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Veröffentlicht am 11.05.2026

Die Woche des Serienmörders

Schlafende Vulkane
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Wie jeden Morgen versorgt der alte Hilmar die Pferde im großen Reitstall von Hafnafjörður. Doch heute verläuft die Arbeit anders als geplant. In einer leerstehenden Pferdebox liegt eine nackte junge Frau ...

Wie jeden Morgen versorgt der alte Hilmar die Pferde im großen Reitstall von Hafnafjörður. Doch heute verläuft die Arbeit anders als geplant. In einer leerstehenden Pferdebox liegt eine nackte junge Frau - tot. Aufgrund der Personalknappheit bei der isländischen Kripo wird der Fall an Helga übertragen, die erst vor kurzem ihre Ausbildung an der Polizeihochschule abgeschlossen hat. Schnell stellt sich heraus, dass ein Gewaltverbrechen vorliegt. Als die Polizei das Haus des Opfers untersucht, entdeckt Helga, dass Kristófer, der zehnjährige Sohn der Toten, durch das Toilettenfenster vor dem Mörder geflohen ist. Eine hektische Suche nach dem Jungen beginnt ...

„Schlafende Vulkane“ ist das erste gemeinsame Buch der Schriftstellerkollegen Michael Hjorth und Bjarni Thorsson. Der Auftaktband der neuen Island-Thriller-Reihe glänzt mit ungewöhnlichen Ermittlern und anhaltender Spannung in düsterer Atmosphäre

Der erste Tatverdächtige, der Ex-Mann der Toten, stellt sich „nur“ als Dealer heraus. Immerhin beschert er der Polizei den größten Drogenfund des Jahres. Ein Motiv für den Mord lässt sich nicht finden. Die Rettung von Kristófer dagegen glückt. Kurz bevor er erfroren wäre, wird er vom Suchteam, bestehend aus Helga, der Polizeihündin Salka und dem Verkehrspolizisten und Outdoorspezialisten Bjarki gerettet. Inzwischen hat der Täter bereits sein nächstes Opfer im Visier. Obwohl die ehrgeizige Helga und ihr Team nahezu rund um die Uhr ermitteln, können sie den zweiten Mord nicht verhindern. Es zeichnet sich ab, dass ein Serienmörder die Taten verübt - für Island eine völlig neue Situation!

Die Charaktere gefallen mir ausgezeichnet. Helga, die sich beim Jugendamt hilflos vorkam und deshalb die Polizeihochschule besuchte, ist in Schweden aufgewachsen, hat aber einen isländischen Vater. Sie ist taff, intelligent und sehr ehrgeizig. Nach der Scheidung von einem Kontrollfreak, der sie systematisch verunsicherte, sieht sie sich mit einem Sorgerechtsstreit konfrontiert, der ihr Stresslevel zusammen mit der schwierigen Ermittlung und der ungewohnten Rolle als Teamleiterin in ungekannte Höhen steigen lässt. Bjarki, den seine Freunde Grettir nennen, war bei der Drogenfahndung und wurde aufgrund eines zunächst unbekannten Vorfalls degradiert und zur Verkehrspolizei versetzt. Er ist ein Naturmensch und hat Probleme mit Hierarchien und Vorschriften. Yvette stammt ursprünglich aus Bosnien und hat in Island eine neue Heimat gefunden. Sie ist eine äußerst fähige und engagierte Kriminaltechnikerin. Im vorliegenden Fall überschreitet sie aus Zeitnot Regeln, erhält dadurch aber entscheidende Informationen. Auch die weniger sympathischen Teamkollegen wie der karrierebewusste Dezernatsleiter Gisli Freyr („Chef zu sein war die Hölle, egal, was Dale Carnegie behaupten mochte“) oder der arbeitsscheue Benni, der Helga aus Neid das Leben schwer macht, aber sich als loyal erweist, haben Tiefe. Und nicht zu vergessen der Täter, der akribisch seine Verbrechen plant, kontrolliert und methodisch agiert. Die aus seiner Sicht geschriebenen Einschübe haben für Gänsehaut bei mir gesorgt.

Überhaupt passen die kurzen Kapitel, die häufig wechselnden Perspektiven und der bildhafte flüssige Schreibstil hervorragend zusammen. Egal ob die beeindruckende Natur Islands beschrieben wird oder die zermürbende Polizeiarbeit, die die stundenlange Sichtung unscharfer Bilder von Überwachungskameras und das Durchforschen zahlloser Social-Media-Accounts beinhaltet. Die sorgfältige Recherche der Autoren war hier für mich spürbar. Die Spannung hat mich bis zum Schluss gefesselt, sodass es mir schwerfiel das Buch aus der Hand zu legen. Erschütternd fand ich die Einblicke ins Darknet, die Beschreibung und die Klientel von Snuff-Videos und die Folgen dessen, was heute als „toxische“ Männlichkeit bezeichnet wird. Das sorgt für eine düstere Atmosphäre und erhöht zusätzlich den Druck auf die Ermittler, denen nicht nur der Fall schwer zu schaffen macht, sondern auch Politiker und Medien.

Selten hat mich der Auftaktband einer Serie so in den Bann gezogen, wie dieser. Die Ermittlung, die sich über eine Woche hinzieht, hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.
Ich freue mich schon auf den bereits angekündigten zweiten Band und vergebe die volle Punktzahl.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Solo für Mila?

Nebelbeute
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Ermittlerin Mila Weiss will sich ihren Dämonen endlich stellen und sucht Johannes Toblach. Den Verbrecher, der für das spurlose Verschwinden der beiden Mädchen verantwortlich ist, die sie beschützen wollte. ...

Ermittlerin Mila Weiss will sich ihren Dämonen endlich stellen und sucht Johannes Toblach. Den Verbrecher, der für das spurlose Verschwinden der beiden Mädchen verantwortlich ist, die sie beschützen wollte. Geduldig macht sie die ermüdenden Spielchen ihres Informanten mit bis sie den Aufenthaltsort ihres Gegners erfährt. Dann lässt sie sich beurlauben und fährt los. Doch Toblach weiß längst, was sie vorhat und beobachtet Milas Ankunft in dem abgelegenen Dorf, das sein Unterschlupf ist. Die Jagd beginnt. Doch wer ist die Beute?

„Nebelbeute“ ist der dritte Fall der Gruppe 4, einer Sondereinheit, die auf Serientäter spezialisiert ist. Benjamin Cors hat erneut einen spannenden Thriller mit düsterer Atmosphäre geschrieben, der mich schon im Prolog gefesselt hat.

Anders als „Krähentage“ und „Aschesommer“ beginnt der neue Fall mit einem Solo von Mila. Sie hat eine Auszeit genommen, um Toblach aufzuspüren und mehr über das Schicksal von Mathilda und Romy, den verschwundenen Mädchen, zu erfahren. Jakob, der jetzt alleiniger Leiter der Gruppe 4 ist macht sich Sorgen - mit Recht wie sich bald herausstellt. Kurz nach Milas Ankunft im Bergdorf geschieht ein schrecklicher Mord. Das Opfer wird makaber zur Schau gestellt. Eine Botschaft für Mila? Lucy von der Gruppe 4 hält regelmäßigen Kontakt zu ihrer beurlaubten Kollegin. Nach drei Wochen bricht die Verbindung plötzlich ab. Mila ist verschwunden, aber die bizarren Morde gehen weiter. Ein Amtshilfegesuch macht es möglich: Gruppe 4 ermittelt in Toblachs abgelegenem Bergdorf. Wird Mila gefunden?

Das großartige Setting hat mich sofort gefangen. Ein abgelegenes Dorf in den Bergen, mitten in einem düsteren Wald. Das ständige Kreischen aus dem Sägewerk, das die Ruhe stört und die Anwohner belastet. Nebel, Schnee und Kälte, die abweisend erscheinen, aber die Gegend zu einem hervorragenden Unterschlupf machen. Es erstaunt nicht, dass in dieser wilden, unwirtlichen Landschaft schreckliche Verbrechen begangen werden.

Mir hat es sehr gefallen, die Mitglieder der Gruppe 4 wiederzutreffen. Den nachdenklichen Jakob, den korrekten Ludger, den taffen Finnen Tuure, die schrille IT-lerin Lucy, den schroffen Max und die fürsorgliche Frauke. Dazu kommt Lasse, ein Neuzugang, der sich gut ins Team einfügt. Im Mittelpunkt steht in diesem Fall aber Mila Weiss. Sie hat ihre Albträume satt und will sich ihrem Dämon, also Toblach, stellen. Ihre Erfolgschancen sind gut, aber sie weiß nicht, was tatsächlich auf sie zukommt.

Benjamin Cors schafft es mühelos, den Spannungsbogen bis zum Showdown zu halten. Neben der düsteren Atmosphäre sorgen raffinierte Wendungen und verschiedene Erzählstränge für intensives Kopfkino. Speziell die bizarren Morde sind nichts für sensible Nerven. Nachdem sich eine vielversprechende Spur als nicht zielführend erweist, müssen die Ermittler sich neu sortieren. Jetzt gelingt es ihnen, die unterschiedlichen Handlungsabläufe zusammenzuführen. In einem packenden Showdown wird der Täter schließlich gestellt. Alle offenen Fragen werden beantwortet.

Der neue Fall der Gruppe 4 hat mir außerordentlich gut gefallen, sodass ich das Buch nur ungern aus der Hand legte. Er beinhaltet alles, was ich von einem spannenden Thriller erwarte. Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung und überlasse dem Autor das Schlusswort:

„Sie gehörten zur Gruppe 4, sie jagten Serienmörder. Mit großem Erfolg, aber auch mit hässlichen Narben, die alle im Team davontrugen. Jedes Mal. Weil das Böse einen nie unversehrt entließ.“

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Amalfi sehen und sterben?

Amalfi Mortale. Kein Urlaub ohne Mord
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Eleanor Dash begibt sich auf eine Lesereise nach Italien, die ihr Verlag organisiert hat. Grund dafür ist das 10-jährige Jubiläum ihres Bestsellers „In Rom“, der eine erfolgreiche Romanserie begründet ...

Eleanor Dash begibt sich auf eine Lesereise nach Italien, die ihr Verlag organisiert hat. Grund dafür ist das 10-jährige Jubiläum ihres Bestsellers „In Rom“, der eine erfolgreiche Romanserie begründet hat, die inzwischen neun Bände aufweist. Begleitet wird Eleanor von ihrer Schwester und Assistentin Harper sowie einigen Schriftstellerkollegen, Fans und der Hauptfigur ihrer Buch-Reihe, Conor Smith. Die Jubiläumsreise scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Zunächst behauptet Conor, dass mehrere Anschläge auf ihn erfolgt seien, dann wird Eleanor selbst beinah das Opfer einer heimtückischen Attacke. Befindet sich ein Mörder unter ihnen?

Catherine Mack kam die Idee zu „Amalfi mortale. Kein Urlaub ohne Mord“ auf einer Reise durch Italien. Ihre Protagonistin Eleanor erlebt Ferien der besonderen Art, auf die jeder gern verzichten kann. Der Cosy Crime ist leichte Lektüre, die meine Erwartungen nicht ganz erfüllt hat.

Wer will Conor umbringen? Dafür hat nahezu jeder der Reiseteilnehmer ein Motiv. Die Ex-Ehefrau, mehrere Verflossene, die Opfer seines misslungenen Anlagemodells oder Eleanor selbst? Die Bestsellerautorin möchte Conor jedenfalls im neuesten Band ihrer Erfolgsreihe sterben lassen und ihn so endgültig loswerden. Denn sie wird von ihm um 20 Prozent ihrer Tantiemen erpresst und hat es satt. Dann erfolgt ein Anschlag auf Eleanor und sie muss sich fragen, ob wirklich Conor das Ziel des Mörders ist oder sie selbst. Während sie noch grübelt, stirbt tatsächlich jemand aus ihrer Gruppe.

Eleanor ist eine erfolgreiche Autorin Mitte Dreißig, die nur bedingt sympathisch ist. Sie wirkt ziemlich chaotisch und wäre ohne Harper aufgeschmissen. Mir ist ein Rätsel, wie eine derart verpeilte Person jemals einen Roman beenden konnte. Einfühlungsvermögen und Aufmerksamkeit sind nicht ihre Stärke. Sie kreist hauptsächlich um sich selbst, aber bekennt sich immerhin zu ihren Lügen und Fehlern. Die anderen Charaktere bleiben etwas blass und ihre Beweggründe für die Reise sind nicht unbedingt nachvollziehbar.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Eleanor erzählt. Und damit sind wir bei den Fußnoten. Zunächst fand ich die Idee ganz charmant. Als direkte bzw. augenzwinkernde Kontaktaufnahme der Autorin mit ihrer Leserin. Aber 234 Fußnoten auf 395 Seiten sind, für mich jedenfalls, zu viel des Guten und stören den Lesefluss ziemlich.

Nach einer eher halbherzigen Tätersuche mit zahlreichen Wendungen werden schließlich Mörder und Motiv offen gelegt. Dabei entpuppt sich Eleanor teilweise als scharfsinnig, andrerseits wecken offensichtliche Ungereimtheiten ihren Argwohn nicht, wie die Tatsache, dass einer der Charaktere keinerlei Ahnung von seinem Job hat. Trotzdem sind Täter und Motiv schlüssig.

Insgesamt fand ich den Cosy Crime gut lesbar und mit wenig Gewalt auskommend, was ich grundsätzlich passend für dieses Genre finde. Gefehlt hat es mir an Humor und Spannung. Erst nach knapp zwei Dritteln des Romans geschieht der Mord. Bis dahin plätschert die Handlung vor sich hin, unterhaltsam zu lesen, aber wenig spannend. Auch das versprochene Lokalkolorit kommt etwas zu kurz.

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Die Taffe und der Schnösel

Léon und die Frau im blauen Kleid
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An der Côte d’Azur herrscht Hochbetrieb. Trotz des Ansturms der Touristen bleibt es bei der Polizei ruhig. Offensichtlich macht die Hitzewelle auch Verbrechern zu schaffen. So hat der Polizeipräfekt Zeit, ...

An der Côte d’Azur herrscht Hochbetrieb. Trotz des Ansturms der Touristen bleibt es bei der Polizei ruhig. Offensichtlich macht die Hitzewelle auch Verbrechern zu schaffen. So hat der Polizeipräfekt Zeit, Guillaume Hoch in den Ruhestand zu verabschieden. Dem leitenden Commissaire Léon de Cavallier macht es schwer zu schaffen, nach zehn Jahren seinen Partner zu verlieren. Hat er schon im Allgemeinen Probleme mit Menschen, so trifft dies auf Kollegen, mit denen er eng zusammenarbeitet erst recht zu. Der gemütlichen Brigadier Loïc Duval soll Hochs Position übernehmen. Doch die neueste Direktive aus dem Innenministerium beschert Léon Commissaire Nadia Bentaleb, die aus der Pariser Banlieue stammt, als neue Partnerin. Zwei Welten prallen aufeinander.

Mit „Léon und die Frau im blauen Kleid“ startet Alexander Oetker seine neue Côte d’Azur-Reihe. Das gegensätzliche Ermittlerduo und die malerische Kulisse, die Abgründe verbirgt, sorgen für spannende Unterhaltung mit High Society-Flair.

Wer ist die tote Schöne im eleganten blauen Kleid und wie kommt sie an den Stand von Nizza? Während sich Frage zwei mithilfe von Überwachungskameras und eines fähigen Ozeanologen schnell beantworten lässt, führt die Identifizierung des Opfers die Ermittler ins benachbarte Fürstentum Monaco. Dort erweisen sich Recherchen in den Kreisen der Superreichen als nicht einfach. Doch bald haben Nadia und Léon nicht nur Tatverdächtige für den Mord festgenommen, sondern auch Beweise für Korruption bei der Gendarmerie maritime entdeckt. Eine weitere Spur führt nach Nice-Nord, ins Drogenviertel von Nizza.

Gegensätzlicher können zwei Ermittler nicht sein. Léon, der schwerreiche Sproß einer alten Grafenfamilie, „begehrtester Junggeselle der Côte d’Azur“, der sich mit Luxus wie Ferrari, Millionenyacht und Rolex umgibt. Dagegen Nadia aus einfachsten Verhältnissen, aufgewachsen im schlimmsten Viertel des Pariser Banlieue, die eine Traumkarriere bei der Polizei hingelegt und sich gegen Drogendealer und andere Widrigkeiten durchgesetzt hat. Wie Kollege Loïc sagt „Ich weiß noch nicht, was das mit Ihnen beiden wird, aber ich kann mir vorstellen, dass es richtig gut wird. Oder es explodiert, und er wirft Sie sofort wieder raus. Alles ist möglich.“ Bald zeigt sich, dass die beiden ungleichen Commissaires deutlich mehr verbindet als gedacht. Überraschenderweise passt die Chemie und ihre Geplänkel sind köstlich. Außerdem ergänzen sie sich prächtig. Während er auf dem „Bal de l’été“ überzeugt, rettet sie beide aus der Hölle von Nice-Nord.

Alexander Oetker schreibt wie immer bildhaft, mit viel Lokalkolorit und Sachkenntnis. So ist es spannend zu lesen, wie die Dinge zwischen Monaco und Frankreich laufen, was die französische Polizei beachten muss, wenn sie dort ermitteln will oder wie ein Ozeanologe vom Fundort einer Leiche am Strand ausgehend, feststellen kann, wo diese ins Wasser gestürzt ist.

Der Fall entwickelt sich spannend und wendungsreich. Auf den Täter wäre ich nicht gekommen, aber die Auflösung ist logisch und passt. Am Ende entwickelt sich der Krimi in eine andere Richtung, die sich vorher schon angedeutet hat. Ich bin zuversichtlich, dass die „feministische Anarcho-Polizistin“ und der „größte Snob der Welt“ weiterhin ein effizientes Team bilden, ergänzt vom gemütlichen Loïc am Computer.

Oetkers neue Côte d’Azur-Reihe hat mich angenehm überrascht. Zwar hätte es für mich etwas weniger Glamour sein dürfen, aber das ist wohl dem Auftaktband geschuldet. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung „Léon und der König der Riviera“ und hoffe, dass dann Capitaine Dalmasso bekommt, was er verdient.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Mörderquote

Blind Date im Heu
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Revierinspektorin Marie Unterholzer freut sich auf den Jakobsweg. Morgen soll die Pilgerreise beginnen und ihr Rucksack ist gepackt. Doch daraus wird nichts, denn in Marienschlag ruht das Verbrechen nie. ...

Revierinspektorin Marie Unterholzer freut sich auf den Jakobsweg. Morgen soll die Pilgerreise beginnen und ihr Rucksack ist gepackt. Doch daraus wird nichts, denn in Marienschlag ruht das Verbrechen nie. Zum Auftakt der neuen trashigen Kuppelshow „Blind Date im Heu“, die ausgerechnet in Maries Heimatdorf stattfindet, gibt, es einen Toten. Einer der „Stadl-Prinzen“, wie die liebeshungrigen Mitspieler genannt werden, bricht vor laufender Kamera tot zusammen. Ermitteln statt pilgern ist für Marie angesagt.

Herbert Hirschler nimmt den Leser in "Blind Date im Heu" zum zweiten Mal ins malerische Alpenvorland mit. Herausgekommen ist eine originelle Krimi-Komödie für alle, die schwarzen Humor und österreichisches Flair schätzen.

Obwohl der Marienschlager Arzt Dr. Speckhammer einen Herzinfarkt diagnostiziert, wird der Tod von Ewald Schachinger, dem zweifachen Landesmeister im Bodybuilding, als verdächtig eingestuft. Marie ermittelt im Dorf und bei den Fernsehleuten. Doch anscheinend hatte niemand ein Motiv, den Ewald zu ermorden. Während die Ermittlungen noch andauern, wird die alte Bäuerin Dorothea Flonner tot in ihrem Kuhstall gefunden. Auch sie starb durch eine Gewalttat. Als noch ein weiteres Mordopfer im Umfeld der Kuppelshow auftaucht, schlägt die Stunde des LKA.

Die sympathische Marie ist eine engagierte Polizistin, die geradlinig und durchsetzungsfähig ermittelt. Sie kann sich auf ihr Bauchgefühl verlassen und ruht nicht, bevor ein Verbrechen aufgeklärt ist. Als eine gute Freundin unter Verdacht gerät, lässt sie sich nicht beirren. Computer-Nerd Tobi und die gelangweilte Künstlergattin Janine unterstützen Marie tatkräftig. Auch die anderen Charaktere sind bodenständig und überzeugen.

Mit seinem neuen Fall nimmt der Autor das Reality-TV-Genre ins Visier. In kurzen Kapiteln erfahren wir, wie mit jedem weiteren Toten die Quoten durch die Decke schießen. Die Fernsehleute verhalten sich nur vermeintlich pietätvoll. Sie geben alles für höhere Einschaltzahlen. Da fließt der Alkohol in Strömen, Schnulzen und Flachwitze sorgen für Stimmung und selbst die privateste Szene wird vor die Kamera gezerrt und live dem voyeuristischen Zuschauer präsentiert. Alles bestürzend nah an der Realität.

Herbert Hirschler schildert das Geschehen so bildhaft und glaubwürdig, da steckt garantiert Insiderwissen dahinter. So kommt es zu teilweise entlarvenden aber auch witzigen Szenen, ohne dass die Geschichte in Klamauk ausartet. Der Kriminalfall wird dabei nicht vernachlässigt und der Spannungsbogen hält bis zuletzt. Nicht nur Maries Chef Hans Schlurf sieht sich mit mehr als einem Tatverdächtigen konfrontiert. Schließlich wird der Fall aufgeklärt, ohne dass ich dem Täter auf die Spur gekommen bin. Die Einteilung nach Wochentagen und die kurzen Kapitel passen gut, allerdings fand ich manche Info zu knapp. So blieben ein, zwei Fragen am Ende offen. Insgesamt ist der Krimi unterhaltsam und witzig. Für Liebhaber von Cosy Crime mit österreichischem Alpenflair und Trash-TV kritischen Untertönen unbedingt empfehlenswert.

Das Glossar am Buchende hilft allen, die mit dem Dialekt Probleme haben. Ein Hinweis darauf wäre am Krimistart sinnvoll.

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