Familiendrama
Als Anna zurück in ihr Heimatdorf kehrt, weil ihre Mutter gestorben ist, wird sie von düsteren Erinnerungen geflutet. Vor 30 Jahren (sie war zwölf, ihre Schwester fünfzehn) verschwand ihre Schwester spurlos. ...
Als Anna zurück in ihr Heimatdorf kehrt, weil ihre Mutter gestorben ist, wird sie von düsteren Erinnerungen geflutet. Vor 30 Jahren (sie war zwölf, ihre Schwester fünfzehn) verschwand ihre Schwester spurlos. Die Familie brach danach auseinander und Anna zog nach ihrem Schulabschluss zunächst nach London, später nach Griechenland. Da es sie sich nicht nur um den privaten, sondern auch um den unerwartet umfangreichen geschäftlichen Nachlass ihrer Mutter kümmern muss, bleibt sie länger als geplant. Beim Wühlen im Leben ihrer Mutter kommen schmerzhafte Erinnerungen auf, aber auch neue Erkenntnisse ...
Erzählt wird auf zwei Zeitebenen: 1982 und jetzt. Anna bewunderte ihre schöne, coole, beliebte Schwester und war ziemlich besitzergreifend. Einige Wochen vor dem Verschwinden ihrer Schwester war die Stimmung zuhause wegen einiger Konflikte angespannt, Anna hat jedoch kaum etwas Konkretes mitbekommen. Ihre behütenden Eltern haben sie ausgeschlossen, da sie die Zwölfjähre nicht mit schwierigen Themen belasten wollten. Dann war da noch die beste Freundin ihrer Mutter: Anna konnte die allgegenwärtige, dominante Frau nicht leiden, die wohlmeinend sowie tatkräftig hilfsbereit war. Und auch jetzt ist sie ständig da: klopft an, will unterstützen, mischt sich ein, macht kryptische Andeutungen ...
Es gibt zudem einige Dorfbewohner, die damals mehr oder weniger indirekt mit dem Verschwinden von Annas Schwester in Verbindung gebracht wurden, zu Recht?
Die vielen offenen Fragen, die interessanten Charaktere bzw. die Dynamik zwischen ihnen, die melancholische Grundstimmung und der atmosphärische, stellenweise subtil poetische Schreibstil haben mich gefesselt, obwohl es sich bei “Lost Sister” um einen eher ruhigen Spannungsroman handelt, der sich Zeit nimmt, die Gegebenheiten zu entfalten.
Da auf dem Cover Roman steht habe ich keine temporeiche, nervenaufreibende Spannung erwartet, die Beschreibungen von Annas Innenleben und die der Umgebung waren mir dennoch manchmal ein bisschen zu ausführlich bzw. Redundant, sodass ich nicht 5 Sterne vergeben, obwohl ich “Lost Sister” insgesamt absolut lesenswert finde!