Kleine (Alltags)Fluchten und mehr
Als bekennender Italien-Fan kommt mir Stefan Maiwalds neuester Roman gerade recht. „Eine Reise in Sachen Glück“ untertitelt er seinen „Espresso unter Sternen“.
Stefan Maiwald hat die kleine Insel Grado ...
Als bekennender Italien-Fan kommt mir Stefan Maiwalds neuester Roman gerade recht. „Eine Reise in Sachen Glück“ untertitelt er seinen „Espresso unter Sternen“.
Stefan Maiwald hat die kleine Insel Grado in Italien als seine Heimat auserkoren und nun will er sich eine Auszeit nehmen, seine Komfortzone verlassen. Also nix wie weg. Es zieht ihn nach Triest, eine seiner Heimatinsel durchaus nahen Hafenstadt an der Adria.
Schon der erste Blick aufs Buch weckt auch meine Lust, mich ein wenig treiben zu lassen. Flanieren zwischen den Gassen, mich kulinarisch verwöhnen lassen, einen caffé zwischendurch genießen. Nero heißt hier (in Trieste) der Espresso und bei capo ist Cappuccino gemeint. In der Bar, am Tresen genossen, ist er etwas günstiger zu haben als am Tisch. Kleine Feinheiten, die man wissen sollte. Es gibt aber sehr viel mehr an Wissenswertem, das Maiwald mit einfließen lässt. Er führt mich an Orte, die zum Verweilen einladen. Das Antico Caffè San Marco, Triests berühmtes Literatencafé, gehört unbedingt dazu. Eine Fahrt mit der historischen Trambahn sollte man sich nicht entgehen lassen, auch reizt mich trotz der eher fußfeindlichen Kiesel der Strandabschnitt mitsamt dem hilfsbereiten Bademeister, die Triester Bräune gibt es hier sozusagen inklusive dazu. Das Buch hat noch so einiges mehr zu bieten, auch wartet es mit Hintergrundwissen auf. Und natürlich kommt das Essen à la italiano nicht zu kurz.
Die Seele baumeln lassen, die alltägliche Routine durchbrechen, im Hier und Jetzt leben, Glücksmomente bewusst genießen – es braucht nicht viel, um die ganz einfachen Dinge des Lebens neu zu entdecken. Das Buch gibt Denkanstöße - Entschleunigung fällt mir dazu ein.
„Anderszeit statt Alltagstrott“ nennt Stefan Maiwald seine Zeit in Triest. Es ist eine interessante, eine unterhaltsame, eine vergnügliche Reise, die eindrucksvoll seine Tage in der ehemaligen Grenzstadt Triest beschreibt. Ein Buch, das im Ganzen oder in Etappen genossen immer wieder kleine Fluchten aus dem Alltag zulässt. Ein Buch, das keine Altersgrenze kennt, das auch als Geschenk bestens ankommen wird.