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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2020

Die alte und die neue Pest

Todgeweiht: Thriller
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Dieser spannende Thriller spielt auf zwei weit auseinander liegenden Zeitebenen, deren Verknüpfung gegen Ende deutlich sichtbar wird.
Die eine Ebene ist das Mittelalter, wir befinden uns in Zons, wo Bastian ...

Dieser spannende Thriller spielt auf zwei weit auseinander liegenden Zeitebenen, deren Verknüpfung gegen Ende deutlich sichtbar wird.
Die eine Ebene ist das Mittelalter, wir befinden uns in Zons, wo Bastian Mühlenberg Vorkehrungen trifft, um die Pest von dem Ort fernzuhalten. Aber dann wird ein erster Toter gefunden, den man zunächst für ein Seuchenopfer hält, aber seine Arme und Beine sind verrenkt, und Bastian wird misstrauisch....
Die zweite Ebene spielt in unserer Gegenwart, in der Influencer und zweifelhafte Vorbilder viele Jugendliche in ihren Bann ziehen. Zoe findet sich viel zu dick und kämpft dagegen an. Eines Abends, als sie gerade zu einer Laufrunde starten will, klingelt es, und ein Pizzabote bringt ihr eine Mahlzeit. Zoe vermutet ihre Mutter dahinter, denn diese hält sie für zu untergewichtig. Aber dann die Überraschung: in der Lieferung findet sich ein Zettel mit der Aufschrift 'Henkersmahlzeit'. Kurz darauf ist Zoe verschwunden, und in der Nähe wird eine Frauenleiche aus einem See geborgen, die aber schon länger darin gelegen haben muss. Kommissar Bergmann beginnt mit seinen Ermittlungen, schon bald findet sich eine weitere Leiche....
Bereits im Prolog setzt die Spannung ein und zieht sich auch durch das ganze Buch weiter. Es ist ein sogenannter Pageturner, denn man macht nur gezwungenermaßen eine Pause, weil man unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Außerdem finden sich am Ende der Kapitel häufig Cliffhanger, die neugierig auf die nächsten Kapitel machen. So muss ein echter Krimi sein, Spannung pur! Der Schreibstil ist flüssig und fesselnd, das Lesen macht einfach Spaß. Man kann auch gut mitraten, wer denn nun als Täter in Frage kommt, denn alles ist folgerichtig konstruiert und durchdacht. Allerdings landet man bisweilen in einer Sackgasse, aber so muss das sein!
Sehr geschickt beschreibt die Autorin, wie die Täter von der Versuchung des Bösen in Beschlag genommen werden und nicht mehr anders können, als diesem Drang zu folgen.
Sehr sympatisch sind mir die beiden Hauptprotagonisten. Da ist zum einen Bastian Mühlenberg, der sehr ruhig und besonnen erscheint und immer noch zu seiner alten Liebe eine platonische Verbindung hat. Auch Oliver Bergmann ist ein ehrgeiziger und trotzdem ruhiger Ermittler, kein actiongeladener Superheld. Das gefällt mir. Er tut mir ein wenig leid, weil seine Frau wenig Verständnis für seine beziehungsfeindlichen Arbeitszeiten zeigt. Wir erhalten Einblicke ins Privatleben der Ermittler, aber insgesamt bleibt es angenehm im Hintergrund.
Die Zons-Reihe ist sehr empfehlenswert und bietet durchweg Spannung. Und dieser Band ist das beste Beispiel dafür. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Zons-Thriller!!!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.03.2020

Viel Lokalkolorit - wenig Krimihandlung

Der freie Hund
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Ich muss ehrlich sagen, dass ich von diesem Buch mehr erwartet habe. Die Leseprobe war vielversprechend: ein italienischer Krimi, der in Venedig spielt, untermalt von dem Ärger um die riesigen Kreuzfahrtschiffe, ...

Ich muss ehrlich sagen, dass ich von diesem Buch mehr erwartet habe. Die Leseprobe war vielversprechend: ein italienischer Krimi, der in Venedig spielt, untermalt von dem Ärger um die riesigen Kreuzfahrtschiffe, die der Lagunenstadt Umweltprobleme bescheren.
Inhaltlich geht es um Commissario Morello, der von Sizilien nach Venedig versetzt wird, um ihn vor der Mafia zu schützen, denn ihm ist ein großer Coup gegen sie gelungen, und man trachtet ihm nach dem Leben. Nachdem er zunächst auf Sizilien in einer Kaserne untergebracht und bewacht wurde, wird er nun nach Norden versetzt, denn die Mafia mordet nur in ihrem Heimatbereich. Morellos Empfang in Venedig ist unterkühlt, seine neuen Kollegen mögen den Sizilianer nicht als neuen Chef, sie hatten sich selber auf der Karriereleiter klettern sehen. Venedig wiederum gefällt Morello nicht, denn Massentourismus und Umweltverschmutzung durch die Vielzahl an Kreuzfahrtschiffen bestimmen das Stadtbild. Kurz nach Morellos Ankunft wird ein Umweltschützer ermordet, der sich für ein Verbot der riesigen Luxusliner in Venedig eingesetzt hat. Der Kommissar beginnt mit den Ermittlungen....
Und diese Ermittlungen plätschern so vor sich hin, irgendwie kommt keine Spannung auf. Es gibt zwar Verdächtige mit Mordmotiv, aber die Motivation mitzurätseln blieb aus. Die vielen Verhöre waren eher langatmig und nicht ergiebig. In meinen Augen war die Krimihandlung nebensächlich. Im Vordergrund stand viel Lokalkolorit, was ich durchaus informativ und interessant fand, was aber die Spannung nicht erhöhte. Die Problematik der Kreuzfahrtschiffe hätte intensiver behandelt werden können. Dagegen war die Beschreibung der kulinarischen Genüsse in der venizianischen Küche sehr detailliert, in meinen Augen zu sehr ausgedehnt, denn ich wollte kein Kochbuch lesen.
Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass viele Szenen einfach Seitenfüller waren und das Handlungsgeschehen nicht beeinflussten, so z.B. Morellos heimliche Reise nach Sizilien. Anderes erschien mir unrealistisch, z.B. die Massage auf der Fähre.
Der Schreibstil ist einfach gehalten, kurze und klar überschaubare Sätze. Dazwischen immer wieder italienische Sätze, teilweise leider ohne Übersetzung. Und dann dieses ständige 'Cazzo', dessen Bedeutung ich erstmal nachschlagen musste.
Der Hauptprotagonist Morello ist ein sagenhafter Heldentyp, ihm gelingt einfach alles, außerdem hat man den Eindruck, dass er auf seine neuen Kollegen hinabschaut, da sie an seine Genialität nicht heranreichen. Die anderen Figuren finde ich eher blass und Claudio sogar unglaubwürdig.
Alles in allem konnte mich das Buch nicht überzeugen, zumindest nicht als Kriminalroman. Lokalkolorit und die dadurch entstehenden Impressionen von Venedig haben mir gefallen, besonders die amüsante Beschreibung der Touristenströme. Einen weiteren Band dieser Reihe brauche ich nicht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2020

Eine Welt, in der man fällt

Eine Farbe zwischen Liebe und Hass
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Der junge Jessup, 17, ist begabt und sportlich talentiert, das Lernen an der Highschool fällt ihm leicht, was ihm beste Möglichkeiten für seine Zukunft verspricht und als Football Spieler ist er der Beste ...

Der junge Jessup, 17, ist begabt und sportlich talentiert, das Lernen an der Highschool fällt ihm leicht, was ihm beste Möglichkeiten für seine Zukunft verspricht und als Football Spieler ist er der Beste in seinem Team. Aber sein Leben hat auch Schattenseiten: seine Familie ist arm, lebt in einem Wohnwagen und außerdem gehören sie der 'Heiligen Kirche des Weißen Amerika' an, einer radikal-rassistischen Vereinigung, die ihre Ziele unter christlichem Deckmantel verfolgt. Jessups Bruder hat vor vier Jahren zwei schwarze Studenten ermordet und sitzt im Gefängnis, sein Stiefvater wurde wegen Beihilfe verurteilt und ist gerade entlassen worden. Seit vier Jahren geht Jessup nicht mehr in die Kirche seiner Familie. Er ist nicht der radikalen Ideologie seiner Familie verfallen, sondern weltoffen und hat keine Probleme im Umgang mit Menschen anderer Hautfarbe, hat sogar eine schwarze Freundin.
Nach einem Football Spiel beginnt die große Katastrophe, als Jessup unabsichtlich einen Spieler der gegnerischen schwarzen Mannschaft durch einen Unfall tötet. Natürlich wird man ihm Absicht unterstellen, denn zuvor hatte es bereits Streit gegeben, von dem anderen Spieler provoziert. Außerdem kennt man seine Familiengeschichte und die religiöse Orientierung der Familie. Um Schwierigkeiten zu entgehen, beschließt Jessup, den Unfall zu vertuschen....und setzt damit eine Maschinerie in Gang, die ihn in ein fürchterliches Dilemma treibt. Einerseits unternimmt die religiöse Gemeinschaft alles Mögliche, um ihm zu helfen, aber damit wird er regelrecht dazu erpresst, sich der Kirche wieder anzuschließen. Andererseits hat Jessup sich wirklich nichts vorzuwerfen, denn er hat sich politisch korrekt verhalten.
Der Autor schafft es meisterhaft, dem Leser die beklemmende Situation zu schildern, in der sich der Junge befindet. Die Geschichte wird komplett aus Jessups Sicht beschrieben, der Schreibstil ist sachlich und nüchtern. Viele kurze unvollständige Sätze, die uns Jessups Gedanken präsentieren, seine Ausweglosigkeit, seine Zweifel an der Familie, gleichzeitig aber auch seine Familienverbundenheit, seine Angst, sein Pflichtgefühl gegenüber seinem langjährigen Freund, der aber auch der White-Power-Bewegung angehört. Auf der anderenSeite steht die Liebe zu seiner schwarzen Freundin, die von ihm fordert, dass er sich positionieren soll, was ihm aber nicht leicht fällt, weil er seiner Familie und deren Kirche nicht den Rücken zukehren will.
Überzeugend beschrieben ist das Leben in der US-Kleinstadt, in der jedes Gerücht schnell die Runde macht und die den Geist einengt, so dass man als Jugendlicher das Weite suchen möchte. Jeder weiß Bescheid über die anderen.
Meine Meinung über Jessup ist geteilt, einerseits tut er mir sehr leid, da er von vielen falsch 'einsortiert' wird, trotz all seiner Bemühungen, fair zu sein. In meinen Augen ist er richtig einsam, denn er kann niemandem gegenüber sein wahres Ich vermitteln. Er muss seine Position in der Gesellschaft festlegen, was ihm nicht leicht fällt, da er somit die Erwartungen der anderen an ihn enttäuschen muss. Er wirkt verloren! Auf der anderen Seite hat er keine Skrupel, den Unfall vorzutäuschen, anstatt die Wahrheit zu sagen. Auch hat mich sein Abgebrühtsein auf der Jagd verwundert, was nicht zu seinem Empathieempfinden passt.
Nicht gefallen hat mir der langatmige Beginn des Buches, wo über ca. 40 Seiten ein Fußballspiel beschrieben wird, da habe ich keinen Zugang gefunden, weil es mich einfach nicht interessiert. Ich wollte schon die Lektüre beenden.
Nun aber bin ich sehr froh, dass ich das nicht getan habe, denn das Buch hat mich gefesselt und mich nachdenklich zurückgelassen. Der beschwerliche Weg zur Selbstfindung und zur Präsentation derselben, ein anschauliches Beispiel der Zerrissenheit vieler Menschen heutzutage. Ich werde das Buch gern weiterempfehlen.

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2020

Die Suche nach dem Gin des Lebens

Der Gin des Lebens
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In letzter Zeit entwickelt sich der Gin immer mehr zum Kultgetränk (man schaue nur einmal in die Angebote führender Getränkemärkte!), und in meinen Augen ist dieses Buch auf dem Weg, ein Kultbuch für Gin-Fans ...

In letzter Zeit entwickelt sich der Gin immer mehr zum Kultgetränk (man schaue nur einmal in die Angebote führender Getränkemärkte!), und in meinen Augen ist dieses Buch auf dem Weg, ein Kultbuch für Gin-Fans zu werden, denn es verdeutlicht, wie die Suche nach DER einen unnachahmlichen und umwerfenden Zusammensetzung des Getränks zum Lebensinhalt werden kann.
Grundsätzlich geht es in diesem Buch um die Aufklärung eines Mordes, der in Cathys Garten geschehen ist, direkt vor ihrem Gartenhaus, in dem sie heimlich herumexperimentiert, um einen unübertrefflichen Gin zu destillieren. Cathy betreibt einen Bed&Breakfast Place in Plymouth an Englands Südküste. Auch ihr Vater war auf der Suche nach dem perfekten Ginrezept, und Cathy möchte sein Werk nun fortsetzen.
Der zweite Hauptprotagonist ist Bene, ein junger Deutscher, dessen Vater ihm eine Flasche selbst erzeugten Gin hinterlassen hat. Diese Flasche wurde jahrelang nicht beachtet, aber als Bene sich aus Liebeskummer betrinken möchte, sieht er den richtigen Zeitpunkt gekommen, die Flasche Gin anzubrechen. Der Gin übertrifft alle seine Erwartungen, und voller Enthusiasmus versucht er, die verloren gegangene Rezeptur ausfindig zu machen. Die Spur führt ihn nach Plymouth, wo er sich bei Cathy einquartiert, da auch sein Vater dort öfters zu Gast war. So kreuzen sich nun die Wege der beiden Gin-Begeisterten, und eine turbulente Handlung mit vielen Überraschungen beginnt.
Der Mord steht weitgehend im Hintergrund, obwohl hier einige kriminelle Machenschaften aufgedeckt werden, aber man vermisst hier auch keine direkte Ermittlungsarbeit, weil die Handlungen der agierenden Personen so kurzweilig sind, dass man an den Todesfall kaum noch denkt.
Der Schreibstil ist so bildhaft und humorvoll in seinen Ausführungen, dass es eine Freude ist, das Buch zu lesen. Auch eine Menge treffender Zitate schmücken die einzelnen Kapitel. Die Bildhaftigkeit zeigt sich auch in der Beschreibung der durchweg skurrilen Protagonisten. Sie alle zeichnen sich durch irgendwelche absurden Gewohnheiten, ungewöhnliche Hobbys oder überaus seltsame Verhaltensweisen aus. Ein Genuss, darüber zu lesen! Man hat unwillkürlich ein Grinsen im Gesicht. Aber es gibt sie wirklich diese krassen Typen! Man setze sich nur mal in einen Pub und verhalte sich als stiller Beobachter.....
Darüber hinaus habe ich sehr viel gelernt, über Gin, Botanicals, Destillation usw., was bei mir ein deutliches Interesse geweckt hat, mich intensiver damit zu beschäftigen und den ein oder anderen Gin mal zu probieren, um Botanicals und Störer zu schmecken, den Charakter zu erkennen und Rezepte auszuprobieren. Von letzteren finden sich auch einige am Ende des Buches.
Auch das Cover ist bemerkenswert, mit hervorgehobenem Print und farblich ansprechendem Drink. Außerdem in den Umschlagseiten eine Landkarte der örtlichen Begebenheiten.
Alles in allem finde ich das Buch äußerst gelungen: spannend, unterhaltsam, informativ, berührend und fesselnd. Es hat die höchste Sternchenzahl verdient, und ich werde es gern weiter empfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Figuren
Veröffentlicht am 03.03.2020

Ein Leben voller Entbehrungen im Irak

Palast der Miserablen
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Der Junge Shams Hussein lebt mit seiner Schwester und seinen Eltern in einem kleinen Dorf im Südirak und bekommt dort die Auswirkungen des Saddam-Regimes bereits zu spüren. Nach einer gescheiterten Rebellion ...

Der Junge Shams Hussein lebt mit seiner Schwester und seinen Eltern in einem kleinen Dorf im Südirak und bekommt dort die Auswirkungen des Saddam-Regimes bereits zu spüren. Nach einer gescheiterten Rebellion gegen den Diktator wird das Leben immer unerträglicher, so dass die Familie beschließt, alles aufzugeben und nach Bagdad zu ziehen, in der Hoffnung auf ein friedlicheres Leben. Doch sie kommen vom Regen in die Traufe, denn nachdem sie vorerst bei Bekannten unterkommen, was aber auf Dauer nicht in Frage kommt, bauen sie sich eine Blechhütte nahe der Müllkippe im 'Blechviertel'. Das Leben bleibt entbehrungsreich trotz ständiger Bemühungen der ganzen Familie, der Armut zu entkommen. Aber auch politisch wird die Lage immer bedrohlicher, und besonders Shams bekommt dies aus nächster Nähe mit. Er hat kaum Zeit für Hobbys, da er neben der Schule, die ihn vor dem Soldatwerden bewahren soll, auch ständig Geld verdienen muss. Sein einziger Lichtblick als junger Mensch sind Treffen mit literatur- und kunstbegeisterten jungen Leuten und die zahlreichen Bücher, die er verschlingt, um seiner eintönigen und grauen Welt zu entkommen. Die jungen Leute treffen sich im 'Palast der Miserablen', ein privater Salon, und hier bekommt Shams Einblicke politischer und kultureller Art, die vorher von ihm ferngehalten wurden und zu denen seine Familie keinen Zugang fand.
In einem zweiten Erzählstrang befindet sich ein Häftling zunächst in einer 6-Mann-Zelle unter schlimmsten Bedingungen, zieht dann um in eine Einzelzelle auf einer Krankenstation, wo es ihm zunächst relativ gut geht, da er genug zu essen bekommt, die Zelleneinrichtung komfortabler ist und er auch medizinisch behandelt wird, da er starke Beschwerden hat. Aber plötzlich fällt der Strom aus, die Versorgung wird reduziert und er vegetiert vor sich hin......
Das Buch hat mir tiefe Einblicke in das Leben im Irak unter Saddam gegeben, was ich mir so auch gewünscht hatte, so dass ich nach der Lektüre sehr zufrieden bin. Was für ein entbehrungsreiches Leben, und trotzdem immer wieder das ÜBERleben! In unserer westlichen Konsumgesellschaft kann man sich schwer vorstellen, welche beängstigenden und bedrohlichen Situationen ein Mensch durchstehen kann....für uns ist es unvorstellbar, unter solch ärmlichen Bedingungen und unter ständigem politischen Druck zu leben.
Die Atmosphäre des Buches ist niederdrückend und trotzdem keimt immer wieder Hoffnung auf, und in meinen Augen hat Abbas Khider dies in seinem Roman gut zum Ausdruck gebracht. Es war immer eine gewisse Spannung da, man fragte sich oft: wie geht es denn nun weiter? Auch im zweiten, deutlich knapperen Erzählstrang, war ich gespannt, was den Häftling als nächstes erwartet. Und am Ende schließt sich auch der Kreis der beiden Handlungsstränge.
Der Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Der Autor benutzt eine einfache Sprache, ohne Verschnörkelungen, was meiner Meinung nach aber gut zum Inhalt passt, denn auch das geschilderte Leben ist bescheiden, sogar armselig und auf jeden Fall schmucklos. Auch die grausamen Foltermethoden verdienen keine ausgeschmückte Sprache.
Shams Hussein ist mir sympathisch, denn er ist familienzugewandt, sensibel, ausdauernd, verantwortungsvoll und hilfsbereit, was unter den geschilderten Lebensumständen nicht selbstverständlich ist. Ganz besonders gefällt mir sein Mut, sich auch mal gegen die diktatorischen Gesellschaftsregeln zu stellen.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, es hat meine Erwartungen erfüllt und verdient aus meiner Sicht die volle Sternewertung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere