Cover-Bild Jeanie und Julius
(4)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kjona Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 336
  • Ersterscheinung: 15.04.2024
  • ISBN: 9783910372238
Claire Fuller

Jeanie und Julius

Roman. Über ein einfaches Leben in einem englischen Cottage
Andrea O'Brien (Übersetzer)

Wiltshire, im Südwesten Englands: Die Zwillinge Jeanie und Julius leben mit ihrer Mutter Dot am Rande der Gesellschaft in einem windschiefen Cottage. Jeanie kann nicht lesen und nicht schreiben, im Dorf verkauft sie, was sie in ihrem wilden Garten anbaut.Julius kämpft sich mit Gelegenheitsjobs durch. Ihr Leben ist einfach, sie haben nicht viel, aber was sie haben, gehört ihnen. Doch dann stirbt Dot und es kommen Geheimnisse über das Cottage, den Vater und Jeanies schwaches Herz ans Licht, die das Leben der Zwillinge seiner Einfachheit berauben.

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.05.2024

Was für eine fesselnde Geschichte

0

Jeanie war sechzehn als sie die Schule ohne Abschluss verließ. Das rheumatische Fieber hatte sie erwischt und die Bakterien ihr Herz nachhaltig geschädigt. Ihre Mum Dot berschwor sie immer wieder, sich ...

Jeanie war sechzehn als sie die Schule ohne Abschluss verließ. Das rheumatische Fieber hatte sie erwischt und die Bakterien ihr Herz nachhaltig geschädigt. Ihre Mum Dot berschwor sie immer wieder, sich zu schonen und so häuften sich die Fehlzeiten. Sie hatte sich von Dot zeigen lassen, wie man den Garten bewirtschaftet. Ein paar Hühner wurden angeschafft, und dank den Gelegenheitsarbeiten ihres Bruders Julius hielten sie sich gerade so über Wasser. Doch dann fand Jeanie Dot auf dem Küchenfußboden, tot. Die Geschwister haben kein Geld, um Dot zu beerdigen. Derweil bahren sie sie auf einer Holztüre im Wohnzimmer auf, um eine Lösung zu finden.

Am nächsten Tag steht Rawsons Frau vor der Tür. Rawson gehört das heruntergekommene Cottage in dem sie schon so lange wohnen und Jeanie hasst ihn. Jetzt will seine Frau zweitausend Pfund Mietrückstände eintreiben. Jeanie weiß jedoch, dass sie mietfrei wohnen, weil Rawson ihren Vater auf dem Gewissen hat. Zumindest war das die Version, die Dot ihnen erzählt hat. Ihr Bruder hätte die Rawson sicher hinhalten können, doch der ist in den Ort hinuntergeradelt, um den Arzt zu rufen, damit er den Totenschein ausstellt.

Dots beste Freundin Bridget ist eine der Arzthelferinnen und erfährt so vom Tod ihrer Freundin. Sie bietet Jeanie an, sie in die Stadt zu fahren, um weitere Papiere zu beantragen. Auf der Fahrt erfährt die verzweifelte Jeanie, dass Dot sich von Bridgets Mann Geld geliehen hat. Die nächsten Tage allerdings, werden Jeanies Herz erst richtig auf die Probe stellen.

Fazit: Was für eine fesselnder Ideenreichtum. Was für ein Drama. Die Autorin erzählt diese Geschichte, die immer schlimmer wird völlig unprätentiös. Sie reiht verschiedene Szenen aneinander, bis ein angemessen glaubhaftes Elend fassbar wird. Sie lässt Bilder entstehen und führt mich mitten hinein, in dieses Leben, die marode Wohnsituation, die feindlich gesinnten Menschen, Armut, Verlust und Verzweiflung. Ich leide mit Jeanie und Julius mit, frage mich, wann der Albtraum endlich aufhört, hoffe, bange und zürne. Die letzten 50 Seiten beschenkt mich die Autorin dann mit einer Kehrtwende, die so viel Leichtigkeit und Lebensfreude mit sich bringt, dass sie imstande ist, meine Traurigkeit aufzulösen. Danke für dieses emotionale Feuerwerk.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.06.2024

Sehr authentisch und große Gefühle

0

JEANIE UND JULIUS
Claire Fuller

Dot, die noch immer mit ihrer 51-jährigen Tochter Jeanie in einem Bett schläft, steht auf, stolpert, schlägt sich den Kopf an dem alten Ofen an und ist auf der Stelle tot.
Als ...

JEANIE UND JULIUS
Claire Fuller

Dot, die noch immer mit ihrer 51-jährigen Tochter Jeanie in einem Bett schläft, steht auf, stolpert, schlägt sich den Kopf an dem alten Ofen an und ist auf der Stelle tot.
Als die Zwillinge Jeanie und Julius sie später finden, stellt sich nach dem ersten Schock die Frage, wovon sie die Beerdigung bezahlen sollen. Das Cottage, in dem sie leben ist alt, baufällig, ohne sanitäre Anlage und fließendem heißen Wasser.
Julius schlägt sich mit ein paar Gelegenheitsjobs durch und Jeanie konnte wegen ihres früh erkannten rheumatischen Fiebers nie arbeiten gehen. Ihre Schule brach sie ohne Abschluss als 16-Jährige ab. Kaum jemand weiß, dass sie weder lesen noch schreiben kann.
Sie leben von dem, was sie im Garten anbauen und dem Feinkosthändler verkaufen können.
Kaum das sich Dots Tod herumgesprochen hat, steht die Frau ihres Vermieters in der Tür. Sie möchte die versäumten Mietschulden in Höhe von zweitausend Pfund eintreiben. Und auch von Stu, dem Ehemann ihrer besten Freundin, hatte sich ihre Mutter Geld geliehen.
Was hat Dot verschwiegen und wo ist das Geld geblieben?
Jeanie und Julius geraten in eine Spirale aus der es fast keinen Ausweg gibt.

Das Setting des Buches hat mir unglaublich gut gefallen. Schnell ist man in dieser Geschichte und leidet ein wenig mit den Zwillingen, denen ich so gerne mit Rat und Tat zur Seite gestanden hätte.
Während das Buch auf den ersten 150 Seiten vor sich dahinplätschert, nimmt das Buch in der zweiten Hälfte eine Fahrt auf, in der ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte …

Fazit:
Ein sehr authentisches Buch, das ein wenig braucht, bis es sich richtig entfaltet. Traurig, fein mit großen Gefühlen.
4/ 5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2024

Elegie

0

Jeanie und Julius (im Original Unsettled Ground) ist der vierte Roman der englischen Schriftstellerin Claire Fuller und erzählt von 2 Menschen, die jahrzehntelang ein nahezu abgeschiedenes Leben auf einem ...

Jeanie und Julius (im Original Unsettled Ground) ist der vierte Roman der englischen Schriftstellerin Claire Fuller und erzählt von 2 Menschen, die jahrzehntelang ein nahezu abgeschiedenes Leben auf einem Cottage nur mit ihrer Mutter geführt haben.
Das ändert sich, als die Mutter der Zwillinge stirbt. Aber sie bleiben Außenseiter. Es gibt geheimnisvolles. Spät im Buch erfährt man mehr.
Psychologisch hat mich der Plot und die Figurenentwürfe aber nicht überzeugt.
Es ist ein atmosphärisches Buch, teilweise verstörend. Wenn man sich ganz auf den Roman einlässt empfindet man eine Welle der Melancholie.

Veröffentlicht am 15.01.2025

Wichtige Perspektive, doch ziemlich zäh erzählt

0

Ich bin großer Fan des Verlags, doch mit „Jeanie und Julius“ war ich leider nicht wirklich glücklich.

Die Erzählperspektive rund um ein finanziell armes Geschwisterpaar in ihren Fünfzigern, die nach dem ...

Ich bin großer Fan des Verlags, doch mit „Jeanie und Julius“ war ich leider nicht wirklich glücklich.

Die Erzählperspektive rund um ein finanziell armes Geschwisterpaar in ihren Fünfzigern, die nach dem Tod der Mutter zwischenzeitlich in die Obdachlosigkeit rutschen, ist eine so wichtige. Und auf der einen Seite finde ich die zermürbende Not und Trostlosigkeit sehr gut eingesetzt, weil sie wohl die Realität gut abbildet. Doch war das Lesen dadurch auch sehr anstrengend und streckenweise zäh. Vielleicht hätten 100 Seiten weniger dem Buch gut getan.

Abgesehen davon haben mich die beiden Protas fast durchgängig so genervt. Sowohl Jeanie als auch Julius fand ich nämlich überwiegend unsympathisch und ihre Handlungen wenig nachvollziehbar. Ich konnte nicht verstehen, warum Jeanie so viel lügt, nur um Hilfe nicht annehmen zu müssen, und warum Julius seiner Schwester gegenüber mal herablassend und unehrlich, mal zugewandt und beschützend begegnet. Beim Lesen fühlte ich mich konstant in eine ferne Vergangenheit versetzt, obwohl die Handlung in der Gegenwart spielt. Wenn das von der Autorin beabsichtigt war und sie so das Zurückbleiben der beiden hinter der Mehrheitsgesellschaft abbilden wollte, ist das gut gelungen. Mich hat es immer mal wieder irritiert.

Ich finde es wirklich schwer, das Buch zu bewerten, weil ich selbst aus einer sehr privilegierten Position heraus spreche. Und soweit ich es einschätzen kann, war die Darstellung eines solchen Lebens authentisch. Mich hat das Lesen eher heruntergezogen und vielleicht soll das auch so sein, aber dessen muss mensch sich dann wohl vorher bewusst werden. Zudem wird das im Klappentext erwähnte Familiengeheimnis doch ziemlich langsam enthüllt, was für mein Empfinden das Zähe im Buch erneut unterstreicht.

Mich störte dann auch das Ende ziemlich, bei dem eine für mich nicht nachvollziehbare Charakterentwicklung stattgefunden hat. Tatsächlich fand ich die letzten 30 Seiten wirklich gut, weil ich eine Figur endlich greifen konnte, aber es fühlte sich im Vergleich zum vorherigen Erzähltempo gehetzt und unorganisch an. Diesen Wechsel hätte ich mir deutlich früher gewünscht. So war es für mich ein eher anstrengendes Buch mit einer guten Grundlage, aber wenig emotionaler Greifbarkeit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere