Cover-Bild Sanditz
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26,00
inkl. MwSt
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 480
  • Ersterscheinung: 12.03.2026
  • ISBN: 9783423285162
Lukas Rietzschel

Sanditz

Roman | Das große Epos der Nachwendezeit: »Rietzschel ist eine der wichtigsten jungen Stimmen Ostdeutschlands.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

Das große Epos unserer Gegenwart

Sanditz , eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler, Orgelbauer, Fliesensammler, Lokaljournalistinnen, selbsternannte Widerständler, Träumerinnen, Frührenter, Kinder, Liebespaare, verhuschte Archivare und die Familie Wenzel

Warmherzig und multiperspektivisch verwebt Lukas Rietzschel die Erzählung der Familie und der Sanditzer Stadtbewohner zu einem Panorama deutscher Geschichten – vom Ende der DDR bis in die jüngste Gegenwart, vom Besetzen der örtlichen Stasi-Zentrale bis zum Kampf eines Freiwilligen in der Ukraine, vom Abrackern auf westdeutschen Baustellen bis zum isolierten Inseldasein während der Corona-Epidemie. 

Ein Roman über Aufbruch und Niedergang, Gelingen und Scheitern des Aufruhrs, Freundschaft und Familie in umwälzenden Zeiten , über den Wunsch nach Zugehörigkeit und die Sehnsucht nach Freiheit. 

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.04.2026

Eindrückliches Personen-Geschichten-Panorama eines ostdeutschen Städtchens

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„Sanditz“ ist ein fikitver Ort in Ostsachsen. Landschaftlich und gesellschaftlich dominiert durch den Tagebau versammeln sich hier verschiedenste Persönlichkeiten mit ihren ganz eigenen Geschichten. Wir ...

„Sanditz“ ist ein fikitver Ort in Ostsachsen. Landschaftlich und gesellschaftlich dominiert durch den Tagebau versammeln sich hier verschiedenste Persönlichkeiten mit ihren ganz eigenen Geschichten. Wir erleben den Wandel von einem durch den voranschreitenden Tagebau gefressenen und dann neu wieder aufgebauten Ort zu DDR-Zeit hin zu einem Ort, dessen Bewohner in den 2020er Jahren mit ganz eigenen und globalen Problemen zu kämpfen haben. Dabei entwirft Lukas Rietzschel ein grandios erfundenes Wimmelbild, welches exemplarisch für viele Orte und Biografien steht, ohne jemals auf Klischees zurückzugreifen. Meines Erachtens ist dies Rietzschels stärkster Roman, der in seiner Breite und ohne Moralisierungen das spannende Bild eines Ortes und seiner Geschichte(n) zeichnet.

Dabei nutzt der Autor eine halbchronologische, episodenhafte Erzählweise, die aus vielen kleinen kachelartigen Versatzstücken das Bild von diesem Sanditz und seinen Bewohnern heraufbeschwört. Man kann sich jede Kachel für sich allein ansehen und betrachten, tritt man allerdings einen Schritt zurück, sieht man das ganze Ausmaß der Geschehnisse. Auch wenn wir hier eine zentrale Familie, Familie Wenzel, haben, deren Mitglieder wir immer wieder treffen, so handelt es sich aber keinesfalls um einen Familien- oder Generationenroman. Nach und nach setzen sich während fortschreitender Lektüre die Lebensgeschichten der Protagonisten zusammen. Das führt zu vielen kleinen Spannungsbögen, da wir zwischen den 1970er und 2020er Jahren hin und her springen bzw. uns von den 1970er Jahren an unsere Gegenwart heranarbeiten.

Währenddessen greift Rietzschel verschiedene Themen auf, wie die Zerstörung von Ortschaften durch fortschreidenden Tagebau und den damit verbundenen Verlust von Heimat; das kränkelnde System der DDR mit ihrer Bespitzelung und dem entgegengesetzt der Zusammenhalt und Freiheitsdrang einer Glaubensgemeinschaft; die Identitätssuche nach einer Wende, die nicht so ablief, wie es sich viele gewünscht hätten; bis hin zur Suche nach einer Lebensaufgabe, selbst wenn dies mit dem Aufgeben des Lebens durch das Ziehen in einen Krieg bedeutet.

Erstaunt war ich über die breit gefächerte Themenpalette des Romans, ohne dass ich das Gefühl gehabt hätte, es werden Themen nur kurz angeschnitten oder des reinen Effekts wegen aufgegriffen. Alles hängt hier miteinander zusammen. Manchmal offensichtlich, manchmal sehr hintergründig. Er nutzt außerdem gekonnt Sagenfiguren, um Verbingungen zu verdeutlichen und zwischen historischen Ereignissen und der Gegenwart herzustellen.

Die Figurenzeichnung erscheint sowohl exemplarisch wie auch ganz individuell. Und dies nicht nur bei Hauptfiguren sondern auch und gerade bei Nebenfiguren, die keineswegs als reine Staffage gelten.

Zuletzt möchte ich noch erwähnen, dass ich über die detaillierte Darstellung der Kämpfe in der Ukraine erstaunt war. Dies hatte ich so nicht erwartet. Und für mich war es eine Bereicherung, weil sich für mich gezeigt hat, dass fernab der modernen Technik (Drohnen etc.) der Infanterie-Kampf heutzutage im Krieg immer noch genauso schrecklich abläuft wie schon während des ersten Weltkrieges. Ich hatte das Gefühl, ich könnte hier „Das Feuer“ von Barbusse neben die entsprechenden Passagen aus „Sanditz“ legen. Erschreckend und eindringlich!

Für mich handelt es sich hier um einen ganz großen Roman, der mich voll und ganz gepackt hat und den ich regelrecht eingesogen habe. Eine klare Leseempfehlung für Lukas Rietzschels dritten Roman!

5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wenn eine Kleinstadt ein ganzes Land erzählt

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Manche Bücher liest man nicht einfach weg, sie legen sich wie feiner Staub auf die Gedanken und bleiben dort erst einmal liegen.

Sanditz ist so ein Roman. Eine Kleinstadt am Rand, aber eigentlich mitten ...

Manche Bücher liest man nicht einfach weg, sie legen sich wie feiner Staub auf die Gedanken und bleiben dort erst einmal liegen.

Sanditz ist so ein Roman. Eine Kleinstadt am Rand, aber eigentlich mitten in allem, was dieses Land geprägt, zerrissen und verändert hat. Lukas Rietzschel erzählt nicht laut, nicht reißerisch, sondern mit einem genauen Blick für Menschen, die oft übersehen werden. Für Familien, die sich durch Umbrüche kämpfen. Für Hoffnungen, die groß beginnen und irgendwann müde in der Ecke sitzen. Für diese leisen Brüche, die niemand sieht, die aber ein ganzes Leben verschieben können.

Besonders berührt hat mich, wie viele Stimmen hier Platz bekommen. Alte Geschichten, neue Verletzungen, Wendezeit, Corona, Ukraine, Freundschaft, Familie, Zugehörigkeit und diese ständige Sehnsucht nach Freiheit. Das ist viel, manchmal fast zu viel, und genau deshalb braucht das Buch Aufmerksamkeit. Sanditz ist kein Roman zum Nebenbei-Lesen. Er fordert Geduld, aber er gibt auch viel zurück.

Die Sprache ist warm, beobachtend und oft schmerzhaft nah. Nicht jede Figur hat mich gleich stark erreicht, manche Wege wirken sperriger als andere, doch das Gesamtbild hat Kraft. Am Ende bleibt ein Roman, der nicht beschönigt, nicht erklärt wie ein Schulbuch, sondern fühlen lässt, wie Geschichte in Menschen weiterlebt.

Für mich ein eindrucksvolles, kluges und emotional nachhallendes Buch.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Anspruchsvoll und komplex

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"Sanditz", der neue Roman des jungen Schriftstellers Lukas Rietzschel, erschließt sich in seiner Komplexität und Fülle den Leserinnen und Lesern nicht einmal so eben im Vorbeigehen. Das umfangreiche Buch ...

"Sanditz", der neue Roman des jungen Schriftstellers Lukas Rietzschel, erschließt sich in seiner Komplexität und Fülle den Leserinnen und Lesern nicht einmal so eben im Vorbeigehen. Das umfangreiche Buch mit vielen Figuren, unterteilt in viele kleine, kurze Kapitel, braucht Zeit, Aufmerksamkeit, teilweise Hintergrundwissen und am besten eine Zweitlektüre, um voll und ganz davon zu profitieren. Sehr empfehlenswert ist es, während der Lektüre immer wieder mal das auf den hinteren inneren Buchklappen abgedrückte Personenverzeichnis zu konsultieren, um sich ein bisschen besser orientieren zu können.

Denn vorgestellt werden uns viele Personen aus der Familie Wenzel/Moschnick aus mehreren Generationen sowie aus deren Umfeld, Freunde und Freundinnen, Partner und Partnerinnen, Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen und weitere Personen aus dem Ort, in mehreren Zeitebenen, die die Zeit der DDR, die Nachwendezeit und die jüngere Gegenwart während Corona-Pandemie und Ukrainekrieg umfassen. Da dauert es schon eine Weile, sich einigermaßen in der Geschichte zurecht zu finden und einordnen zu können, wer wer ist und in welchem Verhältnis zu den anderen Personen steht.

Themen wie offene und verdeckte Kritik am Regime in der DDR, wirtschaftlicher Niedergang in der Wendezeit, Spatensoldaten, Querdenkertum und vieles mehr finden ihren Raum. Rietzschel zeichnet seine Charaktere authentisch und liebevoll, ohne zu stark in Klischees zu verfallen. Er schafft es, ihre Entscheidungen - auch jene, die die Lesenden vielleicht selbst nicht so treffen würden - wertfrei darzustellen, ohne die Personen abzuurteilen, und zeigt auf, dass Menschen eben nicht unbedingt in vorgefertigte Schablonen passen und am Ende durchaus auch überraschen können.

Sehr unzugänglich war für mich persönlich der Einstieg ins Buch mit einem mythologischen Bezug auf die "Krabat"-Geschichte, die ich leider nicht kannte und deren Verbindung zum restlichen Roman sich wohl nur erschließt, wenn man diese kennt, nachliest oder sich näher damit auseinandersetzt. Überhaupt ist das Buch voll von so einigen symbolischen Bezügen, die ein tiefer gehendes Hintergrundwissen oder zumindest eine ausführliche, sorgfältige Beschäftigung damit verlangen, um sie entdecken und entschlüsseln zu können. Dadurch eignet es sich aber besonders gut für gemeinsame Diskussionen oder Lesekreise, die in diesem Fall sehr davon profitieren, auch über einschlägig vorgebildete Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu verfügen.

Es ist also ein ziemlich anspruchsvolles Werk, das trotz der kurzer Kapitel Konzentration erfordert und sich nicht eben so schnell und unterhaltsam nebenbei wegliest. Ich habe gut die Hälfte des Buches gebraucht, um wirklich in die Geschichte reinzukommen, mich einigermaßen auszukennen und die Lektüre wirklich zu genießen. Schafft man es aber, sich darauf einzulassen und dem Buch den nötigen Raum zu geben, gegebenenfalls nebenbei auch einem bisher Unbekanntes zu recherchieren, dann wird man mit einem qualitativ hochwertigen, komplexen und vielschichtigen Buch über die letzten Jahrzehnte in Ostdeutschland, von der DDR über die Nachwendezeit bis zur Gegenwart, belohnt.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Gesellschaftsroman

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Die Geschichte der fiktiven ostdeutschen Kleinstadt Sanditz und ihren Bewohnern. Über Jahrzehnte beobachten wir Leser das Leben dieser Menschen. Viele politische Veränderungen und Herausforderungen sind ...

Die Geschichte der fiktiven ostdeutschen Kleinstadt Sanditz und ihren Bewohnern. Über Jahrzehnte beobachten wir Leser das Leben dieser Menschen. Viele politische Veränderungen und Herausforderungen sind ihnen begegnet und prägten so ihr Leben. Themen sind unter anderem die Corona Krise, der Ukraine Krieg, die Wende. Aber auch das Leben in der DDR kurz vor dem Mauerfall wird thematisiert, soziale Ungleichheit und Familie.

Es fällt mir schwer hier eine Zusammenfassung zu schreiben, weil einfach so viel passiert. Das Buch ist unglaublich umfangreich. Es kommen viele Menschen zu Wort und das ganze über diverse Zeiträume verteilt. Man muss sehr genau lesen um die Zusammenhänge nicht zu übersehen, da die Geschichte schon sehr komplex ist. Klar, präzise und nüchtern wird erzählt. Von großen Dramen wird Abstand gehalten. Richtig toll schafft Rietzschel es die Geschichten nach und nach zu einem Gesamtwerk zu verweben. Das war für mich sehr beeindruckend. Über Aufbruch, Enttäuschung und Perspektivlosigkeit, Neuordnung und auf der Suche nach dem persönlichen Glück gibt es viele Menschen, deren Geschichte erzählt wird. Meistens mit dem Hintergrund politischer Veränderungen. Für mich persönlich waren die Abschnitte über das Leben in der DDR nach der Wende am interessantesten. Das war schon eine verwirrende und prägende Zeit.

Ein großer Gesellschaftsroman, den ich euch gern empfehle.

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