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Sigrid1

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.07.2019

Ermittlungen mit Familienanhang

Comisario Benitez und der Mord am Strand
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In dem schönen Ort Marbella geht der Comisario Benitez mit seinem Team auf Verbrecherjagd. Diesmal muss er einen Mord aufklären. Er hat eine gute Truppe, wobei die Personen alle sehr verschieden sind. ...

In dem schönen Ort Marbella geht der Comisario Benitez mit seinem Team auf Verbrecherjagd. Diesmal muss er einen Mord aufklären. Er hat eine gute Truppe, wobei die Personen alle sehr verschieden sind. Da ist seine neue Kollegin Paula. Sie kann er noch nicht so richtig einschätzen. Aber sie ist eine gute Ergänzung im Team. Es treffen hier wirklich sehr verschiedene Charakteren aufeinander. Aber das passt alles gut und ich finde sie auch sehr sympathisch. Pablo Benitez hat es diesmal wirklich nicht leicht. Denn ein Verdächtiger ist sein Neffe. Und das bringt natürlich die ganze Familie auf den Plan. Und diese ist sehr groß und hat vor allem sehr dominante Frauen. Das bekommt er auch zu spüren. Mir war das vermehrte Auftreten der Damen doch zuviel, denn sie waren immer am heulen und schimpfen. Es hat mich etwas gestört. Das war zuviel. Auf der anderen Seite haben wir dadurch natürlich den sehr starken Familienhalt kennengelernt. Das hat aber unseren Comisario nicht so sehr beeinflußt und er hat bei seiner Arbeit einige Dinge aufgedeckt. Es ist nicht so sehr die Spannung, sondern die besondere Art und Weise, wie der Comisario ermittelt, die den Krimi so gut machen. Er agiert manchmal wie nebenbei und lässt sich nicht beirren. Es werden hier auch verschiedenen aktuelle Themen zum Tragen kommen. Das fand ich sehr gut. Allerdings waren mir die Kapitel oft zu kurz. Das hat meinen Lesefluss etwas gehemmt. Aber nicht destro trotz habe ich das Geschehen sehr interessiert verfolgt. Denn es wird einem nicht so einfach gemacht. Es gibt einige Ereignisse, die manchmal auf Abwege führen und täuschen. Aber ich bin überrascht, wie sich die Dinge weiter entwickeln und die Auftklärung des Falles war dann doch noch eine Überraschung. Dieser Krimi lässt sich sehr gut lesen und man kann eine gute Lesezeit mit ihm verbringen. Man wird gut ins Geschehen gezogen und kann alles nachvollziehen. Die Personen wachsen einem ans Herz, denn man erfährt ja sehr viel über ihre Privatleben. Es ist eine sehr angenehme Lektüre mit leichter Spannung, viel Familie und das ganze in einer schönen Umgebung. Mir hat es Spaß gemacht und ich möchte auch gerne noch weitere Fälle um den Comisario Benitez erleben.

Veröffentlicht am 27.06.2019

die wahre Welt der Barmherzigkeit

Auf den zerbrochenen Flügeln der Freiheit
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In dem Buch erfährt der Leser durch die Erfahrungen drei junger Frauen von den schrecklichen Machenschaften der kathl. Magdalenen-Wäschereien, den sogenannten "Gottes Schwitzbuden" in Irland. Die junge ...

In dem Buch erfährt der Leser durch die Erfahrungen drei junger Frauen von den schrecklichen Machenschaften der kathl. Magdalenen-Wäschereien, den sogenannten "Gottes Schwitzbuden" in Irland. Die junge Nonne Rose wird von ihrem Orden sozusagen in das Magdalenen-Kloster in Dublin "starfversetzt". Da sie sich doch zu sehr für ihre Schützlinge im bisherigen Kloster eingesetzt hat.
Fiona dagegen wird auf der Flucht mit ihrem Freund vor einer Zwangsheirat, von der Familie verfolgt, gefunden und als Strafe in das Kloster in Dublin gebracht. Dort soll sie Buße tun und bereuen.
Cindy dagegen kommt als ledige Mutter erstmal freiwillig ins Kloster. Man will ihr dort Zeit geben, sich wieder auf den richtigen Weg im Leben zu begeben und ihr ihren Sohn später wiedergeben.
Auch wenn Rose nicht auf der selben "Seite" wie die beiden anderen Frauen landet, kommen sie aber in eine irdische Art der "Hölle". Die Einrichtung, zum Wohle von "gefallenen" Frauen und Mädchen, soll ihnen Demut und Gehorsam lehren. Und außerdem hat so das Kloster kostenlose "Sklavinnen" für die Arbeit in der Wäscherei. Die Zustände dort sind brutal und scheußlich. Dem Leser werden die Zustände sehr detailliert geschildert. Die Frauen werden unter unsäglichen Zuständen dort festgehalten und müssen Schwerstarbeit leisten. Abgeschottet von der Umwelt werden die Frauen dort wie Sklavinnen ohne Rechte behandelt.
Man kann es nicht glauben, denn auch wenn die Handlung hier in einem fiktiven Romanablauf geschildert werden, so sind die Wäschereien und ihre Arbeitsmethoden und Lebensbedingungen reale Ereignisse. Die Schicksale der hier erzählten Lebensgeschichten von Fiona, Rose und Cindy sind fiktiv, aber eingebettet in tatsächliche Begebenheiten der Magdalenen-Wäschereien. Man ist beim Lesen schockiert von den geschilderten Zuständen und den Übergriffen der Priester auf die Frauen. Die Sympathie liegt natürlich bei den betroffenen Frauen, die dort leben mussten. Es ist aus heutiger Sicht unvorstellbar, das diese jahrzehntelange Praxis bekannt war und ohne Konsequenzen blieb. Allerdings sind dort einige Dinge auch nur möglich, weil die allgemeine Ansicht über die Stellung der Frau in der Gesellschaft keinen Raum für die Selbstbestimmung der Frau gab. Auch das ist ein Thema in dem Roman. Es ist immer wieder sehr positiv, wenn man sich der Stärke der drei Frauen bewußt wird. Sie schaffen sich gegen alle Widrigkeiten ein neues Leben aufzubauen.
Ein anderer Punkt in dem Buch ist die Geschichte der Irisch Republikanischen Bruderschaft - IRB. Auch hier wird der Leser durch die Geschichte der drei Frauen und des jungen Mannes an das Thema herangeführt. Und gerade der Aufstand am Ostermontag 1916 wird thematisiert.
Das Buch ist sehr gut und erklärend geschrieben. Manchmal wünscht man sich nicht alles so klar vor Augen zu sehen. Aber es rüttelt auf und man wird aus seiner Komfortzone gebracht. Es ist besonders gut, das gerade die Darstellung in einem Roman verarbeitet wurde. Denn dadurch wird eine größe Anzahl an Menschen erreicht als durch ein reines Sachbuch.
Trotz des schlimmen Themas ist es, gerade durch die Lebensgeschichte der Protagonisten, die wir über einen großen Zeitraum ihres Lebens begleiten durften, ein sehr lesenswertes Buch. Im Nachwort wird man dann auch über die Fakten der Magdalenen-Wäschereien informiert.
Zum Schluß wünscht man sich nur, das solche Dinge sich nicht wiederholen. Und das es immer Autorinnen wie Rebecca Michéle gibt, die Missstände auch in der Form eines Romans, der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Veröffentlicht am 02.06.2019

ein sehr aktuelles Thema auf besondere Art dargestellt

Mengele Zoo
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Dieser Roman um den Jungen Mino, der im Regenwald aufwächst und wegen der Ausbeutung der Natur durch die Ölgesellschaften, nicht nur seine Heimat sondern seine ganze Familie verliert. Er überlebt und auf ...

Dieser Roman um den Jungen Mino, der im Regenwald aufwächst und wegen der Ausbeutung der Natur durch die Ölgesellschaften, nicht nur seine Heimat sondern seine ganze Familie verliert. Er überlebt und auf seine spezielle Art und Weise geht er seinen Weg. Er überlebt im Regenwald und er findet immer wieder Menschen, die ihm Unterschlupf und Hilfe gewähren. Aber nicht der Mensch ist nur seine Rettung, sondern er erlebt eine tiefe Verbundenheit zur Natur und deren ganze Lebensstruktur. Er erkennt, was für schreckliche Dinge in seinem Land, aber nicht nur dort, vor sich gehen. Der Mensch als Herrscher über alles Leben und seine Verbrechen daran.
MIno ist eine sehr starke Persönlichkeit. Wir erleben seinen Weg vom Kind zum Mann und seiner stärker werdenden Wut auf die Zerstörer der Natur. Als Leser fühlt man mit ihm und versteht auch die Motivation für die spätere Vorgehensweise von ihm und seinen Freunden. Mino ist sehr intelligent und lernt viel und das nicht nur aus den Büchern. Er beobachtet und studiert die Menschen und ihr Verhalten. Auf seinem Weg trifft er auf gleichgesinnte Menschen und zusammen gehen sie einen sehr umstrittenen Weg, um den Menschen ihr zerstörerisches Tun vor Augen zu halten. Es ist sehr interessant zu verfolgen, wie genau sie dabei vorgehen. Sie verlieren ihr Ziel nicht aus den Augen und sind sehr gewissenhaft dabei. Jeder der Protagonisten hat eine besondere und unterschiedliche Geschichte. Aber ein gemeinsames Ziel. Sie sind klug und erfinderisch. Und durch Mino sind sie auch ohne Geldsorgen. Denn auch sie könnten ihrer Ziele nicht erreichen, ohne die nötigen Geldmittel zu haben. Als Leser versteht man ihre Beweggründe und kann es nachvollziehen. Und bis zu einem gewissen Punkt auch aktzepieren. Aber auch hier stellt sich dann die Frage: Wie weit darf man gehen ? Was ist wirklich noch zu verantworten und was geht einfach zu weit ? Und das ist das Spannende an dem Buch. Der Leser erlebt Mino und leidet mit ihm. Man kann das Handeln der Gruppe nachvollziehen. Aber dann.... man kommt ins Grübeln und wird nicht nur mehr ins Geschehen im Buch gezogen, sondern jetzt wird man tief in seine Gewissen einsteigen müssen, um zu entscheiden, was richtig und was falsch ist. Das falsche Handeln der Umweltzerstörer ist klar zu erkennen, aber was ist mit dem Verhalten der Gruppe um Mino ? Ich fand das Buch sehr gut. Es zeigt die Zerrissenheit der Menschen auf. Der Lebensstandard soll gehalten und verbessert werden, aber für welchen Preis. Das Buch ist sehr gut zu lesen, auch wenn die meisten sich ja in einer fremden Welt und deren Lebensweise wiederfinden. Aber gerade das macht es so spannend. Man wird in eine fremde Lebensweise und Überlebensweise geführt. Es ist alles sehr autentisch und klar dargestellt. Man sieht alles sofort vor sich. Man fiebert und fühlt mit und gerät in Konflikte. Die Schilderungen der Natur ist sehr detailreich. Ich finde, es ist ein sehr interessantes Buch mit einem sehr guten Bezug zur Realität. Es regt zum Nachdenken an und bringt Diskussionen hervor. Ein außergewöhnliches Buch und es sollte sehr viele Menschen zum Nachdenken bringen.