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Veröffentlicht am 09.02.2025

Thriller mit Mystery-Elementen

Apartment 5B
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Bis jetzt hatten sich die Wege von Lisa Unger und mir noch nicht gekreuzt. Den Namen der Autorin habe ich mit Sicherheit schon mal gehört oder gelesen. Das ist aber auch schon alles. Ich hätte jedenfalls ...

Bis jetzt hatten sich die Wege von Lisa Unger und mir noch nicht gekreuzt. Den Namen der Autorin habe ich mit Sicherheit schon mal gehört oder gelesen. Das ist aber auch schon alles. Ich hätte jedenfalls keinen Buchtitel von ihr nennen können. Spontan hätte ich wahrscheinlich noch nicht mal gewusst, in welchem Genre sie unterwegs ist. Das hat sich mit ihrem neuen Thriller “Apartment 5B” aber geändert. Das Cover mit dem düsteren Haus hat mich magisch angezogen und der Titel in plakativer Signalfarbe hat laut und deutlich „Lies mich!“ gerufen. Also bin ich an dem Buch nicht vorbeigekommen.
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Darum geht’s: Rosie und ihr Mann Chad erben eine Wohnung im historischen Windermere-Apartmenthaus. Dort sollen sich zahlreiche mysteriöse Todesfälle ereignet haben. Und auch Rosie hat bald seltsame Erlebnisse…
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Vorweg sei gesagt: „Thriller“ ist für mich ja ein recht dehnbarer Begriff. Ich bin da nicht so festgefahren in meiner Vorstellung. Thriller dürfen bei mir auch gerne mal ruhiger sein. Wenn mich der Schreibstil, die Story und die Atmosphäre packen, ist alles okay. Dann habe ich auch nichts gegen ein eher subtiles Spannungslevel. Genau in diesen Stil fügt sich Lisa Unger mit “Apartment 5B” ein.
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Die Geschichte beginnt mit einem kurzen Prolog, der mich erst mal skeptisch gemacht hat, weil er irgendwie seltsam und kryptisch zu lesen ist. Das kann ja heiter werden, war mein erster Gedanke. Aber dann habe ich schnell in die Story und das Setting hineingefunden. Das geheimnisvolle Apartmenthaus und seine Bewohner haben sofort meine Neugier geweckt. Ich konnte auch nicht einschätzen, was mich erwartet, weil Lisa Unger verschiedene Elemente und Stilmittel mixt. Für mich kam sogar zeitig ein waschechter Hosenschisser-Moment ins Spiel und ich dachte, dass ich eine Gruselgeschichte lese – oder dass Protagonistin Rosie gehörig einen an der Klatsche hat.
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„Apartment 5B“ hat sich für meinen Geschmack spannend entwickelt. Die Handlung hätte aber zugegebenermaßen etwas gestrafft werden können. Das Buch umfasst 500 Seiten und wirkt in Teilen schon etwas in die Länge gezogen. Langweilig war es für mich trotzdem nicht. Der insgesamt tolle Erzählstil hat mich über kleinere Durststrecken hinweg sehen lassen. Das Finale ist für mein Empfinden dann furios. Trotz aller vorherigen Hinweise, die schon irgendwie auf die Auflösung hingedeutet haben, hatte die Geschichte für mich bis zum Schluss Überraschungseffekte parat.
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Fazit: Ich kann mir vorstellen, dass „Apartment 5B“ einer dieser Thriller ist, der etliche Fans des Genres nicht abholen kann. Meinen Nerv hat er aber getroffen. Wäre die Handlung noch ein Mü knapper und dichter erzählt, hätte es sogar eine Top-Bewertung geben können. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Von mir bekommt das Buch eine Leseempfehlung und die Autorin einen Platz auf meiner Merkliste.

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Veröffentlicht am 08.02.2025

Eine Buchhändlerin auf dem Weg ins Glück

Die Zuverlässigkeit des Zufalls
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Von Lilli Beck kenne ich bereits die Trilogie um die Schwestern vom Bodensee. Diese Romanreihe mochte ich richtig gern. Deshalb habe ich mich auch sehr auf Lilli Becks neuen Einzelroman „Die Zuverlässigkeit ...

Von Lilli Beck kenne ich bereits die Trilogie um die Schwestern vom Bodensee. Diese Romanreihe mochte ich richtig gern. Deshalb habe ich mich auch sehr auf Lilli Becks neuen Einzelroman „Die Zuverlässigkeit des Zufalls“ gefreut.
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Darum geht’s: Nina-Marie hat ihre große Liebe verloren. Die Arbeit in ihrem kleinen Laden „Buch & Blume“ gibt ihr Halt. An ein neues Glück glaubt sie nicht. Oder kann sie sich doch nochmal verlieben???
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Der Roman ist in einem ruhigen und unaufgeregten Stil geschrieben. Das schön gestaltete Cover deutet auf eine locker-leichte Wohlfühl-Story hin. Gleichzeitig erkennt man aber auch, dass es sich um eine feinsinnige Geschichte für Erwachsene handelt – und die ist sowohl herzerwärmend als auch herzzerreißend. Wäre es ein Roman aus dem NA-Genre, gäbe es eine Triggerwarnung die auf Themen wie Krankheit, Tod und Trauer hinweist. Lilli Beck schreibt darüber, ohne ins düstere Trübsal blasen abzugleiten. Die Handlung ist mehr als bloße Schwarz-Weiß-Malerei. Sie ist einfach aus dem Leben gegriffen und realistisch gehalten, ohne allzu viel Kitsch und übertriebenes Drama. Die Autorin trifft vielmehr genau den richtigen Ton und beweist Gespür für authentische Gefühle, die ich als Frau in einem gewissen Alter bestens nachvollziehen und mit denen ich mich identifizieren konnte. Die dem Roman zugrundeliegende Geschichte hat Tiefgang und regt zum Reflektieren über bestimmte Denkweisen und Verhaltensmuster an. Dreh- und Angelpunkt ist Protagonistin Nina-Marie mit ihrem Schicksal. Aber auch die anderen Charaktere und ihre besonderen Lebenssituationen sind gut ausgearbeitet und fügen sich perfekt ein.
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„Die Zuverlässigkeit des Zufalls“ ist ein Roman von bezaubernd sanfter Schönheit. Beim Lesen habe ich den unterschiedlichen Facetten der Emotionen nachgespürt, die hier jeder Charakter ganz individuell empfindet und auslebt. In Rückblenden habe ich Nina-Marie durch schwere Zeiten begleitet, während im Hier und Jetzt langsam wieder Hoffnung in ihr aufkeimt. Diese entgegengesetzte Erzählweise sorgt dafür, dass die Geschichte an keiner Stelle in allzu schweres Fahrwasser abdriftet. Da ist immer dieser Lichtstreif am Horizont, der Mut macht. Die Geschichte verströmt diesen speziellen Charme von generationenübergreifendem ZDF-Herzkino. Sie rennt keinem Trend hinterher und plustert sich nicht künstlich auf. Das sorgt für ein positives Lesegefühl.

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Veröffentlicht am 05.02.2025

Ermittlungen am Gardasee

Salute - Die letzte Fahrt
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“Salute - Die letzte Fahrt“ ist der zweite Gardasee-Krimi von Friedrich Kalpenstein. Der Auftakt der neuen Reihe war schon richtig toll. Also bin ich sehr gerne erneut nach Bardolino gereist.
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Darum ...

“Salute - Die letzte Fahrt“ ist der zweite Gardasee-Krimi von Friedrich Kalpenstein. Der Auftakt der neuen Reihe war schon richtig toll. Also bin ich sehr gerne erneut nach Bardolino gereist.
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Darum geht’s: Ex-Kommissar und Neu-Barista Paul Zeitler wird Zeuge, als ein lebloser Körper im Gardasee treibt. Jede Hilfe kommt zu spät. Der Bootsbauer Vincenzo Morelli ist tot. Commissario Lanza ist sich sicher, dass es kein Unfall war…
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Der Krimi ist eine gelungene Fortsetzung. Den Personen aus Band 1 wieder zu begegnen, hat großen Spaß gemacht. Diesmal habe ich aber vor allem auch den charismatischen Commissario Lanza etwas besser kennengelernt. Und ich hatte das Gefühl, dass es auch eine kleine Annäherung zwischen ihm und Paul Zeitler gab. Man kann noch nicht von Zusammenarbeit, geschweige denn Freundschaft sprechen - aber ganz so unsympathisch wie zu Beginn, sind sich die beiden diesmal nicht mehr. Da könnte langsam aber sicher tatsächlich ein tolles Ermittler-Duo aufgebaut werden. Mir gefällt aber, dass der Autor in dieser Beziehung nichts übers Knie bricht und seinen Charakteren Zeit für eine authentische Entwicklung lässt.
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Vom Setting habe ich ja beim Auftakt schon geschwärmt. Das schöne Bardolino ist ein sonniger Sehnsuchtsort. Allein in Gedanken auf den See zu blicken, durch die Gassen zu schlendern, einen Espresso zu trinken und italienische Köstlichkeiten zu genießen, ist Balsam für die Seele und sorgt für Urlaubsgefühle. Dazu gibt es wieder einen spannenden Kriminalfall zu lösen. Zusammen mit den liebevoll ausgearbeiteten Charakteren und treffenden Dialogen ergibt sich wie von selbst eine sehr angenehme Lesezeit.
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Friedrich Kalpenstein ist mit seiner humorigen Prost-Provinzkrimireihe zu einem meiner liebsten Krimi-Autoren geworden. Da möchte ich keinen Band mehr missen. Mit der Salute-Reihe zeigt sich Kalpenstein von einer etwas anderen Seite und rührt an meine Sehnsucht nach La Dolce Vita. Ich finde es gut, dass jede Reihe ihren eigenen Ton hat. Unterhaltsam sind beide. Ich werde also gerne weiter zwischen Brunngries und Bardolino hin und her pendeln.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Unblutiger Thriller

Winternacht - Der Schnee begräbt alles. Nur die Lügen nicht
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Sharon Bolton ist eine Autorin, die ich vor Jahren mal durch einen Bücherschrank-Fund entdeckt habe und danach eigentlich auch weiterverfolgen wollte. Dann habe ich sie aber leider doch wieder aus den ...

Sharon Bolton ist eine Autorin, die ich vor Jahren mal durch einen Bücherschrank-Fund entdeckt habe und danach eigentlich auch weiterverfolgen wollte. Dann habe ich sie aber leider doch wieder aus den Augen verloren. Vor zwei Jahren habe ich sie dann wiederentdeckt und mir geschworen, sie nicht nochmal aus meinem Blickfeld verschwinden zu lassen. Ihr neuer Stand Alone-Thriller WINTERNACHT ist also sofort und ohne nachzudenken auf meiner Leseliste gelandet. Den Klappentext hatte ich gar nicht gelesen. Erst als ich das Buch zuhause hatte, habe ich ihn mir näher angeschaut. Mein spontaner Gedanke: Was für eine verrückte Story. Das hat mich natürlich extra neugierig gemacht.
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Stell dir vor, im Restaurant setzt sich jemand an deinen Tisch und behauptet, mit dir verheiratet zu sein. Du spielst das Spiel mit. Ihr verbringt eine heiße Nacht miteinander. Am nächsten Tag folgt das böse Erwachen. Und plötzlich verschwindest du im Schneesturm…
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Die Ausgangssituation des Thrillers ist schon echt abgefahren. Habe ich so vorher noch nicht gelesen. Und neue Einfälle und Handlungsansätze finde ich ja per se schon mal interessant. Dazu punktet Sharon Bolton bei mir wieder mit ihrem Schreibstil. Die Frau weiß einfach, wie man Spannung und Atmosphäre aufbaut. Auch diesmal ist es ihr gelungen, mich mit der mysteriösen Anfangsszene sofort zu packen.
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Nach dem rasanten und packenden Auftakt geht die Handlung in ein etwas ruhigeres Fahrwasser über. Scheinbar. Denn Sharon Bolton hat hier einen wahnsinnig durchdacht geplotteten Thriller geschrieben. Alles ist miteinander verwoben und baut aufeinander auf. Ein Puzzleteil fügt sich zum anderen. Diese Zusammenhänge zu entdecken und der Auflösung Schritt für Schritt näherzukommen ist ein Fest. Schnelle Zeitsprünge und Perspektivwechsel haben aber auch dafür gesorgt, dass ich aufmerksam lesen musste, um alles mitzubekommen. Mitdenken ist angesagt. Das Buch ist eher ungeeignet, wenn man sich einfach nur berieseln lassen und durch eine spannende Geschichte treiben lassen will.
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Auch die Charaktere und die Beziehungen der Personen untereinander haben mir gut gefallen. Einziger Wermutstropfen: Sie sind mir nicht so richtig nahe gekommen. Ich konnte mich leider nicht richtig in sie hineinversetzen, habe deshalb nicht mit ihnen gelebt und gelitten, sondern bin ein außenstehender Zuschauer geblieben. Aber auch aus dieser Position habe ich die komplexe und vielschichtige Story gebannt verfolgt. Die zahlreichen Wendungen waren für mich nicht vorhersehbar und haben mich immer wieder überrascht. Gerade wenn ich gedacht habe, der Lösung einen Schritt näher zu gekommen zu sein, kam der nächste Twist, der alles nur noch verzwickter und undurchsichtiger gemacht hat.
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WINTERNACHT von Sharon Bolton ist alles in allem schon große Thriller-Kunst. Ich bin jetzt schon gespannt, mit welchen Einfällen die Autorin mich in ihrem nächsten Buch überrascht.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Spannender KI-Thriller

Deep Fake
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Deep Fake. Mit dem Begriff wusste ich bis vor Kurzem ehrlich gesagt noch gar nichts anzufangen. Dann habe ich Tom Cruise im Bademantel in einem TikTok-Video herumtanzen sehen und dachte mir: What the hell??? ...

Deep Fake. Mit dem Begriff wusste ich bis vor Kurzem ehrlich gesagt noch gar nichts anzufangen. Dann habe ich Tom Cruise im Bademantel in einem TikTok-Video herumtanzen sehen und dachte mir: What the hell??? Und plötzlich hatte das Phänomen einen Namen. In ihrem zweiten Thriller DEEP FAKE greift Cleo Konrad das Trend-Thema Künstliche Intelligenz auf.
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Darum geht’s: Mira erkennt sich selbst in einem Nacktvideo wieder, das sie nie aufgenommen hat. Erst hat sie einen ihrer Schüler im Verdacht. Letztendlich führt die Spur aber in Miras eigene Vergangenheit….
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Schon Cleo Konrads Thriller-Debüt TÖDLICHER PODCAST hat mir richtig gut gefallen. Mit DEEP FAKE legt die Autorin in diesem Stil nach. Das Erfolgskonzept wird fortgeschrieben. Das lässt der Verlag bereits durch die ähnliche Covergestaltung vermuten. Und dieser Eindruck bestätigt sich beim Lesen. Cleo Konrad greift zum einen erneut ein brandaktuelles Thema unserer medialen Zeit auf. Zum anderen werden mit Rückblenden in Form von Tagebucheinträgen vergangene Geschehnisse in einer Freundesclique aufgerollt. Irgendwo muss es ja einen Zusammenhang geben. Dem auf die Spur zu kommen ist auch diesmal wieder sehr spannend zu lesen.
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Cleo Konrad hat mit DEEP FAKE einen KI-Thriller geschrieben, der bodenständig bleibt. Es gibt nicht mehr technisches BlaBla als nötig, wodurch für mich alles durchweg verständlich und nachvollziehbar bleibt. Die Motive und Hintergründe bleiben handfest und in der realen Welt verhaftet. Das gefällt mir. In diesem Fall kann ich sagen, dass das Thema Deep Fake sogar noch etwas mehr Raum hätte einnehmen können. Es wird hier nämlich eigentlich nur als Aufhänger für die Handlung genutzt und verläuft dann so ein bisschen im Sande.
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Der Thriller beginnt richtig stark. Wie Miras Berufsalltag als Lehrerin und die Beziehung zu ihren Schülern geschildert wird ist psychologisch großes Kino. Ich fand es echt ein bisschen schade, mich mit Miras Fahrt in ihr Heimatdorf von diesem Teil der Geschichte verabschieden zu müssen. Zwar hält sie noch Kontakt zu ihrem Problemschüler Alex, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Dabei wäre ich gerade auf dieser Schiene der Handlung gerne noch intensiver weitergefahren. Cleo Konrad schafft es aber auch, mir den Bruch im Handlungsverlauf schlüssig zu vermitteln. Und auch die weiteren Geschehnisse konnten mich, wenn auch auf andere Art und Weise, in den Bann ziehen.
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DEEP FAKE ist ein psychologisch ausgefeilter Thriller. Das Setting ist toll. Und auch die Charaktere sind überzeugend angelegt. Wie schon in TÖDLICHER PODCAST hat mir der Wechsel der Erzählperspektive und Erzählzeit auch hier wieder gut gefallen. Dadurch entsteht ein guter Spannungsbogen. Zwischenzeitlich schleichen sich trotzdem ein paar Längen ein. Für meinen Geschmack hätte die Story hier und da ein bisschen gestrafft werden können. Jede überraschende Wendung hat den Handlungsverlauf dann aber wieder genauso gerechtfertigt, wie er ist.
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DEEP FAKE ist ein thematisch interessanter und atmosphärisch dicht erzählter Thriller. Spannend bis zur letzten Seite. Ich vergebe ⭐️⭐️⭐️⭐️. Cleo Konrad hat weiter einen Platz auf meiner Leseliste sicher.

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