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Veröffentlicht am 13.03.2026

Wenn Liebe weiterlebt obwohl jemand gegangen ist

Ghost Stories
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Eine große Liebe endet nicht einfach. Sie verändert nur ihre Form.

Ghost Stories von Siri Hustvedt fühlt sich an wie ein stiller Raum voller Erinnerungen, in dem jede Bewegung eine neue Spur freilegt. ...

Eine große Liebe endet nicht einfach. Sie verändert nur ihre Form.

Ghost Stories von Siri Hustvedt fühlt sich an wie ein stiller Raum voller Erinnerungen, in dem jede Bewegung eine neue Spur freilegt. Schon nach wenigen Seiten entsteht das Gefühl, einem zutiefst persönlichen Tagebuch beizuwohnen, das zugleich weit über eine einzelne Beziehung hinausweist.

Der Verlust von Paul Auster steht im Mittelpunkt dieses Buches, doch es geht um viel mehr als Trauer. Hustvedt schreibt über die seltsame Gegenwart eines Menschen, der nicht mehr da ist und doch überall spürbar bleibt. In Kleidungsstücken, in Gerüchen, in Büchern, in Worten. Diese Momente wirken nicht wie literarische Konstruktionen, sondern wie ehrliche, manchmal fast rohe Augenblicke eines Lebens, das plötzlich eine andere Richtung nehmen musste.

Besonders berührend ist, wie Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen. Alte Liebesbriefe tauchen wieder auf, Erinnerungen werden neu betrachtet und dazwischen stehen Paul Austers Briefe an seinen Enkel, die eine leise, fast zärtliche Zukunftsperspektive eröffnen. Dadurch entsteht ein sehr intimes Bild einer außergewöhnlichen Partnerschaft, die mehr als vier Jahrzehnte getragen hat.

Die Sprache ist ruhig, reflektiert und voller feiner Beobachtungen. Kein dramatisches Pathos, sondern eine kluge und sehr menschliche Annäherung an Verlust, Liebe und Erinnerung. Genau diese Zurückhaltung macht das Buch so eindringlich.

Manchmal wirkt der Text fast essayistisch und verlangt Aufmerksamkeit, doch gerade darin liegt seine Kraft. Dieses Buch liest man nicht einfach schnell durch. Es begleitet einen eine Weile und bleibt noch lange im Kopf, wie eine Stimme aus einem anderen Raum.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Wenn ein Bankraub zum absurd ehrlichen Roadtrip wird

America Fantastica
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Manchmal reicht ein einziger schlechter Tag, um aus einem gescheiterten Journalisten einen ziemlich miserablen Bankräuber zu machen. Boyd Halverson ist so ein Kandidat. Früher gefeierter Starreporter, ...

Manchmal reicht ein einziger schlechter Tag, um aus einem gescheiterten Journalisten einen ziemlich miserablen Bankräuber zu machen. Boyd Halverson ist so ein Kandidat. Früher gefeierter Starreporter, heute ein Mann, der mit sich selbst und der Welt ziemlich im Clinch liegt. Und plötzlich steht er in einer Bank, klaut eine lächerlich kleine Summe Geld und nimmt ausgerechnet Angie Bing als Geisel. Eine Frau, die offenbar absolut keine Lust hat, eine klassische Geisel zu sein.

Was dann folgt, ist weniger ein Thriller im klassischen Sinn und mehr ein ziemlich schräger Roadtrip durch eine Nation voller Selbsttäuschung, Lügen und schräger Gestalten. Boyd will eigentlich nur eine Rechnung begleichen. Mit der Vergangenheit, mit einem bestimmten Mann und wahrscheinlich auch mit sich selbst. Aber wie das so ist, läuft absolut nichts nach Plan. Angie hat ihren eigenen Kopf, die Verfolger werden immer unangenehmer und irgendwo zwischen Tankstellen, Motels und endlosen Straßen merkt man als Leser ziemlich schnell, dass hier nicht nur eine Flucht stattfindet.

Tim O'Brien schreibt bissig, klug und mit einem Humor, der manchmal trocken wie alter Bourbon ist. Boyd ist kein Held, eher ein tragikomischer Typ, der sich selbst im Weg steht. Genau das macht ihn so interessant. Man ertappt sich immer wieder dabei, den Kopf zu schütteln und gleichzeitig zu denken: Mensch, irgendwie verstehe ich diesen Kerl.

America Fantastica fühlt sich an wie eine Mischung aus Roadmovie, Satire und einer ziemlich ehrlichen Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Zwischen absurden Situationen, bitterer Selbstironie und überraschend leisen Momenten blitzt immer wieder etwas sehr Menschliches auf.

Kein klassischer Pageturner mit Explosionen und Verfolgungsjagden. Dafür ein verdammt kluges, unterhaltsames und manchmal ziemlich melancholisches Buch über Schuld, Stolz und die Kunst, sich selbst zu sabotieren. Und genau deshalb bleibt Boyd Halverson noch eine ganze Weile im Kopf hängen.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Ein Kinderbuch, das Leser selbst zum Helden macht

Die Bibliothek der unendlichen Abenteuer (Band 1) - Das gestohlene Drachenei
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Zwischen raschelnden Buchseiten, geheimnisvollen Regalen und einem frechen Bücherwurm beginnt ein Abenteuer, das uns sofort mitten in die magische Bibliothek gezogen hat. Schon nach den ersten Seiten hatte ...

Zwischen raschelnden Buchseiten, geheimnisvollen Regalen und einem frechen Bücherwurm beginnt ein Abenteuer, das uns sofort mitten in die magische Bibliothek gezogen hat. Schon nach den ersten Seiten hatte mein Neffe große Augen, denn plötzlich waren wir nicht mehr nur Leser, sondern selbst Teil der Geschichte. Genau dieses Gefühl macht das Buch so besonders.

Die direkte Ansprache funktioniert erstaunlich gut. Immer wieder werden kleine Aufgaben eingebaut, die zum Mitmachen einladen. Mal muss man besonders aufmerksam lesen, mal überlegen, wie es weitergehen könnte. Mein Neffe war völlig begeistert davon, dass er selbst helfen durfte, das gestohlene Drachenei zu retten. Dadurch blieb die Spannung konstant hoch und selbst kurze Lesepausen wurden mit einem schnellen Komm, wir müssen weiterlesen beendet.

Auch optisch macht das Buch richtig Spaß. Die Illustrationen sind lebendig, humorvoll und perfekt auf den lockeren Ton der Geschichte abgestimmt. Gerade für Kinder, die sonst nicht sofort zum Buch greifen, ist das Layout angenehm übersichtlich und motivierend.

Die Geschichte selbst ist leicht verständlich, spannend und voller kleiner witziger Momente. Man merkt, dass hier viel Wert darauf gelegt wurde, Kindern das Lesen spielerisch schmackhaft zu machen. Für meinen Neffen war es wie ein kleines Abenteuer zum Mitspielen, bei dem Bücher plötzlich lebendig werden.

Ein wunderbarer Auftakt für eine Reihe, die Lust auf mehr magische Bibliotheksabenteuer macht.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Wenn plötzlich Elefanten im Wohnzimmer stehen

Die Elefanten
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Stell dir vor, du gehst morgens aus dem Haus, willst nur schnell zum Bäcker und plötzlich steht ein Elefant auf dem Marktplatz. Riesig. Grau. Unübersehbar. Und alle tun so, als wäre das völlig normal. ...

Stell dir vor, du gehst morgens aus dem Haus, willst nur schnell zum Bäcker und plötzlich steht ein Elefant auf dem Marktplatz. Riesig. Grau. Unübersehbar. Und alle tun so, als wäre das völlig normal. Genau mit diesem Gefühl spielt dieses Buch und ehrlich gesagt hat mich das ziemlich schnell gepackt.

Die Elefanten tauchen einfach auf. Auf Straßen, in Wohnungen, mitten im Alltag. Aber keiner spricht darüber. Alle schauen weg, machen weiter wie bisher. Diese stille Absurdität hat mich beim Lesen gleichzeitig zum Schmunzeln und zum Kopfschütteln gebracht. Weil man irgendwann merkt, dass diese Elefanten eigentlich gar keine Tiere sind.

Mittendrin steht Pawel, ein Stand up Comedian, der das Schweigen nicht aushält. Auf der Bühne spricht er aus, was alle sehen, aber keiner sagen will. Während ich das gelesen habe, dachte ich mehrfach: Junge, halt doch einfach den Mund. Aber genau das kann er nicht. Und genau deshalb wird es gefährlich.

Sasha Filipenko schreibt klar, direkt und manchmal fast beiläufig, während einem innerlich langsam dämmert, wie bitter ernst diese Geschichte eigentlich ist. Zwischen absurden Szenen, trockenem Humor und stiller Verzweiflung steckt eine ziemlich starke Gesellschaftskritik.

Besonders hängen geblieben ist dieses Gefühl von Beklemmung. Dieses Wissen, dass alle wissen, was los ist, aber trotzdem keiner den Mund aufmacht. Und dann steht da dieser eine Typ mit Mikrofon auf der Bühne und sagt einfach: Leute, da steht ein verdammter Elefant.

Ein ruhiges, kluges und gleichzeitig ziemlich mutiges Buch. Kein lauter Roman, aber einer, der lange im Kopf herumtrampelt.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Familie, Mord und ein Capitano der lieber seine Ruhe gehabt hätte

Die Familie sehen und sterben
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Capitano Rossi steht plötzlich mitten in einem Mordfall und eigentlich merkt man sofort: Der Mann hat damit ungefähr so viel gerechnet wie mit Schnee im Hochsommer. Zwei Tote innerhalb weniger Stunden ...

Capitano Rossi steht plötzlich mitten in einem Mordfall und eigentlich merkt man sofort: Der Mann hat damit ungefähr so viel gerechnet wie mit Schnee im Hochsommer. Zwei Tote innerhalb weniger Stunden im beschaulichen Tessin? Klingt erst mal nach Zufall. Aber schnell wird klar, hier brodelt mehr unter der Oberfläche als ein Espresso in einer italienischen Bar.

Capitano Enzo Rossi ist dabei ein herrlich unperfekter Ermittler. Ein bisschen eingerostet, ein bisschen stur und mit einer ordentlichen Portion Improvisation unterwegs. Genau das macht ihn aber so sympathisch. Während seine ehrgeizige Assistentin Gemma Crivelli schon längst im Ermittlungsmodus ist, stolpert Rossi eher in die Sache hinein und merkt dabei langsam, dass der Fall ihm näher kommt als ihm lieb ist.

Besonders stark ist die Atmosphäre. Toni Rivera schafft es mühelos, dieses sonnige Tessin mit all seinen engen Gassen, alten Familiengeschichten und unterschwelligen Spannungen lebendig werden zu lassen. Man spürt förmlich, dass hinter vielen Fassaden mehr steckt, als man auf den ersten Blick sieht.

Und dann kommt der Moment, in dem Rossi merkt, dass seine eigene Familie in den Fall verwickelt sein könnte. Spätestens da zieht die Geschichte richtig an. Loyalität, alte Rechnungen und dunkle Geheimnisse mischen sich zu einem Krimi, der nicht nur spannend ist, sondern auch richtig persönlich wird.

Die Mischung aus trockenem Humor, starken Figuren und einer Geschichte voller Familienbande macht diesen Auftakt unglaublich unterhaltsam. Capitano Rossi hat definitiv das Zeug dazu, ein Ermittler zu werden, mit dem man noch viele Fälle verbringen möchte. Und ganz ehrlich: Wenn der zweite Band kommt, steht er bei mir schneller im Regal als der Espresso auf dem Tisch.

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