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Veröffentlicht am 14.06.2026

Abschied mit Wehmut: Im Dienst des Brandenburgischen Kurfürsten

Träume aus Feuer
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Florian Illies Werk „Träume aus Feuer. Der Alchemist von der Pfaueninsel“ ist ein kleines, apartes Werk. Es erzählt eine Episode aus dem Leben des heute nur Wenigen bekannten Glasmachers und Alchemisten ...

Florian Illies Werk „Träume aus Feuer. Der Alchemist von der Pfaueninsel“ ist ein kleines, apartes Werk. Es erzählt eine Episode aus dem Leben des heute nur Wenigen bekannten Glasmachers und Alchemisten Johannes Kunckel (1635-1703) am Hof des Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1640-1688) von Brandenburg und Herzogs in Preußen (1640-1688) auf eine spannende und unterhaltsame Weise. Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Bemühung des Hofes, mit Hilfe von Kunckels Fertigkeit die heimische Glasproduktion zu fördern.
Die Erzählung nimmt seinen Anfang mit einer idyllischen Kahnfahrt im Februar 1686. Der große Kurfürst hat Kunckel die Pfaueninsel zum Geschenk gemacht. In seiner Glashütte auf der Havelinsel bei Potsdam soll Johannes Kunkel ungestört seine Experimente machen können, die ihm dann zur Anfertigung Herstellung des Goldrubinglases dienen sollen. Kunckel stand seit 1678 im Dienst des Kurfürsten. Dieser wollte nach dem Ende des 30jährigen Krieges die Wirtschaft in Brandenburg durch die Verwertung heimischer Rohstoffe wiedererstehen lassen. Der Kurfürst und die Familie des Glasmachers stehen in einem guten Verhältnis zueinander. Im weiteren Verlauf der kurzen Erzählung werden die Freuden und Leiden der Familien mitgeteilt. Aber auch von Neidern am Hof und Intriganten wird berichtet. Danckelmann, der Prinzenerzieher und Mentzel, der Leibarzt sind Kunckels Feinde. Tatsächlich ist die Gefahr sehr groß. Die Idylle auf der Pfaueninsel scheint trügerisch. Nach dem Tod des Kurfürsten 1688 hat Kunckel es schwer. Das Schicksal schlägt zu: der neue Kurfürst Friedrich und spätere König in Preußen schenkt ihm nur wenig Beachtung. Seine Glashütte auf der Pfaueninsel geht in Flammen auf, die Folgen eines Anschlags. Eine Ära ist zu Ende, auch die Träume aus Feuer sind vorbei. Kunckel verlässt Brandenburg. „Ein Traum, im Feuer geboren. Ein Traum, im Feuer verloren.“ (S. 128) Die Erzählung endet wehmütig. Mit diesem "Mollton“ hatte ich nicht gerechnet.
Zwei Fakten aus Kunckels Vita sind im Anhang leider nicht zu finden: Johannes Kunckel wurde 1693 vom schwedischen König Karl XI in den Adelstand erhoben und im gleichen Jahr Mitglied der Leopoldiana. Sein Verdienst um die Wissenschaft kommt mir bei Florian Illies etwas zu kurz.

Trotzdem möchte ich dieses Buch gerne weiterempfehlen, aufgrund seiner schönen, idyllischen Landschaftsbeschreibungen und gut nachgewiesenen Kenntnisse über die kunstvoll gestalteten Gläser und Pokale. Ein gelungens, kleines Oevre!

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Ein Roman aus dem mittelalterlichen Köln: "Der Schrein der Könige"

Der Schrein der Könige
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Der Historische Roman „Der Schrein der Könige“ von Sabine Weiss hat ein großes Thema: Es geht darin um die Entstehung des Dreikönigenschreins im Dom zu Köln. Der Künstler Niklas von Verdun hat dieses Werk ...

Der Historische Roman „Der Schrein der Könige“ von Sabine Weiss hat ein großes Thema: Es geht darin um die Entstehung des Dreikönigenschreins im Dom zu Köln. Der Künstler Niklas von Verdun hat dieses Werk in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts geschaffen.
Um ihn und um die Europäische Geschichte rund um die Erbauungszeit des Schreins geht es auch. Es ist eine wichtige Zeit im Mittelalter, die Zeit der Kreuzzüge und Seuchen. Es geht um Machtpolitik in den Ländern und auch in der Kirche. Das aufstrebende Kölner Bürgertum und die Bruderschaft der Goldschmiede bilden den Hintergrund. Die Autorin kennt sich gut in ihrer Materie aus. Da ist kein falsches Konstrukt, sie kennt das Mittelalter.
Ihrem Protagonisten gibt sie sehr sympathische Züge. Seine Familie ist so lebensecht wie problematisch geschildert, dass es dem Leser leicht fällt, sich einzufühlen, mitzufühlen und mitzuleiden. Realistisch werden auch die „Typen“ aus dem mittelalterlichen Köln dargestellt: der einmalige „Jilles“ oder „Örschel“. Diese Figuren klingen nicht nur „echt“, sie sind gut charakterisiert.
Ein farbenfroher Prolog am Anfang des Romans berichtet von der Herkunft der Gebeine der Könige. Einen prächtigen Schlusspunkt bietet die Grundsteinlegung für den Neubau des jetzigen Doms im Jahr 1248. Ein gelungener und würdiger Rahmen ist das für diese Erzählung. Sie ist eine gute Anregung, sich auf den Weg zu machen, den Schrein auch in "natura" zu sehen.
Mir hat die Lektüre dieses Buches sehr viel Freude gemacht! Ich wünsche dem Roman viele interessierte Leser und gebe gerne fünf Sterne für eine wirklich tolle Leistung.

Hildegard Jonas


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Veröffentlicht am 14.09.2025

Ein guter Mensch ist schwer zu finden - Eine Hommage für Leser und an Leser

Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
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Der Roman handelt von einer Buchhandlung auf einer Insel. Eine Verlagsvertreterin besucht die Insel. Der Plot ist schnell erzählt: Der verwitwete Buchhändler findet in seiner Buchhandlung ein kleines ...

Der Roman handelt von einer Buchhandlung auf einer Insel. Eine Verlagsvertreterin besucht die Insel. Der Plot ist schnell erzählt: Der verwitwete Buchhändler findet in seiner Buchhandlung ein kleines Kind und bekommt die passende Ehefrau und Mutter dazu, nämlich die Verlagsvertreterin. Der Buchhändler stirbt. Das Kind, Maya, will Schriftstellerin werden. Bei einem Wettbewerb gewinnt sie den zweiten Preis. In ihrer Geschichte geht es um den letzten Tag ihrer Mutter. Am Ende übernimmt die sympathische und hintergründige Nebenfigur, ein Polizist mit dem Namen Lambaise, die Buchhandlung - und er bekommt auch die Frau fürs Leben.
Das Buch „Das erstaunliche Leben des A. J. Fikry“ von Gabrielle Zevin lässt sich sehr gut lesen. Mich versetzt es beim Lesen in die U.S. A. und ich kann ein wenig davon träumen davon: Ein Buchklub nur für Polizisten, 1000 – Kalorien - Muffins und eine Ballettlehrerin „Madame Olenska“ mit klugen Ratschlägen. Das anspielungsreiche Inhaltsverzeichnis hält was es verspricht. Die Spannung ist groß. Es gibt viele Literaturhinweise, die auf das Lesen von Büchern neugierig macht. Die belesene Autorin schreibt phantasievoll eine Hommage ans Lesen.

Dem Buch wünsche ich viele Leser und weiter Freude am Lesen!

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Die Forscherbande: Sofia Valdez und die Welt der Demokratie

Die Forscherbande - Sofia Valdez und die Wahl des Klassentiers
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Nachdem ich mir die Leseprobe von Andrea Beatys Kinderbuch: „Sofia Valdez und die Wahl des Klassentiers“ angesehen und den Text gelesen habe, war ich begeistert. Demokratie ist das Thema der Erzählung ...

Nachdem ich mir die Leseprobe von Andrea Beatys Kinderbuch: „Sofia Valdez und die Wahl des Klassentiers“ angesehen und den Text gelesen habe, war ich begeistert. Demokratie ist das Thema der Erzählung und Demokratie ist eine Erfahrung, mit der Kinder auch lernen umzugehen. Nun habe ich das ganze Buch gelesen und ich bin nicht enttäuscht worden.
Das Buch handelt von einer Schulklasse, deren Aufgabe es ist, ein Klassentier zu wählen. Die Hauptfigur Sofia wird von ihrer Lehrerin Frau Geer zur Wahlleiterin ernannt. Ihr Großvater Abuelo begleitet sie oft: Zu ihrer Schule, mit dem Hund Kip, - und ihre Sorgen im Schulalltag. Die Wahl des Klassentiers wird richtig spannend und ist gar nicht so einfach. Zuerst dürfen sich alle Kinder ein Tier wünschen, bis auffällt, dass Demokratie ohne Mehrheiten nicht möglich ist. Der Weg der Demokratie geht von einer Vorschlagsliste (Vogel und Schildkröte kommen in die engere Wahl) über die richtigen Wahlplakate bis zum Problem der Pressefreiheit. Schließlich ist eine Wahlzeitung nur gut, wenn es gute Argumente gibt. Ein guter Journalismus braucht: Lesen - Nachdenken – Fragen. Nur dann gibt es auch gute Debatten - auch schon für Kinder. Warum es überhaupt Wahlen gibt, wird anschaulich an der Figur des Iggy. Er gibt bei der Wahl keine Stimme ab und führt so ein Patt herbei. Für Sofia ist jedes Problem bei der Wahl eine Herausforderung, das sie mit ihrem Großvater bespricht. Abuelo war früher Bäcker. „Abuelo war der beste Bäcker der Stadt. Jahrelang war seine Bäckerei Lieblingstreffpunkt von allen gewesen, die Kaffee Plätzchen und mexikanische süße Brote mochten.“ (Seite 4) Er weiß aus seiner Lebenserfahrung einiges von gelebter Demokratie. Und außerdem gibt es noch die Stadtbibliothek von Bad Blaubach. Mit ihrem gewitzten Personal hilft sie bei Wissenslücken den Kindern weiter. Interessant ist auch der Anhang mit seinem Material. In kleinen Kapiteln werden sowohl Details („Der Weintrauben-Streik von Delano“) als auch gutes Allgemeinwissen zu Wahlen und zur gelebten Demokratie mitgeteilt.
Dieses Buch hat mich sehr interessiert. Mir gefällt die Geschichte von Sofia und ihrem Großvater. Ihre Charaktere sind klar und ihre Sorgen werden für Kinder ab 7 Jahren vermittelt in einer Sprache, die angemessen ist, nicht aufdringlich, im Wortschatz nicht überfordernd. Logische Zusammenhänge lassen sich gut erkennen. Das Cover macht mit einfachen Mitteln darauf aufmerksam, worum es geht. Um die Wahl eines Klassentiers und um Wahlplakate dafür. Eine ehrliche anschauliche Szene, die Kinder engagiert zeigt in Sachen Demokratie. Für Kinder, die aufgeschlossen und zugewandt sind und die Mut haben, neugierig Fragen stellen, ist dieses Buch sehr ansprechend und lehrreich. Eine gute Empfehlung ist es auch für Erwachsene, die Kindern gerne eine Freude machen wollen.
Es hat mich sehr gefreut, bei dieser Leserunde dabei gewesen zu sein.
Vielen Dank dafür!

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Veröffentlicht am 16.02.2025

„Nichts war doch unerschöpflicher als das einfache Leben, als die einfachen Menschen.“

Die Eigensinnige
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Der Roman „Die Eigensinnige. Marie von Ebner-Eschenbach und die Macht der Worte“ von Lucca Müller

Als ich erfahren habe, dass es in der Lesejury des Bastei-Lübbe-Verlags eine Leserunde geben wird zu Lucca ...

Der Roman „Die Eigensinnige. Marie von Ebner-Eschenbach und die Macht der Worte“ von Lucca Müller

Als ich erfahren habe, dass es in der Lesejury des Bastei-Lübbe-Verlags eine Leserunde geben wird zu Lucca Müllers Roman „Die Eigensinnige. Marie von Ebner-Eschenbach und die Macht der Worte“ war ich sofort begeistert. Schon lange habe ich eine gute Erinnerung an die Erzählung „Krambambuli“ von Marie von Ebner-Eschenbach. Der erste Satz dieser Tiergeschichte sitzt fest bei mir, in meinem Herzen: „Vorliebe empfindet der Mensch für allerlei Gegenstände, Liebe, die echte, unvergängliche, die lernt er - wenn überhaupt – nur einmal kennen.“ Diese Schriftstellerin hat eine gute Beobachtungsgabe und ein sehr feines Mitgefühl mit dem leidenden Tier, das zwischen zwei Herren hin und hergerissen ist. Marie von Ebner-Eschenbach lebte von 1830-1916. Sie hat das lange 19. Jahrhundert und auch die beginnende Industrialisierung erlebt. In dieser Zeit änderte sich vieles, auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft.

Nun habe ich tatsächlich an der Leserunde teilnehmen können und habe das Buch mit Freude gelesen. Es ist eine gut gelungene, im Ganzen sehr stimmige Erzählung über das Leben der Marie von Ebner-Eschenbach etwa von 1847 bis 1884. Sie hatte schon früh den Entschluss, Schriftstellerin zu werden. „Ich will aber schreiben!“, rief sie. „Es gehört zu mir! Warum sollen Frauen das nicht dürfen, Männer aber schon?“ (S.89)

Aber der Weg bis dorthin sollte ein mühsamer, schwieriger Weg werden. Der Schmerz, dass die Ehe kinderlos blieb, nagte oft an ihr. Auch eine Kur verhalf nicht zum erwünschten Kind. Anerkennung in der noch von Männern sehr bestimmten Welt der Literaten des 19.Jh. wird der jungen Frau von Franz Grillparzer dennoch gewährt. Er ermutigte sie. Als der Erfolg sich nicht gleich einstellt, gibt sie nicht auf. Beharrlich und treu verfolgt sie ihr Ziel. Ein Verbot ihres Mannes zu Schreiben und auch eine Belästigung durch den Burgschauspieler Lewinsky bringen sie nicht von ihrem Weg ab. Als ihr Mann, der im Rang eines Feldmarschall-Leutnant beim Militär Dienst tut, schließlich pensioniert wird, kann auch sie sich ohne die Zwänge der Gesellschaft freier bewegen und schreiben. Sie hat mit „Lotti die Uhrmacherin“ Erfolg und auch ihre Novelle „Krambambuli“ wird besonders gewürdigt. Noch heute ist sie eine Schullektüre.
Im 2. Kapitel des vorliegenden Buches gibt es eine Episode, die ähnlich wie in „Krambambuli“ ist. Wolfi, ein junger Hund wird hin- und hergerissen zwischen zwei Herren: Marie und Annuschka. Die Schilderung der Charaktere ist gut getroffen und authentisch. (Seite 24-25) Marie von Ebner-Eschenbach hat eine gute Beobachtungsgabe und ein feines Mitgefühl mit dem leidenden Tier. Für Nepomuk, ihr Pferd in Zdislawitz, hat sie in Lucca Müllers Roman auch eine solche Funktion – und umgekehrt. Das Tier ist ihr treu. Am Ende des Romans, im letzten Kapitel, geht es noch einmal um Marie und Annuschka. Annuschka liest einem Kind etwas von der nun bekannten Schriftstellerin vor. Das Kind wird aber auch selber lesen lernen. „Nichts war doch unerschöpflicher als das Leben, als die einfachen Menschen.“ (S.437) Ihnen hat Marie von Ebner-Eschenbach ein Denkmal gesetzt. Marie von Ebner-Eschenbach wollte mit ihrem Schreiben nicht nur der politischen Belehrung dienen. Sie hatte noch eine andere Absicht: „Kunst lässt sich nicht auf diese Art einengen. Wie soll sie über sich selbst hinausweisen, wenn sie die Antworten schon vorgibt?“ (S.428)

Lucca Müller hat mit ihrem Buch eine sympathische Annäherung an die große Dichterin aus Österreich geschaffen. Ihrem Roman „Die Eigensinnige“ wünsche ich viel Leser!

Mit freundlichen Grüßen!
Hildegard Jonas




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