberer wieder. Dort begegnet sie aber auch dem attraktiven Einheimischen Aquil, der auf der Farm ihres Vaters arbeitet. Beide fühlen sich mehr als voneinander angezogen, aber diese Verbindung steht unter keinem guten Stern…

Gegenwart: Jana soll in Kürze ein Luxushotel in Mexiko führen, zusammen mit ihrem Partner Marcel. Plötzlich erhält sie die Nachricht, dass ihr ein Unbekannter eine Farm auf Gran Canaria vererbt hat. Wer war dieser Mann und warum vererbt er Jana sein Anwesen? Sie reist nach Gran Canaria und kann sich kaum der Faszination des mittlerweile sehr runtergekommenen Anwesen entziehen. Dann ist da noch Eloy, Einheimischer und Touristenführer. Beide spüren eine Verbindung zur Vergangenheit und versuchen den Grund dafür herauszufinden, sehr zum Verdruss von Marcel…

Das Herz der sieben Inseln ist der heue historische Roman der Autorin Tara Haigh. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, flüssig, emotional und spannend. Tara Haigh ist eine Meisterin der bildhaften Sprache, es geht richtig unter die Haut und man hat die malerische Kulisse der Kanareninsel detailgetreu vor Augen. Durch ihre gewissenhafte Recherche lässt sie viele historische Komponenten in die Handlung einfließen, was mir ebenfalls super gefallen hat. Der Roman handelt in zwei Zeitebenen, im Jahr 1492 begleiten wir Laura, in der Gegenwart begleiten wir Jana.

Beide Frauen haben mir sehr gefallen, genau wie ihre Begleiter Aquil und Eloy. Mit einer wunderbaren emotionalen Sprache lässt uns die Autorin in die Gefühlswelt von Laura und Jana eintauchen. Man spürt Freude, Angst, Verzweiflung. Letzteres zum Beispiel in einer Szene mit Laura:

„Das Leben stand auf einmal still. Die Brandung des Meeres war zu einem leisen, kaum vernehmbaren Wispern geworden. Die Insel schien nicht mehr zu atmen. Kein Palmenblatt wog sich mehr im Wind. Laura war in den letzten zwei Wochen zu einem Teil dieser Leblosigkeit geworden, jedweder Hoffnung beraubt, jemals wieder auch nur einen Hauch von Glück zu empfinden…“

Laura und Jana empfand ich als sehr starke Persönlichkeiten, die ihren eigenen Weg gehen. Beide haben sehr starke Empfindungen, die Autorin bedient sich hier esoterischer Elemente, bei denen Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben werden und Stück für Stück in kleinster Puzzlearbeit ein schicksalhaftes Familiengeheimnis offenbart wird. Die Kapitel waren unglaublich spannend, man kann das Buch kaum aus der Hand legen und fiebert mit den Protagonisten bis zum Ende atemlos mit.

Ein hochemotionaler Epilog rundet die Geschichte perfekt ab und lässt beim Leser ein paar Tränen kullern. Das Herz der sieben Inseln ist ein farbenprächtiger historischer Roman, angesiedelt auf der wunderschönen Insel Gran Canaria. Ich kann diesen Roman uneingeschränkt weiterempfehlen und dafür gibt es von mir fünf verdiente Sterne.



Veröffentlicht am 01.11.2018

Die Schwestern vom Ku‘ damm, Jahre des Aufbaus

Die Schwestern vom Ku'damm
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Die Schwestern vom Ku‘ damm, Jahre des Aufbaus
Autor: Brigitte Riebe

Berlin im Mai 1945: Die Stunde null, die Stadt liegt in Schutt und Asche, die Menschen beginnen nun ein zweites Mal zu überleben. Auch ...

Die Schwestern vom Ku‘ damm, Jahre des Aufbaus
Autor: Brigitte Riebe

Berlin im Mai 1945: Die Stunde null, die Stadt liegt in Schutt und Asche, die Menschen beginnen nun ein zweites Mal zu überleben. Auch das Kaufhaus Thalheim am Ku‘ damm ist hoffnungslos zerstört. Fassungslos blicken die Schwestern Rieke, Silvie und Florentine in eine ungewisse Zukunft. Wie wird diese aussehen? Werden sie je wieder ein Kaufhaus eröffnen können? Werden sich die Überlebenden je wieder für Mode interessieren? Zunächst gilt es, ein Dach über den Kopf zu haben und etwas Essbares auf den Tisch zu bringen. Doch Rieke, die älteste, hält an ihrem Traum fest: Sie möchte das Kaufhaus wieder aufbauen, zu neuem Glanz verschaffen, mit raffinierten Stoffen und neuesten Modekreationen Farbe ins graue Nachkriegsberlin bringen. Es wird ein langer schwerer und steiniger Weg. Erfolgsmomente und Niederlagen wechseln sich ab, ein dunkles Familiengeheimnis kommt zutage und lastet dabei schwer auf den Wiederaufbau des Kaufhauses…

Die Schwestern vom Ku‘ damm ist der Auftaktband der großen 50 er Jahre Trilogie aus der Feder von Bestsellerautorin Brigitte Riebe. Diesen Roman habe ich schon entgegengefiebert und wurde nicht enttäuscht, nein ich bin absolut hingerissen von Seite 1 bis zum Ende. Im vorliegenden Band begleiten wir Familie Thalheim in den Jahren zwischen 1945 bis 1951 im völlig zerstörten Berlin.

Brigitte Riebe zeichnet sich durch einen brillianten Schreibstil und perfekt eingefädelter Historie aus. Dabei merkt man ihre sehr gewissenhafte Recherche. Es gelingt ihr die Nachkriegszeit im zerstörten Berlin, die extremen Bedingungen des Aufbaus so zu schildern, dass man gefühlsmäßig Teil der Geschichte wird. Die vielen Ereignisse im schwer zerstörten Berlin sind so detailgetreu beschrieben, dass man immer wieder ungläubig die einzelnen Szenen Revue passieren lässt. U. a. hat mir die Arbeit der Trümmerfrauen tief beeindruckt. Einmal mehr erinnerte ich mich an viele Erzählungen meiner Großeltern aus dieser Zeit und ließen einen völlig anderen Blickwinkel zu, als ich es als Kind empfunden habe. Geschichtsunterricht zum anfassen! Natürlich darf eine hochemotionale Story inkl. brisanter Familiengeheimnisse in einem Brigitte Riebe Roman nicht fehlen, was hier in meinen Augen meisterhaft umgesetzt wurde.

Die Charaktere waren allesamt authentisch ins Geschehen eingebettet. In diesem Band ist Rieke, die älteste Tochter, die Hauptprotagonistin und wir begleiten sie auf ihren Weg, das einstige Kaufhaus der Familie wieder aufzubauen, zunächst ein fast unerreichbares Ziel. Mit an ihrer Seite sind ihre Schwestern Silvie und Flori, ihre Stiefmutter Claire, Friedrich ihr Vater (Fluch und Segen zugleich), ihr Onkel Carl und ihre Freundin Miri aus Kindertagen. Alle sind sie mir ans Herz gewachsen und ich mochte am Ende keinen davon verlassen.

Auch das Cover des Buches ist wunderbar gelungen. In dezenten Farben erkennt man das berühmte Café Kranzler sowie das KaDeWe, im Vordergrund eine junge Frau, die Rieke für mich verkörpert. Die Zeittafel von Berlin 1945 bis 1951 am Ende des Buches finde ich sehr hilfreich und interessant.

Schon der erste Band dieser Trilogie hat mir wunderbare Lesestunden beschert, interessante Gespräche in der Familie zutage kommen lassen und Erinnerungen wachgerüttelt, so dass dieses Stück Geschichte noch lange in einem nachhallt. Vor allem die Botschaft: NIE WIEDER KRIEG! Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung und ich fiebere schon den Fortgang der Reihe entgegen, vor allem Familie Thalheim wieder zu treffen.