Der Traum vom besseren Wohnen
Das Haus in CharlottenburgDie junge Schneiderin Elise lebt mit ihrer Familie in einer beengten Mietwohnung in Berlin-Wedding. Willkürliche Mieterhöhungen und plötzliche Kündigungen sind dort an der Tagesordnung. Bald verliebt sie ...
Die junge Schneiderin Elise lebt mit ihrer Familie in einer beengten Mietwohnung in Berlin-Wedding. Willkürliche Mieterhöhungen und plötzliche Kündigungen sind dort an der Tagesordnung. Bald verliebt sie sich in den Architekten Johann, der gemeinsam mit seinem Freund Louis den Bau eines genossenschaftlichen Mietshauses plant. Für diesen Traum müssen sie gegen eine mächtige Gegnerin, Baronin Leonora von Rienäcker, kämpfen, die skrupellos am Immobiliengeschäft verdient.
Wohnungsnot und die Suche nach bezahlbarem Wohnraum sind nicht nur heute ein Thema. Das Haus in Charlottenburg von Beate Sauer ist ein großartiger historischer Roman über eine junge Frau, die für sich und ihre Familie um ein besseres Leben kämpft und zugleich einen tiefen Einblick in die Gesellschaftsstrukturen und die Lebensverhältnisse der Arbeiter in Berlin um 1890 gibt. Der genossenschaftliche Wohnungsbau, den Johann plant, ist ein Lichtblick gegenüber den großen, dunklen Mietskasernen, in denen zu viele Menschen auf zu engem Raum leben und sich Krankheiten ungehindert ausbreiten. Gerade Hauptprotagonistin Elise, die sich im Verlauf des Buches immer mutiger durchsetzt und auch für andere kämpft, war sehr sympathisch. Die Liebesgeschichte, die sich zwischen ihr und Johann entwickelt, wird passend dargestellt. Daneben hat das Buch mit Baronin Leonora von Rienäcker eine ausgesprochen gewissenlose Antagonistin die weder vor Sabotage, noch vor Mord zurückschreckt. Spannung ist vor allem in der zweiten Hälfte der Geschichte vorhanden. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, sodass ich 5 Sterne vergebe.