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Veröffentlicht am 15.11.2022

Cosy Crime mit Spannung und Humor

Ein Duo für alle Felle
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Unterschätze niemals einen Schweizer Postboten! "Ein Duo für alle Felle" von Patricia Grob ist ein ungewöhnlicher Krimi, der immer wieder Überraschungen bereithält. Was bekommt man also hier? Einen unterhaltsamen ...

Unterschätze niemals einen Schweizer Postboten! "Ein Duo für alle Felle" von Patricia Grob ist ein ungewöhnlicher Krimi, der immer wieder Überraschungen bereithält. Was bekommt man also hier? Einen unterhaltsamen Cosy Crime. Mit viel Humor. Aber durchaus auch spannend. Und sogar Action gibt es im Verlauf der Handlung. Mit so einer wilden Mischung hatte ich angesichts des doch recht harmlosen Klappentextes gar nicht gerechnet.

Protagonist Paul ist Rentner. Seine Enkel drücken ihm ihren Hund aufs Auge. Paul wird als Hilfspostbote rekrutiert und sieht sich heftigsten Flirtversuche seiner Kollegin ausgesetzt. Im Seniorenheim, in dem Pauls Lebenspartnerin Louisa lebt, sterben gleich drei Bewohner auf einen Schlag. Und plötzlich ist Louisa spurlos verschwunden.

Cosy Crime made in der Schweiz. Im Buch finden sich auch ein paar hierzulande nicht geläufige Begriffe und Formulierungen, die sich im Kontext aber erschließen und für schönes Lokalkolorit sorgen. In der ersten Hälfte des Buches steht der Humor im Vordergrund. Die Story kommt leicht und locker daher. Es gibt viele Schmunzel-Szenen. Zuweilen habe ich gedacht, dass der Krimi etwas zu kurz kommt. Aber das ändert sich noch.

Dieses Buch ist eine kleine Wundertüte. Ein ziemlich verrückter Genre-Mix. Man kann versuchen mitzurätseln, aber - ganz ehrlich - da ist Hopfen und Malz verloren. Dafür sorgen falsche Spuren und vor allem teilweise auch leicht abgedrehte Entwicklungen, mit denen ich nun wirklich nie gerechnet hätte. Völlig überraschend war für mich auch das Ende, dass dann noch ein ernstes Motiv anspricht. So kommt letztendlich sogar richtig Tiefgang in die Handlung.

Ein paar kleinere Schwachpunkte gibt es. Der schlüssigen Ausarbeitung des Plots hätten ein paar Seiten mehr vielleicht gut getan. Ich habe mich manchmal doch etwas Holterdipolter durchs Buch getrieben gefühlt. Es war mir teilweise zu viel auf zu wenig Seiten verteilt. Das ist der Story meiner Meinung nach nicht ganz gerecht geworden.

Fazit: Ich war auf humorvollen Cosy Crime eingestellt. Das Buch hat aber noch viel mehr zu bieten. Die Story ist interessant, abwechslungsreich und unterhaltsam zu lesen. Ich hatte meinen Spaß mit dem "Duo für alle Felle".

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Veröffentlicht am 13.11.2022

Gauner-Komödie im Stil der Louis de Funes-Filme

Die Unverbesserlichen – Der große Coup des Monsieur Lipaire (Die Unverbesserlichen 1)
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O la la, hier ist dem Autorenduo Klüpfel/Kobr ein ganz großer Coup gelungen. Was für eine herrlich verrückte und liebenswerte Geschichte haben die beiden da geschrieben. Diesmal besuchen wir nicht Kluftinger ...

O la la, hier ist dem Autorenduo Klüpfel/Kobr ein ganz großer Coup gelungen. Was für eine herrlich verrückte und liebenswerte Geschichte haben die beiden da geschrieben. Diesmal besuchen wir nicht Kluftinger und Langhammer in Altusried, sondern lernen Lipaire & Konsorten in Port Grimaud kennen.

Et voila, da ist sie, eine astreine Gauner-Komödie, die an Filme aus den 50er und 60er Jahren erinnert. "Nein!" "Doch." "Oh!" (S. 45). Wer denkt bei diesem wortgewaltigen Dialog nicht sofort an den französischen Schauspieler und Komiker Louis de Funes? Eine Steilvorlage. Die Bilder habe ich beim Lesen nicht mehr aus dem Kopf bekommen und ein Dauer-Schmunzeln hat mich durch das ganze Buch begleitet.

Hauptfigur ist Guillaume Lipaire. Als Guardian "kümmert" er sich um die Häuser der Reichen und Schönen, wenn die gerade anderswo weilen. Lipaire ist ein ausgekochtes Schlitzohr, der auf eigene Rechnung fremdvermietet, die Sonnenterrasse nutzt und Weinkeller plündert. Voila, ja, so lässt sich das Leben genießen.

Aber, sut alors, in der Villa der Vicomtes liegt eine Leiche. Lipaires Gaunereien drohen aufzufliegen. Allerdings führt der Tote auch auf die Spur eines Familienschatzes. Formidable, findet Lipaire. Diese Chance lässt er sich natürlich nicht entgehen. Um ihn herum versammelt sich ein ungewöhnliches Grüppchen, das ihm bei der Lösung des Rätsels helfen will. Die Unverbesserlichen von der Cote d'Azur sind geboren und planen den Coup ihres Lebens.

"Diese Gurkentruppe wird ja immer sonderbarer." (Zitat S. 379) Bien Sur, dieses Buch wäre kein Klüpfel/Kobr, wenn alles glatt laufen würde. Das Team wider Willen ist einfach köstlich. Was sich entwickelt, ist eine humorvolle Schnitzeljagd. Das ist mir alles so herrlich vertraut und altbekannt vorgekommen. Excusez-moi, gerade das macht den besonderen Reiz und riesigen Spaß des Buches aus.

Fazit: Mon Dieu, was habe ich Lipaire & Co ins Herz geschlossen. Das darf es doch jetzt nicht gewesen sein, oder? Das schreit geradezu nach mehr. Und der Schlussatz "das Spiel ist noch nicht zu Ende" lässt mich tatsächlich hoffen, dass "Die Unverbesserlichen" wiederkehren werden.

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Veröffentlicht am 10.11.2022

Krimi in bester Agatha Christie-Manier

Die Krimi-Ladys von Dedley End
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Achtung, es wird very british! Ich empfehle Earl Grey-Tee und Scones mit Clotted Cream zu diesem Kriminalroman, der nostalgische Agatha Christie-Vibes heraufbeschwört. Okay, nichts davon hatte ich gerade ...

Achtung, es wird very british! Ich empfehle Earl Grey-Tee und Scones mit Clotted Cream zu diesem Kriminalroman, der nostalgische Agatha Christie-Vibes heraufbeschwört. Okay, nichts davon hatte ich gerade da. Aber beim nächsten Mal bin ich besser vorbereitet. 😉

Was Leser*innen hier bekommen, ist ein entspannter Cosy Crime, in der Tradition der Werke der großen Lady Agatha. Schauplatz der Handlung ist das beschauliche Dörfchen Dedley End in den Cotswolds. Buchhändlerin Nancy Hunter ermittelt wie einst Miss Marple. Dabei stehen ihr ihre Oma Jane und ihr guter Freund, der Journalist Jonathan, zur Seite.

Darum geht's: Familie Roth lädt zum Empfang in ihr Herrenhaus ein. Doch noch während des Begrüßungscocktails gibt es einen Todesfall. Die schöne Lucy Roth liegt plötzlich tot in der Halle. Nancy hatte sie kurz vorher noch traurig und nachdenklich wirkend an der Brüstung der oberen Etage stehen sehen. Schnell wird klar, dass die Familie der Frau von Roth-Spross Harry nicht besonders freundlich gegenüber stand…

Ein Dorf, ein hochherrschaftliches Haus, eine feine Gesellschaft und eine Familie mit Geheimnissen … Agatha Christie hätte das Setting nicht besser entwerfen können. Victoria Walters entwickelt ihren Krimi genauso unaufgeregt und entspannt, wie die Queen of Crime es damals gemacht hat. "Die Krimi-Ladys von Dedley End" bewegt sich auf traditionellen Spuren. Ein klassischer englischer Krimi, der unspektakulär daher kommt, aber trotzdem ein Lesegenuss ist.

Die Grundstimmung ist gemütlich und Protagonistin Nancy einfach rundum sympathisch. Sie agiert, wie eine jüngere Ausgabe von Miss Marple. Neugierig schnüffeln sie herum, macht so manche Entdeckung und ist der Polizei schnell mehr als eine Nasenlänge voraus. Der Fall wird natürlich wie es sich gehört in großer Runde vor dem Kamin gelöst. Ein beherzter Schuss ins Blaue führt letztendlich zur Lösung. Und ganz nebenbei findet Nancy auch noch etwas sehr persönliches heraus. Das hat beim Lesen einfach Spaß gemacht.

Fazit: "Die Krimi-Ladys von Dedley End" ist ein herrlich klassischer Kriminalroman. Victoria Walters lässt das Agatha Christie-Feeling wieder aufleben und zeigt, dass diese Art des Rätsel-Krimis einfach nicht totzukriegen ist.

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Veröffentlicht am 08.11.2022

Matthew Perry und sein ewiger Kampf gegen die Sucht

Friends, Lovers and the Big Terrible Thing
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Ich bin ein großer Fan der Serie "Friends". Die amerikanische Sitcom hat mich 10 Jahre meines Lebens intensiv begleitet. 10 Staffeln habe ich mit den Freunden Rachel, Monika, Phoebe, Joey, Chandler und ...

Ich bin ein großer Fan der Serie "Friends". Die amerikanische Sitcom hat mich 10 Jahre meines Lebens intensiv begleitet. 10 Staffeln habe ich mit den Freunden Rachel, Monika, Phoebe, Joey, Chandler und Ross verbracht. Karrieren und Privatleben der Schauspieler habe ich auch abseits der Serie immer ein bisschen verfolgt. Sorgenkind war ganz klar immer Matthew Perry. Ich wusste, dass er mit dem Dämon "Sucht" zu kämpfen hat. Seine Autobiografie war für mich aus alter "Freundschaft" ein Must-Read.
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"Friends, Lovers and the Big Terrible Thing" ist keine Friede-Freude-Eierkuchen-Biografie. Das Gegenteil ist der Fall. Es wird ganz, ganz düster. Perry berichtet schonungslos und intensiv von seiner "Suchtkarriere" mit Alkohol und Tabletten und lässt die Leser*innen an seinen allertiefsten Tiefpunkten teilhaben. Es gibt Aufs und Abs und immer wieder schwere Rückfälle. Dass Perry überhaupt noch lebt, grenzt an ein Wunder.
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Das Buch ist keine leichte Kost. Der Inhalt geht an die Substanz. Ein Mann im Strudel der Selbstzerstörung. Gefangen in einer Endlosspirale. Zwischen Alkohol und Tabletten hangelt Perry sich von Entzug zu Entzug. Sobald ein Fünkchen Hoffnung besteht, steht der Schauspieler in einem Wimpernschlag-Moment schon wieder am Abgrund. Die Geschichte fasziniert auf erschreckend abschreckende Art und Weise. Perry erzählt ungeschönt, echt, nüchtern und doch tiefgründig. Ein bisschen habe ich mich beim Lesen wie ein Gaffer gefühlt, der bei einem schlimmen Unfall trotzdem hinguckt. Und so habe ich hautnah miterlebt, wie Perry immer wieder ins offene Messer rennt, seinen Körper und sich selbst kaputt macht.
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Danke, Matthew Perry, für deine absolute Ehrlichkeit. Ich wünsche dir, dass du "The Big Terrible Thing" immerhin mal in Schach halten kannst. Ich möchte diese eine finale Schlagzeile über dich einfach nicht lesen müssen.

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Veröffentlicht am 05.11.2022

Packender Roman um Freundschaft und Geheimnisse

Ein langes Wochenende
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Nachdem mir Gilly MacMillans letzter Roman "Die Vertraute" gut gefallen hat, habe ich bei ihrem neuen Buch direkt zugegriffen. Auch diesmal hat die Autorin mir spannende, unterhaltsame und kurzweilige ...

Nachdem mir Gilly MacMillans letzter Roman "Die Vertraute" gut gefallen hat, habe ich bei ihrem neuen Buch direkt zugegriffen. Auch diesmal hat die Autorin mir spannende, unterhaltsame und kurzweilige Lesestunden beschert.

War "Die Vertraute" sehr personenzentriert aufgebaut, ist die Story diesmal breiter angelegt. Hier gibt es vergleichsweise viele Personen - und jeder scheint Probleme und/oder Geheimnisse zu haben. Bis ich alles richtig zuordnen konnte, hat es ein bisschen gedauert. Diese Zeit hat Gilly MacMillan ausgenutzt, um mich mit Atmosphäre und hochköchelnder Spannung in den Bann zu ziehen.

"Hi, die Damen [...] Wenn ihr dies hier lest, werde ich einen eurer Ehemänner umgebracht haben" (Zitat S. 39). Diese Nachricht empfängt die Freundinnen Emily, Jayne und Ruth in einer abgelegenen Scheune. Was hat es damit auf sich? Ein schlechten Scherz? Oder doch bitterer Ernst? Die Unruhe ist geweckt und steigert sich zusehends. Dabei reagieren die Frauen erst mal recht lethargisch, was aber für den Spannungsaufbau förderlich ist. Der Handlungsverlauf ist wie ein Fluss, der erst dahin plätschert, dessen Strömung dann unmerklich zunimmt, immer stärker wird und einen schließlich mitreißt. Auf einmal wusste ich kaum noch wo Vorne und Hinten, Oben und Unten ist. Die Geschichte legt plötzlich massiv an Tempo zu. Die Perspektiven wechseln immer schneller, so dass ich gar nicht mehr zur Ruhe gekommen bin.

Auf zwischenmenschlicher und psychologischer Ebene wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Jeder Charakter ist individuell gezeichnet - und trotzdem muss ich sagen, dass mich keiner zu 100% getoucht hat. Fast wahnsinnig gemacht haben mich wiederum Szenen mit einer Person, deren Name einfach nicht genannt wird. "Wer bist du?" hat alles in mir geschrien und die Spannung höher und höher getrieben. Und dann gibt es noch eine besonders starke Storyline, die aber streng genommen nicht mehr als Staffage ist und für die zentrale Geschichte eigentlich nichts zur Sache tut.

Fazit: "Ein langes Wochenende" hat mir trotz kleinerer Abstriche gut gefallen. Ich mag, wie der Plot augebaut, Atmosphäre geschaffen und der große Showdown anvisiert wird. Immer wieder gibt es die Diskussion um vermeintliche Thriller, die keine sind. Und hier? Steht so lapidar "Roman" auf dem Cover, wobei sich dahinter ein astreiner Psycho-Sog verbirgt. Meinen Geschmack hat Gilly MacMillan auf jeden Fall wieder getroffen.

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