Wem darfst Du noch vertrauen?
Wer blind vertrautSchon beim Auftaktband WER DAS VERGESSEN STÖRT hat mich Tessa Duncan mit ihrem Schreibstil und der Art und Weise, einen Kriminalfall auch auf psychologischer Ebene zu durchleuchten absolut überzeugt. Mit ...
Schon beim Auftaktband WER DAS VERGESSEN STÖRT hat mich Tessa Duncan mit ihrem Schreibstil und der Art und Weise, einen Kriminalfall auch auf psychologischer Ebene zu durchleuchten absolut überzeugt. Mit Lily Brown als Protagonistin hat sie einen authentischen und kompetenten Charakter geschaffen. Lily ist empathisch und brillant, wie sie ihr psychologisches Wissen mit klassischer Ermittlungsarbeit verbindet. Die fachliche Kompetenz der Autorin als promovierte Psychologin und Psychotherapeutin ist diesbezüglich eine starke Grundlage.
Bei dem vorliegenden Buch WER BLIND VERTRAUT hat Lily es mit zwei sehr unterschiedlichen Fällen zu tun. Zum einen gibt es da Mary-Ann Lewis, eine Frau aus einfachen Verhältnissen, die seit dem Verschwinden ihrer älteren Tochter Laura vor fast drei Jahren nervlich am Ende ist. Das familiäre Umfeld von Mary-Ann ist ziemlich suspekt, wie im Laufe der Geschichte klar wird. Am Anfang des Buches habe ich nicht erwartet, welche Ausmaße es annimmt. Zum anderen ist da Caroline, eine reife alleinstehende und finanziell gut gestellte Frau, die auf den Heiratsschwindler Paul reingefallen ist. Ihr Ziel ist es mit Lilys Kenntnissen als Ermittlerin diesem das Handwerk zu legen.
Parallel hat es die Polizeidienststelle Canterbury mit gehäuften Vermisstenfällen junger Mädchen zu tun.
Trotz ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft kniet sich Lily voll rein in die Fälle und fördert tatsächlich neue Ermittlungsansätze zu Tage. Ob und inwieweit die verschiedenen Fälle zusammenhängen könnten, ließen mich immer wieder gedanklich rotieren. Mehrmals gab es überraschende Wendungen und neue Spuren. Tessa Duncans Bücher sind so fesselnd geschrieben, dass man sie nicht aus der Hand legen möchte. Als Leserin fühlte ich mich eher mittendrin als stille Beobachterin.
Die Geschichte endet spannungsmäßig auf dem Höhepunkt, ist schlüssig und lässt keine Fragen offen.
Emotional hat dieses Buch sehr viel von mir gefordert, zu schrecklich und abstoßend waren die Abgründe, die bekannt wurden. Dennoch hing ich an jeder Silbe des Textes, um zu wissen, wie es weitergeht. Thematisiert werden einige brisante Themen, wie häusliche und psychische Gewalt, Messie-Syndrom, Vermisstenfälle junger Mädchen und Geschädigte eines Heiratsschwindlers.
Im Nachwort erklärt die Autorin, welche realen Fälle sie inspiriert haben und wie sie diese mit ihrer Geschichte verknüpft hat. Ihre eigene Erfahrung als promovierte Psychologin und Psychotherapeutin haben auch hier wieder ein perfektes Ergebnis gebracht.
Liebe Tessa Duncan, ich denke ich spreche im Namen vieler Deiner LeserInnen, bitte lass uns auch weiterhin in den Genuss von Lilys Ermittlungsarbeit kommen. Vielen Dank für dieses Lese-Highlight.
Mein Fazit:
Auch Band 3 der Canterbury-Fälle ist für mich wieder ein perfekter psychologischer Kriminalroman. Inspiriert wurde die Autorin von mehreren wahren Kriminalfällen, die sie gekonnt verbunden und mit fiktiven Sequenzen ergänzt hat. Starke und authentische Charaktere runden die Story ab.