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Veröffentlicht am 09.12.2025

Absurdes, Herz und ein bisschen Historie

Samson und das Galizische Bad
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Man stolpert quasi mitten hinein in Kiew 1919, und alles ist gleichzeitig wüst, verrückt und irgendwie tragisch. Samson tapst durch die Stadt wie ein liebenswerter Tollpatsch mit detektivischem Talent, ...

Man stolpert quasi mitten hinein in Kiew 1919, und alles ist gleichzeitig wüst, verrückt und irgendwie tragisch. Samson tapst durch die Stadt wie ein liebenswerter Tollpatsch mit detektivischem Talent, und während er Knochen im Heizofen entdeckt, denkt man nur: „Was zum…?“ – und lacht trotzdem, weil die Welt um ihn herum noch verrückter ist.

Die Figuren sind schräg, aber auf eine Art, die man sofort ins Herz schließt. Nadjeschda mit ihrem klaren Verstand bringt genau die richtige Portion Gegenpol zu Samson, sodass jeder Dialog wie ein Tanz auf einem Drahtseil zwischen Wahnsinn und Humor wirkt. Manchmal denkt man, die Leute in Kiew sind völlig durchgedreht, aber der Autor schafft es, dass man genau diese Absurdität liebt.

Die Mischung aus politischen Turbulenzen, mysteriösen Verschwundenen und absurden Alltagsszenen fühlt sich an wie ein Kaffee, der zu stark ist, aber gerade richtig. Kurkow hat diesen Blick für Details, die man erst übersieht, dann aber grinsen lässt: ein kaputter Ofen, ein verschrobener Rotarmist, eine skurrile Situation nach der anderen. Man fühlt sich fast wie ein stiller Beobachter in diesem Chaos, schmunzelt, seufzt und denkt manchmal: „Wie schafft er das alles, ohne dass es absurd wird?“

Und dann sind da diese subtilen Parallelen zum Heute, die einem einen kleinen Stich verpassen – man merkt plötzlich, wie nah Vergangenheit und Gegenwart manchmal beieinander liegen. Das Buch macht Spaß, ist clever, witzig und hat trotzdem Herz. Am Ende schließt man das Buch und denkt: „Ja, Samson und Nadjeschda – die muss man einfach mögen.“

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Warum Zählen viel mehr ist als „eins, zwei, drei“

Zählen. Die Geschichte von den Anfängen der Mathematik
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Wer hätte gedacht, dass aus ein paar Kerben im Knochen eine ganze Kultur des Rechnens erwächst? Benjamin Wardhaugh nimmt einen mit auf eine Reise, die mit steinernen Markierungen beginnt und irgendwo zwischen ...

Wer hätte gedacht, dass aus ein paar Kerben im Knochen eine ganze Kultur des Rechnens erwächst? Benjamin Wardhaugh nimmt einen mit auf eine Reise, die mit steinernen Markierungen beginnt und irgendwo zwischen mittelalterlichen Rechenbrettern und den Like-Zahlen koreanischer Vlogger endet. Das Buch ist kein staubiges Lehrbuch, sondern vielmehr ein Roadtrip durch Zahlenwelten, bei dem an jeder Ausfahrt eine Anekdote, ein kurioser Fund oder ein Denkfehler wartet, der sofort zum Schmunzeln bringt.

Besonders stark: Wardhaugh schafft es, abstrakte Konzepte greifbar zu machen. Statt Formeln gibt’s Geschichten — von Händlern, Zählern, Mathematiker-Exzentrikern — und plötzlich versteht man, warum ein Zählsystem Gesellschaft formen kann wie ein Fluss sein Ufer. Der Text bleibt dabei nie überheblich; im Gegenteil, er nimmt das Staunen ernst und macht es zu einem ständigen Begleiter.

Kleine Kritik: Manchmal verliert sich die Erzählung in Details, die zwar spannend sind, aber das Tempo drosseln. Das stört nur kurz — weil jede Abschweifung letztlich neues Licht auf unsere Zahlenwelt wirft. Für alle, die Mathe nie so richtig mochten, ist das hier die perfekte Versöhnung: klug, herzlich und mit einem Augenzwinkern.

Wer nach dem Lesen nicht mindestens einmal laut „Ach so!“ sagt, hat nicht richtig zugehört.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Verlorene Liebe, gebrochene Wahrheit

Shattered Love
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Mit jedem Atemzug spürte die Welt, wie sie mir entglitt — ein Stück mehr Farbe verschwand, bis nur noch Grau blieb. Savannahs Schmerz sitzt in den Knochen und drückt dennoch nicht stumm; er schreit, bricht ...

Mit jedem Atemzug spürte die Welt, wie sie mir entglitt — ein Stück mehr Farbe verschwand, bis nur noch Grau blieb. Savannahs Schmerz sitzt in den Knochen und drückt dennoch nicht stumm; er schreit, bricht auf, verlangt nach Rache und nach Vergebung zugleich. Wenn Erinnerungen an Cole wie Scherben sind, dann ist dieses Buch der Versuch, sie wieder zusammenzusetzen, obwohl an den Kanten noch Blut klebt.

Die Autorin lässt keine falsche Romantik zu: Liebe ist hier kein Zauber, sondern ein verzweifelter, manchmal rohe Motor, der Menschen ins Abseits und wieder zurückzieht. Szenen flackern auf wie Filmstreifen — ein Blick, ein Geruch, und die Vergangenheit reißt die Gegenwart auseinander. Die Suche nach der Wahrheit wird zur Reise durch Traumata, Verrat und Hoffnung; jede Entdeckung ist ein Stich, aber auch ein Pflaster, das den Weg nach vorn markiert.

Gefühle werden nicht erklärt, sie werden gezeigt. Sprachlich dicht, stellenweise erschütternd ehrlich, hat diese Neuausgabe eine Schwere, die tröstet und gleichzeitig aufwühlt. Wer dramatische Liebesgeschichten mit Thrill und tiefem Gefühlszentrum sucht, findet hier eine Fortsetzung, die mehr ist als nur ein nächstes Kapitel — sie ist ein Herz, das wieder schlagen lernt.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Französische Fundstücke, die das Herz tanzen lassen

DUMONTs Unnützes Reisewissen Frankreich
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Schon nach den ersten Seiten entfaltet sich ein funkelndes Kaleidoskop aus charmanten Zufällen, skurrilen Ereignissen und liebevoll gesammelten Anekdoten, das mich sofort mitten nach Frankreich getragen ...

Schon nach den ersten Seiten entfaltet sich ein funkelndes Kaleidoskop aus charmanten Zufällen, skurrilen Ereignissen und liebevoll gesammelten Anekdoten, das mich sofort mitten nach Frankreich getragen hat. Jede Seite fühlt sich an wie ein spontaner Abstecher in eine kleine Seitengasse, in der man zufällig etwas Witziges, Überraschendes oder Herzöffnendes entdeckt. Dieses Buch hat etwas Spielerisches, das mich immer wieder lächeln lässt und mich an die Momente erinnert, in denen Reisen leicht, unbeschwert und voller kleiner Wunder sind.

Besonders berührt mich, wie warm und humorvoll die Geschichten erzählt werden. Die Worte funkeln wie Sonnenflecken auf einem Café-Tisch, und jedes Kapitel öffnet ein neues Fenster in ein Frankreich, das gleichzeitig vertraut und herrlich verspielt wirkt. Die Mischung aus Kuriositäten und französischem Esprit hat etwas Zauberhaftes, das sich mühelos in den Alltag hinüberrettet.

Perfekt für zwischendurch, für Pausen, für kleine Fluchten aus der Routine. Dieses Buch fühlt sich an wie ein liebevoll verpacktes Geschenk — leicht, charmant, fröhlich und voller Überraschungen. Am Schluss bleibt ein wohlig warmes Gefühl zurück, als hätte mir jemand eine Handvoll bunter Bonbons geschenkt, die alle nach Fernweh schmecken.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Kleine Küche, große Träume

Das inoffizielle Ghibli-Backbuch
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Schon beim Aufschlagen dieses Buches fühlt sich die Küche wie ein kleiner, warmer Filmabend an: die Seiten duften nach Zucker und Nostalgie, die Fotos sind so liebevoll inszeniert, dass man am liebsten ...

Schon beim Aufschlagen dieses Buches fühlt sich die Küche wie ein kleiner, warmer Filmabend an: die Seiten duften nach Zucker und Nostalgie, die Fotos sind so liebevoll inszeniert, dass man am liebsten sofort den Ofen anschalten würde. In der ich-Perspektive probiere ich Rezepte, die mehr sind als bloße Anleitungen – sie sind kleine Rollen aus Erinnerung und Fantasie. Rußmännchen-Brownies gelingen auch ungeübten Bäckerinnen mit der Schritt-für-Schritt-Erklärung, und die Calcifer-Feuer-Cookies bringen tatsächlich ein freches Funkeln in den Teig.

Die Mischung aus süß und herzhaft, aus schnellen Party-Häppchen und aufwendigeren Kuchenideen macht das Buch zum verlässlichen Begleiter für Feste und stille Sonntage. Besonders schön: Die Autorin schafft es, Filmzitate und Rezepte zu verweben, ohne in Fan-Service zu verfallen; stattdessen entsteht eine eigene, sanfte Sprache, die Erinnerungen weckt und zugleich inspiriert.

Was fehlt, sind bei einigen Rezepten mehr Varianten für Allergikerinnen oder vegane Alternativen – hier wäre etwas mehr Diversität wünschenswert. Insgesamt aber ein liebevolles, praktisch nutzbares Geschenk für alle, die gern backen und beim Teigkneten in andere Welten abtauchen.

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