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Veröffentlicht am 09.03.2026

Zwischen zwei Welten und keinem sicheren Zuhause

Zugwind
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Ein kalter Luftzug, der sich langsam durch jede Ritze schiebt und irgendwann das ganze Leben erfasst. Genau dieses Gefühl hat mich beim Lesen von Zugwind begleitet. Die Geschichte von Mira hat sich leise ...

Ein kalter Luftzug, der sich langsam durch jede Ritze schiebt und irgendwann das ganze Leben erfasst. Genau dieses Gefühl hat mich beim Lesen von Zugwind begleitet. Die Geschichte von Mira hat sich leise und doch mit großer Wucht in mein Herz geschlichen.

Mira lebt ein scheinbar geordnetes Leben in Deutschland. Hausärztin, Mutter, Ehefrau. Doch während sie versucht, ihren Alltag zwischen Praxis, Familie und Verpflichtungen zu meistern, brennt in ihrer Heimat Ukraine der Krieg. Die Nachrichten, die Sorgen um Familie und Freunde und die Schuldgefühle darüber, selbst in Sicherheit zu sein, ziehen sich durch jede Seite wie ein unsichtbarer Faden.

Besonders berührend fand ich, wie nah die Autorin an Miras innerer Zerrissenheit bleibt. Die Praxis wird zu einem Ort voller Geschichten, Ängste und Hoffnung, wenn ukrainische Patienten Hilfe suchen. Gleichzeitig kämpft Mira mit ihren eigenen Gefühlen zwischen Trauer, Wut und der Sehnsucht nach dem Leben, das sie zurücklassen musste.

Die Sprache wirkt dabei ruhig, fast zurückhaltend, und gerade dadurch unglaublich intensiv. Viele Szenen fühlen sich so authentisch an, als würde man Mira still durch ihren Alltag begleiten. Man spürt ihre Müdigkeit, ihre Überforderung und auch ihre kleinen Momente von Wärme und Menschlichkeit.

Zugwind ist kein lauter Roman. Es ist eine leise, nachdenkliche Geschichte über Heimat, Verlust und die schwierige Frage, wo man eigentlich hingehört, wenn das eigene Herz zwischen zwei Welten schlägt.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Wenn die Chefetage plötzlich ziemlich menschlich wirkt

Können Sie mich sehen?
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Ganz oben in den Chefetagen weht bekanntlich ein ziemlich eigener Wind. Da fliegen Begriffe wie agil, proaktiv und skalierbar durch die Luft, während irgendwo jemand versucht, mit möglichst gerader Krawatte ...

Ganz oben in den Chefetagen weht bekanntlich ein ziemlich eigener Wind. Da fliegen Begriffe wie agil, proaktiv und skalierbar durch die Luft, während irgendwo jemand versucht, mit möglichst gerader Krawatte nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. Genau in diese Welt wirft Martin Suter einen Blick und macht daraus ein ziemlich unterhaltsames Gedankenspiel.

Können Sie mich sehen? ist kein klassischer Roman, sondern eher eine Sammlung pointierter Beobachtungen über die Welt der Manager. Diese kleine Parallelwelt, in der Meetings länger dauern als so mancher Kinofilm und in der ein falsches Wort schon reichen kann, um vom Olymp der Entscheidungsträger direkt in die Bedeutungslosigkeit zu purzeln. Während man liest, nickt man öfter mal grinsend vor sich hin, weil vieles erstaunlich vertraut wirkt.

Besonders charmant ist, wie Suter diese Businesssprache aufs Korn nimmt. Da wird analysiert, optimiert und transformiert, bis man sich irgendwann fragt, ob eigentlich noch jemand weiß, worum es ursprünglich ging. Gleichzeitig schwingt immer ein leiser Humor mit, der nie laut wird, aber genau deshalb so gut funktioniert.

Auch die Veränderungen in der Arbeitswelt spielen eine Rolle. Homeoffice, neue Dynamiken, mehr Frauen in Führungspositionen. Plötzlich wackeln alte Gewissheiten und manche der Herren in den oberen Etagen wirken ein bisschen wie Leute, die ihr Navigationsgerät verloren haben.

Beim Lesen hatte ich öfter dieses Gefühl von stillem Schmunzeln. Kein lautes Gelächter, eher dieses angenehme Grinsen, wenn jemand die Dinge auf den Punkt bringt. Suter beobachtet scharf, schreibt elegant und trifft mit vielen kleinen Szenen erstaunlich genau ins Schwarze.

Am Ende bleibt ein Buch, das man schnell durchliest, das aber trotzdem nachhallt. Weil es mit viel Witz zeigt, wie absurd manche Mechaniken der Arbeitswelt eigentlich sind. Und weil man sich beim Zuklappen denkt: Tja, so weit weg von der Realität ist das alles wahrscheinlich gar nicht.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Wenn Jack the Ripper plötzlich Töchter hat

Ripper's Daughters Gesamtausgabe
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Nebel über London, Kopfsteinpflaster, düstere Gassen und mittendrin ein Name, der sofort Gänsehaut verursacht. Jack the Ripper. Und dann kommt Markus Heitz um die Ecke und denkt sich einfach mal: Was wäre, ...

Nebel über London, Kopfsteinpflaster, düstere Gassen und mittendrin ein Name, der sofort Gänsehaut verursacht. Jack the Ripper. Und dann kommt Markus Heitz um die Ecke und denkt sich einfach mal: Was wäre, wenn dieser Mann Töchter hatte? Töchter mit Fähigkeiten, die alles andere als normal sind. Genau hier beginnt der wilde Ritt.

Die Geschichte springt zwischen dem London von 1904 und der Gegenwart hin und her. Reporterin Beth und Lady Cassandra entdecken Stück für Stück, dass sie mehr verbindet als nur ein schockierendes Familiengeheimnis. Währenddessen stolpert in Hamburg die junge Ella in eine Wahrheit hinein, die ihr Leben komplett auf links dreht. Familiengeschichte kann kompliziert sein. Aber wenn dein Vorfahre Jack the Ripper ist, wird es schnell… sagen wir mal… eskalierend.

Was Markus Heitz hier auffährt, fühlt sich an wie eine Mischung aus viktorianischem Mysterykrimi, düsterer Urban Fantasy und einer Prise Verschwörungsthriller. Die Atmosphäre ist herrlich finster. London wirkt lebendig, dreckig und geheimnisvoll, genau so wie man es sich wünscht. Man merkt schnell, dass hier jemand schreibt, der Spaß daran hat, mit historischen Mythen zu spielen.

Besonders stark fand ich die Idee mit den übersinnlichen Fähigkeiten der Schwestern. Jede Fähigkeit hat ihren Preis und genau das macht die Sache spannend. Keine Superhelden, sondern Figuren, die mit ihren Kräften genauso kämpfen wie mit ihrer Herkunft.

Und dann dieser Gedanke, der einem immer wieder im Kopf herumspukt: Vielleicht hat Jack the Ripper damals gar nicht aus purem Wahnsinn gemordet. Vielleicht steckte etwas viel Größeres dahinter.

Unterm Strich ist Ripper's Daughters eine herrlich düstere, kreative und manchmal ziemlich abgefahrene Reise durch Geschichte, Geheimnisse und eine verdammt ungewöhnliche Familie. Genau die Art von Buch, bei der man nach ein paar Seiten merkt, dass der Abend wohl länger wird als geplant.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Briefe voller Funken und unausgesprochener Gefühle

Feuerfeder - Briefe an den König
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Zwischen funkelnden Worten und leisen Gefühlen entfaltet sich eine Geschichte, die sich anfühlt wie ein geflüsterter Brief bei Kerzenschein. Feuerfeder Briefe an den König beginnt beinahe unscheinbar mit ...

Zwischen funkelnden Worten und leisen Gefühlen entfaltet sich eine Geschichte, die sich anfühlt wie ein geflüsterter Brief bei Kerzenschein. Feuerfeder Briefe an den König beginnt beinahe unscheinbar mit einem gefundenen Mörser auf einem Acker und entwickelt daraus ein zartes, kluges Spiel aus Widerspruch, Stolz und unerwarteter Nähe.

Die Briefe zwischen der Protagonistin und König Laurent tragen die Handlung mit einer Intensität, die mich schnell in ihren Bann gezogen hat. Jeder Austausch wirkt wie ein kleines Gefecht aus Worten, voller Ironie, Trotz und unterschwelliger Spannung. Besonders faszinierend ist dabei die Dynamik zwischen beiden Figuren. Laurent ist nicht der klassische Märchenkönig, sondern ein widersprüchlicher Charakter, der zwischen Macht, Sturheit und verletzlicher Neugier schwankt.

Während die Geschichte voranschreitet, wächst nicht nur die politische Spannung, sondern auch eine leise, gefährliche Anziehung. Genau dieses langsame Annähern hat mich besonders berührt. Es knistert zwischen den Zeilen, manchmal zart, manchmal wie ein Funke, der jederzeit ein größeres Feuer entfachen könnte.

Anne Danck schafft eine Atmosphäre, die sich märchenhaft und zugleich erstaunlich menschlich anfühlt. Manche Passagen hätten für meinen Geschmack etwas mehr Tempo vertragen, doch die emotionale Tiefe, der poetische Ton und die ungewöhnliche Erzählform haben mich dennoch verzaubert.

Eine Geschichte über Mut zum Widerspruch, über Stolz, Worte und darüber, dass selbst zwischen Feuer und Papier etwas Wunderschönes entstehen kann.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Die Schweiz wie man sie garantiert noch nie gesehen hat

DUMONTs Unnützes Reisewissen Schweiz
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Manchmal stolpert man über ein Buch und denkt sich: Das brauche ich eigentlich nicht. Zwei Seiten später sitzt man grinsend auf dem Sofa und merkt, dass man es offenbar doch ganz dringend gebraucht hat. ...

Manchmal stolpert man über ein Buch und denkt sich: Das brauche ich eigentlich nicht. Zwei Seiten später sitzt man grinsend auf dem Sofa und merkt, dass man es offenbar doch ganz dringend gebraucht hat. Genau so ging es mir mit DUMONTs Unnützes Reisewissen Schweiz.

Die Schweiz kennt man ja irgendwie. Berge, Käse, Uhren, ein bisschen Alpenromantik und sehr viel Ordnung. Dachte ich zumindest. Und dann kommt dieses Buch daher und wirft einem eine Ladung völlig absurder, kurioser und herrlich unnützer Fakten um die Ohren. Plötzlich gibt es ein Museum, in dem absolut nichts ausgestellt wird. Eine Treppe, die scheinbar nie endet. Sherlock Holmes hat dort gleich zwei Arbeitszimmer. Und irgendwo in den Alpen besitzt der Dalai Lama den kleinsten Weinberg der Welt. Spätestens da sitzt man da, schüttelt den Kopf und denkt: Wie genial ist das denn bitte?

Genau das ist die große Stärke dieses Buches. Es nimmt die Schweiz, dieses scheinbar so perfekte Postkartenland, und zeigt sie von ihrer schrägen, überraschenden und manchmal herrlich absurden Seite. Kurze Geschichten, skurrile Details und kleine Anekdoten, die man sofort weitererzählen möchte. Ich habe mich mehr als einmal dabei ertappt, wie ich laut vorgelesen habe, einfach weil dieser Fakt gerade zu gut war, um ihn für mich zu behalten.

Perfekt ist das Ganze für Zugfahrten, für den Strand, für ein paar Minuten auf dem Sofa oder für genau diesen Moment, wenn man auf einer Party plötzlich mit völlig unnützem Wissen glänzen möchte. Und ja, genau dann merkt man, wie viel Spaß unnützes Wissen eigentlich macht.

Diese Reihe kann man nur lieben ❤️

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