Capitaine Blanc löst auch Cold Cases
Roger Blanc wurde versetzt. Glücklicherweise nicht zurück nach Paris, sondern ins benachbarte Salon-de-Provence, wo er die Abteilung „Cold Cases“ übernimmt. Für den Capitaine kein Problem, Hauptsache er ...
Roger Blanc wurde versetzt. Glücklicherweise nicht zurück nach Paris, sondern ins benachbarte Salon-de-Provence, wo er die Abteilung „Cold Cases“ übernimmt. Für den Capitaine kein Problem, Hauptsache er kann in der Provence bleiben. Zumal er Fabienne mitnehmen darf und sein alter und neuer Chef Nkoulou gegen eine gelegentliche Mitarbeit von Marius nichts einzuwenden hat. Auch die Neuen im Team, Alexandra Ayew und Paul Brisson sind engagierte Kollegen und fügen sich gut in die Mannschaft ein.
Cay Rademacher lässt Roger Blanc erneut in der Provence ermitteln. Nachdem er 12 Fälle gelöst hat und endlich in der neuen Heimat angekommen ist, wird er in eine neue Einheit versetzt. Ich finde, der Spannung und dem Unterhaltungswert von Fall 13 hat das nicht geschadet. Eher im Gegenteil.
Der erste Cold Case der neuen Einheit liegt erst sechs Jahre zurück. Ein Dreifachmord hat seinerzeit die Öffentlichkeit erschüttert. Damals wurde eine Familie angegriffen und die Eltern getötet. Nur die kleine Tochter hat schwerverletzt überlebt. Das vierte Opfer war ein Radfahrer, der, ebenfalls erschossen, neben dem Auto der Überfallenen gefunden wurde. Obwohl das Verbrechen nur wenige Jahre zurückliegt, erweist sich die Neuaufnahme des Falls als schwierig. Die einzige Überlebende des Angriffs, die mittlerweile 12-jährige Carla Mayer spricht stets nur von einem „bösen Mann“ ohne weitere Details nennen zu können. Sie wurde von der Witwe des getöteten Radfahrers adoptiert. Weitere Vernehmungen fördern zunächst keine neuen Fakten zutage. Nur der Dorfpolizist erwähnt, dass damals nicht besonders intensiv ermittelt wurde. Gut, dass Blanc auch weiterhin auf die Mitarbeit von Saad Ben-Rouijal, den genialen Spurensicherer zählen kann. Prompt liefert dieser neue Erkenntnisse, die Bewegung in die Ermittlungen bringen.
Viele Personen, doch wer ist verdächtig? Die Witwe des Radfahrers, die mit Carla endlich das lang ersehnte Kind bekommen hat? Das deutsche Rentnerpaar, das auch nach dem Verbrechen weiterhin seinen Urlaub vor Ort verbringt und jetzt sogar das Haus der Ermordeten gekauft hat? Der Arbeitskollege des Vaters, ebenfalls ein Restaurator, der einen Konkurrenten loswerden wollte? Die Olivenbäuerin, die sich von den Mayers betrogen fühlte? Konzentriert und gründlich nimmt sich Blanc alle Beteiligten vor. Können er und sein Team den Altfall lösen?
Erneut hat mich Cay Rademacher mit in seine Provence genommen. Stets sind die Ortskenntnisse des Autors zu spüren, genau wie seine Liebe zur Region. Ein neuer Blanc-Krimi bedeutet für mich stets einen Kurztrip in die Gegend, die ich ebenfalls sehr schätze. Das Lokalkolorit und die spezielle Atmosphäre bereiten mir jedes Mal großes Vergnügen. Unaufgeregt und gemächlich rollt der Autor den schwierigen Altfall auf, der mit jedem neu entdeckten Indiz an Spannung gewinnt und diese auch hält. Rademachers Charaktere sind sorgfältig gezeichnet, sie wirken lebendig und überzeugen. Dass zwei der wichtigsten Figuren neurodiverse Züge aufweisen, spielt eine gewisse, aber keine spektakuläre Rolle.
Ich schätze Cold Cases unter anderem deswegen, weil oft Geheimnisse ans Licht kommen, die gar nicht gesucht wurden. So wie in diesem Fall. Hier wird nicht nur ein Verbrechen aufgeklärt.
Die Idee des Autors, seinem Hauptcharakter nach 12 erfolgreichen Fällen, ein etwas anderes Betätigungsfeld zuzuweisen, halte ich für rundum geglückt. Tatsächlich ist „Bedrohliche Alpilles“ für meinen Geschmack einer der besten Teile der Reihe. Wenn Rademacher jetzt noch auf „Pisten“ verzichten würde, wäre mein Leserinnenglück perfekt.