Marie von Ebner-Eschenbach und die Macht der Worte. Roman | Die berührende und inspirierende Geschichte einer Frau, die an ihrem Traum festhält
1847. Die Komtesse Marie Dubsky soll in enggeschnürten Kleidern Tänze für ihr Debut in der Wiener Gesellschaft einüben, doch sie galoppiert lieber mit ihrem Schimmel über die Ländereien der Familie. In einer Waldhütte hat sie Bücher und Schreibutensilien versteckt. Seit sie denken kann, will Marie Schriftstellerin werden.
Ihre Schreibversuche stoßen in der Familie auf Ablehnung, aber auch auf Sorge. Denn Marie hat eine spitze Feder und beunruhigend fortschrittliche Gedanken
. Einzig Cousin Moriz, den sie sich selbst zu ihrem zukünftigen Ehemann auserkoren hat, unterstützt sie zunächst. Doch dann bedroht ihr mutiger Drang, sich öffentlich zu Wort zu melden, auch ihr Liebesglück ...
Ihre Mutter starb bei Maries Geburt und auch die zweite Frau des Vaters überlebte die Niederkunft einer Tochter nicht. Die neue Frau an der Seite des Vaters, liebevoll Maman genannt, hat nicht viel Verständnis ...
Ihre Mutter starb bei Maries Geburt und auch die zweite Frau des Vaters überlebte die Niederkunft einer Tochter nicht. Die neue Frau an der Seite des Vaters, liebevoll Maman genannt, hat nicht viel Verständnis für die Wünsche der lebhaften Marie. Die mag es nämlich gar nicht, wenn jemand sie in ein enges „Korsett“ zwängen möchte. Leider war es damals üblich, dass junge Damen dazu angehalten wurden, möglichst rasch und am besten „günstig“ zu heiraten. Also mit einem jungen Mann, der Geld hatte und nach Möglichkeit auch noch einen Adelstitel trug. Marie wollte Schriftstellerin werden und darüber hinaus nur aus Liebe heiraten. Nein, sie mochte es nicht, wenn sie irgendwelchen Grafensöhnen schöne Augen machen sollte. Das gefiel weder ihrem Vater noch ihrer Maman.
Welch eine herzerfrischende Frau. Sie durchbrach die Etikette und heiratete einen Mann, der ihr gefiel. Dabei achtete sie nicht auf Äußerlichkeiten oder gar Reichtum. Sie schätzte besonders, dass Moritz sie nie einzwängte und ihren Willen stets akzeptierte. Er liebte sie so, wie sie war und tröstete sie, wenn die Kritiken an ihren Stücken gar zu grausam daher kamen.
Ich hatte zwar den Namen gehört aber nie ein Buch von ihr gelesen. Durch diesen Roman war Marie von Ebner-Eschenbach mir so nah, dass ich sie schätzen lernte. Sie war ein Freigeist und verabscheute Standesdünkel. Ließ sich nicht einzwängen und die Meinung der Menschen waren ihr egal. Nein, das Cover gefiel mir nicht wirklich, der Inhalt des Buches aber umso mehr. Ich gebe eine ausdrückliche Leseempfehlung.
Der Roman „Die Eigensinnige. Marie von Ebner-Eschenbach und die Macht der Worte“ von Lucca Müller
Als ich erfahren habe, dass es in der Lesejury des Bastei-Lübbe-Verlags eine Leserunde geben wird zu Lucca ...
Der Roman „Die Eigensinnige. Marie von Ebner-Eschenbach und die Macht der Worte“ von Lucca Müller
Als ich erfahren habe, dass es in der Lesejury des Bastei-Lübbe-Verlags eine Leserunde geben wird zu Lucca Müllers Roman „Die Eigensinnige. Marie von Ebner-Eschenbach und die Macht der Worte“ war ich sofort begeistert. Schon lange habe ich eine gute Erinnerung an die Erzählung „Krambambuli“ von Marie von Ebner-Eschenbach. Der erste Satz dieser Tiergeschichte sitzt fest bei mir, in meinem Herzen: „Vorliebe empfindet der Mensch für allerlei Gegenstände, Liebe, die echte, unvergängliche, die lernt er - wenn überhaupt – nur einmal kennen.“ Diese Schriftstellerin hat eine gute Beobachtungsgabe und ein sehr feines Mitgefühl mit dem leidenden Tier, das zwischen zwei Herren hin und hergerissen ist. Marie von Ebner-Eschenbach lebte von 1830-1916. Sie hat das lange 19. Jahrhundert und auch die beginnende Industrialisierung erlebt. In dieser Zeit änderte sich vieles, auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft.
Nun habe ich tatsächlich an der Leserunde teilnehmen können und habe das Buch mit Freude gelesen. Es ist eine gut gelungene, im Ganzen sehr stimmige Erzählung über das Leben der Marie von Ebner-Eschenbach etwa von 1847 bis 1884. Sie hatte schon früh den Entschluss, Schriftstellerin zu werden. „Ich will aber schreiben!“, rief sie. „Es gehört zu mir! Warum sollen Frauen das nicht dürfen, Männer aber schon?“ (S.89)
Aber der Weg bis dorthin sollte ein mühsamer, schwieriger Weg werden. Der Schmerz, dass die Ehe kinderlos blieb, nagte oft an ihr. Auch eine Kur verhalf nicht zum erwünschten Kind. Anerkennung in der noch von Männern sehr bestimmten Welt der Literaten des 19.Jh. wird der jungen Frau von Franz Grillparzer dennoch gewährt. Er ermutigte sie. Als der Erfolg sich nicht gleich einstellt, gibt sie nicht auf. Beharrlich und treu verfolgt sie ihr Ziel. Ein Verbot ihres Mannes zu Schreiben und auch eine Belästigung durch den Burgschauspieler Lewinsky bringen sie nicht von ihrem Weg ab. Als ihr Mann, der im Rang eines Feldmarschall-Leutnant beim Militär Dienst tut, schließlich pensioniert wird, kann auch sie sich ohne die Zwänge der Gesellschaft freier bewegen und schreiben. Sie hat mit „Lotti die Uhrmacherin“ Erfolg und auch ihre Novelle „Krambambuli“ wird besonders gewürdigt. Noch heute ist sie eine Schullektüre.
Im 2. Kapitel des vorliegenden Buches gibt es eine Episode, die ähnlich wie in „Krambambuli“ ist. Wolfi, ein junger Hund wird hin- und hergerissen zwischen zwei Herren: Marie und Annuschka. Die Schilderung der Charaktere ist gut getroffen und authentisch. (Seite 24-25) Marie von Ebner-Eschenbach hat eine gute Beobachtungsgabe und ein feines Mitgefühl mit dem leidenden Tier. Für Nepomuk, ihr Pferd in Zdislawitz, hat sie in Lucca Müllers Roman auch eine solche Funktion – und umgekehrt. Das Tier ist ihr treu. Am Ende des Romans, im letzten Kapitel, geht es noch einmal um Marie und Annuschka. Annuschka liest einem Kind etwas von der nun bekannten Schriftstellerin vor. Das Kind wird aber auch selber lesen lernen. „Nichts war doch unerschöpflicher als das Leben, als die einfachen Menschen.“ (S.437) Ihnen hat Marie von Ebner-Eschenbach ein Denkmal gesetzt. Marie von Ebner-Eschenbach wollte mit ihrem Schreiben nicht nur der politischen Belehrung dienen. Sie hatte noch eine andere Absicht: „Kunst lässt sich nicht auf diese Art einengen. Wie soll sie über sich selbst hinausweisen, wenn sie die Antworten schon vorgibt?“ (S.428)
Lucca Müller hat mit ihrem Buch eine sympathische Annäherung an die große Dichterin aus Österreich geschaffen. Ihrem Roman „Die Eigensinnige“ wünsche ich viel Leser!
Freifrau Marie von Ebner-Eschenbach hätte ein sorgenfreies Leben haben können, wenn sie sich an die Traditionen und Konventionen der damaligen Zeit gehalten hätte. Aber schon als junges Mädchen hat sie ...
Freifrau Marie von Ebner-Eschenbach hätte ein sorgenfreies Leben haben können, wenn sie sich an die Traditionen und Konventionen der damaligen Zeit gehalten hätte. Aber schon als junges Mädchen hat sie ihre eigenen Vorstellungen davon, wie ihre Zukunft aussehen soll und was sie auf jeden Fall verhindern möchte, z.B. möchte sie sich ihren Ehemann selbst aussuchen und sich nicht von ihren Eltern mit einem gutgestellten Grafen verbandeln lassen.
Viele ihrer Ziele erreicht sie, wenn auch oft mit harten Kämpfen verbunden oder auf Umwegen. So lässt sich ihr Wunsch nach Bildung für Frauen erst verwirklichen, nachdem sie ihre große Liebe Moritz geheiratet hat, da er ihren Wunsch ernst nimmt und ihr bei der Realisierung hilft.
In Moritz hat Marie den Partner gefunden, der ihr aufrichtiges Verständnis und Unterstützung entgegen bringt, und die ersten Jahre ihrer Ehe verlaufen sehr glücklich. Wegen ihrer entgegengesetzter Kinderwünsche kommt die heile Welt ins Wanken, aber nach einer gewissen Zeit kann alles wieder ins rechte Lot gerückt werden, so dass beide wieder miteinander im Einklang leben.
Der Schreibstil ist einfach und angenehm zu lesen, da fliegen die Seiten im Buch nur so dahin. Die meisten Charaktere sind mit Liebe zum Detail beschrieben, wirken aber nicht übertrieben, so dass man sich im Kopf ein realitätsnahes Bild zusammenbaut.
Einzig die Szenen, die ein Zusammentreffen mit Kaiserin Sissi beschreiben, fand ich überflüssig, da sie nichts mit dem roten Faden der Geschichte zu tun hatten und irgendwie realitätsfern wirkten. Die Gespräche im Frauenkreis waren teilweise etwas langatmig, da sie klischeebehaftet waren.
Trotzdem hatte ich viele Stunden Lesespass, denn ich musste oft darüber nachdenken, was sich doch zwischenzeitlich für die Frauen zum Positiven hin verändert hat. Ich fand es hochinteressant nachzuverfolgen, wie Marie sich Schritt für Schritt ihr Leben so einrichtet, dass es ihr gefällt. Dass dabei auch Fiktion zum Tragen kommt, hat mich nicht gestört, denn es ging mit Maries Leben konform.
Ich habe mir vorgenommen, in Kürze eines der Werke der Marie von Ebner-Eschenbach zu lesen und dabei diesen Lebenslauf im Hinterkopf zu behalten.
Diese fiktive Romanbiografie gibt größtenteils Einblicke in das Privatleben und die Ehe, der Schriftstellerin, zeigt sie als Idealistin, die ihrer Zeit voraus ist. Eine Frau, die sich nicht einengen lassen ...
Diese fiktive Romanbiografie gibt größtenteils Einblicke in das Privatleben und die Ehe, der Schriftstellerin, zeigt sie als Idealistin, die ihrer Zeit voraus ist. Eine Frau, die sich nicht einengen lassen möchte, die ihren Traum vom Schreiben verwirklichen will und trotz Niederlagen nicht aufgibt. Leider waren die Menschen noch nicht bereit für ihre erstes großes Werk.
Die Autorin schafft es, eine angenehme Atmosphäre aufrecht zu erhalten, die einen direkt in die damalige Zeit mitnimmt und man das Gefühl bekommt darin einzutauchen. Dank der verschiedenen Charaktere erhält man ein authentisches Bild von ihrem Umfeld, den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen, Normen und Werten.
"Die Macht der Worte", spiegelten sich hauptsächlich in den Ereignissen um das Theaterstück wieder. Davon hatte ich noch etwas mehr erwartet.
Inwieweit diese Geschichte mit tatsächlichen Ereignissen übereinstimmt, sei dahin gestellt. Nach so langer Zeit gibt es keine Augenzeugen mehr und die Fantasie der Autorin übernimmt hier das Zepter.
Die Komtesse Marie Dubsky ist eine Frau, die ausbricht aus dem Korsett ihrer Zeit, Grenzen überschreitet, ihr Leben selbst bestimmen möchte und ihre Träume lebt.
Die fiktive Geschichte über die Schriftstellerin ...
Die Komtesse Marie Dubsky ist eine Frau, die ausbricht aus dem Korsett ihrer Zeit, Grenzen überschreitet, ihr Leben selbst bestimmen möchte und ihre Träume lebt.
Die fiktive Geschichte über die Schriftstellerin Freifrau Marie von Ebner-Eschenbach ist nicht nur unterhaltsam, sie ist auch interessant und informativ. Sie gibt Einblicke in die damalige Zeit und spiegelt das Sittenbild wieder.
Verschiedene Charaktere spielen mehr oder weniger große Rollen in ihrem Leben. Allen voran ihr Cousin und späterer Ehemann Moritz und ihre Stiefmutter.
Ein bisschen im Hintergrund bleibt im Laufe des Geschehens ihr Wirken als Schriftstellerin, was ich etwa schade fand. Da hätte ich gerne mehr erfahren. Aber leider bleibt es eher nebensächlich.
Dafür werden andere Ereignisse, wie die sicherlich fiktive zufällige Begegnungen mit Kaiserin Sissi, in den Vordergrund gedrängt, die es manchmal nicht gebraucht hätte.
Alles in allem war es sehr unterhaltsam, aber ehe eine Art historischer Liebesroman.