Zu viele perspektivische und zeitliche Sprünge
"Cinema Love" zeigte das Leben homosexueller Männer und ihrer nicht homosexuellen Partner auf einer ganz neuen Ebene.
Tangs Debütroman ist eindrücklich und besonders. Am Anfang steht das Leben in China. ...
"Cinema Love" zeigte das Leben homosexueller Männer und ihrer nicht homosexuellen Partner auf einer ganz neuen Ebene.
Tangs Debütroman ist eindrücklich und besonders. Am Anfang steht das Leben in China. Dort, wo Homosexualität nicht gerne gesehen wird und wurde. Ein Outing hatte Ausgrenzung zur Folge. Die Männer treffen sich im Arbeiterkino. Dort erleben sie, was Cinema Love ist. Doch Rückzugsorte für queere Menschen standen schon immer unter besonderer Beobachtung. Die Männer verlieren ein Stück ihrer Existenz, ein Stück ihrer Identität.
Die Geschichte erlebt einen Cut. Das Land in dem alles möglich ist: In Amerika wird soviel versprochen, doch die Realität zeigt nur Elend und Schufterei. Der Hauptteil ist geschrieben aus der Sicht der Frauen der homosexuellen Männer. Sie verfolgen ihre ganz eigenen Ziele, haben besondere Partnerschaften. Ist das Leben mit dem homosexuellen Pendant die große Liebe? A- oder ebenfalls Homosexualität? Oder waren es Ehen für die Green Card? Die Sichtweise wechselt fließend. Durch fehlende Orientierung in den Kapitelüberschriften, wusste ich oft nicht, ob ich mich nun in der Gegenwart - der Coronazeit - oder der Vergangenheit - ab 1970 - befand. Und welche Perspektive wird gerade erzählt? Dies störte ungemein den Lesefluss und sorgte für Verwirrung.
Zunächst war es spannend, die einzelnen Frauen kennenzulernen. Jedoch verlor sich das Buch in der Mitte in weniger relevanten Geschichten und so verlor ich im Mittelteil meine Aufmerksamkeit und Lust. Gegen Ende wurde es dann wieder spannend, als die Fäden zusammenführten. Teilweise fiel der homosexuelle Aspekt hinten weg und der Fokus lag auf dem Elend der Einwandererklasse. Wichtig, doch hier hätte der Fokus mehr auf dem Innenleben der homosexuellen Männer liegen können.
Der Einblick in die Geschichte homosexueller Männer war spannend, lehrreich. Es eröffnete mir eine neue Perspektive, einen Teil der Geschichte und ich musste mich auf eine besondere Art und Weise mit dem Thema auseinander setzen. Es ist keine leichte Lektüre. Vieles ist vielleicht durch die Übersetzung verloren gegangen.