Geschichten, die nicht schreien müssen, um zu bleiben
Unter derselben SonneIch dachte, ich les da mal eben rein, ein bisschen Biografie, bisschen Kultur, fertig. Stattdessen hat mir Nadège Kusanika mit Unter derselben Sonne literarisch so liebevoll eine gescheuert, dass ich zwischendurch ...
Ich dachte, ich les da mal eben rein, ein bisschen Biografie, bisschen Kultur, fertig. Stattdessen hat mir Nadège Kusanika mit Unter derselben Sonne literarisch so liebevoll eine gescheuert, dass ich zwischendurch lachen, schlucken und kurz mal meine Komfortzone durchlüften musste. Die Frau schreibt, als würde sie mir direkt gegenüber am Küchentisch sitzen – zwischen Süßkartoffelblättern, Kindheitserinnerungen und deutschem Kantinenessen.
Was mich besonders abgeholt hat: diese Mischung aus poetischer Melancholie und trockenem Humor. Man merkt, da ist jemand nicht einfach „gekommen“, sondern dazwischengewachsen – zwischen Kongo und Deutschland, Mango und Mettbrötchen. Und das erzählt sie ohne Pathos, aber mit verdammt viel Herz.
Ja, klar, manches Kapitel wirkt fast zu leise, zu sanft – aber vielleicht ist genau das die Stärke. Kein großes Drama, sondern echtes Leben. Und das knallt dann eben auf die ganz stille Tour.
Ich hätte mir hier und da etwas mehr narrative Struktur gewünscht, manchmal irrt man ein bisschen zwischen den Erinnerungen umher wie ein Tourist ohne Google Maps – aber hey, vielleicht ist das Absicht. Identität findet man schließlich auch nicht auf geradem Weg.
Unterm Strich: Ein starkes Debüt, das auf charmante Art unbequem ist – wie neue Schuhe, die man trotzdem liebt. Ein Buch, das gleichzeitig brennt und wärmt. Und definitiv nicht nur für Leute, die „Was mit Migration“ lesen wollen.
Ich sag mal so: Lesen bildet. In diesem Fall auch ein kleines bisschen Demut.